movie.jpg

2017/03/28 - 00:26

Jeder Mensch ist eigentümlich (I, 25)

Jeder Mensch ist eigentümlich und kraft seiner Eigentümlichkeit berufen zu wirken, er muß aber an seiner Eigentümlichkeit Geschmack finden. Soweit ich es erfahren habe, arbeitete man sowohl in der Schule als auch zuhause daraufhin die Eigentümlichkeit zu verwischen. Man erleichterte dadurch die Arbeit der Erziehung, erleichterte aber auch dem Kinde das Leben, allerdings mußte es vorher den Schmerz durchkosten, den der Zwang hervorrief. Man wird z. B. einem Jungen, der abends mitten im Lesen einer aufregenden Geschichte ist, niemals durch eine bloß auf ihn eingeschränkte Beweisführung, begreiflich machen können, daß er das Lesen unterbrechen und schlafen gehn muß. Wenn man mir in einem solchen Fall etwa sagte, es sei schon spät, ich verderbe mir die Augen, ich werde früh verschlafen sein und schwer aufstehn, die schlechte dumme Geschichte sei das nicht wert, so konnte ich das zwar ausdrücklich nicht widerlegen, aber eigentlich nur deshalb nicht, weil das alles nicht einmal an die Grenze des Nachdenkenswerten herankam. Denn alles war unendlich oder verlief so ins Unbestimmte, daß es dem Unendlichen gleichzusetzen war, die Zeit war unendlich, es konnte also nicht zu spät sein, mein Augenlicht war unendlich, ich konnte es also nicht verderben, sogar die Nacht war unendlich, es war also keine Sorge wegen des Frühaufstehns nötig und Bücher unterschied ich nicht nach Dummheit und Klugheit, sondern danach, ob sie mich packten oder nicht und dieses packte mich. Das alles konnte ich nicht so ausdrücken, aber es hatte doch das Ergebnis daß ich mit meinen Bitten mir das Weiterlesen zu erlauben lästig wurde oder mich entschloß, auch ohne Erlaubnis weiter zu lesen. Das war meine Eigentümlichkeit. Man unterdrückte sie dadurch, daß man das Gas abdrehte und mich ohne Licht ließ; zur Erklärung sagte man: Alle gehn schlafen, also mußt auch Du schlafen gehn. Das sah ich und mußte es glauben, trotzdem es unbegreiflich war. Niemand will soviel Reformen durchführen wie Kinder. Aber abgesehen von dieser in gewisser Hinsicht anerkennenswerten Unterdrückung blieb doch hier, wie fast überall, ein Stachel, den keine Berufung auf die Allgemeinheit auch nur abstumpfen konnte. Ich blieb nämlich in dem Glauben, daß gerade an diesem Abend niemand in der Welt so gern gelesen hätte' wie ich. Das konnte mir vorläufig keine Berufung auf die Allgemeinheit widerlegen, umsoweniger als ich sah daß man mir die unbezwingbare Lust zum Lesen nicht glaubte. Erst allmählich und viel später, vielleicht schon bei Abschwächung der Lust, gieng mir eine Art Glaube daran auf, daß viele die gleiche Lust zum Lesen hatten und sich doch bezwangen. Damals aber fühlte ich nur das Unrecht, das mir angetan wurde, ich gieng traurig schlafen und es entwickelten sich die Anfänge des Hasses, der mein Leben in der Familie und von da aus mein ganzes Leben in einer gewissen Hinsicht bestimmt. Das Verbot des Lesens ist zwar nur ein Beispiel, aber ein bezeichnendes, denn dieses Verbot wirkte tief. Man erkannte meine Eigentümlichkeit nicht an; da ich sie aber fühlte, mußte ich – darin sehr empfindlich und immer auf der Lauer – in diesem Verhalten mir gegenüber ein Aburteilen erkennen. Wenn man aber schon diese offen zur Schau gestellte Eigentümlichkeit verurteilte, um wieviel schlimmer mußten die Eigentümlichkeiten sein, die ich aus dem Grunde verborgen hielt, weil ich selbst ein kleines Unrecht in ihnen erkannte. Ich hatte z. B. abend gelesen, trotzdem ich die Schulaufgabe für den nächsten Tag noch nicht gelernt hatte. Das war vielleicht an sich als Pflichtversäumnis etwas sehr Arges, aber um absolute Beurteilungen handelte es sich mir nicht, mir kam es nur auf vergleichsweise Beurteilung an. Vor dieser Beurteilung aber war diese Nachlässigkeit wohl nicht schlimmer als das lange Lesen an sich, besonders da sie in ihren Folgen durch meine große Angst vor Schule und Autoritäten sehr eingeschränkt war; was ich durch Lesen hie und da versäumte, holte ich bei meinem damals sehr guten Gedächtnis am Morgen oder