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2017/10/20 - 07:08

"Ich schreibe nun nieder…" (II, 18)

Ich schreibe nun nieder was ich gehört habe, was mir anvertraut worden ist. Doch ist es mir nicht anvertraut worden als Geheimnis, das ich bewahren müsse, anvertraut unmittelbar, wurde mir nur die Stimme die sprach, das Übrige ist kein Geheimnis, ist vielmehr Spreu und das was nach allen Seiten fliegt, wenn Arbeit getan wird, ist das was mitgeteilt werden kann und um die Barmherzigkeit bittet, mitgeteilt zu werden, denn es hat nicht die Kraft verlassen stillzubleiben, wenn das, was ihm Leben gab, verrauscht ist.

Gehört habe ich aber folgendes:

Irgendwo in Südböhmen auf einer waldigen Anhöhe, etwa zwei Kilometer von einem Fluß entfernt, den man leicht von hier aus sehen würde, wenn nicht der Wald die Aussicht benähme, liegt ein kleines Haus. Dort wohnt ein alter Mann. Äußere Würde des Alters ist ihm nicht zuteil geworden. Er ist klein, das eine Bein ist gerade, das andere aber stark nach außen gebogen. Das Gesicht ist schütter aber überall von weißem, gelbem, hie und da auch wohl schwärzlichem Bart bewachsen, die Nase ist plattgedrückt und ruht auf der ein wenig vorgeworfenen Oberlippe, von ihr fast geschlossen, auf. Die Lider hängen tief über den kleinen


Revision: 2011/01/08 - 00:18 - © Mauro Nervi




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