13 Sept. 15 Vorabend von Vaters Geburtstag, neues Tagebuch. Es ist nicht so notwendig wie sonst, unruhig muß ich mich nicht machen, unruhig bin ich genug, aber zu welchem Ziel, wann kommt es, wie kann ein Herz, ein nicht ganz gesundes Herz soviel Unzufriedenheit und soviel ununterbrochen zerrendes Verlangen ertragen.
Die Zerstreutheit, die Gedächtnisschwäche, die Dummheit!
14. (September 1915) mit Max und Langer Samstag beim Wunderrabbi. Pizkov, Harantova ulice. Viele Kinder auf dem Trottoir und den Treppenstufen. Ein Gasthaus. Oben vollständig finster, blindlings paar Schritte mit vorgehaltenen Händen. Ein Zimmer mit bleichem Dämmerlicht, weißgraue Wände, einige kleine Frauen und Mädchen, weiße Kopftücher, blasse Gesichter, stehn herum, kleine Bewegungen; Eindruck des Blutleeren. Nächstes Zimmer. Alles schwarz, voll mit Männern und jungen Leuten. Lautes Beten. Wir drücken uns in eine Ecke. Kaum sehen wir uns ein wenig um, ist das Gebet zu Ende, das Zimmer leert sich. Ein Eckzimmer mit zwei Fensterwänden mit je 2 Fenstern. Wir werden zu einem Tisch gedrängt, rechts vom Rabbi. Wir wehren uns, "Ihr seid doch auch Juden. " Das stärkste väterliche Wesen macht den Rabbi. Alle Rabbi sehen wild aus, sagte Langer. Dieser im Seidenkaftan, darunter schon Unterhosen sichtbar. Haare auf dem Nasenrücken. Mit Fell eingefaßte Kappe, die er immerfort hin und her rückt. Schmutzig und rein, Eigentümlichkeit intensiv denkender Menschen. Kratzt sich am Bartansatz, schneuzt durch die Hand auf den Fußboden, greift mit den Fingern in die Speisen – wenn er aber ein Weilchen die Hand auf dem Tisch liegen läßt, sieht man das Weiß der Haut, wie man ein ähnliches Weiß nur in Vorstellungen der Kindheit gesehn zu haben glaubt. Damals allerdings waren auch die Eltern rein.
16. (September 1915) Demütigung bei Eisner. Erste Zeile eines Briefes an ihn geschrieben, weil sich mir im Kopf rasch ein würdiger Brief gebildet hatte. Trotzdem nach der ersten Zeile abgelassen. Früher war ich anders. Wie leicht ich außerdem die Demütigung getragen, wie leicht ich an sie vergessen habe, wie wenig Eindruck auch seine Gleichgültigkeit auf mich gemacht hat. Durch tausend Gänge, tausend Bureaux, an tausend früher befreundeten jetzt kalten Menschen hätte ich unberührt schweben können, ohne die Augen zu senken. Unberührbar aber auch unerweckbar. Und in dem einen Bureau hätte Max sitzen können, im andern Felix u. s. f.
Neuer Kopfschmerz noch unbekannter Art. Kurzer schmerzhafter Stich rechts über dem Auge. Vormittag zum erstenmal seitdem häufiger.
Anblick der polnischen Juden, die zum Kol Nidre gehn. Der kleine Junge, der, unter beiden Armen Gebetmäntel, neben seinem Vater herläuft. Selbstmörderisch nicht in den Tempel zu gehn.
Bibel aufgeschlagen. Von den ungerechten Richtern. Finde also meine Meinung oder wenigstens die Meinung die ich in mir bisher vorgefunden habe. Übrigens hat es keine Bedeutung, ich werde in solchen Dingen niemals sichtbar gelenkt, vor mir flattern nicht die Blätter der Bibel.
Die ergiebigste Stelle zum Hineinstechen scheint zwischen Hals und Kinn zu sein. Man hebe das Kinn und steche das Messer in die gestrafften Muskeln. Die Stelle ist aber wahrscheinlich nur in der Vorstellung ergiebig. Man erwartet dort ein großartiges Ausströmen des Blutes zu sehn und ein Flechtwerk von Sehnen und Knöchelchen zu zerreißen, wie man es ähnlich in den gebratenen Schenkeln von Truthähnen findet.
Förster Fleck in Rußland gelesen. Napoleons Rückkehr auf das Schlachtfeld von Borodino. Das Kloster dort. Es wird in die Luft gesprengt.
28 IX 15 Vollständiges Nichtstun. Memoiren des Generals Marcellin de Marbot und Holzhausen "Leiden der Deutschen
1812"
Sinnlosigkeit des Klagens. Als Antwort darauf Stiche im Kopf.
Ein kleiner Junge lag in der Badewanne. Es war das erste Bad, bei dem seinem alten Wunsche nach, weder die Mutter noch das Dienstmädchen zugegen waren. Er hatte sich um dem Befehl der Mutter, die ihm hier und da aus dem Nebenzimmer zurief zu entsprechen, mit dem Schwamm flüchtig bestrichen; dann hatte er sich ausgestreckt und genoß die Unbeweglichkeit im heißen Wasser. Die Gasflamme summte gleichmäßig und im Ofen knisterte das vergehende Feuer. Im Nebenzimmer war es schon lange still, vielleicht hatte sich die Mutter entfernt
Warum ist das Klagen sinnlos? Klagen heißt Fragen stellen und Warten bis Antwort kommt. Fragen aber die sich nicht selbst im Entstehen beantworten werden niemals beantwortet. Es gibt keine Entfernungen zwischen Fragesteller und Antwortgeber. Es sind keine Entfernungen zu überwinden. Daher Fragen und Warten sinnlos.
29. IX (1915) Verschiedene nebelhafte Entschlüsse. Die gelingen mir. Zufälliges Erblicken eines damit nicht ganz unzusammenhängenden Bildes in der Ferdinandstraße. Eine schlechte Skizze eines Freskos. Darunter ein tschechischer Spruch, etwa: Verblendeter Du verläßt den Becher wegen des Mädchens, bald wirst Du belehrt zurückkommen
Schlechter elender Schlaf, früh marternde Kopfschmerzen aber freierer Tag.
Viele Träume. Auftreten einer Mischung von Dir. Marschner und Diener Pimisker. Rote feste Wangen, schwarz gewichster Bart, ebensolches starkes wildes Haar.
Früher dachte ich: Dich wird nichts umbringen, diesen harten klaren geradezu leeren Kopf, niemals wirst Du unbewußt oder im Schmerz die Augen zusammenziehn, die Stirn falten, mit den Händen zucken, wirst es immer nur darstellen können.
Wie konnte Fortinbras sagen, H. hätte sich höchst königlich bewährt.
Konnte mich Nachmittag nicht abhalten, das gestern geschriebene "den Schmutz des vorigen Tages" zu lesen, ohne Schaden übrigens.
30 (September 1915) Durchgesetzt daß Felix nicht Max gestört hat. Dann bei Felix.
Roßmann und K., der Schuldlose und der Schuldige, schließlich beide unterschiedslos strafweise umgebracht, der Schuldlose mit leichterer Hand, mehr zur Seite geschoben als niedergeschlagen.
