<?xml version="1.0" encoding="utf-8" standalone="yes"?><rss version="2.0" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"><channel><title>Unpublished Works 1922-1924 on The Kafka Project</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/</link><description>Recent content in Unpublished Works 1922-1924 on The Kafka Project</description><generator>Hugo</generator><language>en</language><lastBuildDate>Fri, 05 Nov 2004 15:38:01 +0000</lastBuildDate><atom:link href="https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/index.xml" rel="self" type="application/rss+xml"/><item><title>"Ein junger Student…" (II, 14)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/ein-junger-student-ii-14/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:12:54 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/ein-junger-student-ii-14/</guid><description>&lt;p&gt;Ein junger Student wollte an einem Abend im Januar zur Zeit der großen Gesellschaften seinen besten Freund, den Sohn eines hohen Staatsbeamten aufsuchen. Er wollte ihm ein Buch zeigen, das er gerade las und von dem er ihm auch schon viel erzählt hatte. Es war ein schwer verständliches Buch über die Grundzüge der Geschichte der Volkswirtschaft, man konnte nur schwer folgen, der Autor hielt sein Thema, wie es in einer Kritik sehr bezeichnend hieß, an sich gedrückt, wie der Vater das Kind mit dem er durch die Nacht reitet. Trotz aller Schwierigkeit verlockte es aber den Studenten sehr; wenn er eine zusammenhängende Stelle durchdrungen hatte, fühlte er einen großen Gewinn, nicht nur die gerade vorgetragene Ansicht, sondern alles ringsherum schien ihm einleuchtender, besser bewiesen und widerstandskräftiger. Einigemal auf dem Weg zu seinem Freund blieb er unter einer Laterne stehn und las bei dem durch Schneenebel gedämpften Licht einige Sätze. Große seine Fassungskraft übersteigende Sorgen bedrückten ihn, das Gegenwärtige war zu erfassen, die vor ihm liegende Aufgabe aber erschien ihm undeutlich und ohne Ende, vergleichbar nur seinen Kräften, die er ebenso und noch nicht aufgerufen in sich fühlte.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>"… nächstens kommt" (II, 15)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/naechstens-kommt-ii-15/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:20:12 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/naechstens-kommt-ii-15/</guid><description>&lt;p&gt;(Fortsetzung des im vorigen Textträger beginnenden Fragments)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;nächstens kommt, mich verkriechen und schlafend stellen und das so lange wiederholen, bis er ausbleibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch ist in meine Forschungen Unordnung gekommen, ich lasse nach, ich ermüde, ich trotte nur noch mechanisch, wo ich begeistert lief. Ich denke zurück an die Zeit, als ich die Frage: &amp;ldquo;Woher nimmt die Erde unsere Nahrung?&amp;rdquo; zu untersuchen begann. Freilich lebte ich damals mitten im Volk, drängte mich dorthin wo es am dichtesten war, wollte alle zu Zeugen meiner Arbeiten machen, diese Zeugenschaft war mir sogar wichtiger als meine Arbeit, da ich ja noch irgendeine allgemeine Wirkung erwartete. Davon erhielt ich natürlich eine große Befeuerung, die nun für mich Einsamen vorbei ist. Damals aber war ich so stark, daß ich etwas tat, was unerhört ist, allen unsern Grundsätzen widerspricht und an das sich gewiß jeder Augenzeuge von damals als an etwas Unheimliches erinnert. Ich fand in der Wissenschaft, die sonst zu grenzenloser Specialisierung strebt, in einer Hinsicht eine merkwürdige Vereinfachung. Sie lehrt daß in der Hauptsache die Erde unsere Nahrung hervorbringt und gibt dann, nachdem sie diese Voraussetzung gemacht hat, die Methoden an, mit welchen sich die verschiedenen Speisen in bester Art und größter Fülle erreichen lassen. Nun ist es freilich richtig, daß die Erde die Nahrung hervorbringt, daran kann kein Zweifel sein, aber so einfach, wie es gewöhnlich dargestellt wird, jede weitere Untersuchung ausschließend, ist es nicht. Man nehme doch nur die primitivsten Vorfälle her die sich täglich wiederholen. Wenn wir gänzlich untätig wären, wie ich es nun schon fast bin, nach flüchtiger Bodenbearbeitung uns zusammenrollen würden und warten was kommt, so würden wir allerdings, vorausgesetzt daß sich überhaupt etwas ergeben würde, die Nahrung auf der Erde finden. Aber das ist doch nicht der Regelfall. Wer sich nur ein wenig Unbefangenheit gegenüber der Wissenschaft bewahrt hat – und deren sind freilich wenige, denn die Kreise, welche die Wissenschaft zieht, werden immer größer – wird, auch wenn er gar nicht auf besondere Beobachtungen ausgeht leicht erkennen, daß der Hauptteil der Nahrung, die dann auf der Erde liegt, von oben herabkommt, wir fangen ja je nach unserer Geschicklichkeit und Gier das Meiste sogar ab ehe es die Erde berührt. Damit sage ich noch nichts gegen die Wissenschaft, die Erde bringt ja auch diese Nahrung natürlich hervor, ob sie die eine aus sich heraufzieht oder die andere aus der Höhe herabruft, ist ja vielleicht kein wesentlicher Unterschied und die Wissenschaft welche festgestellt hat, daß in beiden Fällen Bodenbearbeitung nötig ist, muß sich vielleicht mit jenen Unterscheidungen nicht beschäftigen, heißt es doch: &amp;ldquo;Hast Du den Fraß im Maul, so hast Du für diesmal alle Fragen gelöst. &amp;quot; Nur scheint es mir, daß die Wissenschaft sich in verhüllter Form doch wenigstens teilweise mit diesen Dingen beschäftigt, da sie ja doch zwei Hauptmethoden der Nahrungsbeschaffung kennt, nämlich die eigentliche Bodenbearbeitung und dann die Ergänzungs- und Verfeinerungsarbeit in Form von Spruch, Tanz und Gesang. Ich finde darin eine zwar nicht vollständige, aber doch genug deutliche, meiner Unterscheidung entsprechende Zweiteilung. Die Bodenbearbeitung dient meiner Meinung nach zur Erzielung von beiderlei Nahrung und bleibt immer unentbehrlich, Spruch, Tanz und Gesang aber betreffen weniger die Bodennahrung im engeren Sinn, sondern dienen hauptsächlich dazu die Nahrung von oben herabzuziehn. In dieser Auffassung bestärkt mich die Tradition. Hier scheint das Volk die Wissenschaft richtigzustellen ohne es zu wissen und ohne daß die Wissenschaft sich zu wehren wagt. Wenn wie die Wissenschaft will, jene Ceremonien nur dem Boden dienen sollten, etwa um ihm die Kraft zu geben, die Nahrung von oben zu holen, so müßten sie sich doch folgerichtig völlig