in der Schule leicht nach. Die Hauptsache aber war, daß ich die Verurteilung, die meine Eigentümlichkeit des langen Lesens erfahren hätte, nun mit eigenen Mitteln auf die verborgen gehaltene Eigentümlichkeit der Pflichtversäumnis weiterführte und dadurch zu dem niederdrückendsten Ergebnis kam. Es war so, wie wenn jemand mit einer Rute, die keinen Schmerz verursachen soll, nur zur Warnung berührt wird, er aber nimmt das Flechtwerk auseinander, zieht die einzelnen Rutenspitzen in sich und beginnt nach eigenem Plan sein Inneres zu stechen und zu kratzen, während die fremde Hand noch immer ruhig den Rutengriff hält. Wenn ich mich aber auch damals in solchen Fällen noch nicht schwer strafte, so ist doch jedenfalls sicher, daß ich von meinen Eigentümlichkeiten nie jenen wahren Gewinn zog, der sich schließlich in dauerndem Selbstvertrauen äußert. Vielmehr war die Folge des Vorzeigens einer Eigentümlichkeit die, daß ich entweder den Unterdrücker haßte oder die Eigentümlichkeit als nicht vorhanden erkannte, zwei Folgen die in lügenhafter Weise sich auch verbinden konnten. Hielt ich aber eine Eigentümlichkeit verborgen, dann war die Folge die, daß ich mich oder mein Schicksal haßte, mich für schlecht oder verdammt ansah. Das Verhältnis dieser zwei Gruppen von Eigentümlichkeiten hat sich im Laufe der Jahre äußerlich sehr geändert. Die vorgezeigten Eigentümlichkeiten nahmen immer mehr zu, je näher ich an das mir zugängliche Leben herankam. Eine Erlösung brachte mir das aber nicht, die Menge des Geheimgehaltenen nahm dadurch nicht ab, es fand sich bei verfeinerter Beobachtung, daß niemals alles gestanden werden konnte, selbst von den scheinbar vollständigen Eingeständnissen der frühernZeit zeigte sich später noch die Wurzel im Innern. Aber selbst wenn das nicht gewesen wäre – bei der Lockerung der ganzen seelischen Organisation, die ich ohne entscheidende Unterbrechungen durchgemacht habe, genügte eine verborgene Eigentümlichkeit, um mich so zu erschüttern, daß ich mich mit aller sonstigen Anpassung doch nirgends festhalten konnte. Aber noch ärger. Selbst wenn ich kein Geheimnis bei mir behalten, sondern alles so weit von mir geworfen hätte, daß ich ganz rein dastand, im nächsten Augenblick wäre ich wieder von dem alten Durcheinander überfüllt gewesen, denn meiner Meinung nach wäre das Geheimnis nicht vollständig erkannt und eingeschätzt und infolgedessen durch die Allgemeinheit mir wieder zurückgegeben und neuerdings aufgelegt worden. Das war keine Täuschung, sondern nur eine besondere Form der Erkenntnis, daß zumindest unter Lebenden sich niemand seines Selbst entledigen kann. Wenn z. B. jemand einem Freund das Geständnis macht, daß er geizig ist, so hat er sich für diesen Augenblick dem Freund, also einem maßgebenden Beurteiler gegenüber scheinbar vom Geiz erlöst. Es ist für diesen Augenblick auch gleichgültig, wie es der Freund aufnimmt, also ob er das Vorhandensein des Geizes leugnet oder Ratschläge gibt wie man sich vom Geiz befreien könne oder ob er gar den Geiz verteidigt. Es wäre vielleicht nicht einmal entscheidend, wenn der Freund infolge des Geständnisses die Freundschaft aufsagt. Entscheidend ist vielmehr daß man vielleicht nicht als reuiger aber als ehrlicher Sünder sein Geheimnis der Allgemeinheit anvertraut hat und hofft dadurch wieder die gute und – das ist das wichtigste – freie Kindheit wieder erobert zu haben. Man hat aber nur eine kurze Narrheit und viel spätere Bitterheit erobert. Denn irgendwo liegt auf dem Tisch zwischen dem Geizigen und dem Freund, das Geld, das der Geizige an sich bringen muß und zu dem er immer rascher die Hand hinbewegt. Auf der Hälfte des Weges ist das Geständnis zwar immer schwächer wirkend aber noch erlösend, darüber hinaus nicht mehr, im Gegenteil, es beleuchtet dann nur die sich vorwärtsbewegende Hand. Wirkende Geständnisse sind nur vor oder nach der Tat möglich, die Tat läßt nichts neben sich bestehn, für die Hand, die das Geld zusammenscharrt, gibt es keine Erlösung durch Wort oder Reue, entweder muß die Tat, also die Hand vernichtet werden oder man muß sich im Geiz