1. Okt. 1915
III. Band Memoiren des Generals Marcellin de Marbot Polozk – Beresina – Leipzig – Waterloo
II
Fehler die Napoleon beging:
1 Entschluß zu diesem Krieg. Was wollte er erreichen? Strenge Durchführung der Kontinentalsperre in Rußland. Das war unmöglich. Alexander I konnte nicht nachgeben, ohne sich zu gefährden. Sein Vater Paul I war ja wegen des Bündnisses mit Frankreich und wegen des Krieges mit England, der Rußlands Handel unermeßlich geschädigt hatte ermordet worden. Trotzdem hoffte Napoleon noch immer, Alex. werde nachgeben. Nur um das zu erzwingen, wollte er am Njemen aufmarschieren
2. Er konnte wissen was ihn erwartete. Oberstleutnant de Ponthon, der einige Jahre in russischen Diensten gewesen war, beschwor ihn kniefällig, abzulassen. Die von ihm angeführten Hindernisse waren: Stumpfheit und fehlende Mitwirkung der seit langen Jahren von Rußland unterworfenen litauischen Provinzen, der Fanatismus der Moskowiter, Mangel an Lebensmitteln und Fourage, das wüste Land, die beim geringsten Regen für Artillerie unpassierbaren Wege, Strenge des Winters, Unmöglichkeit bei Schneefall, der schon anfangs Oktober eintritt vorwärtszukommen. – Napoleon ließ sich von Maret, Herzog von Bassano und Davout entgegengesetzt beeinflussen.
3. Er hätte Österreich und Preußen durch Abverlangen starker Hilfstruppen möglichst schwächen sollen, verlangte aber nur je 30000 Mann
Er nahm den preußischen Kronprinzen trotzdem er darum gebeten wurde nicht ins Hauptquartier mit.
4. Er hätte sie in die Front nehmen sollen, statt dessen stellte er sie auf die Flügel, die Österreicher unter Schwarzenberg nach Wolhynien, die Preußen unter Macdonald an den Njemen, dadurch schonte er sie und gab ihnen die Möglichkeit seinen Rückweg zu verrammeln oder wenigstens zu gefährden, was wirklich geschah, da die Österreicher die Armee Tschitschakow, die nach dem durch England vermittelten Frieden mit der Türkei freigeworden war im November ungestört durch Wolhynien nach Norden ziehen liessen, was das Unglück an der Beresina verschuldete.
5. Er versetzte alle Korps stark mit den unzuverlässigen Hilfsvölkern (Badenser Mecklenburger Hessen, Baiern Württemberger Sachsen Westfahlen Spanier Portugiesen Illyrier, Schweizer Kroaten, Polen, Italiener) und schädigte dadurch den Zusammenhalt. Edler Wein verdorben durch Beimengung trüben Wassers.
6. Er hoffte auf die Türkei, Schweden und Polen. Die ersten machten Frieden, weil England zahlte, Bernadotte fiel von N. ab schloß ein Bündnis mit Rußland durch Englands Vermittlung, Schweden verlor zwar Finnland, bekam aber Norwegen versprochen, das dem Napoleon ergebenen Dänemark entrissen werden sollte, die Polen: Littauen war durch die 40jährige Einverleibung in Rußland zu sehr mit diesem verbunden. Die österr. und preußischen Polen zogen zwar mit, aber ohne Begeisterung, sie fürchteten die Verwüstung ihres Landes; nur mit dem jetzt sächsischen Großherzogtum Warschau war einigermaßen zu rechnen.
7. Er wollte das eroberte Littauen von Wilna aus organisieren und sich nutzbar machen. Er hätte vielleicht allgemeine Hilfe gefunden 300000 Mann, wenn er das Königreich Polen (mit Galizien und Posen) proklamiert hätte – ein nationaler Landtag in Warschau erließ auch schon solche Proklamationen – aber das hätte Krieg mit Preußen und Österreich bedeutet (und auch den Frie denschluß mit Rußland erschwert). Übrigens wären die Polen auch dann wahrscheinlich unzuverlässig gewesen. Wilna und sein Kreis brachte nur 20 Mann als Leibwache für Napol. auf. N. wählte den Mittelweg, versprach das Königreich für den Fall der Mithilfe und erreichte dadurch nichts. Übrigens hätte N. ein polnisches Heer gar nicht ausrüsten können, er hatte keine Vorräte an Waffen und Kleidung an den Njemen nachkommen lassen.
8. Er gab Jerome Bonaparte der in militärischen Dingen ganz unerfahren war das Kommando über eine Armee 60000 Mann. Gleich beim Einrücken in Rußland hatte Napoleon die russische Armee gespalten. Kaiser Alexander und Feldmarschall Barkley zogen an die Düna nach Norden das Corps Bagration war noch bei Mir am untern Njemen. Davout hatte schon Minsk besetzt und Bagration, der dort nach Norden durchkommen wollte, wurde von ihm nach Bobruisk gegen Jerome geworfen. Hätte Jerome einheitlich mit Davout gearbeitet – das fand er aber mit seiner Königswürde nicht vereinbar – wäre Bagration vernichtet oder zur Kapitulation gezwungen worden. Bagration entkam, Jerome wurde nach Westfalen geschickt, an seine Stelle kam Junot, der aber bald auch einen schweren Fehler beging.
9. Er ernannte den Herzog von Bassano zum Civil und den General Hogendorp zum Militärgouverneur der Provinz Litauen. Keiner verstand es der Armee einen Rückhalt zu schaffen. Der Herzog war Diplomat, verstand nichts von der Verwaltung, Hogendorp kannte nicht die französischen Gebräuche und die militärischen Dienstvorschriften. Er sprach sehr schlecht französisch, fand also weder bei den Franzosen Sympatie noch bei dem Landesadel.
10. ein Vorwurf, den andere Schriftsteller, nicht Marbot, machen
Er blieb 19 Tage in Wilna, 17 in Witebsk bis zum 13 VIII, verlor also 36 Tage. Erklärlich ist es aber, er hoffte noch auf ein Abkommen mit den Russen, wollte einen Mittelpunkt zur Dirigierung der hinter Bagration streifenden Korps erhalten und die Kräfte der Truppen schonen. Auch begannen die Schwierigkeiten der Verpflegung, die Truppen waren nach zurückgelegtem Tagesmarsch jeden Abend gezwungen, sich ihre Lebensbedürfnisse oft von sehr weit herzuholen. Nur Davout hatte für sein Korps einen Lebensmitteltrain und Herden.
11. Unnötig große Verluste bei der Belagerung von Smolensk 12000 Mann. N. hatte keine so energische Verteidigung erwartet. Hätte man Smolensk umgangen und so auf die Rückzugslinie von Barclay de Tolly gedrückt, hätte man es ohne Kampf bekommen.
12. Man hat ihm seine Untätigkeit während der Schlacht bei Borodino (7. Sept.) vorgeworfen. Er gieng in einer Schlucht den ganzen Tag auf und ab, nur zweimal stieg er auf einen Hügel. Nach Marbots Meinung war das kein Fehler, aber N. war an dem Tag krank, er hatte heftige Migräne. Er hatte am 6. Abend Nachrichten aus Portugal bekommen. Marschall Marmont, einer der Generäle in denen sich N. getäuscht hatte, war bei Salamanca von Wellington schwer geschlagen worden.