am Boden vollziehn, dem Boden müßte alles zugeflüstert, vorgesungen, vorgetanzt werden. Die Wissenschaft verlangt wohl auch meines Wissens nichts anderes. Und nun das Merkwürdige, das Volk richtet sich mit allen seinen Ceremonien in die Höhe. Es ist das keine Verletzung der Wissenschaft, sie verbietet es nicht, läßt dem Landwirt darin die Freiheit, sie denkt bei ihren Lehren nur an den Boden und führt der Landwirt ihre auf den Boden sich beziehenden Lehren aus ist sie zufrieden, aber ihr Gedankengang sollte meiner Meinung nach eigentlich mehr verlangen. Und ich, der ich niemals tiefer in die Wissenschaft eingeweiht worden bin, kann mir gar nicht vorstellen, wie die Gelehrten es dulden können, daß unser Volk, leidenschaftlich wie es nun einmal ist, die Zaubersprüche aufwärts ruft, unsere alten Volksgesänge in die Lüfte klagt und Sprungtänze aufführt, als ob es sich den Boden vergessend für immer empor schwingen wollte. Von der Betonung dieser Widersprüche ging ich aus, ich beschränkte mich, wann immer nach den Lehren der Wissenschaft die Erntezeit sich näherte, völlig auf den Boden, ich scharrte ihn im Tanz, ich verdrehte den Kopf, um nur dem Boden möglichst nahe zu sein, ich machte mir später eine Grube für die Schnauze und sang so und deklamierte daß nur der Boden es hörte und niemand sonst neben oder über mir. Die Forschungsergebnisse waren gering, manchmal bekam ich das Essen nicht und schon wollte ich jubeln über meine Entdeckung, aber dann kam das Essen doch wieder, so als wäre man zuerst beirrt gewesen durch meine sonderbare Aufführung, erkenne aber jetzt den Vorteil, den sie bringe und verzichte gern auf meine Schreie und Sprünge, oft kam das Essen sogar reichlicher als früher, aber dann blieb es doch auch wieder gänzlich aus. Ich machte mit einem Fleiß, der an jungen Hunden bisher unbekannt gewesen war, genaue Aufstellungen aller meiner Versuche, glaubte schon hie und da eine Spur zu finden, die mich weiter führen könnte, aber dann verlief sie sich doch wieder ins Unbestimmte. Es kam mir hiebei unstreitig auch meine ungenügende wissenschaftliche Vorbereitung in die Quere. Wo hatte ich die Bürgschaft, daß z. B. das Ausbleiben des Essens nicht durch mein Experiment, sondern durch unwissenschaftliche Bodenbearbeitung bewirkt war und traf das zu, dann waren alle meine Schlußfolgerungen haltlos. Unter gewissen Bedingungen hätte ich ein fast ganz präcises Experiment erreichen können, wenn es mir nämlich gelungen wäre ganz ohne Bodenbearbeitung einmal nur durch aufwärts gerichtete Ceremonie das Herabkommen des Essens und dann durch ausschließliche Boden-Ceremonie das Ausbleiben des Essens zu erreichen. Ich versuchte auch derartiges, aber ohne festen Glauben und nicht mit vollkommenen Versuchsbedingungen, denn meiner unerschütterlichen Meinung nach ist wenigstens eine gewisse Bodenbearbeitung immer nötig und selbst wenn die Ketzer, die es nicht glauben, recht hätten, ließe es sich doch nicht beweisen, da die Bodenbesprengung unter einem Drang geschieht und sich in gewissen Grenzen gar nicht vermeiden läßt. Ein anderes allerdings etwas abseitiges Experiment glückte mir besser und machte einiges Aufsehen. Anschließend an das übliche Abfangen der Nahrung aus der Luft beschloß ich die Nahrung zwar nicht niederfallen zu lassen, sie aber auch nicht abzufangen. Zu diesem Zwecke machte ich immer wenn die Nahrung kam einen kleinen Luftsprung, der aber so berechnet war daß er nicht ausreichte; meistens fiel sie ja dann doch stumpfgleichgültig zu Boden und ich warf mich wütend auf sie, in der Wut nicht nur des Hungers sondern auch der Enttäuschung. Aber in vereinzelten Fällen geschah doch etwas anderes, etwas eigentlich Wunderbares, die Speise fiel nicht, sondern folgte mir in der Luft, die Nahrung verfolgte den Hungrigen. Es geschah nicht lange, eine kurze Strecke nur, dann fiel sie doch oder verschwand gänzlich oder – der häufigste Fall – meine Gier beendete vorzeitig das Experiment und ich fraß die Sache auf. Immerhin, ich war damals glücklich, durch meine Umgebung ging ein Raunen, man war unruhig und aufmerksam geworden, ich fand meine Bekannten zugänglicher meinen Fragen, in ihren Augen sah ich irgendein Hilfe suchendes Leuchten, mochte es auch nur der Widerschein meiner eigenen Blicke sein, ich wollte nichts anderes, ich war zufrieden. Bis ich dann freilich erfuhr – und die andern erfuhren es mit mir – daß dieses Experiment in der Wissenschaft längst beschrieben ist, viel großartiger schon gelungen ist als mir, zwar schon lange nicht gemacht worden ist wegen der Schwierigkeit der Selbstbeherrschung die es verlangt, aber wegen seiner angeblichen wissenschaftlichen Bedeutungslosigkeit auch nicht wiederholt werden muß. Es beweise nur das, was man schon wußte, daß der Boden die Nahrung nicht nur gerade abwärts von oben holt, sondern auch schräg, ja sogar in Spiralen. Da stand ich nun, aber entmutigt war ich nicht, dazu war ich noch zu jung, im Gegenteil, ich wurde dadurch aufgemuntert zu der vielleicht größten Leistung meines Lebens. Ich glaubte nicht der wissenschaftlichen Entwertung meines Experiments, aber hier hilft kein Glauben, sondern nur der Beweis und den wollte ich antreten und wollte damit auch dieses ursprünglich etwas abseitige Experiment ins volle Licht, in den Mittelpunkt der Forschung stellen. Ich wollte beweisen, daß wenn ich vor der Nahrung zurückwich, nicht der Boden sie schräg zu sich herabzog, sondern ich es war, der sie hinter mir her lockte. Dieses Experiment konnte ich allerdings nicht weiter ausbauen, den Fraß vor sich zu sehn und dabei wissenschaftlich experimentieren, das hält man für die Dauer nicht aus. Aber ich wollte etwas anderes tun, ich wollte solange ich es aushielt völlig fasten, allerdings dabei auch jeden Anblick der Nahrung, jede Verlockung vermeiden. Wenn ich mich so zurückzog, mit geschlossenen Augen liegen blieb Tag und Nacht, weder um das Aufheben noch um das Abfangen der Nahrung mich kümmerte und wie ich nicht zu behaupten wagte, aber leise hoffte, ohne alle sonstige Maßnahmen nur auf die unvermeidliche unrationelle Bodenbesprengung hin, und stilles Aufsagen der Sprüche und Lieder (den Tanz wollte ich unterlassen um mich nicht zu schwächen) die Nahrung von oben selbst herabkäme und, ohne sich um den Boden zu kümmern, an mein Gebiß klopfen würde, um eingelassen zu werden, – wenn dies geschah, dann war die Wissenschaft zwar nicht widerlegt, denn sie hat genug Elasticität für