____________________________________

Das Böse, das Dich im Halbkreis umgibt, wie die Braue das Auge, strahle zur Untätigkeit nieder. Während Du schläfst wache es über Dir ohne auch nur im geringsten vorrücken zu dürfen.

1) Der beurteilende Gedanke quälte sich durch die Schmerzen, die Qual erhöhend und nichts helfend empor. Wie wenn im endgiltig verbrennenden Hause die architektonische Grundfrage zum erstenmal aufgeworfen würde.

2) Sterben konnte ich, Schmerzen leiden nicht, durch die Versuche ihnen zu entgehn, erhöhte ich sie deutlich, fügen konnte ich mich dem Sterben, dem Leiden nicht, mir fehlte die seelische Bewegung, so wie wenn alles gepackt ist, quälend die zugezogenen Riemen immer von neuem zugezogen werden und die Abreise nicht erfolgt. Das Schlimmste die untödlichen Schmerzen.

Der tiefe Brunnen. Jahrelang braucht der Eimer um heraufzukommen und im Augenblick stürzt er hinab, schneller als daß Du Dich hinabbeugen könntest; noch glaubst Du ihn in den Händen zu halten und schon hörst Du den Aufschlag in der Tiefe, hörst nicht einmal ihn.

Am siebenten Tag ruht er; da füllen wir die Erde

Es sind viele hier, die warten. Eine unübersehbare Menge, die sich im Dunkel verliert. Was will sie? Es sind offenbar bestimmte Forderungen, die sie stellt. Ich werde die Forderungen abhören und dann antworten. Auf den Balkon hinausgehn werde ich aber nicht; ich könnte es gar nicht, auch wenn ich wollte. Im Winter wird die Balkontür abgesperrt und der Schlüssel ist nicht zur Hand. Aber auch an das Fenster werde ich nicht treten. Ich will niemanden sehn, ich will mich durch keinen Anblick verwirren lassen, beim Schreibtisch, das ist mein Platz, den Kopf in meinen Händen, das ist meine Haltung.

Ich habe eine Tür in meiner Wohnung bisher nicht beachtet. Sie ist im Schlafzimmer in der Mauer die an das Nachbarhaus grenzt. Ich habe mir keine Gedanken über sie gemacht, ja ich habe gar nicht von ihr gewußt. Und doch ist sie recht wohl sichtbar, ihr unterer Teil ist zwar von den Betten verdeckt, sie aber ragt weit hinauf, fast keine Tür, fast ein Tor. Gestern wurde sie aufgemacht. Ich war gerade im Speisezimmer, das noch durch ein Zimmer vom Schlafzimmer getrennt ist. Ich war sehr verspätet zum Mittagessen gekommen, niemand war mehr zuhause, nur das Dienstmädchen arbeitete in der Küche. Da begann im Schlafzimmer der Lärm. Ich eile sogleich hinüber und sehe wie die Tür, die mir bisher unbekannte Tür langsam geöffnet wird und dabei mit riesiger Kraft die Betten weggeschoben werden. Ich rufe: "Wer ist das? Was will man? Vorsicht! Achtung! " und erwarte einen Trupp gewalttätiger Männer hereinkommen zu sehn, aber es ist nur ein schmaler junger Mann, der sobald der Spalt nur knapp für ihn reicht hereinschlüpft und freudig mich begrüßt.

