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2017/06/29 - 05:42

«Macht er sich einen Narren aus uns?» by Friedgard Thoma

» Unmoralischer Versuch über Franz Kafkas Erzählung «Die Verwandlung»

„Es gibt wenig sicheres, aber das gehört dazu, daß wir niemals zusammenleben werden, in gemeinsamer Wohnung, Körper an Körper, bei gemeinsamem Tisch, niemals [...] Fast hätte ich jetzt gesagt, es scheine mir das so gewiß, wie die Gewißheit, daß ich morgen früh nicht aufstehn (ich allein soll mich heben! Ich sehe mich dann unter mir wie unter einem schweren Kreuz, bäuchlings niedergedrückt, schwer habe ich zu arbeiten, ehe ich mich wenigstens ducken kann und der Leichnam über mir sich ein wenig hebt) und nicht ins Bureau gehen werde.[...] Doch nimm das über das Aufstehn nicht zu wörtlich, so schlimm ist es nicht; daß ich morgen aufstehn werde, ist immerhin gewisser als die fernste Möglichkeit unseres Zusammenlebens.“
Kafka an Milena, Prag im September 1920

 

Man muß kein Ungeziefer sein, um sich das Ausmaß der Veränderung vorzustellen, wenn die Unfähigkeit, morgens aufzustehen, manifest würde. Selbstverständlich müßte ein solches Versagen zur Vernichtung der gesellschaftlichen Existenz führen.

Franz Kafka hat in seiner Erzählung Die Verwandlung gezeigt, daß der Grund des Liegenbleibens im Mißbrauch zu finden ist, den die Familie und vor allem der Vater mit seiner Existenz getrieben hat, erbarmungslos, denn selbst das mütterliche und schwesterliche Erbarmen gehört auf die Seite des Erbarmungslosen, weshalb er sich, alleingelassen, auch selber als Ungeziefer und Untier erfährt und zuletzt sogar von einer Bediensteten zum Mistkäfer gemacht werden darf - irreversibles Schicksal, in dem er sich selbst nur noch zu dem machen kann, wozu er gemacht worden ist.

Dennoch ist es Kafka gelungen - zumindest im Kreuzworträtsel seiner Dichtung -, beim waagrechten Liegen einigermaßen senkrecht zu bleiben und halb als Kreuz, halb als Leichnam (oder rätselhaft zwischen beiden) zwar keinen christlichen, aber artistischen Balance-Akt schwebender Leidensfähigkeit zu vollbringen. Natürlich starb ein solcher Trapezkünstler früh, doch immerhin ließ er uns von seinem Kadaverdasein etwas zurück, das wir unsterblich nennen: seine Kunst der Verrätselung, die gerade durch falsche Lösung zur Weltliteratur wurde.

Was ist mit mir geschehen? fragt Gregor Samsa zu Beginn seiner tödlichen Veränderung. Es war kein Traum. Im Gegenteil: Aus unruhigen Träumen ist er ja gerade erwacht: Mit dem Erwachen kommt die verheerende Verwandlung an den Tag. Deshalb will Gregor zunächst ganz handgreifliche Abhilfe schaffen durch einen Arzt - oder gar einen Schlosser: denn seine Angewohnheit, nachts die Zimmertür (sein Traumleben) zu verriegeln, erweist sich jetzt neben der viel größeren Misere der eigenen liegengebliebenen Leiblichkeit als problematische Barriere hinsichtlich seiner jetzt notwendig gewordenen Mitteilungsbereitschaft. Seine beiden Körperhälften empfindet er so-gleich als getrennt voneinander, was zunächst sehr witzig klingt, aber im Ernst alle normalen leiblichen Funktionen ausschaltet, wozu auch und gerade das Aufstehn gehört. Dabei stellt sich der untere Teil als der empfindlichste heraus. Im oberen Teil entsteht Unbehagen, zumal er sich von seinem unteren, selbständig gewordenen, keine rechte Vorstellung machen kann [...] hatte er die Richtung falsch gewählt?