Im Principe war der Rückzug aus Moskau bald beschlossen. Vieles drängte dazu: die Brände, die Kämpfe in Kaluga die Kälte, die Desertionen, die Bedrohung der Rückzugslinie, die Lage in Spanien, eine in Paris aufgedeckte Verschwörung – trotzdem blieb N. in Moskau vom 15 Sept. bis zum 19 Oktober er hoffte noch immer auf eine Einigung mit Alexander. Auf seinen letzten Vergleichsvorschlag hat Kutusoff nicht einmal geantwortet.
14 Er versuchte über Kaluga abzuziehn trotzdem das ein Umweg war. Er hoffte dort Lebensmittel zu bekommen, die Rückzugstraße über Moshaisk war auf weite Strecken nach beiden Seiten hin ausgezogen. Aber schon nach einigen Tagen merkte er, daß er hier nicht weiter kommen konnte ohne Kutusoff eine Schlacht zu liefern. Er kehrte also auf die alte Rückzugstraße zurück.
15 Die große Brücke über die Beresina war durch ein Fort gedeckt und durch ein polnisches Regiment gesichert. Im Vertrauen darauf diese Brücke benützen zu können, ließ N., um den Marsch zu erleichtern und zu beschleunigen, alle Pontons verbrennen. Inzwischen aber hatte Tschitschakov das Fort genommen und die Brücke verbrannt. Trotz äußerster Kälte war der Fluß noch nicht gefroren. Das Fehlen der Pontons war eine der Hauptursachen des Unglücks.
16 Der Übergang über die bei Studianka geschlagenen 2 Brücken war schlecht organisiert. Am 26. Nov. mittags waren die Brücken geschlagen (hätte man Pontons gehabt, hätte man schon bei Tagesanbruch den Übergang beginnen können) bis zum Morgen des 28 war man von den Russen unbehelligt. Trotzdem war damals erst ein Teil des Trains hinübergeführt und die tausende Marode hatte man 2 Tage am linken Ufer gelassen. Die Franzosen verloren 25000 Mann
17. Die Rückzugslinie war nicht gesichert. Vom Njemen bis Moskau außer in Wilna und Smolensk kein besetzter Ort, kein Magazin, kein Lazarett. Im ganzen Zwischenland streiften die Kosaken. Nichts konnte zur Armee oder von ihr kommen, ohne die Gefahr des Gefangenwerdens. Deshalb wurde auch von den etwa 100000 russischen Kriegsgefangenen kein einziger über die Grenze gebracht.
18 Mangel an Dolmetschern. Die Division Partouneaux verirrte sich auf dem Weg von Borisow nach Studianka und rannte in die Armee Wittgenstein und damit in die Vernichtung hinein. Man hatte sich eben mit den palnischen Bauern, welche führen sollten, nicht verständigen können.
Paul Holzhausen Die Deutschen in Rußland 1812
Elender Zustand der Pferde, große Anstrengungen als Futter nasses Grünstroh, unreifes Getreide, faules Dachstroh. Durchfall Abmagerung, Verstopfung. Klystiere von Rauchtabak. Ein Artillerieofficier erzählt, daß seine Leute mit der ganzen Länge des Armes den Pferden in den After fahren mußten, um sie von den im Darm angehäuften Kotmassen zu befreien. Auftreibung der Leiber durch das Grünfutter. Manchmal konnte man sie durch angestrengtes Laufen beseitigen. Viele giengen aber ein, hunderte sah man mit geplatzten Bäuchen an den Brücken von Pilony. "In Gräben und Löchern liegen sie mit stierem brechendem Auge und versuchen kraftlos in die Höhe zu kommen. Aber der Versuch ist fruchtlos und nur selten bringen sie einen Fuß auf die Straße, der dann ihren Zustand noch bejammernswürdiger macht. Gefühllos fahren Train- und Artilleriesoldaten mit dem Geschütz darüber weg, daß man das Bein zerknirschen, des Tieres dumpfbrüllenden Schmerzenston hört und sieht wie es von Angst und Entsetzen getrieben, Kopf und Hals konvulsivisch hebt, mit ganzer Last zurückfällt und sogleich von zähem Schlamm begraben wird." Verzweiflung schon am Anfang des Hinweges. Hitze, Hunger, Durst, Krankheit. Ein Unterofficier der nicht mehr weiter kann wird ermahnt, sich zusammenzunehmen und seinen Leuten mit gutem Beispiel voranzugehn. Bald verschwindet er im Gebüsch und erschießt sich mit seinem eigenen Gewehr. (Julisonntag) Tagsdarauf wird ein würtembergischer Oberleutnant vom Regimentskommandeur heruntergeputzt, er entreißt dem nächsten Soldaten das Bajonett und rennt es sich durch die Brust.
Einwand gegen 11. Fehler. Infolge des elenden Zustandes der Kavallerie und des Mangels an Kundschaftern wurden die oberhalb der Stadt vorhandenen Furten zu spät entdeckt.
6 Okt. 15 Verschiedene Formen der Nervosität. Ich glaube Lärm kann mich nicht mehr stören. Allerdings arbeite ich jetzt nicht. Allerdings je tiefer man sich seine Grube gräbt, desto stiller wird es, je weniger ängstlich man wird, desto stiller wird es.
Erzählungen Langers:
Einem Zadik soll man mehr gehorchen als Gott. Balschem sagte einmal einem seiner liebsten Schüler, er solle sich taufen lassen. Er ließ sich taufen, kam zu Ansehn, wurde Bischof. Da ließ ihn Balschem zu sich kommen und erlaubte ihm zum Judentum zurückzukehren. Er folgte wieder und tat wegen seiner Sünde große Buße. B. erklärte seinen Befehl damit, daß der Schüler wegen seiner ausgezeichneten Eigenschaften vom Bösen sehr verfolgt gewesen sei und daß die Taufe den Zweck gehabt habe, den Bösen abzulenken. B. warf den Schüler selbst mitten ins Böse, der Schüler tat den Schritt nicht aus Schuld sondern auf Befehl und für den Bösen schien es hier keine Arbeit mehr zu geben.
Alle 100 Jahre erscheint ein oberster Zadik, ein Zadik Hador. Er muß gar nicht bekannt sein, kein Wunderrabbi sein und ist doch der oberste. B. war nicht Zadik Hador in seiner Zeit, das war vielmehr ein unbekannter Kaufmann in Drohobisz. Dieser hörte, daß B. wie dies auch andere Zadiks taten, Amulette schrieb und hatte den Verdacht, daß er Anhänger des Sabbatai Zewi sei und dessen Name auf die Amuletts schreibe. Deshalb nahm er ihm, ohne ihn persönlich zu kennen, von der Ferne aus die Macht jene Amuletts zu geben. B. erkannte bald die Machtlosigkeit seiner Amuletts – er hatte aber immer nichts anderes auf die Amuletts geschrieben, als seinen eigenen Namen – und erfuhr auch nach einiger Zeit, daß der Drohobyscer die Ursache dessen war. Als einmal der Dr. in die Stadt Balschems kam, – es war an einem Montag – ließ ihn B. ohne daß er es merkte einen Tag verschlafen; der Dr. blieb infolgedessen in der Zeitrechnung immer um einen Tag zurück. Freitag abend – er dachte es wäre Donnerstag – wollte er nachhause fahren, um die Feiertage zuhause zu verbringen. Da sieht er die Leute in den Tempel gehn und merkt den Irrtum. Er beschließt hier zu bleiben und läßt sich zu B. führen. Dieser hat schon am Nachmittag seiner Frau den Auftrag gegeben, ein Mahl für 30 Personen herzurichten. Als der Dr. kommt, setzt er sich nach den Gebeten gleich zum Essen und ißt in kurzer Zeit das für 30 Personen bestimmte Essen auf. Aber er wird nicht satt, sondern verlangt weiteres Essen. B. sagt: "Einen Engel ersten Grades habe ich erwartet, auf einen Engel zweiten Grades war ich aber nicht vorbereitet. " Er ließ nun alles Eßbare bringen, was im Hause war, aber auch das genügte nicht.
