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2017/12/14 - 05:22

"Die Tür des Zimmers…" (II, 27)

Die Tür des Zimmers ist einen Spalt weit geöffnet, auf dem Korridor ist finster trotzdem schon heller Tag ist. Nur undeutlich sehe ich dort ein dunkles Gesicht, zwei gelblich leuchtende Hände, die sich an den Türpfosten und die Türklinke halten. Die Erscheinung wird bald verschwinden, schon in dem Augenblick als sie sich zeigte, schien sie zu zittern....................... verschwinden. Sie hat aber einen Auftrag an mich und so muß sie noch bleiben... .......... und sich wehren gegen die Finsternis, die ihrerseits danach strebt sie aufzu......................... .... in meinem Bett weit vorgebeugt, denn die Stimme ist schwach................................ von weit her um Dich zu sehn. Man hat mir Dich als schwach und .............................. aber mit Recht, wie ich sehe, aber ich machte mir ein noch viel ärgeres.... ...................... bin ich doch mit Deinem Anblick noch nicht ganz unzufrieden................. .................., daß ich Dich überhaupt gefunden habe, wie lange suche.......................... ........... der Welt. Der......................

................... ig den Auftrag zu bek.......

................................. t der Götter beschlossen..................................

..... sich P. und gab mir.....................

Es ist eine....................... .............. schlank, ist sie doch stark geschnürt, ich sehe sie immer im gleichen Kleid, es ist aus gelblich-grauem, gewissermaßen holzfarbigem Stoff und ist ein wenig mit Troddeln oder knopfartigen Behängen von gleicher Farbe versehn; sie ist immer ohne Hut, das stumpfblonde Haar ist glatt und nicht unordentlich, aber sehr locker gehalten. Trotzdem sie geschnürt ist, ist sie doch leicht beweglich, sie übertreibt freilich diese Beweglichkeit, gern hält sie die Hände in den Hüften und wendet den Oberkörper mit einem Wurf überraschend schnell seitlich. Den Eindruck, den ihre Hand auf mich macht, kann ich nur wiedergeben, wenn ich sage, daß ich gewissermaßen noch keine Hand gesehen habe, bei der die einzelnen Finger derart scharf von einander getrennt wären, wie bei der ihren. Doch hat ihre Hand keineswegs irgendeine anatomische Merkwürdigkeit, es ist eine völlig normale Hand. Diese kleine Frau nun ist mit mir sehr unzufrieden, immer hat sie etwas an mir auszusetzen, immer geschieht ihr Unrecht von mir, ich ärgere sie auf Schritt und Tritt; wenn man das Leben in allerkleinste Teile teilen und jedes Teilchen gesondert beurteilen könnte, wäre gewiß jedes Teilchen meines Lebens für sie ein Ärgernis. Ich habe oft darüber nachgedacht, warum sie sich denn so ärgert, mag sein daß alles an mir ihrem Schönheitssinn, ihrem Gerechtigkeitsgefühl, ihren Gewohnheiten, ihren Überlieferungen, ihren Hoffnungen widerspricht, es gibt derartige einander widersprechende Naturen, aber warum leidet sie so sehr darunter Es besteht ja gar keine Beziehung zwischen uns, die sie zwingen würde durch mich zu leiden. Sie müßte sich nur entschließen mich als völlig Fremden anzusehn, der ich ja auch bin und der ich gegen einen solchen Entschluß mich nicht wehren, sondern ihn sehr begrüßen würde, sie müßte sich nur entschließen meine Existenz zu vergessen, die ich ihr ja niemals aufgedrängt habe oder aufdrängen würde, und alles Leid wäre offenbar vorüber. Ich sehe hiebei ganz von mir ab und davon daß ihr Verhalten natürlich auch mir peinlich ist, ich sehe davon ab