Nichts dergleichen, nichts dergleichen

Wenn ich des Nachts vom Turm her komme jede Nacht, wie ist das zähe dunkle Wasser unter dem Licht der Laterne körperlich langsam bewegt. Wie wenn ich über einem Schlafenden die Laterne entlang führen würde und er nur infolge des Lichtes sich dehnen und drehen würde ohne zu erwachen.

Um Mitternacht bin ich immer am Fluß zu treffen, entweder ist Nachtdienst und ich gehe ins Gefängnis oder es war Tagdienst und ich gehe nachhause. Diese Gelegenheit wurde einmal ausgenützt. Ermattet von der Arbeit, dabei in einem fast unerträglichen erstickenden Zorn gegen B., einen Kollegen, wegen eines dienstlichen Vorfalls, von dem noch zu reden sein wird, ging ich damals nachhause. Wandte mich einmal um, sah zu dem kleinen beleuchteten Fenster oben im Gefängnisturm, hinter dem B. jetzt saß und nachtmahlte, die Rumflasche zwischen den Beinen, glaubte ihn einen Augenblick lang großmächtig ganz nahe vor mir sitzen zu sehn, ja, ich roch ihn, dann aber spuckte ich aus und ging weiter.

Es wird ein Ruf laut aus dem Fluß

Meine Schwester hat ein Geheimnis vor mir. Sie hat einen kleinen Kalender, den sie zum Teil sogar nur meinetwegen bekommen hat, denn ich kenne den Herrn, der jedem von uns einen solchen Kalender gegeben hat viel länger als sie und mir zuliebe hat er die Kalender gebracht, in diesen Kalender also hat sie das Geheimnis geschrieben oder eingelegt, den Kalender selbst aber in ihren verschließbaren Federbehälter gesperrt und den Schlüssel

Es zupfte mich jemand am Kleid aber ich schüttelte ihn ab

Ruhelos

Es wurde die große Feuerleiter auseinandergezogen und an das Haus gelegt.

In einer spiritistischen Sitzung meldete sich einmal ein neuer

Geist und es wickelte sich mit ihm folgendes Gespräch ab:

Der Geist: Verzeihung.

Der Wortführer: Wer bist Du?

G. Verzeihung.

W. Was willst Du?

G. Fort.

W. Du bist doch erst gekommen.

G. Es ist ein Irrtum.

W. Nein es ist kein Irrtum. Du bist gekommen und bleibst.

G. Mir ist eben schlecht geworden.

W. Sehr?

G. Sehr.

W. Körperlich?

G. Körperlich?

W. Du antwortest mit Fragen, das ist ungehörig. Wir haben Mittel Dich zu strafen, antworte also lieber, denn dann werden wir Dich bald entlassen.

G. Bald?

w. Bald.

G. In einer Minute?

W. Benimm Dich nicht so kläglich. Wir werden Dich entlassen, wenn es uns

Es war gegen Abend, auf dem Lande, ich saß in meinem Giebelzimmer beim geschlossenen Fenster und sah dem Rinderhirten zu, der auf dem gemähten Feld stand, die Pfeife im Mund, den Stock eingerammt, scheinbar unbekümmert um die Tiere, die nah und weit freilich in tiefer Ruhe weideten. Da klopfte es an das Fenster, ich schrak aus meinem Hindämmern auf, faßte mich dann und sagte laut: "Es ist nichts, der Wind rüttelt am Fenster. " Als es wieder klopfte, sagte ich: "Ich weiß, es ist nur der Wind. " Aber beim dritten Klopfen bat eine Stimme um Einlaß. "Es ist doch nur der Wind", sagte ich, nahm die Lampe vom Kasten, zündete sie an und ließ den Fenstervorhang hinab. Da begann das ganze Fenster zu zittern und ein demütiges wortloses Klagen

Um was klagst Du verlassene Seele? Warum flatterst Du um das Haus des Lebens? Warum ziehst Du nicht in die Ferne die Dir gehört, statt hier zu kämpfen um das was Dir fremd ist. Lieber die lebendige Taube auf dem Dach, als den halbtoten, krampfhaft sich wehrenden Sperling in der Hand.