B. war nicht Zadik Hador, aber er war noch höher. Zeuge dessen ist der Zadik Hador selbst. Dieser kam nämlich einmal abends in den Ort, wo die künftige Frau Balschems als Mädchen wohnte. Er war Gast in dem Hause der Eltern des Mädchens. Ehe er auf den Dachboden schlafen gieng, verlangte er ein Licht, aber es war keines im Hause. Er gieng also ohne Licht hinauf, aber als das Mädchen später vom Hofhinaufsah, war es oben hell wie bei einer Illumination. Da erkannte sie, daß es ein besonderer Gast war und sie bat ihn, sie zur Frau zu nehmen. Sie durfte so bitten, denn ihre höhere Bestimmung erwies sich darin, daß sie den Gast erkannt hat. Aber der Zadik Hador sagte: "Du bist für einen noch Höheren bestimmt. " Dies beweist, daß B. höher war als ein Zadik Hador.
7 (Oktober 1915) gestern lange mit Frl. Reiß im Vestibul des Hotels. Schlecht geschlafen, Kopfschmerzen.
Als Hinkender die Gerti geschreckt, das Schreckliche des Pferdefußes.
Gestern in der Niklasstraße ein gestürztes Pferd mit blutigem Knie. Ich schaue weg und mache unbeherrscht Grimassen am hellen Tag.
Unlösbare Frage: Bin ich gebrochen? Bin ich im Niedergang? Fast alle Anzeichen sprechen dafür (Kälte, Stumpfheit, Nervenzustand, Zerstreutheit, Unfähigkeit im Amt, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit) fast nur die Hoffnung spricht dagegen.
3 Nov. (1915) Viel gesehn in der letzten Zeit, weniger Kopfschmerzen. Spaziergänge mit Frl. Reiß. Mit ihr bei "Er und seine Schwester", von Girardi gespielt. (Haben Sie denn Talent? – Gestatten Sie daß ich dazwischen trete und für sie antworte: C> ja, o ja) In der städtischen Lesehalle. Bei ihren Eltern die Fahne angesehn. Die 2 wunderbaren Schwestern Esther und Tilka wie Gegensätze des Leuchtens und Verlöschens. Besonders Tilka schön: olivenbraun, gewölbte gesenkte Augenlider, tiefes Asien. Beide Shawls um die Schultern gezogen. Sie sind mittelgroß, eher klein und erscheinen aufrecht und hoch wie Göttinnen, die eine auf dem Rundpolster des Kanapees, Tilka in einem Winkel auf irgendeiner unkenntlichen Sitzgelegenheit, vielleicht auf Schachteln. Im Halbschlaf lange Esther gesehn, die sich mit der Leidenschaft, die sie meinem Eindruck nach für alles Geistige zu haben scheint, in den Knoten eines Seiles festgebissen hatte und mächtig hin und her im leeren Raum geschwungen wurde wie ein Glockenschlägel (Erinnerung an ein Kinoplakat) – Die beiden Lieblich. Die kleine teuflische Lehrerin, die ich auch im Halbschlaf sah, wie sie jagend im Tanz, in einem kosakenmäßigen aber schwebenden Tanz über einem leicht geneigtem dunkelbraun im Dämmerlicht daliegendem holprigen Backsteinpflaster hinauf und hinab flog.
4 (November 1915) Erinnerung an den Winkel in Brescia, wo ich auf ähnlichem Pflaster, aber am hellen Tag Kindern Soldi verteilte. Erinnerung an eine Kirche in Verona, wo ich, ganz verlassen, nur unter dem leichten Zwang der Pflicht eines Vergnügungsreisenden und unter dem schweren Zwang eines in Nutzlosigkeit vergehenden Menschen widerwillig eintrat, einen überlebensgroßen Zwerg sah, der sich unter dem Weihbecken krümmte, ein wenig umhergieng, mich niedersetzte und ebenso widerwillig hinausgieng als sei draußen wieder eine gleiche Kirche Tor an Tor angebaut.
Letzthin die Judenabreise auf dem Staatsbahnhof. Die 2 Männer die einen Sack trugen. Der Vater der seine Habseligkeiten seinen vielen Kindern bis zum Kleinsten aufladet, um schneller auf den Perron zu kommen. Die auf dem Koffer mit einem Säugling sitzende starke gesunde schon formlose junge Frau, welche Bekannte in lebhaftem Gespräch umstehn.
5. (November 1915) Aufregungszustand nachmittag. Begann mit der Überlegung ob und wieviel Kriegsanleihe ich mir kaufen sollte. Gieng zweimal zum Geschäft hin, um den nötigen Auftrag zu geben und zweimal zurück, ohne eingetreten zu sein. Berechnete fieberhaft die Zinsen. Bat dann die Mutter 1000 K-Anleihe zu kaufen, erhöhte aber den Betrag auf 2000 K. Es zeigte sich dabei, daß ich von einer etwa 3000 K betragenden Einlage, die mir gehörte gar nicht gewußt hatte und daß es mich fast gar nicht berührte als ich davon erfuhr. Nur die Zweifel wegen der Krieganleihe lagen mir im Kopf und hörten nun etwa 1/2 Stunde lang auf einem Spaziergang durch die belebtesten Gassen nicht auf. Ich fühlte mich unmittelbar am Krieg beteiligt, erwog, allerdings meinen Kenntnissen entsprechend, ganz allgemein die finanziellen Aussichten, steigerte und verringerte die Zinsen, die mir einmal zur Verfügung stehen würden u. s. f. Allmäh lich verwandelte sich aber diese Aufregung, die Gedanken wurden auf das Schreiben hingelenkt, ich fühlte mich dazu fähig, wollte nichts anderes als die Möglichkeit des Schreibens haben, überlegte, welche Nächte ich in der nächsten Zeit dafür bestimmen könnte, lief unter Herzschmerzen über die steinerne Brücke, fühlte das schon so oft erfahrene Unglück des verzehrenden Feuers das nicht ausbrechen darf, erfand um mich auszudrücken und zu beruhigen den Spruch "Freundchen ergieße Dich", sang ihn unaufhörlich nach einer besondern Melodie und begleitete den Gesang, indem ich ein Taschentuch in der Tasche wie einen Dudelsack immer wieder drückte und losließ.
6. (November 1915) Anblick der Ameisenbewegung des Publikums vor dem Schützengraben und in ihm.