weil ich ja wohl erkenne, daß alle diese Peinlichkeit nichts ist im Vergleich zu ihrem Leid. Wobei ich mir allerdings dessen durchaus bewußt bin, daß es kein liebendes Leid ist, es liegt ihr gar nichts daran mich wirklich zu verbessern, zumal ja auch alles, was sie an mir aussetzt nicht von einer derartigen Beschaffenheit ist, daß mein Fortkommen dadurch gestört würde. Aber mein Fortkommen kümmert sie eben auch nicht, sie kümmert nichts anderes als ihr persönliches Interesse, nämlich die Qual zu rächen die ich ihr bereite, und die Qual, die ihr in Zukunft von mir droht zu verhindern. Ich habe schon einmal versucht, sie darauf hinzuweisen, wie diesem fortwährenden Ärger am besten ein Ende gemacht werden könnte, doch habe ich sie gerade dadurch in eine derartige zornige Aufwallung gebracht, daß ich den Versuch nicht mehr wiederholen werde. Auch liegt ja eine gewisse Verantwortung auf mir, denn so fremd mir die kleine Frau auch ist und so sehr die einzige Beziehung, die zwischen uns besteht, der Ärger ist, den ich ihr bereite oder vielmehr der Ärger den sie sich von mir bereiten läßt, kann es mir doch nicht gleichgültig sein, wie sie sichtbar unter diesem Ärger auch körperlich leidet. Es kommen hie und da, sich mehrend in letzter Zeit, Nachrichten zu mir, daß sie wieder einmal am Morgen bleich, übernächtig, von Kopfschmerzen gequält und fast arbeitsunfähig gewesen sei; sie macht damit natürlich ihren Angehörigen Sorgen, man rät hin und her nach den Ursachen ihres Zustandes und hat sie bisher noch nicht gefunden. Ich allein kenne sie, es ist der alte und immer neue Ärger. Nun teile ich freilich die Sorgen ihrer Angehörigen nicht ganz, sie ist stark und zäh, wer sich so zu ärgern vermag, vermag wahrscheinlich auch die Folgen des Ärgers zu überwinden, ich habe sogar den Verdacht, daß sie sich – wenigstens zum Teil – nur leidend stellt, um auf diese Weise den Verdacht der Welt auf mich hinzulenken. Offen zu sagen, wie ich sie durch mein Dasein quäle, ist sie zu stolz, an andere meinetwegen zu appellieren, würde sie als eine Herabwürdigung ihrer selbst empfinden, nur aus Widerwillen, aus einem nicht aufhörenden, ewig sie antreibenden Widerwillen beschäftigt sie sich mit mir, diese unreine Sache auch noch vor der Öffentlichkeit zu besprechen, das wäre für ihre Scham zu viel. Aber es ist doch auch zu viel, von der Sache ganz zu schweigen, unter deren unaufhörlichem Druck sie steht. Und so versucht sie in ihrer Frauenschlauheit einen Mittelweg; schweigend, nur durch die äußern Zeichen eines geheimen Leides will sie die Angelegenheit vor das Gericht der Öffentlichkeit bringen. Vielleicht hofft sie sogar, daß, wenn die Öffentlichkeit einmal ihren vollen Blick auf mich richtet, ein allgemeiner öffentlicher Ärger gegen mich entstehen und mit seinen großen Machtmitteln mich bis zur vollständigen Endgültigkeit viel kräftiger und schneller richten wird, als es ihr verhältnismäßig doch schwacher privater Ärger vermag. Dann wird sie sich zurückziehn, aufatmen und mir den Rücken kehren. Nun, sollten dies wirklich ihre Hoffnungen sein, so täuscht sie sich. Die Öffentlichkeit wird nicht ihre Rolle übernehmen, die Öffentlichkeit wird niemals so unendlich viel an mir auszusetzen haben, auch wenn sie mich unter ihre stärkste Lupe nimmt. Ich bin kein so unnützer Mensch wie sie glaubt; ich will mich nicht rühmen und besonders nicht in diesem Zusammenhang, ich will also nicht sagen daß ich durch besondere Brauchbarkeit ausgezeichnet bin, gewiß aber ist