Ausnahmen und Einzelfälle, aber was würde das Volk sagen, das glücklicher Weise nicht soviel Elasticität hat? Denn es würde das ja auch kein Ausnahmsfall von der Art sein, wie sie die Geschichte überliefert, daß etwa einer wegen körperlicher Krankheit oder wegen Trübsinn sich weigert die Nahrung vorzubereiten, zu suchen, aufzunehmen und dann die Hundeschaft in Beschwörungsformeln sich vereinigt und dadurch ein Abirren der Nahrung von ihrem gewöhnlichen Weg geradewegs in das Maul des Kranken erreicht. Ich war dagegen in voller Kraft und Gesundheit, mein Appetit so prächtig, daß er mich tagelang hinderte an etwas anderes zu denken als an ihn, ich unterzog mich, mochte man es glauben oder nicht, dem Fasten freiwillig, war selbst imstande für das Herabkommen der Nahrung zu sorgen und wollte es auch tun, brauchte also auch keine Hilfe der Hundeschaft und verbat sie mir sogar auf das Entschiedenste. Ich suchte mir einen geeigneten Ort in einem entlegenen Gebüsch, wo ich keine Eßgespräche, kein Schmatzen und Knochenknacken hören würde, fraß mich noch einmal völlig satt und legte mich dann hin. Ich wollte womöglich die ganze Zeit mit geschlossenen Augen verbringen; solange kein Essen kommen sollte, würde es für mich ununterbrochen Nacht sein, mochte es Tage und Wochen dauern. Dabei durfte ich allerdings, dies war eine große Erschwerung, wenig oder am besten gar nicht schlafen, denn ich mußte ja nicht nur die Nahrung herabbeschwören sondern auch auf der Hut sein, daß ich die Ankunft der Nahrung nicht etwa gar verschlafe, andererseits wiederum war Schlaf sehr willkommen, denn schlafend würde ich viel länger hungern können, als im Wachen. Aus diesen Gründen beschloß ich die Zeit vorsichtig einzuteilen und viel zu schlafen, aber immer nur ganz kurze Zeit. Ich erreichte dies dadurch, daß ich den Kopf im Schlaf immer auf einen schwachen Ast stützte, der bald einknickte und mich dadurch weckte. So lag ich, schlief oder wachte, träumte oder sang still für mich hin. Die erste Zeit verging ereignislos, noch war es vielleicht dort, woher die Nahrung kommt, irgendwie unbemerkt geblieben, daß ich mich hier gegen den üblichen Verlauf der Dinge stemmte, und so blieb alles still. Ein wenig störte mich in meiner Anstrengung die Befürchtung daß die Hunde mich vermissen, bald auffinden und etwas gegen mich unternehmen würden. Eine zweite Befürchtung war, daß auf die bloße Besprengung hin, der Boden, trotzdem es ein nach der Wissenschaft unfruchtbarer Boden war, die sogenannte Zufalls-Nahrung hergeben und ihr Geruch mich verführen würde. Aber vorläufig geschah nichts dergleichen und ich konnte weiterhungern. Abgesehn von diesen Befürchtungen war ich zunächst ruhig, wie ich es an mir noch nie bemerkt hatte. Trotzdem ich hier eigentlich an der Aufhebung der Wissenschaft arbeitete, erfüllte mich Behagen und fast die sprichwörtliche Ruhe des wissenschaftlichen Arbeiters. In meinen Träumereien erlangte ich von der Wissenschaft Verzeihung, es fand sich in ihr auch ein Raum für meine Forschungen, trostreich klang es mir in den Ohren, daß ich, mögen auch meine Forschungen noch so erfolgreich werden und besonders dann, keineswegs für das Hundeleben verloren sei, die Wissenschaft sei mir freundlich geneigt, sie selbst werde die Deutung meiner Ergebnisse vornehmen und dieses Versprechen bedeute schon die Erfüllung selbst, ich werde, während ich mich bisher im Innersten ausgestoßen fühlte und die Mauern meines Volkes berannte wie ein Wilder, in großen Ehren aufgenommen werden, die ersehnte Wärme versammelter Hundeleiber werde mich umströmen, hochgepriesen werde ich auf den Schultern meines Volkes schwanken. Merkwürdige Wirkung des ersten Hungerns. Meine Leistung erschien mir so groß, daß ich aus Rührung und aus Mitleid mit mir selbst dort in dem stillen Gebüsch zu weinen anfing, was allerdings nicht ganz verständlich war, denn wenn ich den verdienten Lohn erwartete, warum weinte ich dann? Wohl nur aus Behaglichkeit. Niemals hat mir mein Weinen gefallen. Immer nur wenn mir behaglich war, selten genug, habe ich geweint. Damals ging es freilich bald vorüber. Die schönen Bilder verflüchtigten sich allmählich mit dem Ernsterwerden des Hungers, es dauerte nicht lange und ich war, nach schneller Verabschiedung aller Phantasien und aller Rührung, völlig allein mit dem in den Eingeweiden brennenden Hunger. &amp;ldquo;Das ist der Hunger&amp;rdquo;, sagte ich mir damals unzähligemal, so als wollte ich mich glauben machen, Hunger und ich seien noch immer zweierlei und ich könnte ihn abschütteln wie einen lästigen Liebhaber, aber in Wirklichkeit waren wir höchst schmerzlich Eines und wenn ich mir erklärte: &amp;ldquo;Das ist der Hunger&amp;rdquo;, so war es eigentlich der Hunger der sprach und sich damit über mich lustig machte. Eine böse, böse Zeit! Mich schauert wenn ich an sie denke, freilich nicht nur wegen des Leides, das ich damals durchlebt habe, sondern vor allem deshalb, weil ich damals nicht fertig geworden bin, weil ich dieses Leiden noch einmal werde durchkosten müssen, wenn ich etwas erreichen will, denn das Hungern halte ich noch heute für das letzte und stärkste Mittel meiner Forschung. Durch das Hungern geht der Weg, das Höchste ist nur der höchsten Leistung erreichbar, wenn es erreichbar ist, und diese höchste Leistung ist bei uns freiwilliges Hungern. Wenn ich also jene Zeiten durchdenke – und für mein Leben gern wühle ich in ihnen – durchdenke ich auch die Zeiten die mir drohen. Es scheint, daß man fast ein Leben verstreichen lassen muß, ehe man sich von einem solchen Versuch erholt, meine ganzen Mannesjahre trennen mich von jenem Hungern, aber erholt bin ich noch nicht. Ich werde wenn ich nächstens das Hungern beginne, vielleicht mehr Entschlossenheit haben als früher, infolge meiner größeren Erfahrung und besserer Einsicht in die Notwendigkeit des Versuches, aber meine Kräfte sind geringer noch von damals her, zumindest werde ich schon ermatten in der bloßen Erwartung der bekannten Schrecken. Mein schwächerer Appetit wird mir nicht helfen, er entwertet nur ein wenig den Versuch und wird mich wahrscheinlich noch zwingen länger zu hungern als es damals nötig gewesen wäre. Über diese und andere Voraussetzungen glaube ich mir klar zu sein, an Vorversuchen hat es ja nicht gefehlt in dieser langen Zwischenzeit, oft genug habe ich das Hungern förmlich angebissen, war aber noch nicht stark zum Äußersten und die unbefangene Angriffslust der Jugend ist natürlich für immer dahin. Sie schwand schon damals inmitten des Hungerns. Mancherlei Überlegungen quälten mich. Drohend erschienen mir unsere Urväter. Ich halte sie zwar, wenn ich es auch öffentlich nicht zu sagen wage, für schuld an allem, sie haben das Hundeleben verschuldet, und ich könnte also ihren Drohungen leicht mit Gegendrohungen antworten, aber vor ihrem Wissen beuge ich mich, es kam aus Quellen, die wir nicht mehr kennen, deshalb würde ich auch, sosehr es mich gegen sie anzukämpfen drängt, niemals ihre Gesetze geradezu überschreiten, nur durch die Gesetzes-Lücken, für die ich eine besondere Witterung habe schwärme ich aus. Hinsichtlich des Hungerns berufe ich mich auf das berühmte Gespräch, im Laufe dessen einer unserer Weisen die Absicht aussprach, das Hungern zu verbieten, worauf ein Zweiter davon abriet mit der Frage: &amp;ldquo;Wer wird denn jemals hungern?