Bei der Mutter von Oskar Pollak. Guter Eindruck seiner Schwester. Gibt es übrigens jemanden vor dem ich mich nicht beuge? Was etwa Grünberg betrifft, der meiner Meinung nach ein sehr bedeutender Mensch ist und aus mir unzugänglichen Gründen fast allgemein unterschätzt wird: Stellte man mich etwa vor die Wahl, daß einer von uns beiden gleich untergehn müsse (rücksichtlich seiner Person ist es sehr wahrscheinlich, denn er soll eine weit fortgeschrittene Tuberkulose haben) daß es aber von meiner Entscheidung abhänge, wer das sein solle, so würde ich bis an den äußersten Rand der teoretischen Fragestellung die Frage lächerlich finden, da selbstverständlich der ungleich wertvollere Grünberg erhalten werden müsse. Auch Grünberg würde mir zustimmen. In den letzten unkontrollierbaren Augenblicken allerdings würde ich wie jeder andere schon viel früher Beweise zu meinen Gunsten erfinden, Beweise, die mich sonst infolge ihrer Rohheit, Kahlheit, Falschheit zum Erbrechen gereizt hätten. Diese letzten Augenblicke ereignen sich allerdings auch jetzt, wo mir niemand eine Wahl aufdrängt, es sind jene, wo ich mich unter Abhaltung aller ablenkenden, äußern Einflüsse zu prüfen suche.
"Schweigend sitzen die "Schwarzen" um das Feuer. Auf Ihren düstern Schwärmergesichtern zuckt der Flammenschein. "
19 XI 15
Nutzlos verbrachte Tage, sich im Warten verbrauchende Kräfte und trotz allem Nichtstun die wehenden und bohrenden Schmerzen im Kopf.
Brief von Werfel. Antwort.
Bei Frau Mirsky-Tauber. Wehrlosigkeit gegenüber allem. Boshafte Besprechung bei Max. Ekel darüber am nächsten Morgen.
Mit Frl. Fanni Reiß und Esther.
In der Alt-Neu-Synagoge beim Mischnavortrag.Mit Dr. Jeiteles nachhause. Großes Interesse an einzelnen Streitfragen.
Wehleidigkeit gegenüber der Kälte, gegenüber allem. Jetzt 1’2 10 abend schlägt in der Nebenwohnung jemand einen Nagel in die gemeinsame Wand.
21 XI 15 Vollständige Nutzlosigkeit. Sonntag. In der Nacht besondere Schlaflosigkeit. Bis 1/4 12 im Bett bei Sonnenschein. Spaziergang. Mittagessen. Zeitunggelesen, in alten Katalogen geblättert. Spaziergang Hybernergasse, Stadtpark, Wenzelsplatz, Ferdinandstraße, dann gegen Podol zu. Mühselig auf 2 Stunden ausgedehnt. Hie und da starke, einmal geradezu brennende Kopfschmerzen gefühlt. Genachtmahlt. Jetzt zuhause. Wer kann das von oben vom Anfang bis zum Ende mit offenen Augen überblicken?
25 XII (1915) Eröffnung des Tagebuches zu dem besondern Zweck, mir Schlaf zu ermöglichen. Sehe aber gerade die zufallige letzte Eintragung und könnte 1000 Eintragungen gleichen Inhalts aus den letzten 3 – 4 Jahren mir vorstellen. Ich verbrauche mich sinnlos, wäre glückselig schreiben zu dürfen, schreibe nicht. Werde die Kopfschmerzen nicht mehr los. Ich habe wirklich mit mir gewüstet. – Gestern offen mit meinem Chef gesprochen, da ich durch den Entschluß zu sprechen und das Gelübde nicht zurückzuweichen 2 Stunden allerdings unruhigen Schlafs in der vorgestrigen Nacht mir ermöglicht habe. 4 Möglichkeiten meinem Chef vorgelegt: 1.) alles weiter belassen, wie in der letzten allerärgsten Marterwoche und mit Nervenfieber, Irrsinn oder sonstwie enden 2.) Urlaub nehmen, will ich nicht aus irgendeinem Pflichtgefühl, es würde aber auch nichts helfen 3.) Kündigen, kann ich jetzt nicht meiner Eltern und der Fabrik wegen 4.) bleibt nur Militärdienst. Antwort: eine Woche Urlaub und Hämatogenkur, die der Chef gemeinsam mit mir machen will. Er selbst ist wahrscheinlich schwer krank. Gienge ich auch, wäre die Abteilung verwaist.
Erleichterung offen gesprochen zu haben. Zum erstenmal mit dem Wort "Kündigung" fast officiell die Luft in der Anstalt erschüttert.
Trotzdem heute kaum geschlafen.
Immer diese hauptsächliche Angst: Wäre ich 1912 weggefahren im Vollbesitz aller Kräfte mit klarem Kopf, nicht zernagt von den Anstrengungen lebendige Kräfte zu unterdrücken!
Mit Langer: Er kann Maxens Buch erst in 13 Tagen lesen. Weihnachten hätte er es lesen können, da man nach einem alten Brauch Weihnachten nicht Tora lesen darf (ein Rabbi zerschnitt an diesem Abend immer das Closetpapier für das ganze Jahr) diesmal aber fiel Weihnachten auf Samstag. In 13 Tagen aber ist russische Weihnacht, da wird er lesen. Mit schöner Litteratur oder sonstigem weltlichen Wissen soll man nach mittelalterlicher Tradition erst vom 70ten Jahr, nach einer mildern Ansicht erst vom 40. Jahr sich beschäftigen. Medicin war die einzige Wissenschaft, mit der man sich beschäftigen durfte. Heute auch mit ihr nicht, da sie jetzt zu sehr mit den andern Wissenschaften verknüpft ist. – Auf dem Kloset darf man nicht an die Tora denken, daher darf man dort weltliche Bücher lesen. Ein sehr frommer Prager, ein gewisser Kornfeld, wußte viel Weltliches, er hat alles auf dem Kloset studiert.
19. April 1916
Er wollte die Tür zum Gang öffnen aber sie widerstand. Er blickte hinauf, hinunter, das Hindernis war nicht zu finden. Auch versperrt war die Tür nicht, der Schlüssel steckte innen, hätte man von außen zuzusperren versucht, wäre der Schlüssel herausgestoßen worden. Und wer hätte denn zusperren sollen? Er stieß mit dem Knie gegen die Tür, das Mattglas erklang, aber die Tür blieb fest. Sieh nur. – Er gieng ins Zimmer zurück, trat auf den Balkon und blickte auf die Straße hinab. Er hatte aber das gewöhnliche Nachmittagsleben unten noch nicht mit einem Gedanken erfaßt, als er wieder zur Tür zurückkehrte und nochmals zu öffnen versuchte. Aber nun war es kein Versuch, die Tür öffnete sich sogleich, es bedurfte kaum eines Druckes, vor dem Luftzug, der vom Balkon her strich, flog sie geradezu auf, mühelos wie ein Kind, das man zum Scherz die Klinke berühren läßt, während ein Größerer sie in Wirklichkeit niederdrückt, erlangte er den Eintritt zu dem Gang.
Ich werde 3 Wochen für mich haben. Heißt das grausam behandelt werden?