Der Dampfer kam herangefahren, wurde festgeseilt, einige Passagiere gingen ans Land.

Schlage Deinen Mantel, hoher Traum, um das Kind,

Es kamen zwei Soldaten und ergriffen mich. Ich wehrte mich, aber sie hielten fest. Sie führten mich vor ihren Herrn, einen Offizier. Wie bunt war seine Uniform! Ich sagte: "Was wollt Ihr denn von mir, ich bin ein Civilist. " Der Offizier lächelte und sagte: "Du bist ein Civilist, doch hindert uns das nicht Dich zu fassen. Das Militär hat Gewalt über alles. "

Die Bewertung im Varietéfach

Es ist sehr schwer auf dem Gebiet der Varietéproduktionen auch nur für eine kurze Zeit annähernd richtige Bewertungen vorzunehmen. Die besten Fachleute mit den Erfahrungen eines langen Lebens haben dabei versagt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Laufbahn des Eisenkönigs.

Er war zuerst Lehrling in einer Baumaterialienhandlung und die andern Lehrlinge standen um ihn herum, wenn er

Belvedereabhang

Wie er ging, der Mann mit dem lange Falten werfenden Mantel, eine Aktentasche in der Hand, den Kopf bloß, den Golddraht der Brille an den Ohren, am sonnigen Vormittag, am ersten Mai, auf dem stillen Weg

Karpfengasse

Der häßliche junge Mann am Abend, allein, eine grobe, kräftige, Widerstand leistende Natur.

Die zwei alten Herren beim Rudolfinum, friedliche, langwierige, würdige Erzählung, die Frauen hinterher.

Es ist

Nun kann ich Ihnen doch etwas vorlegen, was Sie vielleicht freuen wird. Gewiß kennen Sie den Namen Ernst Weiß und wahrscheinlich auch etwas von seinen letzten für mich manchmal unbegreiflich starken wenn auch schwer zugänglichen Büchern (Atua Nahar, Tiere in Ketten Stern der Dämonen). Nun hat er aber diesen erzählenden Schriften auch eine Sammlung von Aufsätzen bereit, die er unter dem Titel Credo herausgeben würde, sie haben meinem Gefühl nach – besonders der beiliegende Goethe-Aufsatz zieht mich an – alle Vorzüge seiner erzählenden ohne ihre unmenschliche Abgeschlossenheit. Ich lege Ihnen als Probe vor:

und außerdem, um Ihnen eine Vorstellung seiner gegenwärtigen Arbeiten das erste Kapitel Einige Titel der andern in dem zu vereinigenden

Ihre Meinung über die Herausgabe des Aufsatzbuches teilen Sie bitte mir oder vielleicht noch besser gleich ihm direkt (Berlin W 30 Nollendorfstraße 22a mit. Jedenfalls aber bitte ich die 3 Beilagen, die er dringend benötigt ihm zurückzuschicken.

20 August 16

Wie diese Narrheit plötzlich im Sprung wieder über mich kommt, es geschieht das immer wenn das Vertrauen in meinen Gesundheitszustand etwas zunimmt wie dies etwa vorgestern nach dem Besuch bei Dr. Mühlstein geschehen ist.

reinbleiben

verheiratetsein

Junggeselle

Ehemann

ich bleibe rein.

Rein?

ich halte alle meine Kräfte zusammen

Du bleibst außerhalb des Zusammenhangs wirst ein Narr, fliegst in alle Windrichtungen kommst aber nicht weiter ich ziehe aus dem Blutkreislauf des menschlichen Lebens alle Kraft die mir überhaupt zugänglich ist

nur für mich verantwortlich

desto mehr für Dich vernarrt (Grillparzer Flaubert)

keine Sorgen Koncentration auf die Arbeit Da ich an Kräften wachse trage ich mehr. Hier ist aber eine gewisse Wahrheit

Ehemann Trost

Zähne, sie arbeitet ich nicht.