&amp;rdquo; und der Erste sich überzeugen ließ und das Verbot zurückhielt. Nun entsteht aber wieder die Frage: &amp;ldquo;Ist nun das Hungern nicht eigentlich doch verboten?&amp;rdquo; Die große Mehrzahl der Kommentatoren verneint sie, sieht das Hungern für freigegeben an, hält es mit dem zweiten Weisen und befürchtet deshalb auch von einer irrtümlichen Kommentierung keine schlimmen Folgen. Dessen hatte ich mich wohl vergewissert ehe ich mit dem Hungern begann. Nun aber, als ich mich im Hunger krümmte, schon in einiger Geistesverwirrung immerfort bei meinen Hinterbeinen Rettung suchte und sie verzweifelt leckte, kaute, aussaugte bis zum After hinauf, erschien mir die allgemeine Deutung jenes Gespräches ganz und gar falsch, ich verfluchte die kommentatorische Wissenschaft, ich verfluchte mich der ich mich von ihr hatte irreführen lassen, das Gespräch enthielt ja, wie ein Kind erkennen mußte – freilich ein hungerndes – mehr als nur ein einziges Verbot des Hungerns, der erste Weise wollte das Hungern verbieten, was ein Weiser will, ist schon geschehn, das Hungern war also verboten, der zweite Weise stimmte ihm nicht nur zu, sondern hielt das Hungern sogar für unmöglich, wälzte also auf das erste Verbot noch ein zweites, das Verbot der Hundenatur selbst, der Erste erkannte dies an und hielt das ausdrückliche Verbot zurück, d. h. er gebot den Hunden nach Darlegung alles dessen, Einsicht zu üben und sich selbst das Hungern zu verbieten. Also ein dreifaches Verbot statt des üblichen einen und ich hatte es verletzt. Nun hätte ich ja wenigstens jetzt verspätet gehorchen und zu hungern aufhören können, aber mitten durch den Schmerz ging auch eine Verlockung, weiter zu hungern und ich folgte ihr, lüstern wie einem unbekannten Hund. Ich konnte nicht aufhören, vielleicht war ich auch schon zu schwach um aufzustehn und in bewohnte Gegenden mich zu retten. Ich wälzte mich hin und her auf der Waldstreu, schlafen konnte ich nicht mehr, ich hörte überall Lärm, die während meines bisherigen Lebens schlafende Welt schien durch mein Hungern erwacht zu sein, ich bekam die Vorstellung, daß ich nie mehr werde fressen können, denn dadurch mußte ich die freigelassen lärmende Welt wieder zum Schweigen bringen und das würde ich nicht imstande sein, den größten Lärm allerdings hörte ich in meinem Bauche, ich legte oft das Ohr an ihn und muß entsetzte Augen gemacht haben, denn ich konnte kaum glauben was ich hörte. Und da es nun zu arg wurde, schien der Taumel auch meine Natur zu ergreifen, sie machte sinnlose Rettungsversuche, ich begann Speisen zu riechen, auserlesene Speisen, die ich längst nicht mehr gegessen hatte, Freuden meiner Kindheit, ja ich roch den Duft der Brüste meiner Mutter; ich vergaß meinen Entschluß Gerüchen Widerstand leisten zu wollen oder richtiger, ich vergaß ihn nicht, mit dem Entschluß, so als sei es ein Entschluß der dazu gehöre, schleppte ich mich nach allen Seiten, immer nur paar Schritte und schnupperte, so als suchte ich die Speisen nur, um mich vor ihnen zu hüten. Daß ich nichts fand, enttäuschte mich nicht, die Speisen waren da, nur waren sie immer paar Schritte zu weit, die Beine knickten mir vorher ein. Gleichzeitig allerdings wußte ich, daß gar nichts da war, daß ich die kleinen Bewegungen nur machte aus Angst vor dem endgiltigen Zusammenbrechen auf einem Platz, den ich nicht mehr verlassen würde. Die letzten Hoffnungen schwanden, die letzten Verlockungen, elend würde ich hier zugrundegehn, was sollten meine Forschungen, kindliche Versuche aus kindlich glücklicher Zeit, hier und jetzt war Ernst, hier hätte die Forschung ihren Wert beweisen können, aber wo war sie? Hier war nur ein hilflos ins Leere schnappender Hund, der zwar noch krampfhaft eilig ohne es zu wissen immerfort den Boden besprengte, aber in seinem Gedächtnis aus dem ganzen Wust der Zaubersprüche nicht das geringste mehr auftreiben konnte, nicht einmal das Verschen, mit dem sich die Neugeborenen unter ihre Mutter ducken. Es war mir, als sei ich hier nicht durch einen kurzen Lauf von den Brüdern getrennt, sondern unendlich weit fort von allen, und als stürbe ich eigentlich gar nicht durch Hunger sondern infolge meiner Verlassenheit. Es war doch ersichtlich, daß sich niemand um mich kümmerte, niemand unter der Erde, niemand auf ihr, niemand in der Höhe, ich ging an ihrer Gleichgültigkeit zugrunde, ihre Gleichgültigkeit sagte: er stirbt und so würde es geschehn. Und stimmte ich nicht bei&lt;/p&gt;</description></item><item><title>"Ich entlief ihr…" (II, 16)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/ich-entlief-ihr-ii-16/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:21:20 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/ich-entlief-ihr-ii-16/</guid><description>&lt;p&gt;Ich entlief ihr. Ich lief den Abhang hinunter. Das hohe Gras hinderte mich im Laufen. Sie stand oben bei einem Baum und sah mir nach.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier ist es unerträglich. Gestern sprach ich mit Jericho. Er sitzt in eine Ecke gedrückt und liest die Zeitung. Ich sagte: &amp;ldquo;Jericho, werden Sie für mich stimmen?