daß ich auch gegenteilig nicht auffallen werde, nur für sie, für ihre fast weißstrahlenden Augen bin ich so, niemanden andern wird sie davon überzeugen können. Also könnte ich in dieser Hinsicht völlig beruhigt sein? Ich kann es doch nicht sein. Denn wenn es wirklich bekannt wird, daß ich sie geradezu krank mache durch mein Benehmen – und einige Aufpasser, eben die fleißigsten Nachrichtenüberbringer, sind schon nahe daran es zu durchschauen oder sie stellen sich wenigstens so als durchschauten sie es – und es kommt die Welt und wird mir die Frage stellen, warum ich denn die arme kleine Frau durch meine Unverbesserlichkeit quäle und ob ich etwa sie bis in den Tod zu treiben beabsichtige und wann ich endlich die Vernunft und das einfache menschliche Mitgefühl haben werde damit aufzuhören – wenn mich die Welt so fragen wird, es wird schwer sein ihr zu antworten. Soll ich dann eingestehen, daß ich an jene Krankheitszeichen nicht sehr glaube und soll ich damit den unangenehmen Eindruck hervorrufen daß ich, um von einer Schuld loszukommen, andere beschuldige und gar in so unfeiner Weise? Und könnte ich etwa gar offen sagen, daß ich selbst wenn ich an ein wirkliches Kranksein glaubte, nicht das geringste Mitgefühl hätte, da mir ja die kleine Frau völlig fremd ist und die Beziehung die zwischen uns besteht, nur von ihr hergestellt ist und nur von ihrer Seite aus besteht. Ich will nicht sagen, daß man mir nicht glauben würde, man würde mir vielmehr weder glauben noch nicht glauben, man käme gar nicht so weit, daß davon die Rede sein könnte, man würde lediglich die Antwort registrieren, die ich hinsichtlich einer schwachen kranken Frau gegeben habe und das wäre wenig günstig für mich. Hier wie bei jeder andern Antwort wird mir eben hartnäckig in die Quere kommen die Unfähigkeit der Welt in einem Fall wie diesem den Verdacht einer Liebesbeziehung nicht aufkommen zu lassen, trotzdem es bis zur äußersten Deutlichkeit offen zutage liegt daß eine solche Beziehung nicht besteht und daß, wenn sie bestehen würde, sie eher noch auf meiner Seite wäre, der ich tatsächlich die kleine Frau in der Schlagkraft ihres Urteils und in der Unermüdlichkeit ihrer Folgerungen immerhin zu bewundern fähig wäre, wenn ich nicht eben durch ihre Vorzüge immerfort gestraft würde. Bei ihr aber ist keine Spur einer freundlichen Beziehung zu mir vorhanden, darin ist sie aufrichtig und wahr, darauf ruht meine letzte Hoffnung, nicht einmal wenn es in ihren Kriegsplan passen würde, an eine solche Beziehung zu mir glauben zu machen, würde sie sich soweit vergessen, etwas derartiges zu tun. Aber die in dieser Richtung völlig stumpfe Öffentlichkeit wird bei ihrer Meinung bleiben und immer gegen mich entscheiden. So bliebe mir eigentlich doch nur übrig, rechtzeitig, ehe die Welt eingreift, mich soweit zu bessern daß ich nicht etwa ihren Ärger beseitige, was unmöglich ist, aber ein wenig mildere. Und ich habe mich tatsächlich oft gefragt, ob mich denn mein gegenwärtiger Zustand so befriedige, daß ich ihn gar nicht ändern wollte und ob es denn nicht möglich wäre, gewisse Änderungen an mir vorzunehmen, auch wenn ich es nicht täte, weil ich von ihrer Notwendigkeit überzeugt wäre, sondern nur um die Frau zu besänftigen. Und ich habe es ehrlich versucht, mit Mühe und Sorgfalt, die Änderungen ergaben sich, waren weithin sichtbar, ich mußte die Frau nicht auf sie aufmerksam machen, sie merkt alles derartige früher als ich, sie merkt schon den Ausdruck der Absicht in meinem Wesen, aber