Eine solche Verwandlung kann sich nur im B e t t abspielen (wie z.B. auch im Heizer oder im Prozeß), einem Bett, aus dem Gregor herauswill mit der Anstrengung des folgsamen Sohnes, der sich im Elternhaus brav mit Laubsägearbeiten anstatt auf der Gasse mit Frauen die Zeit vertreibt (die hat er nur aus Illustrierten ausgeschnitten, dick pelzverbrämt im Goldrahmen an der Wand seines Kinderzimmers) und der bis jetzt gewissenhaft seinem phantasielosen Vertreterdasein ausgeliefert war, weil er die nicht arbeitende Familie inklusive Schwester Grete zu ernähren hatte.

Am liebsten würde er die Verwandlung rückgängig machen, die sich ohne seinen Willen im Bett und hinter verriegelter Tür abgespielt hat (ganz anders als bei Karl Roßmann übrigens, der sich im Bett des Heizers sehr wohl zu fühlen beginnt), doch erweist sich sein Wille gegenüber seiner blanken Bett-Existenz als ohnmächtig. Außerdem hat die Außenwelt bereits ihre Eigengesetzlichkeit vorangetrieben. Der Prokurist seiner Firma und die Familienmitglieder samt Dienstmädchen sind nicht mehr hinzuhalten oder zu täuschen. Sein Dasein hinter verschlossener Tür kann nicht länger verborgen bleiben, muß vielmehr endgültig von ihm selbst geklärt werden, er kann nicht zurück in den alten Zustand (der ihm eigentlich immer verhaßt war, und er wollte ohnehin irgendwann einmal den großen Schnitt machen, wie er sich jetzt im Bett eingesteht); allzu verräterisch ist er bereits aufgefallen.

Erst will er die Offenbarung über die Sprache leisten, denn sich unmittelbar in seiner bloßen Körperlichkeit als Ungeziefer darzutun, hat er nicht die Kraft. Nun wird aber mit seiner körperlichen Verwandlung auch seine Sprache bzw. deren Verstehbarkeit verändert, denn seine Erklärun-gen über seinen Zustand werden nicht richtig aufgenommen: „Haben Sie auch nur ein Wort verstanden?“, fragte der Prokurist die Eltern, „er macht sich doch wohl nicht einen Narren aus uns?“ Und wenn es so wäre?

Da es also über eine direkt offenbarende Sprache nicht klappt, muß die orale Wahrheitseröffnung wortlos, aber doch durch den Mund geschehen, mit dem er den Schlüssel zur Wahrheit seiner verwandelten Existenz umdreht. Das macht aber den Skandal erst recht sichtbar, denn danach s i e h t die Familie offenbar etwas, das fürchterlich ist und sprachlos macht, eben weil es auf totale Verständnislosigkeit trifft: Es wird klar, daß Gregor nicht mehr für die normale Arbeitswelt und auch nicht zum Familienleben tauglich sein wird.

Offensichtlich ist also nach der mühsam durch den Mund erfolgten Drehung des Schlüssels (eine gewaltige Anstrengung, bei der er auf ermunternde Worte oder andere hilfreiche Unterstützungen verzichten muß, wobei ihm braune Flüssigkeit aus dem Mund und über den Schlüssel auf den Boden tropfte: „Ich habe also den Schlosser nicht gebraucht“) etwas gezeigt worden, was die Familie sofort als eine solche Schande empfindet, daß sie den Sohn überhaupt nicht mehr als Menschen betrachtet und behandelt, so daß Gregor selbst anfängt, sich in seinem Menschsein anzuzweifeln; denn obgleich die Mutter an eine schwere Krankheit glaubt, zeigt sie sich in ihrem Entsetzen genauso wenig hilfreich wie die mildtätige Schwester, die eigentlich mit dem Vater gemeinsame (Vernichtungs-) Sache betreibt. Ist das der Grund für die Verschlüsselungstechnik, mit der Kafka seine Offenbarungen immer wieder verbirgt?