&amp;rdquo; Er schüttelte nur den Kopf und las weiter. Ich sagte: &amp;ldquo;Ich will Ihre Stimme nicht als irgendeine beliebige Stimme. Ich werde doch keinesfalls genug Stimmen haben, mein Mißerfolg ist sicher. Aber&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Bilder von der Verteidigung eines Hofes (II, 17)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/bilder-von-der-verteidigung-eines-hofes-ii-17/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:22:13 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/bilder-von-der-verteidigung-eines-hofes-ii-17/</guid><description>&lt;p&gt;Es war ein einfacher und lückenloser Holzzaun von nicht ganz Manneshöhe. Dahinter standen drei Männer, deren Gesichter man über den Zaun hinausragen sah, der mittlere war der größte, die beiden anderen, um mehr als einen Kopf kleiner, drängten sich an ihn, es war eine einheitliche Gruppe. Diese drei Männer verteidigten den Zaun oder vielmehr den ganzen Hof, der von ihm umschlossen war. Es waren noch andere Männer da, aber unmittelbar beteiligten sie sich an der Verteidigung nicht. Einer saß an einem Tischchen mitten im Hof, da es warm war, hatte er sich den Uniformrock ausgezogen und über die Sessellehne gehängt. Er hatte vor sich einige kleine Zettel, die er mit großen, breiten, viel Tinte verbrauchenden Schriftzügen beschrieb. Hie und da sah er auf eine kleine Zeichnung, die weiter oben mit Reißnägeln an der Tischplatte befestigt war, es war ein Plan des Hofes und der Mann, welcher der Kommandant war, verfaßte nach diesem Plane die Anordnung für die Verteidigung. Manchmal richtete er sich halb auf, um nach den drei Verteidigern zu sehn und über den Zaun hinweg ins freie Land. Auch was er dort sah nutzte er für seine Anordnungen aus. Er arbeitete eilig, wie es die gespannte Lage erforderte. Ein kleiner bloßfüßiger Junge, der in der Nähe im Sande spielte, trug, wenn es so weit war und der Kommandant ihn rief, die Zettel aus. Doch mußte ihm der Kommandant immer zuerst mit dem Uniformrock die vom feuchten Sande schmutzigen Hände reinigen, ehe er ihm die Zettel gab. Der Sand war feucht vom Wasser das aus einem großen Bottich aufspritzte, in welchem ein Mann Militärwäsche wusch, auch eine Leine hatte er von einer Latte des Zauns zu einem schwachen Lindenbaum gezogen, der verlassen im Hof stand. Auf dieser Leine war Wäsche zum Trocknen ausgehängt und als jetzt der Kommandant sein Hemd, das ihm schon am schwitzenden Leibe klebte, plötzlich über den Kopf hin auszog und mit kurzem Zuruf dem Mann beim Bottich zuwarf, nahm dieser ein trockenes Hemd von der Leine und übergab es seinem Vorgesetzten. Nicht weit vom Bottich im Baumschatten saß ein junger Mann schaukelnd auf einem Sessel, unbekümmert um alles was ringsumher geschah, die Blicke verloren zum Himmel und zum Flug der Vögel gerichtet und übte auf einem Waldhorn militärische Signale. Das war notwendig wie etwas anderes, aber manchmal wurde es dem Kommandanten zuviel, dann winkte er, ohne von seiner Arbeit aufzusehn, dem Trompeter zu, daß er aufhöre, und als das nicht half drehte er sich um und schrie ihn an, dann war ein Weilchen lang Stille, bis der Trompeter leise, zum Versuch nur, wieder zu blasen begann und, als es ihm durchging, allmählich wieder den Ton zur früheren Stärke anschwellen ließ. Der Vorhang des Giebelfensters war herabgelassen, was nichts Auffallendes hatte, denn alle Fenster auf dieser Hausseite waren irgendwie verdeckt, um sie vor dem Einblick und Angriff der Feinde zu schützen, aber hinter jenem Vorhang duckte sich die Tochter des Pächters, blickte auf den Trompeter hinunter und die Klänge des Waldhorns entzückten sie so, daß sie manchmal nur mit geschlossenen Augen, die Hand am Herzen, sie in sich aufnehmen konnte. Eigentlich hätte sie in der großen Stube im Hinterhaus die Mägde beaufsichtigen sollen, die dort Charpie zupften, aber sie hatte es dort, wohin die Töne nur schwach, niemals Befriedigung bringend, immer nur Sehnsucht erweckend, gedrungen waren, nicht ausgehalten und sich durch das verlassene dumpfe Haus hier heraufgestohlen. Manchmal beugte sie sich auch ein wenig weiter vor, um zu sehn, ob der Vater noch bei seiner Arbeit sitze und nicht etwa das Gesinde revidieren gegangen sei, denn dann wäre auch ihres Bleibens hier nicht mehr gewesen. Nein, er saß noch immer, aus seiner Pfeife paffend, auf der Steinstufe vor der Haustür und schnitt Schindeln, ein großer Haufe fertiger und halbfertiger Schindeln sowie rohen Materials lag um ihn herum. Das Haus und das Dach würde leider unter dem Kampfe leiden und man mußte Vorsorge treffen. Aus dem Fenster neben der Haustür, das bis auf eine kleine Lücke mit Brettern verschlagen war, kam Rauch und Lärm, dort war die Küche und die Pächterin beendigte eben mit den Militärköchen das Mittagessen. Der große Herd reichte dafür nicht aus, es waren daher auch noch zwei Kessel aufgestellt worden, aber auch sie genügten nicht, wie sich jetzt zeigte: dem Kommandanten war es sehr wichtig, die Mannschaft reichlich zu nähren. Man hatte sich deshalb entschlossen noch einen dritten Kessel zur Hilfe zu nehmen, da er aber ein wenig schadhaft war, war ein Mann auf der Gartenseite des Hauses damit beschäftigt, ihn zuzulöten. Er hatte es ursprünglich vor dem Hause zu machen gesucht, aber der Kommandant hatte das Hämmern nicht ertragen können und man hatte den Kessel wegrollen müssen. Die Köche waren sehr ungeduldig, immer wieder schickten sie jemanden nachzusehn, ob der Kessel schon fertig sei, aber er war noch nicht fertig, für das heutige Mittagessen kam er nicht mehr in Betracht und man würde sich einschränken müssen. Zuerst wurde dem Kommandanten serviert. Trotzdem er es sich einigemale und sehr ernsthaft verbeten hatte, ihm etwas besonderes zu kochen, hatte sich die Hausfrau nicht entschließen können, ihm die gewöhnliche Mannschaftskost zu geben, auch wollte sie es niemand anderem anvertrauen ihn zu bedienen, zog eine schöne weiße Schürze an, stellte auf ein silbernes Tablett den Teller mit kräftiger Hühnersuppe und trug es dem Kommandanten in den Hof hinaus, da man nicht erwarten konnte, daß er seine Arbeit unterbrechen und ins Haus essen gehn werde. Er erhob sich gleich, sehr höflich, als er die Hausfrau selbst herankommen sah, mußte ihr aber sagen, daß er keine Zeit zum Essen habe, weder Zeit noch Ruhe, die Hausfrau bat mit geneigtem Kopf, Tränen in den aufwärts schauenden Augen und erreichte damit, daß der Kommandant noch immer stehend, aus dem noch immer in den Händen der Hausfrau befindlichen Teller lächelnd einen Löffel voll Suppe nahm. Damit war aber auch der äußersten Höflichkeit Genüge getan, der Kommandant verbeugte sich und setzte sich zu seiner Arbeit, er merkte wahrscheinlich kaum, daß die Hausfrau noch ein Weilchen lang neben ihm stand und dann seufzend in die Küche zurückging. Ganz anders aber war der Appetit der Mannschaften. Kaum erschien