Vor kurzem geträumt: Wir wohnten auf dem Graben in der Nähe des Cafe Kontinental. Aus der Herrengasse bog ein Regiment ein, in die Richtung zum Staatsbahnhof. Mein Vater: "So etwas muß man sehn, solange man dazu imstande ist" und schwingt sich (im braunen Schlafrock des Felix, die ganze Gestalt war eine Vermischung beider) auf das Fenster und spreizt sich draußen mit ausgestreckten Armen auf der sehr breiten, stark abfallenden Fensterbrüstung. Ich packe ihn und halte ihn an den beiden Kettchen, durch welche die Schlafrockschnur gezogen ist. Aus Bosheit streckt er sich noch weiter hinaus, ich spanne meine Kräfte auf das äußerste an, um ihn zu halten. Ich denke daran, wie gut es wäre, wenn ich meine Füße mit Stricken an irgendetwas Festem anbinden könnte um nicht vom Vater mitgezogen zu werden. Allerdings müßte ich, um das zu bewerkstelligen, den Vater wenigstens ein Weilchen lang loslassen und das ist unmöglich. Diese ganze Spannung erträgt der Schlaf – und gar mein Schlaf nicht und ich erwache.
20 (April 1916) Auf dem Gang kam ihm die Hauswirtin mit einem Brief entgegen. Er prüfte das Gesicht der alten Dame, nicht den Brief und öffnete ihn unterdessen. Dann las er: "Sehr geehrter Herr. Seit einigen Tagen wohnen Sie mir gegenüber. Eine starke Ähnlichkeit mit einem alten guten Bekannten macht Sie mir merkwürdig. Bereiten Sie mir das Vergnügen und besuchen Sie mich heute nachmittag. Mit Gruß Louise Halka. " "Gut" sagte er sowohl zur Hauswirtin die noch vor ihm stand als auch zum Brief. Es war eine willkommene Gelegenheit eine vielleicht nützliche Bekanntschaft in dieser Stadt zu machen in der er noch ganz fremd war. "Sie kennen Frau Halka" fragte die Wirtin, während er nach dem Hut langte. "Nein" sagte er fragend. "Das Mädchen, das den Brief brachte, ist ihre Dienerin" sagte die Wirtin wie zur Entschuldigung. "Das mag sein" sagte er, unwillig über die Teilnahme und beeilte sich aus der Wohnung zu kommen. "Sie ist eine Witwe" hauchte ihm die Wirtin von der Schwelle noch nach.
Ein Traum: Zwei Gruppen von Männern kämpften mit einander. Die Gruppe zu der ich gehörte, hatte einen Gegner einen riesigen nackten Mann gefangen. Fünf von uns hielten ihn einer beim Kopf, je zwei bei den Armen und Beinen. Leider hatten wir kein Messer ihn zu erstechen, wir fragten in der Runde eilig, ob ein Messer da sei, keiner hatte eines. Da aber aus irgendeinem Grunde keine Zeit zu verlieren war und in der Nähe ein Ofen stand, dessen ungewöhnlich große gußeiserne Ofentüre rotglühend war, schleppten wir den Mann hin, näherten einen Fuß des Mannes der Ofentüre, bis er zu rauchen begann, zogen ihn dann wieder zurück und ließen ihn ausdampfen, um ihn bald neuerlich zu nähern. So trieben wir es gleichförmig, bis ich nicht nur im Angstschweiß, sondern wirklich zähneklappernd erwachte.
Hans und Amalia, die zwei Kinder des Fleischers, spielten mit Kugeln an der Mauer des Magazins, eines großen alten festungsartigen Steinbaues, der mit seinen 2 Reihen stark vergitterter Fenster sich weithin am Flußufer dehnte. Hans zielte vorsichtig, prüfte Kugel Weg und Grube ehe er den Stoß abgab, Amalia hockte bei der Grube und klopfte mit den Fäustchen vor Ungeduld auf den Boden. Plötzlich aber ließen beide von den Kugeln ab, standen langsam auf und ' sahen das nächste Magazinsfenster an. Man hörte ein Geräusch wie wenn jemand eine der kleinen trüben dunklen Scheiben des vielgeteilten Fensters reinzuwischen suche, es gelang aber nicht und nun wurde sie entzweigeschlagen ein mageres scheinbar grundlos lächelndes Gesicht erschien undeutlich in dem kleinen Viereck, es war wohl ein Mann und er sagte "Kommt Kinder kommt. Habt Ihr schon ein Magazin gesehn?" Die Kinder schüttelten die Köpfe, Amalia sah erhitzt zum Mann auf, Hans blickte nach rückwärts, ob Leute in der Nähe wären, aber er sah nur einen Mann, der gleichgültig gegen alles mit gebeugtem Rücken einen schwer beladenen Karren das Quaigeländer entlang schob. "Dann werdet Ihr aber wirklich staunen" sagte der Mann, sehr eifrig als müsse er durch Eifer die Ungunst der Verhältnisse überwinden, die ihn mit Mauer Gitter und Fenster von den Kindern trennten. "Jetzt aber kommt. Es ist höchste Zeit." "Wie sollen wir hineinkommen" sagte Amalia. "Ich werde Euch die Tür zeigen" sagte der Mann. "Folgt mir nur, ich gehe jetzt nach rechts und werde an jedes Fenster klopfen." Amalia nickte und lief zum nächsten Fenster, wirklich klopfte es dort und so auch bei den Folgenden. Aber während Amalia dem fremden Mann gehorchte und ihm gedankenlos nachlief wie man etwa einem Holzreifen nachlauft, gieng Hans nur langsam hinterher. Ihm war nicht wohl zumut, das Magazin, das zu besuchen ihm bisher niemals eingefallen war, war gewiß sehr sehenswert, aber ob es wirklich erlaubt war hinzugehn, war durch die Einladung eines beliebigen Fremden noch durchaus nicht erwiesen. Es war eher unwahrscheinlich, denn wenn es erlaubt gewesen wäre, dann hätte ihn doch der Vater gewiß schon einmal hingeführt, da er nicht nur ganz in der Nähe wohnte, sondern sogar im weiten Umkreis alle Leute kannte, von ihnen gegrüßt und mit Ehrerbietung behandelt wurde. Und nun fiel Hans ein, daß dies also auch von dem Fremden gelten müsse, er lief um dies festzustellen Amalia nach und erreichte sie, als sie und mit ihr der Mann bei einer kleinen gleich unten am Erdboden befindlichen Tür aus Eisenblech Halt machten. Es war wie eine große Ofentüre. Wieder schlug der Mann beim letzten Fenster eine kleine Scheibe ein und sagte: "Hier ist die Tür. Wartet einen Augenblick, ich werde die Innentüren öffnen. " "Kennen Sie unsern Vater?" fragte Hans sofort, aber das Gesicht war schon verschwunden und Hans mußte mit seiner Frage warten. Nun hörte man, wie tatsächlich die Innentüren geöffnet wurden. Zuerst kreischte der Schlüssel kaum hörbar, dann lauter und lauter in nähern Türen. Das hier durchbrochene dicke Mauerwerk schien hier durch viele eng aneinanderliegende Türen ersetzt zu sein. Endlich öffnete sich auch die letzte nach innen, die Kinder legten sich auf den Boden um hineinsehn zu können und dort war nun auch das Gesicht des Mannes im Halbdunkel. "Die Türen sind offen, also kommt. Nur flink nur flink." Mit einem Arm drückte er die vielen Türplatten an die Wand. Als wäre Amalia durch das Warten vor der Tür ein wenig zur Besinnung gekommen, schob sie