W a s dies in der Verwandlung skandalös Offenbarte i s t, das können wir nur erraten und erschließen, denn Kafka hat es für immer unter seinen Verwandlungen versteckt; ja, darin besteht gerade sein dichterischer Akt - sei es auch nur, um postum (d.h. für immer) Narren aus denen zu machen, die ihn (falsch) verstehen wollen?

Einzig das Geigenspiel seiner Schwester Grete bringt Gregor noch einmal zur Besinnung auf seinen menschlichen Wert: War er ein Tier, da ihn Musik so ergriff? Ihm war, als zeige sich ihm der Weg zu der ersehnten unbekannten Nahrung. Dieser Weg bleibt Gregor ebenso verwehrt (Hätte er vielleicht doch, wenn schon nicht den Schlosser, den Arzt gebraucht? Aber das ist eine andere Geschichte.) wie auch dem Hungerkünstler, dem die Speise nicht schmeckt, die er finden kann: Hätte ich sie gefunden, glaube mir, ich hätte kein Aufsehen gemacht und mich vollgegessen wie du und alle.

Auch Gregor erregt ja mit seiner Verwandlung am Morgen des Erwachens Aufsehen, und er macht dadurch den großen Schnitt - wider Willen allerdings, weil er meint, noch eine Zeitlang für Vater, Mutter und Schwester sorgen zu müssen, d.h. Rücksicht zu nehmen auf familienorientierte Lebensweise. Aber er macht noch keine Kunst daraus wie später der Hungerkünstler, der freiwillig stirbt bzw. vergessen wird - oder wie Josefine, die Sängerin, die es sich als Diva bereits leisten kann, einfach zu verschwinden, und das zu einer Zeit, wo ihr Gesang erwartet wurde. Das mag Gregor Samsas Fehler sein, denn seine schuldbewußte Fürsorge und Rücksichtnahme bringen ihn möglicherweise allzu früh und gegen seinen Willen um, wie seine (zu) spät erkannte Liebe zur Musik, die eine Sehnsucht nach dem richtigen Weg andeutet.

Familie und Arbeitswelt haben ihn ver- und mißbraucht, in die Enge getrieben und unfähig gemacht, aufrecht zu gehen. Der Prozeß des Sterbens nach einmal versäumtem Aufstehen ist ein langwieriger und erbarmungsloser und wird gleichsam als Gegengeburt, als pervertierter Geburts-vorgang geschildert: Eingeleitet durch den ersten Gewaltakt seines Erzeugers (Ende des 1.Teils), einfach von hinten durch einen jetzt [!] wahrhaftig erlösenden starken Stoß!

Jetzt - das heißt in umgekehrter Richtung wie zu Zeiten des gescheiterten verbalen Erklärungsversuchs und während der oralen Anstrengung der Schlüssel-Umdrehung (weshalb Gregor immer rückwärts kriechen muß): Längst nicht mehr auf sprachliches Verstehen hoffend und auch ohne wirksamen Schlüssel zur nackten Wahrheit seiner ein-samen und liebebedürftigen Existenz (der Mangel jeder unmittelbaren menschlichen Ansprache inmitten des einförmigen Familienlebens hat ihn bereits zutiefst geschädigt), läßt sich Gregor jetzt leidend-lustvoll mit primitivster G e w a l t a k t - Technik behandeln. Sie wirkt erlösend, wenn alle anderen aufrechten oder aufrichtigen Versuche der Kommunikation und der Selbstbestimmung fehlgeschlagen sind. Die künstlerische Technik Kafkas hat zweifellos ihre Konsequenz daraus gezogen, indem seine Sprache ver-schlüsselt, was nicht aufzuschließen war.

Nur ein Mann wie Franz Kafkas V a t e r kann einen solchen Gewaltakt initiieren, dessen Schilderung zweifellos homosexuelle Praktiken birgt und als erlösend und tödlich zugleich erlebt wird. Er hat Franz schon als weinendes Kind gewaltsam genommen, als er es nachts auf die Pawlatsche, also vor die Wohnungstür, stellte: eine Form des Kindesmißbrauchs, die Kafkas Leben, vor allem seine Sexualität prägen mußte. Die Mutter dagegen erwies sich bei solchen Gewaltakten als hilflos und unwirksam, wie auch die Schwester.

