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2017/10/19 - 02:10

"Franz Kafka und die Unfallversicherung" von Gerhard Strejcek

von Janko Ferk

Franz Kafkas literarische Werke stehen seit langem im Mittelpunkt wissenschaftlicher Betrachtung. Heinz Politzer hat schon 1978 von einer "akademischen Kafka-Industrie" gesprochen, obwohl es damals erst rund 11.000 Expertenmeinungen zu studieren gab. Heute wirft die Suchmaschine Google unter dem Stichwort "Franz Kafka" je nach Tagesverfassung bis zu vier Millionen Ergebnisse aus. Trotz aller Forschungen und Resultate ist weniger bekannt, dass er auch ein hervorragender Versicherungsjurist war.

Gerhard Strejcek, Rechtswissenschaftler am Wiener Juridicum, beschreibt in seiner Monografie Kafkas "Brotberuf" von der kurzen Anstellung bei der privaten "Assicurazioni Generali" bis zur Tätigkeit bei der halbstaatlichen "Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen" in Prag. Im "Amt" gebrauchte er die beiden Landessprachen, Deutsch und Tschechisch. Kafkas konkrete juristische Aufgaben werden hier vor dem Hintergrund der jeweils gültigen Rechtsordnung erläutert.

Parallel dazu werden der wechselseitige Einfluss der literarischen Werke und beruflichen Tätigkeit aufgezeigt. Die Studie trägt dazu bei, den "amtlichen" Kafka und damit dessen Literatur besser verstehen zu können. Strejcek verknüpft anschaulich die Welten des praktizierenden Juristen und exzessiven Schriftstellers. Ein multipler Meister wird fassbarer.

Gerhard Strejcek: Franz Kafka und die Unfallversicherung. Grenzgänger des Rechts und der Weltliteratur. 86 S., brosch., € 9,80 (WUV Universitätsverlag, Wien)


Revision: 2011/01/08 - 00:18 - © Mauro Nervi




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