sich jetzt hinter Hans und wollte nicht die erste sein, ihn aber stieß sie nach vorn, denn mit ihm wollte sie sehr gerne ins Magazin. Hans war ganz nahe der Türöffnung, er fühlte den kühlen Anhauch, der aus ihr kam, er wollte nicht hinein, nicht zu dem Fremden, nicht hinter die vielen Türen, die zugesperrt werden konnten, nicht in das kühle alte riesige Haus. Nur weil er schon hier vor der Öffnung lag, fragte er: "Kennen Sie unsern Vater?" "Nein" antwortete der Mann "aber kommt schon endlich, ich darf nicht so lange die Türen offen lassen. " "Er kennt unsern Vater nicht" sagte Hans zu Amalia und stand auf; er war wie erleichtert, nun würde er gewiß nicht hineingehn. "Ich kenne ihn aber doch" sagte der Mann und schob den Kopf in der Öffnung weiter vor "natürlich kenne ich ihn, der Fleischer, der große Fleischer bei der Brücke, ich selbst hole dort manchmal Fleisch, glaubt Ihr, ich würde Euch ins Magazin einlassen, wenn ich nicht Euere Familie kennen würde?" "Warum hast Du zuerst gesagt, daß Du ihn nicht kennst" fragte Hans und hatte sich die Hände in den Taschen schon ganz vom Magazin abgewendet. "Weil ich hier in dieser Lage keine langen Gespräche zu führen wünsche. Kommt erst herein, dann kann man über alles sprechen. Im übrigen mußt Du Kleiner gar nicht hereinkommen, im Gegenteil ich bin lieber wenn Du mit Deinem ungezogenen Benehmen draußen bleibst. Deine Schwester aber die ist vernünftiger, die kommt und wird willkommen sein. " Und er streckte Amalie die Hand entgegen. "Hans" sagte Amalia während sie ihre Hand der fremden Hand näherte, ohne sie aber noch zu fassen. "Warum willst Du nicht hineingehn?" Hans, der nach der letzten Antwort des Mannes auch keine deutliche Ursache für seine Abneigung anführen konnte, sagte nur leise zu Amalia: "Er zischt so. " Und tatsächlich zischte der Fremde nicht nur beim Reden sondern auch wenn er schwieg. "Warum zischt Du" fragte Amalia, die zwischen Hans und dem Fremden vermitteln wollte. "Dir Amalie antworte ich" sagte der Fremde. "Ich habe einen schweren Atem es kommt von dem ununterbrochenen Aufenthalt hier in dem feuchten Magazin, auch Euch würde ich nicht raten lange hier zu bleiben, aber für ein Weilchen ist es eben außerordentlich interessant. "
"Ich gehe" sagte Amalia und lachte, sie war schon ganz gewonnen, "aber" fügte sie dann wieder langsamer hinzu Hans muß auch mitkommen. Natürlich sagte der Fremde, hopste mit dem Oberkörper hervor, faßte den vollständig überraschten Hans bei den Händen so daß dieser gleich niederfiel und zog ihn mit aller Kraft ins Loch hinein. "Hier gehts herein mein lieber Hans" sagte er und schleppte den sich wehrenden und laut schreienden mit sich ohne Rücksicht darauf daß ein Rockärmel von Hans an den scharfen Kanten der Türen in Fetzen gieng. "Mali" rief plötzlich Hans, – er war schon mit den Füßen im Loch, so rasch gieng es trotz allen Widerstandes – "Mali, hol den Vater, hol den Vater, ich kann nicht mehr zurück, er zieht mich so stark. " Aber Mali, ganz verwirrt durch das rohe Eingreifen des Fremden, überdies ein wenig schuldbewußt, denn sie hatte ja zu der Untat gewissermaßen aufgefordert, schließlich aber doch auch sehr neugierig wie sie es von allem Anfang an gewesen war, lief nicht weg, sondern hielt sich an Hansens Füße an, und ließ
11 V (1916) Also Brief dem Direktor übergeben. Vorvorgestern. Bat entweder falls Krieg im Herbst zuende ist um langen Urlaub für später undzwar ohne Gehalt oder falls der Krieg weitergeht um Aufhebung der Reklamation. Das war eine ganze Lüge. Halbe Lüge wäre gewesen, wenn ich um sofortigen langen Urlaub gebeten hätte und für den Fall der Verweigerung um Entlassung. Wahrheit wäre gewesen, wenn ich gekündigt hätte. Beides wagte ich nicht daher ganze Lüge.
Nutzlose heutige Unterredung. Direktor glaubt ich wolle die 3 Wochen des gewöhnlichen Urlaubs, die mir als Reklamiertem nicht gebüren, erpressen, bietet sie mir daher ohne weiters an, war dazu angeblich schon vor dem Brief entschlossen. Vom Militär spricht er überhaupt nicht, als stünde es nicht im Brief. Wenn ich davon spreche, überhört er es. Langen Urlaub ohne Gehalt findet er offenbar komisch; erwähnt es vorsichtig in diesem Ton. Drängt mich den 3 Wochenurlaub sofort zu nehmen. Macht Zwischeneinfügungen als laienhafter Nervenarzt, wie alle. Ich hätte doch keine Verantwortung zu tragen wie er, seine Stellung, die könnte allerdings krank machen. Wie viel habe er auch früher gearbeitet, als er sich zur Advokatursprüfung vorbereitete und gleichzeitig in der Anstalt Dienst tat. 9 Monate 11 Stunden Tagesarbeit. Und dann der Hauptunterschied. Hätte ich denn irgendwie und jemals für meine Stellung zu fürchten, er hätte aber diese Furcht gehabt. Er hätte Feinde in der Anstalt gehabt, die alles mögliche versucht hätten, um ihm sogar in dieser Weise den "Lebensast" zu durchschneiden, ihn zum alten Eisen zu werfen.
Von meinem Schreiben spricht er merkwürdigerweise nicht.
Ich schwächlich, trotzdem ich sehe daß es um mein Leben fast geht. Bleibe aber dabei, daß ich zum Militär will und daß 3 Wochen mir nicht genügen. Darauf verschiebt er die Fortsetzung der Unterredung. Wäre er nur nicht so freundlich und teilnehmend!
Ich werde an Folgendem festhalten: Ich will zum Militär, diesem 2 Jahre verhaltenem Wunsch nachgeben; aus verschiedenen Rücksichten die nicht meine Person betreffen, würde ich, wenn ich einen langen Urlaub bekäme, diesen vorziehn. Das ist aber wohl aus amtlichen wie militärischen Rücksichten unmöglich. Unter langem Urlaub verstehe ich – der Beamte schämt sich es zu sagen, der Kranke nicht – ein halbes oder ein ganzes Jahr. Ich will keinen Gehalt, weil es sich nicht um eine organische zweifellos feststellbare Krankheit handelt.
Das alles ist Fortsetzung der Lüge, kommt aber in der Wirkung, wenn ich konsequent bleibe, der Wahrheit nahe.
2 Juni 1916
Was für Verirrungen mit Mädchen trotz aller Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Grauhaarigkeit, Verzweiflung. Ich zähle: es sind seit dem Sommer mindestens 6. Ich kann nicht widerstehn, es reißt mir förmlich die Zunge aus dem Mund, wenn ich nicht nachgebe eine Bewunderungswürdige zu bewundern und bis zur Erschöpfung der Bewunderung (die ja geflogen kommt) zu lieben. Gegenüber allen 6 habe ich fast nur innerliche Schuld, eine aber ließ mir durch jemanden Vorwürfe machen.