ein Erfolg war mir nicht beschieden. Wie wäre es auch möglich? Die Unzufriedenheit der kleinen Frau mit mir ist ja wie ich jetzt schon einsehe eine grundsätzliche, nichts kann sie beseitigen, nicht einmal die Beseitigung meiner selbst, ihre Wutanfälle etwa bei der Nachricht meines Selbstmordes wären grenzenlos. Nun kann ich mir nicht vorstellen, daß sie, diese scharfsinnige Frau dies nicht ebenso einsieht wie ich undzwar sowohl die Aussichtslosigkeit ihrer Bemühungen als auch meine Unschuld, meine Unfähigkeit selbst bei bestem Willen ihren Forderungen zu entsprechen. Gewiß sieht sie es ein, aber als Kämpfernatur vergißt sie es in der Leidenschaft des Kampfes und meine unglückliche Methode, die ich aber nicht anders wählen kann, denn sie ist mir nun einmal so gegeben, besteht darin, daß ich jemandem der außer Rand und Band geraten ist, eine leise Mahnung zuflüstern will. Auf diese Weise werden wir uns natürlich nie verständigen. Immer wieder werde ich etwa im Glück der ersten Morgenstunden aus dem Hause treten und dieses um meinetwillen vergrämte Gesicht auf mich gerichtet sehn, die verdrießlich aufgestülpten Lippen, den prüfenden und schon vor der Prüfung das Ergebnis kennenden Blick, der über mich hinfährt und dem selbst bei größter Flüchtigkeit nichts entgeht, das bittere in die mädchenhafte Wange sich einbohrende Lächeln, das klagende Aufschauen zum Himmel, das Einlegen der Hände in die Hüften um sich zu festigen und dann in der Empörung das Bleichwerden und Erzittern. Letzthin machte ich, überhaupt zum erstenmal wie ich mir bei dieser Gelegenheit erstaunt eingestand, einem guten Freund einige Andeutungen von dieser Sache, nur nebenbei, leicht, mit paar Worten, ich drückte die Bedeutung des Ganzen, so klein sie für mich im Grunde ist, noch ein wenig unter die Wahrheit herab. Sonderbar, daß der Freund trotzdem nicht darüber hinweghörte ja sogar aus eigenem der Sache an Bedeutung hinzugab, sich nicht ablenken ließ und dabei verharrte. Noch sonderbarer allerdings daß er trotzdem in einem entscheidenden Punkt die Sache unterschätzte, denn er riet mir nichts weiter als ein wenig zu verreisen. Kein Rat könnte unverständiger sein, die Dinge liegen zwar einfach, jeder kann sie wenn er näher hinzutritt durchschauen, aber so einfach sind sie doch auch nicht, daß durch mein Weg fahren alles in Ordnung käme. Im Gegenteil, vor dem Wegfahren muß ich mich eher hüten; wenn ich überhaupt irgendein System befolgen soll, dann jedenfalls das, die Sache in ihren bisherigen, engen, die Außenwelt noch nicht einbeziehenden Grenzen zu halten, also ruhig zu bleiben wo ich bin, keine großen durch diese Sache veranlaßten, auffallenden Veränderungen zuzulassen, wozu auch gehört, mit niemandem davon zu sprechen, aber nicht deshalb weil es irgendein gefährliches Geheimnis wäre, sondern deshalb weil es eine kleine rein persönliche und als solche immerhin leicht zu tragende Angelegenheit ist und weil sie dieses auch bleiben soll. Darin waren die Bemerkungen des Freundes doch nicht ohne Nutzen, sie haben mich nichts Neues gelehrt, aber mich in meiner Grundansicht bestärkt. Wie es sich ja vielleicht überhaupt bei genauerem Nachdenken zeigt, daß die Veränderungen, welche die Sachlage im Laufe der Zeit erfahren zu haben scheint, keine Veränderungen der Sache selbst sind, sondern nur die Entwicklung meiner Anschauung von der Sache insofern als diese Anschauung in einer Hinsicht ruhiger, männlicher wird und sich so dem Kern nähern kann, in anderer Hinsicht