Kind, Mutter und Schwestern

Wolfenstein Siemensstadt Brunnenstraße 14

Die Hütte des Jägers lag nicht weit von der Hütte der Holzarbeiter. Die Holzarbeiter, zwölf, wohnten dort um jetzt da guter Schnee war, die Stämme vorzubereiten, welche von den Schlitten bei Tag ins Tal geschleift wurden. Es war viel Arbeit, aber den Arbeitern wäre sie nicht zu viel gewesen, wenn man ihnen nur genug Bier gegeben hätte. Sie hatten aber nur ein mittleres Faß und das war für eine Woche einzuteilen, eine unmögliche Aufgabe. Darüber klagten sie immer dem Jäger, wenn er am Abend zu ihnen herüberkam. "Ihr habt es schwer", sagte der Jäger zustimmend und sie klagten an seinem Herzen.

Die Hütte des Jägers liegt verlassen im Bergwald. Dort lebt er während des Winters mit seinen fünf Hunden. Wie lang ist aber der Winter in diesem Lande! Fast könnte man sagen, er dauere ein Leben lang.

Der Jäger ist wohlgemut, es fehlt ihm an nichts Wesentlichem, über Entbehrungen klagt er nicht, er hält sich sogar für allzu gut ausgerüstet. "Käme ein Jäger zu mir", denkt er, "und würde er meine Einrichtung und meine Vorräte sehn, es wäre wohl das Ende der Jägerschaft. Aber ist es nicht auch so das Ende Es gibt keine Jäger. "

Er geht zu den Hunden in die Ecke, wo sie auf Decken und mit Decken zugedeckt schlafen. Der Schlaf der Jagdhunde. Sie schlafen nicht, sie warten nur auf die Jagd und das sieht wie Schlaf aus.

Peter begegnete im Wald einem Wolf. "Endlich!" sagte der Wolf, "den ganzen Tag suche ich schon etwas zum Fressen. " "Bitte, Wolf", sagte Peter, "heute verschone mich noch, in einer Woche soll meine Hochzeit sein, laß mich die noch erleben." "Ungern", sagte der Wolf. "Und was für einen Vorteil soll ich denn vom Warten haben?" "Nimm uns dann beide, mich und meine Frau", sagte Peter. "Und was soll bis zur Hochzeit geschehn?" sagte der Wolf. "Ich kann doch bis dahin nicht hungern. Schon jetzt habe ich Übelkeiten vom Hungern und wenn ich nicht sehr bald etwas bekomme, fresse ich Dich jetzt auch gegen meinen Willen auf. " "Bitte", sagte Peter, "komm mit mir, ich wohne nicht weit, ich werde Dich die Woche über mit Kaninchen füttern." "Ich muß auch zumindest ein Schaf bekommen. " "Gut, ein Schaf. " "Und fünf Hühner"

Peter hatte eine reiche Braut im Nachbardorf. Einmal abend war er sie besuchen, es war vieles zu besprechen, denn in einer Woche sollte die Hochzeit sein. Die Besprechung fiel günstig aus. Alles war zu seiner Zufriedenheit geordnet worden; behaglich, die Pfeife im Mund, ging er gegen zehn Uhr nachhause, auf den ihm wohlbekannten Weg achtete er gar nicht. Da geschah es daß er in einem kleinen Wald, den er zu durchqueren hatte, plötzlich, ohne zuerst genau zu wissen warum, zurückschreckte. Dann waren es zwei goldig schimmernde Augen, die er sah und eine Stimme sagte: "Ich bin der Wolf." "Was willst Du?" sagte Peter, in seiner Erregung stand er mit ausgebreiteten Armen da, in einer Hand die Pfeife, in der andern den Stock. "Dich", sagte der Wolf. "Oh weh, oh weh", sagte Peter, "ist es möglich?" Darauf antwortete der Wolf nicht,

Nimmermehr


Revision: 2011/01/08 - 00:18 - © Mauro Nervi




Top Back Print Search Sitemap Tip Login