Aus "Das Werden des Gottesglaubens" von N. Söderblom Erzbischof von Upsala ganz wissenschaftlich ohne persönliche oder religiöse Teilnahme.
Urgottheit der Masai: wie er das erste Vieh vom Himmel an einem Lederriemen in den ersten Kraal hinunterläßt.
Urgottheit einiger australischer Stämme: er kam als mächtiger Medicinmann vom Westen, machte Menschen Tiere Bäume Flüsse Gebirge, setzte die heiligen Ceremonien ein und bestimmte aus welchem Klan ein Mitglied eines bestimmten andern Klans sein Weib nehmen sollte. Als er fertig war gieng er davon. Die Medicinmänner können an einem Baum oder Seil zu ihm hinaufsteigen und Kraft holen
bei andern: während ihrer schöpferischen Wanderungen führten sie auch hie und da zum ersten Mal die heiligen Tänze und Riten aus
bei andern: die Menschen schufen selbst in der Urzeit die Totemtiere durch Ausübung der Zeremonien. Die heiligen
Riten brachten also selbst den Gegenstand auf den sie gerichtet sind hervor
Die Bimbinga nahe der Küste kennen 2 Männer welche in der Urzeit auf ihren Wanderungen Quellen Waldungen und Zeremonien schufen.
19 Juni 1916
Alles vergessen. Fenster öffnen. Das Zimmer leeren. Der Wind durchbläst es. Man sieht nur die Leere, man sucht in allen Ecken und findet sich nicht.
Mit Ottla. Sie von der Englischlehrerin abgeholt. Über den Quai, steinerne Brücke, kurzes Stück Kleinseite, neue Brücke, nachhause. Aufregende Heiligenstatuen auf der Karlsbrücke. Das merkwürdige Abendlicht der Sommerzeit bei nächtlicher Leere der Brücke.
Freude über Mixens Befreiung. An die Möglichkeit glaubte ich, nun sehe ich aber noch die Wirklichkeit. Für mich jetzt wieder nicht.
Und sie höreten die Stimme Gottes des Herrn, der im Garten ging, da der Tag kühl geworden war.
Ruhe Adam und Evas
Und Gott der Herr machte Adam und seinem Weibe Röcke von Fellen und kleidete sie.
Wüten Gottes gegen die Menschenfamilie
die zwei Bäume
das unbegründete Verbot
die Bestrafung aller (Schlange Frau Mann)
die Bevorzugung Kains
den er durch die Ansprache noch reizt
die Menschen wollen sich durch meinen Geist nicht mehr
strafen lassen
Zur selbigen Zeit fing man an zu predigen von des Herrn Namen
Und dieweil er ein göttlich Leben führte, nahm ihn Gott hinweg und ward nicht mehr gesehn.
3 Juli (1916) Erster Tag in Marienbad mit Felice. Tür an Tür, von beiden Seiten Schlüssel
Drei Häuser stießen an einander und bildeten einen kleinen Hof. In diesem Hof waren in Schupfen noch zwei Werkstätten untergebracht und in einer Ecke stand ein hoher Haufen kleiner Kisten. In einer äußerst stürmischen Nacht – der Wind trieb die Regenmassen über das niedrigste der Häuser scharf in den Hof hinein – hörte ein Student der in einer Dachkammer noch über seinen Büchern saß einen lauten Klageton aus dem Hof. Er fuhr auf und horchte, es blieb aber still, dauernd still. Eine Täuschung wohl sagte sich der Student und begann wieder zu lesen. "Keine Täuschung" so setzten sich nach einem Weilchen die Buchstaben im Buch förmlich zusammen. Täuschung wiederholte er und half den unruhig werdenden Zeilen mit seinem Zeigefinger nach, den er entlangführte.
4 Juli (1916) Eingesperrt in das Viereck eines Lattenzaunes, der nicht mehr Raum ließ, als einen Schritt der Länge und Breite nach, erwachte ich. Es gibt ähnliche Hürden, in die Schafe des Nachts gepfercht werden, aber so eng sind sie nicht. Die Sonne schien in geradem Strahl auf mich, um den Kopf zu schützen, drückte ich ihn an die Brust und hockte mit gekrümmten Rücken da.
Was bist Du? Elend bin ich. Zwei Brettchen gegen die Schläfen geschraubt habe ich.
5 Juli (1916) Mühsal des Zusammenlebens. Erzwungen von Fremdheit Mitleid, Wollust, Feigheit, Eitelkeit und nur im tiefen Grunde vielleicht ein dünnes Bächlein würdig Liebe genannt zu werden, unzugänglich dem Suchen, aufblitzend einmal im Augenblick eines Augenblicks.
Arme Felice
6 Juli (1916) Unglückliche Nacht. Unmöglichkeit mit F. zu leben. Unerträglichkeit des Zusammenlebens mit irgendjemandem. Nicht Bedauern dessen, Bedauern der Unmöglichkeit nicht allein zu sein. Weiter aber: Unsinnigkeit des Bedauerns, sich Fügen und endlich Verstehn. Von der Erde aufstehn. Halte Dich an das Buch. Aber wieder zurück: Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, von dem hohen Fenster hinunterspringen, aber auf den vom Regen durchweichten Boden, auf dem der Aufschlag nicht tötlich sein wird. Endloses Wälzen mit geschlossenen Augen, dargeboten irgendeinem offenen Blick.
Nur das alte Testament sieht – nichts darüber noch sagen.
Traum von Dr. Hanzal, saß hinter seinem Schreibtisch, irgendwie gleichzeitig angelehnt und vorgebeugt, wasserhelle Augen, führt langsam und genau in seiner Art einen klaren Gedankengang aus, höre selbst im Traume kaum etwas von seinen Worten, folge nur dem Methodischen von dem sie getragen werden. War dann auch mit seiner Frau beisammen, sie trug viel Gepäck, spielte erstaunlicher Weise mit meinen Fingern, ein Stück aus dem dicken Filz ihrer Ärmel war herausgerissen, dieser Ärmel, dessen kleinsten Teil ihre Arme ausfüllten, war mit Erdbeeren gefüllt.
[Ausgelacht zu werden kümmerte Karl unbeschreiblich wenig. Was waren das für Burschen und was wußten sie. Glatte amerikanische Gesichter mit nur zwei drei Falten, diese aber tief und wulstig eingeschnitten, in die Stirn oder auf einer Seite der Nase und des Mundes. Geborene Amerikaner, deren Art festzustellen förmlich ein Behämmern ihrer steinernen Stirnen genügte. Was wußten sie,]
Einer lag schwer krank im Bett. Der Arzt saß beim Tischchen, das an das Bett geschoben war, und beobachtete den Kranken, der wiederum ihn ansah. "Keine Hilfe" sagte der Kranke, nicht als frage sondern als antworte er. Der Arzt öffnete ein wenig ein großes medicinisches Werk, das am Rande des Tischchens lag, sah flüchtig aus der Entfernung hinein und sagte, das Buch zuklappend: "Hilfe kommt aus Bregenz. " Und als der Kranke angestrengt die Augen zusammenzog, fügte der Arzt hinzu: Bregenz in Vorarlberg. "Das ist weit" sagte der Kranke