in der Lücke des Küchenfensters das wildbärtige Gesicht eines Kochs, der mit einer Pfeife das Zeichen gab, daß das Mittagessen ausgeteilt werde, wurde es überall lebendig, lebendiger als es dem Kommandanten lieb war. Aus einem Holzschuppen zogen zwei Soldaten einen Handwagen, der eigentlich nur ein großes Faß darstellte, in welches aus der Küchenlücke in breitem Strom die Suppe geschüttet wurde für jene Mannschaften, welche ihren Platz nicht verlassen durften und denen daher das Essen zugeführt wurde. Zuerst fuhr das Wägelchen zu den Verteidigern am Zaun, es wäre dies wohl auch geschehn ohne daß der Kommandant mit dem Finger ein Zeichen hätte geben müssen, denn jene drei waren augenblicklich am meisten dem Feind ausgesetzt und das verstand auch der einfache Mann zu würdigen, vielleicht mehr als der Offizier, aber dem Kommandanten lag vor allem daran, die Verteilung zu beschleunigen und die lästige Unterbrechung der Verteidigungsarbeiten, welche das Essen verursachte, möglichst abzukürzen, sah er doch wie selbst die drei, sonst musterhafte Soldaten, sich jetzt mehr um den Hof und das Wägelchen als um das Vorfeld des Zaunes bekümmerten. Sie wurden schnell aus dem Wägelchen versorgt, das dann weiter den Zaun entlang geführt wurde, denn alle zwanzig Schritte etwa hockten unten am Zaun drei Soldaten, bereit, wenn es nötig werden sollte, so wie jene ersten drei aufzustehn und sich dem Feind zu zeigen. Inzwischen kam in langer Reihe aus dem Haus die Reserve zur Küchenlücke, jeder Mann die Schüssel in der Hand. Auch der Trompeter näherte sich, zog zum Leidwesen der Pächterstochter, die nun wieder zu den Mägden zurückkehrte, die Schüssel unter seinem Sessel hervor und brachte statt ihrer sein Waldhorn dort unter. Und in dem Wipfel der Linde begann ein Rauschen, denn dort saß ein Soldat, der die Feinde durch ein Fernrohr zu beobachten hatte, und der trotz seiner wichtigen unentbehrlichen Arbeit von dem Führer des Suppenwagens wenigstens vorläufig vergessen worden war. Das erbitterte ihn umso mehr, als sich einige Soldaten, nichtstuerische Reservemannschaften, um die Mahlzeit besser zu genießen, rund um den Stamm niedergesetzt hatten und der Dampf und Duft der Suppe zu ihm emporstieg. Zu schreien wagte er nicht, aber im Gezweig schlug er um sich und stieß mehrmals das Fernrohr, um auf sich aufmerksam zu machen, durch das Laubwerk hinab. Alles vergebens. Er gehörte zu den Abnehmern des Wägelchens und mußte warten, bis es nach beendigter Rundfahrt zu ihm kam. Das dauerte freilich lange, denn der Hof war groß, wohl vierzig Posten zu drei Mann waren zu versorgen, und als das Wägelchen, von den übermüdeten Soldaten gezogen, endlich zur Linde kam, war schon nur wenig im Faß und besonders die Fleischstücke waren spärlich. Zwar nahm der Späher den Rest noch gern an, als er ihm in einer Schüssel mit einer Hakenstange heraufgereicht wurde, glitt dann aber ein wenig am Stamm herab und stieß wütend – dies war sein Dank – den Fuß in das Gesicht des Soldaten, der ihn bedient hatte. Dieser, begreiflicherweise außer sich vor Erregung, ließ sich von seinem Kameraden hochheben, war im Nu oben im Baum und nun begann ein von unten unsichtbarer Kampf, der sich nur im Schwanken der Äste, dumpfem Stöhnen, Umherfliegen der Blätter äußerte, bis dann endlich das Fernrohr zu Boden fiel und nun sofort Ruhe eintrat. Der Kommandant hatte, von andern Dingen sehr in Anspruch genommen – draußen im Felde schien verschiedenes vorzugehn – glücklicherweise nichts bemerkt, still kletterte der Soldat herunter, freundschaftlichst wurde das Fernrohr hinaufgereicht und alles war wieder gut, nicht einmal von der Suppe war nennenswert viel verlorengegangen, denn der Späher hatte vor dem Kampf die Schüssel an den obersten Zweigen sorgfältig windsicher befestigt.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>"Ich schreibe nun nieder…" (II, 18)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/ich-schreibe-nun-nieder-ii-18/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:23:24 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/ich-schreibe-nun-nieder-ii-18/</guid><description>&lt;p&gt;Ich schreibe nun nieder was ich gehört habe, was mir anvertraut worden ist. Doch ist es mir nicht anvertraut worden als Geheimnis, das ich bewahren müsse, anvertraut unmittelbar, wurde mir nur die Stimme die sprach, das Übrige ist kein Geheimnis, ist vielmehr Spreu und das was nach allen Seiten fliegt, wenn Arbeit getan wird, ist das was mitgeteilt werden kann und um die Barmherzigkeit bittet, mitgeteilt zu werden, denn es hat nicht die Kraft verlassen stillzubleiben, wenn das, was ihm Leben gab, verrauscht ist.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>"Besonders in den ersten…" (II, 19)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/besonders-in-den-ersten-ii-19/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:25:13 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/besonders-in-den-ersten-ii-19/</guid><description>&lt;p&gt;Besonders in den ersten Gymnasialklassen kam ich sehr schlecht fort. Für meine Mutter, die schweigsame stolze, ihr unruhiges Wesen immerfort mit äußerster Kraft beherrschende Frau, war das eine Qual. Sie hatte von meinen Fähigkeiten große Vorstellungen, die sie aber aus Scham niemandem eingestand und für deren Besprechung und Bekräftigung sie deshalb auch keinen Vertrauten hatte, umso quälender waren für sie meine Mißerfolge, die allerdings nicht verschwiegen werden konnten, sich gewissermaßen von selbst eingestanden und eine widerliche Menge Vertrauter erzeugten, nämlich das ganze Professorenkollegium und die Mitschülerschaft. Ich wurde ihr ein trauriges Rätsel. Sie strafte mich nicht, sie zankte nicht; daß ich es an Fleiß wenigstens nicht allzusehr fehlen ließ, sah sie; zuerst glaubte sie an eine Verschwörung der Professoren gegen mich und diesen Glauben hat sie niemals ganz verlassen, aber der Übertritt in ein anderes Gymnasium und mein fast noch schlechteres Fortkommen an diesem, erschütterten ihren Glauben an die Feindseligkeit der Professoren doch ein wenig, den Glauben an mich allerdings nicht. Ich aber lebte unter ihren traurig fragenden Blicken mein unbefangenes Kinderleben weiter. Ich hatte keinen Ehrgeiz; fiel ich nicht durch, war ich zufrieden und wäre ich durchgefallen, eine Drohung die während des ganzen Schuljahres nicht aufhörte,&lt;/p&gt;</description></item><item><title>"Fort von hier…" (II, 