So kommt es, daß Gregor in geradezu masochistischer Bewunderung gegenüber dem Peiniger fragen kann: War das noch der Vater? [...] Unter den buschigen Augenbrauen drang der Blick der schwarzen Augen frisch und aufmerksam hervor; das sonst zerzauste weiße Haar war zu einer peinlich genauen Scheitelfrisur niedergekämmt [...]. Gregor staunte über die Riesengröße seiner Stiefelsohlen. Solche gottähnlichen Männlichkeitsattribute heben diesen Kraftmenschen weit über das übliche Vaterbild hinaus und setzen es davon ab. Dieser Mann ist ein Versucher, ein Vernichter, wie es in der von Kafka selber nicht veröffentlichten Geschichte Die Brücke heißt. Und genau wie in diesem kurzen Text ein offenbar erfahrener, energisch starker Mann einen brückenartig liegenden (!) Wartenden mit der Eisenspitze seines Stockes von hinten beklopft, bevor er dem gänzlich Unwissenden einen wilden Schmerz zufügt und ihn dann vernichtet, traktiert der Vater Gregor bei seiner ersten Attacke mit der Spitze seines Stockes von hinten, bevor er ihm den schmerzhaften, aber wahrhaftig erlösenden starken Stoß gibt, so daß er heftig blutend weit in sein Zimmer hineinfliegt: eine wiederum pervertierende Vertreibung i n s Paradies, das zugleich Hölle und Fegefeuer ist. Dazu passen in höchst satirischer Weise auch die Äpfel, mit denen der Vater-Gott seinen Sohn bei der zweiten Attacke (Ende des 2.Teils der Erzählung) bombardiert und ihn dabei schwer verletzt: Adams-Äpfelchen gefällig? Verführungsmetapher, hier als männliche Vernichtungs-Waffe gegen den eigenen Sohn pervertiert, in dessen Ungeziefer-Rücken sie faulend vergehen; denn eins der kleinen roten Früchtchen dringt förmlich in Gregors Rücken ein. Ein überraschender unglaublicher Schmerz durchfährt ihn, und er sieht nur noch schemenhaft, wie die Mutter quasi im Geschlechtsakt den Vater umarmend, in gänzlicher Vereinigung mit ihm um Schonung von Gregors Leben bat. Die Geburt des Sohnes aus dem Geiste der Vernichtung?

Die Rolle des Vaters spaltet sich hier in zwei entge-gengesetzte Kraftfelder. Einerseits ist er in seiner patriarchalischen Funktion von Geburt des Kindes an sein Ernährer u n d - als männlich Überlegener - sein Widersacher: also sein Erzeuger und doch auch sein Vernichter; in dieser Doppelrolle zeigt er sich als mächtiger Repräsentant wider-sprüchlicher gesellschaftlicher Anforderungen, an denen der Sohn scheitert. Andererseits prägt der Vater nachhaltig Kafkas gespaltenes Triebleben, das sich zwischen Scham und Ekel auf der einen und lustvoller Schmerzerfahrung (das Erlösende) auf der anderen Seite bewegt, so daß sich der Sohn nicht (mehr) an Frauen orientieren kann, zumindest nicht zwecks Vermehrung. Schon Mutter und Schwester erwiesen sich als machtlos den Angriffen des Vaters gegenüber; andere Frauen bleiben letztlich unerreichbar wie das gerahmte Pelzmodefoto an der Wand oder später Milena in Wien. Vielmehr läßt er sich durch überlegene oder brutale Triebmänner beeindrucken, denen er sich brav unterordnet wie Gregor den erlösenden Schlägen des Vaters, dessen strafend abweisende Züchtigungen ihm seine homosexuell-masochistische Triebrichtung geben.