allerdings auch unter dem nicht zu verwindenden Einfluß der fortwährenden Erschütterungen, seien diese auch noch so leicht, eine gewisse Nervosität annimmt. Ruhiger werde ich der Sache gegenüber, indem ich zu erkennen glaube, daß eine Entscheidung, so nahe sie bevorzustehen scheint, doch wohl noch nicht kommen wird, man ist leicht geneigt, besonders in jungen Jahren, das Tempo, in dem Entscheidungen kommen, sehr zu überschätzen; wenn einmal meine kleine Richterin, schwach geworden durch meinen Anblick, seitlich in den Sessel sank, mit der einen Hand sich an der Rückenlehne festhielt, mit der andern an ihrem Schnürleib nestelte und paar Tränen des Zornes und der Verzweiflung ihr die Wangen hinabrollten, dachte ich immer, nun sei die Entscheidung da und ich würde gleich vorgerufen werden mich zu verantworten. Aber nichts von Entscheidung, nichts von Verantwortung, Frauen wird leicht übel, die Welt hat nicht Zeit, auf alle Fälle aufzupassen. Und was ist im Grunde im Laufe der Jahre geschehn? Nichts weiter als daß sich solche Fälle wiederholten, einmal stärker, einmal schwächer, und daß nun also ihre Gesamtzahl größer ist. Und daß paar Leute sich in der Nähe herumtreiben und gern eingreifen würden, wenn sie eine Möglichkeit dazu sehen würden, aber sie sehen nichts, bisher verlassen sie sich nur auf ihre Witterung und Witterung allein genügt zwar um ihren Besitzer zu unterhalten, aber zu anderem taugt sie nicht. Und so war es im Grunde immer, immer gab es diese unnützen Eckensteher und Lufteinatmer, welche ihre Nähe immer auf irgendeine überschlaue Weise, am liebsten durch Verwandtschaft entschuldigen, immer haben sie aufgepaßt, immer haben sie die Nase voll Witterung gehabt, aber das Ergebnis alles dessen ist nur daß sie noch immer da stehn. Der Unterschied ist nur, daß ich sie allmählich erkannt habe, ihre Gesichter unterscheide, früher habe ich geglaubt, sie seien allmählich zusammengekommen, die Ausmaße der Angelegenheit vergrößerten sich und würden von selbst die Entscheidung erzwingen, heute glaube ich zu wissen, daß das alles von altersher da war und mit dem Herankommen der Entscheidung sehr wenig oder nichts zu tun hat. Und die Entscheidung selbst, warum benenne ich sie mit einem so großen Wort? Wenn es einmal – und gewiß nicht morgen und übermorgen und wahrscheinlich niemals – dazu kommen sollte, daß sich doch die Öffentlichkeit mit dieser Sache, für die sie, wie ich immer wiederholen werde, nicht zuständig ist, beschäftigen sollte, werde ich zwar nicht unbeschädigt aus dem Verfahren hervorkommen, aber es wird doch wohl in Betracht gezogen werden daß ich der Öffentlichkeit nicht unbekannt bin, in ihrem vollen Lichte seit jeher lebe, vertrauensvoll und Vertrauen verdienend und daß deshalb diese nachträglich hervorgekommene leidende kleine Frau, die nebenbei gesagt ein anderer als ich vielleicht längst als Klette erkannt und für die Öffentlichkeit völlig geräuschlos unter seinem Stiefel zertreten hätte, daß diese Frau doch schlimmstenfalls nur einen kleinen häßlichen Schnörkel zu dem Diplom hinzufügen könnte, in welchem mich die Öffentlichkeit längst als ihr achtungswertes Mitglied erklärt. Das ist der heutige Stand der Dinge, der also gewiß wenig geeignet ist mich zu beunruhigen. Daß ich im Laufe der Jahre doch ein wenig unruhig geworden bin, hat mit der eigentlichen Bedeutung der Sache gar nichts zu tun, man hält es einfach nicht aus jemanden immerfort zu ärgern, selbst wenn man die eigentliche Grundlosigkeit des