20)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/fort-von-hier-ii-20/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:26:19 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/fort-von-hier-ii-20/</guid><description>&lt;p&gt;Fort von hier, nur fort von hier! Du mußt mir nicht sagen, wohin Du mich führst. Wo ist Deine Hand, ach ich kann sie im Dunkel nicht ertasten. Hielte ich doch nur schon Deine Hand, ich glaube Du würdest mich dann nicht verwerfen. Hörst Du mich? Bist Du überhaupt im Zimmer. Vielleicht bist Du gar nicht hier. Was sollte Dich auch herlocken in das Eis und den Nebel des Nordens, wo man Menschen gar nicht vermuten sollte. Du bist nicht hier, Du bist ausgewichen diesen Orten. Ich aber stehe und falle mit der Entscheidung darüber, ob du hier bist oder nicht&lt;/p&gt;</description></item><item><title>"Traurig lief des Alten Magd…" (II, 21)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/traurig-lief-des-alten-magd-ii-21/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:27:11 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/traurig-lief-des-alten-magd-ii-21/</guid><description>&lt;p&gt;Traurig lief des Alten Magd vom Berg, trug den Korb mit Äpfeln voll beladen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich habe meinen Verstand in die Hand vergraben, fröhlich, aufrecht trage ich den Kopf, aber die Hand hängt müde hinab, der Verstand zieht sie zur Erde. Sieh nur die kleine, harthäutige, aderndurchzogene, faltenzerrissene, hochädrige, fünffingrige Hand, wie gut daß ich den Verstand in diesen unscheinbaren Behälter retten konnte. Besonders vorzüglich ist, daß ich zwei Hände habe. Wie im Kinderspiel frage ich: In welcher Hand habe ich meinen Verstand, niemand kann es erraten, denn ich kann durch Falten der Hände im Nu den Verstand aus einer Hand in die andere übertragen.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Das Ehepaar (II, 22)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/das-ehepaar-ii-22/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:28:13 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/das-ehepaar-ii-22/</guid><description>&lt;p&gt;Die allgemeine Geschäftslage ist so schlecht, daß ich manchmal, wenn ich im Bureau Zeit erübrige, selbst die Mustertasche nehme, um die Kunden persönlich zu besuchen. Unter anderem hatte ich mir schon längst vorgenommen, einmal zu K. zu gehn, mit dem ich früher in ständiger Geschäftsverbindung gewesen bin, die sich aber im letzten Jahr aus mir unbekannten Gründen fast gelöst hat. Für solche Störungen müssen auch gar nicht eigentliche Gründe vorhanden sein; in den heutigen labilen Verhältnissen entscheidet hier oft ein Nichts, eine Stimmung und ebenso kann auch ein Nichts, ein Wort das Ganze wieder in Ordnung bringen. Es ist aber ein wenig umständlich zu K. vorzudringen; er ist ein alter Mann, in letzter Zeit sehr kränklich und wenn er auch noch die geschäftlichen Angelegenheiten in seiner Hand zusammenhält, so kommt er doch selbst kaum mehr ins Geschäft; will man mit ihm sprechen, muß man in seine Wohnung gehn und einen derartigen Geschäftsgang schiebt man gern hinaus.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>"Vor dem Stadtor…" (II, 23)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/vor-dem-stadtor-ii-23/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:29:32 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/vor-dem-stadtor-ii-23/</guid><description>&lt;p&gt;Vor dem Stadtor war niemand, in der Torwölbung niemand. Auf rein gekehrtem Kies kam man hin, durch ein viereckiges Mauerloch sah man in die Zelle der Torwache, aber die Zelle war leer. Das war zwar merkwürdig, aber für mich sehr vorteilhaft, denn ich hatte keine Ausweispapiere, mein ganzer Besitz war überhaupt ein Kleid aus Leder und der Stock in der Hand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich sprach heute mit dem Kapitän in seiner Kajüte. Ich beklagte mich über die Mitpassagiere. Das könne man nicht ein Passagierschiff nennen, zumindest die Hälfte des Volkes, das hier mitfahre, sei schlimmstes Gesindel. Meine Frau wage sich kaum mehr aus der Kabine heraus, aber auch hinter der versperrten Tür fühle sie sich nicht sicher, ich muß bei ihr bleiben&lt;/p&gt;</description></item><item><title>"Die Reise…" (II, 24)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/die-reise-ii-24/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:31:16 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/die-reise-ii-24/</guid><description>&lt;p&gt;Die Reise, ich weiß es nicht&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie schläft. Ich wecke sie nicht. Warum weckst Du sie nicht&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist mein Unglück und mein Glück. Ich bin unglücklich, daß ich sie nicht wecken kann, daß ich nicht aufsetzen kann den Fuß auf die brennende Türschwelle ihres Hauses, daß ich nicht den Weg kenne zu ihrem Hause, daß ich nicht die Richtung kenne in welcher der Weg liegt, daß ich mich immer weiter von ihr entferne, kraftlos wie das Blatt im Herbstwind sich von seinem Baume entfernt und überdies: ich war niemals an diesem Baume, im Herbstwind ein Blatt, aber von keinem Baum. Ich bin glücklich, daß ich sie nicht wecken kann. Was täte ich wenn sie sich erhöbe, wenn sie aufstehen würde von ihrem Lager, wenn ich aufstehen würde von dem Lager, der Löwe von seinem Lager und mein Gebrüll einbrechen würde in mein ängstliches Gehör&lt;/p&gt;</description></item><item><title>"Im Dunkel der Gasse…" (II, 25)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/im-dunkel-der-gasse-ii-25/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:32:03 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/im-dunkel-der-gasse-ii-25/</guid><description>&lt;p&gt;Im Dunkel der Gasse unter den Bäumen an einem Herbstabend. Ich frage Dich, Du antwortest mir nicht. Wenn Du mir antworten würdest, wenn sich Deine Lippen öffneten, das tote Auge sich belebte und das Wort das mir bestimmt ist erklänge!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seine Stellung war ihm nicht klar&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wiederholungen. Das Auffangen. Das Auffinden einer Methode.