So wird er also wegen seiner Abartigkeit als Untier bestraft, obwohl diese aus der Behandlung des Vaters entstanden sein muß. Unterwürfig nimmt der Sohn die Bestrafung für seine Unfähigkeit, gesellschaftlich ‘richtig’ (familienorientiert) zu funktionieren, auf sich, weil er sie nicht nur schuldbewußt, sondern auch lustvoll empfindet. Die daraus erwachsende schizophrene Situation zwischen Lust am Bestraftwerden und Schuld-Scham-Ekel lassen ihn wiederum auch vor sich selber als Ungeziefer, Untier und Mistkäfer erscheinen.

Der Vater selbst hat aber in dieser Erzählung die eigentliche Schuld an Franz-Gregors Zustand oder besser Un-Stand, indem er als Erzeuger-Vernichter seines Sohnes dessen potentielle (erhoffte und befürchtete) Vergewaltiger vorwegnimmt, was den Sohn ein für allemal an Familienleben und Fortpflanzung hindert (vgl. Das Urteil) und ihn statt dessen in die Rolle des brutal von hintenGenommenen hineindrängt, wofür man ihn auch noch bestraft (vgl. die Verurteilung zum Tode des Ertrinkens im Urteil): Das ist die völlig unheilbare, unentwirrbar psycho-sexuell verknotete Problemlage im Leben und Werk Franz Kafkas, das nicht von ungefähr eine Rezeptionsgeschichte von Mißdeutungen erfahren hat, die ihreresgleichen sucht (Kleists Werk geschah und geschieht ähnliches).

Du bist die Aufgabe. Kein Schüler weit und breit, schreibt er im Tagebuch über sich selbst. Die Übergabe seines Werks an den heterosexuellen Freund Max Brod stand am Beginn dieser schülerlosen Aufgabe, die Brod natürlich nur falsch lösen konnte, was schon fast einer von Kafka bekanntlich geforderten Verbrennungsaktion gleichkam, da Brod ein mögliches Werk-Verständnis konsequent und teilweise bewußt in die falsche Hetero-Richtung führte (die 19jährige Dora Diamant wird dem 40jährigen Sterbenden von Brod als ideale Ehefrau in ein leider nicht mehr zu be-ziehendes Gemeinschaftsbett hineingewünscht; Grete Bloch soll vorher schon ein Kind von K. bekommen haben etc.). Seine Verdienste an Herausgeber- und Verwalterleistungen werden dadurch übrigens keineswegs geschmälert.

Längst hat der Psychologe Günter Mecke in dem Buch Franz Kafkas offenbares Geheimnis (1982) dessen verschlüsselte, pornographisch gefärbte Homosexuellen-Sprache aufgedeckt (leider allzu ungermanistisch und nicht säuberlich begründet), aber davon wollen Rezensenten, Rezipienten oder Vor- und Nachworte schreibende Herausgeber nichts wissen - warum auch? Die bürgerliche Welt w i l l nichts von den Abgründen anerkannter Dichter (oder gar von den eigenen) wissen. Ausnahme: K.R.Eisslers monumentale Goethe-Analyse, die man sich endlich auch für Kafka wünschte, auf den Eisslers Untersuchungen der pathologischen Verfassung Goethes manchmal bestürzend zutreffen. Man fährt in den Deutungen Kafkas lieber in Richtung sanktionierter religiös-heterosexueller Bürgerlichkeit fort. Überließ Kafka dem Jugendfreund Max Brod deshalb seine Schriften? Hat er damit selber die Mißverständnisse provoziert als einzigen Ausweg für sein bis zur Peinlichkeit intimes Werk - und hat er es s o bis heute geschafft, daß sich nur der Lesende entlarven muß, wenn er sich entweder zu der tabuisierten Welt bekennt oder nicht? Geht Kafkas Masochismus auch in künstlerischer Hinsicht so weit, daß er, der traurige Komödiant, seinen Spaß hätte an der bis heute gepflegten Mißdeutung seines Werks?

Wie fragte der Prokurist: Er macht sich doch wohl nicht einen Narren aus uns?

© by the Author, 2001


Revision: 2011/01/08 - 00:18 - © Mauro Nervi




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