Ärgers wohl erkennt, man wird unruhig, man fängt an, gewissermaßen nur körperlich, nach Entscheidungen zu lauern, auch wenn man an ihr Kommen vernünftiger Weise nicht sehr glaubt. Zum Teil handelt es sich aber auch nur um eine Alterserscheinung, die Jugend kleidet alles gut, unschöne Einzelnheiten verlieren sich in der unaufhörlichen Kraftquelle der Jugend, mag einer als Junge einen etwas lauernden Blick gehabt haben, er ist ihm nicht übel genommen, er ist gar nicht bemerkt worden, nicht einmal von ihm selbst, aber was im Alter übrig bleibt sind Reste, jeder ist nötig, keiner wird erneut, jeder bleibt unter Beobachtung und der lauernde Blick eines alternden Mannes ist eben ein ganz deutlich lauernder Blick und es ist nicht schwierig ihn festzustellen. Nur ist es eben auch hier keine wirkliche sachliche Verschlimmerung. Von wo aus also ich es auch ansehe, immer geht wieder hervor und dabei bleibe ich, daß, wenn ich mit der Hand auch nur ganz leicht diese kleine Sache verdeckt halte, ich noch sehr lange ungestört von der Welt mein bisheriges Leben ruhig werde fortsetzen dürfen trotz allen Tobens der Frau.

Benehmen verdächtig war, trat ihm sofort entgegen. Zwar schob ihn der Mann unwillig bei Seite und ging weiter, aber da diese Schaustellung äußerst sorgfältig eingerichtet war und der Hungerkünstler bei seinen übermenschlichen Leistungen auch tatsächlich eines ausreichenden Schutzes bedurfte, waren gleich von allen Seiten einige Angestellte bei der Hand, welche dem Mann den Weg nun sehr energisch verstellten. Sie wußten allerdings nicht genau, was ihren Verdacht erregte, es lag hiefür mancherlei vor, wenn man wollte, aber auch nichts. Am verdächtigsten, aber eigentlich nur in einer kindischen Weise verdächtig war das rote Haar des Besuchers und die Sonderbarkeit, daß er, was allerdings auch sonst in dem ungeheuern Saal mancher unterließ, den Hut nicht abnahm. Unter dem Hut aber lugten an zwei, drei Stellen winzige mit Bast umflochtene Zöpfchen hervor und ließen vermuten daß die ganze mächtige Haarfülle unter dem großen Hut auf diese allerdings sehr sonderbare, aber vom Standpunkt der Saalangestellten doch nur harmlose Weise bearbeitet war. Wie es aber auch sein mochte, jedenfalls hatten sie sich jetzt zu irgendeiner Abwehr gesammelt und hätten davon auch nicht abgelassen, wenn nicht der Mann, der einen Augenblick Lust zu haben schien mit paar Stoßen alle zu verjagen, sich anders besonnen hätte und aus dem ihn schon umschließenden Kreis mit erhobener Hand dem Hungerkünstler zugerufen hätte: "Halloh Kleiner, guten Morgen!" Es half. Alles wandte sich nach dem Hungerkünstler um und der Fremde hatte wieder paar weitere Schritte frei. Der Hungerkünstler aber erhob unendlich langsam den Kopf aus dem Halbschlummer in welchem er sich bei schwachem Saalbesuch immer befand, schien den Fremden langsam zu erkennen, machte mit der Hand eine unsichere Bewegung, die man immerhin als einen Wink an die Saaldiener deuten konnte, den Weg dem Fremden freizugeben und duldete sein Näherkommen mit wieder gesenktem Kopf. "Einen Sessel her!" befahl der Fremde den nun endgültig unterworfenen Angestellten, welche sich beeilten ihm den Sessel eng an das Gitter zu stellen, ein Vorzug, der sonst nur ausgezeichneten Persönlichkeiten in außerordentlichen Fällen gewährt wurde. Freilich war der Impresario, der Herr,

(Fortsetzung auf dem nächsten Textträger )


Revision: 2011/01/08 - 00:18 - © Mauro Nervi




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