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es waren sehr verschieden farbige Bäume. Eine Mücke&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es öffnete sich die Tür und es kam, gut im Saft, an den Seiten üppig gerundet, fußlos mit der ganzen Unterseite sich vorschiebend der grüne Drache ins Zimmer herein. Formelle Begrüßung. Ich bat ihn völlig einzutreten. Er bedauerte dies nicht tun zu können, da er zu lang sei. Die Tür mußte also offen bleiben, was recht peinlich war. Er lächelte halb verlegen, halb tückisch und begann:&lt;/p&gt;</description></item><item><title>"Dann lag die Ebene…" (II, 26)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/dann-lag-die-ebene-ii-26/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:33:16 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/dann-lag-die-ebene-ii-26/</guid><description>&lt;p&gt;Dann lag die Ebene vor K. und in der Ferne weit im Blauen auf einem kleinen Hügel, kaum zu erkennen, das Haus, zu dem er strebte. Aber es dauerte noch bis zum Abend und viele Mal war ihm während des Tages das Ziel aus dem Blick entschwunden, bis er auf schon dunkelndem Feldweg plötzlich am Fuße jenes Hügels stand. &amp;ldquo;Das ist also mein Haus&amp;rdquo;, sagte er sich, &amp;ldquo;ein kleines altes klägliches Haus, aber es ist meines und in paar Monaten soll es anders aussehn. &amp;quot; Und er stieg zwischen Wiesen den Hügel hinauf. Die Tür war offen, ja sie konnte gar nicht geschlossen werden, denn der eine Türflügel fehlte. Eine Katze, die auf der Schwelle gesessen hatte, verschwand mit großem Geschrei, so schreien Katzen sonst nicht. Die Türen der zwei Räume rechts und links von der Treppe waren offen, mit paar halbzerbrochenen alten Möbelstücken ausgestattet, sonst leer. Aber von oben, von der Treppe herab die sich im Finstern verlor fragte eine zitternde fast röchelnde Stimme, wer gekommen sei. K. machte einen großen Schritt über die ersten drei Stufen, die in der Mitte zerbrochen waren – sonderbarer Weise sahen die Bruchstellen frisch aus, als sei es heute oder gestern geschehn – und stieg hinauf. Auch oben war die Zimmertür offen&lt;/p&gt;</description></item><item><title>"Die Tür des Zimmers…" (II, 27)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/die-tuer-des-zimmers-ii-27/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:36:52 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/die-tuer-des-zimmers-ii-27/</guid><description>&lt;p&gt;Die Tür des Zimmers ist einen Spalt weit geöffnet, auf dem Korridor ist finster trotzdem schon heller Tag ist. Nur undeutlich sehe ich dort ein dunkles Gesicht, zwei gelblich leuchtende Hände, die sich an den Türpfosten und die Türklinke halten. Die Erscheinung wird bald verschwinden, schon in dem Augenblick als sie sich zeigte, schien sie zu zittern&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;.. verschwinden. Sie hat aber einen Auftrag an mich und so muß sie noch bleiben&amp;hellip; &amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;. und sich wehren gegen die Finsternis, die ihrerseits danach strebt sie aufzu&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;. &amp;hellip;. in meinem Bett weit vorgebeugt, denn die Stimme ist schwach&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;.. von weit her um Dich zu sehn. Man hat mir Dich als schwach und &amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip; aber mit Recht, wie ich sehe, aber ich machte mir ein noch viel ärgeres&amp;hellip;. &amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;. bin ich doch mit Deinem Anblick noch nicht ganz unzufrieden&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;.. &amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;, daß ich Dich überhaupt gefunden habe, wie lange suche&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;.. &amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;.. der Welt. Der&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;&amp;hellip;.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>"… noch nicht hier" (II, 28)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/noch-nicht-hier-ii-28/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:38:01 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1922-1924/noch-nicht-hier-ii-28/</guid><description>&lt;p&gt;(Fortsetzung des vorigen Textträgers)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;noch nicht hier und der Fremde hatte es deshalb verhältnismäßig leicht zu kommandieren. Je denfalls saß er nun dem Hungerkünstler so nahe als es überhaupt möglich war und hatte sogar die Keckheit, welche selbst die Saaldiener wieder zu einem allerdings schon nach den ersten Schritten wieder aufgegebenen Vormarsch veranlaßte, aus dem Käfig sich einen Strohhalm zu langen und den Hungerkünstler, der überhaupt nicht völlig wach geworden zu sein schien und wieder schlummerte, ein wenig unter dem Kinn zu kitzeln. &amp;ldquo;Nun&amp;rdquo;, sagte er, &amp;ldquo;willst Du nicht ein wenig aufwachen wenn Besuch da ist?&amp;rdquo; Das war ein recht rohes Benehmen, wenn man auch dem Mann die freilich vergeblich bleibende Anstrengung ansah, den Hungerkünstler zart, gewissermaßen väterlich oder freundschaftlich zu behandeln. Besonders deutlich war dies, als er jetzt dem nun völlig erwachten und ihn mit seinen großen schwarzen Augen ängstlich ansehenden Hungerkünstler lächelnd zunickte. &amp;ldquo;Ja&amp;rdquo;, sagte er, &amp;ldquo;ich bin es, der alte, Dir und vielleicht nur Dir allein wohlgesinnte Menschenfresser. Einen kleinen Besuch will ich Dir machen, mich erholen an Deinem Anblick, die Nerven ein wenig ausruhn lassen von dem lästigen Volk.&amp;rdquo; &amp;ldquo;Du bist ein Menschenfresser?&amp;rdquo; fragte der Hungerkünstler und drückte die Hand an die Stirn als suche er sich an etwas zu erinnern. &amp;ldquo;Du hast mich vergessen?&amp;rdquo; sagte der Menschenfresser, ein wenig gekränkt und noch mehr verwundert als gekränkt, &amp;ldquo;ist es denn möglich? Du weißt nicht mehr wie wir mit einander spielten? Wie Dich meine roten Haare freuten? Wie Du sie zu Zöpfchen geflochten und gebunden hast? Ähnlich wie diese?&amp;rdquo; Und er nahm den Hut ab und das Haar quoll wie lebendig, wie in einer tropischen Fülle, zum Teil geflochten, zum Teil in seiner wilden Ursprünglichkeit hervor. Sein Kopf war mächtig, aber die Haarmasse war so groß als gehöre sie einem noch viel mächtigeren Kopf an, der Kopf erschien klein unter ihr. Dabei aber hatte der Anblick nichts Lächerliches, sondern war erschreckend, es war als zeige dies übermenschliche Haar auch übermenschliche Gelüste an und die Kräfte, sie zu verwirklichen.&lt;/p&gt;</description></item></channel></rss>