<?xml version="1.0" encoding="utf-8" standalone="yes"?><rss version="2.0" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"><channel><title>Unpublished Works 1918-1922 on The Kafka Project</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1918-1922/</link><description>Recent content in Unpublished Works 1918-1922 on The Kafka Project</description><generator>Hugo</generator><language>en</language><lastBuildDate>Fri, 05 Nov 2004 15:05:42 +0000</lastBuildDate><atom:link href="https://www.kafka.org/works/unpublished-1918-1922/index.xml" rel="self" type="application/rss+xml"/><item><title>"Wer einmal scheintot gewesen ist…" (II, 5)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1918-1922/wer-einmal-scheintot-gewesen-ist-ii-5/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 14:49:44 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1918-1922/wer-einmal-scheintot-gewesen-ist-ii-5/</guid><description>&lt;p&gt;Wer einmal scheintot gewesen ist, kann davon Schreckliches erzählen, aber wie es nach dem Tode ist, das kann er nicht sagen, er ist eigentlich nicht einmal dem Tode näher gewesen als ein anderer, er hat im Grunde nur etwas Besonderes &amp;gt;erlebt&amp;lt; und das nicht besondere, das gewöhnliche Leben ist ihm dadurch wertvoller geworden. Ähnlich ist es mit jedem, der etwas Besonderes erlebt hat. Moses zum Beispiel hat auf dem Berge Sinai gewiß etwas &amp;gt;Besonderes&amp;lt; erlebt, aber statt sich diesem Besonderen zu ergeben, etwa wie ein Scheintoter, der sich nicht meldet und im Sarg liegen bleibt, ist er den Berg hinunter geflüchtet und hatte natürlich Wertvolles zu erzählen und liebte die Menschen, zu denen er sich geflüchtet hatte, noch viel mehr als früher und hat dann sein Leben ihnen geopfert, man kann vielleicht sagen, zum Danke. Von beiden aber, vom zurückgekehrten Scheintoten und vom zurückgekehrten Moses kann man viel lernen, aber das Entscheidende kann man von ihnen nicht erfahren, denn sie selber haben (es) nicht erfahren. Und hätten sie es erfahren, so wären sie nicht mehr zurückgekommen. Aber wir wollen es auch gar nicht erfahren. Das läßt sich daran überprüfen, daß wir zum Beispiel gelegentlich den Wunsch haben können, das Erlebnis des Scheintoten oder das Erlebnis des Moses bei Sicherstellung der Rückkehr, &amp;gt;bei freiem Geleit&amp;lt; zu erleben, ja daß wir sogar den Tod uns wünschen, aber nicht einmal in Gedanken wollten wir lebend und im Sarge ohne jede Möglichkeit der Wiederkehr oder auf dem Berge Sinai bleiben&amp;hellip;&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Brief an den Vater (II, 6)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1918-1922/brief-an-den-vater-ii-6/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 14:50:32 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1918-1922/brief-an-den-vater-ii-6/</guid><description>&lt;p&gt;Schelesen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Liebster Vater,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Du hast mich letzthin einmal gefragt, warum ich behaupte, ich hätte Furcht vor Dir. Ich wußte Dir, wie gewöhnlich, nichts zu antworten, zum Teil eben aus der Furcht, die ich vor Dir habe, zum Teil deshalb, weil zur Begründung dieser Furcht zu viele Einzelnheiten gehören, als daß ich sie im Reden halbwegs zusammenhalten könnte. Und wenn ich hier versuche Dir schriftlich zu antworten, so wird es doch nur sehr unvollständig sein, weil auch im Schreiben die Furcht und ihre Folgen mich Dir gegenüber behindern und weil überhaupt die Größe des Stoffs über mein Gedächtnis und meinen Verstand weit hinausgeht.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>"Er blickt aus dem Fenster…" (II, 7)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1918-1922/er-blickt-aus-dem-fenster-ii-7/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 14:53:43 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1918-1922/er-blickt-aus-dem-fenster-ii-7/</guid><description>&lt;p&gt;Er blickt aus dem Fenster. Ein trüber Tag. Es ist November. Ihm scheint, daß zwar jeder Monat seine besondere Bedeutung hat, der November aber noch einen besondern Zusatz von Besonderheit. Vorläufig ist davon allerdings nichts zu sehn, es fällt bloß ein mit Schnee untermischter Regen. Aber das ist vielleicht nur der äußere Anblick, der immer täuscht, denn da sich die Menschen als Gesammtheit allem gleich anpassen und man doch zunächst nach dem Anblick der Menschen urteilt, sollte man eigentlich niemals eine Veränderung der Weltlage wahrnehmen können. Aber da man auch selbst ein Mensch ist, seine Anpassungskämpfe kennt und von ihnen aus urteilt, erfährt man doch einiges und weiß was man davon zu halten hat, daß der Verkehr unten nicht stillsteht sondern straße auf straße ab mit verbissener unermüdlicher undurchdringlicher Überlegenheit sich in Gang erhält.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>"… sich daran zu beteiligen" (II, 8)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1918-1922/sich-daran-zu-beteiligen-ii-8/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 14:54:35 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1918-1922/sich-daran-zu-beteiligen-ii-8/</guid><description>&lt;p&gt;(&amp;hellip; ) sich daran zu beteiligen, er langte förmlich danach, aber er mußte sich sagen, daß er davon ausgeschlossen war, es war für ihn unmöglich sich dort einzufügen, das hätte eine so große Vorbereitung verlangt, daß darüber nicht nur dieser Sonntag sondern viele Jahre und er selbst dahingegangen wäre, und selbst wenn die Zeit hätte still stehn wollen, es hätte sich doch kein Ergebnis erzielen lassen, seine ganze Abstammung, Erziehung, körperliche Ausbildung hätte anders geführt werden müssen. So weit war er also von diesen Ausflüglern, aber doch auch eigentlich wieder sehr nahe und das war das schwerer Begreifliche. Sie waren doch auch Menschen wie er, nichts Menschliches konnte ihnen völlig fremd sein, könnte man sie also durchforschen, müßte man finden, daß das Gefühl, das ihn beherrschte und ihn von der Wasserfahrt ausschloß, auch in ihnen lebte, nur daß es allerdings weit davon entfernt war sie zu beherrschen, sondern nur irgendwo in dunklen Winkeln geisterte.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>"Es war der erste Spatenstich" (II, 9)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1918-1922/es-war-der-erste-spatenstich-ii-9/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 14:55:15 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1918-1922/es-war-der-erste-spatenstich-ii-9/</guid><description>&lt;p&gt;Es war der erste Spatenstich, es war der erste Spatenstich, es lag die Erde in Krumen, zerfallen vor meinem Fuß&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es läutete eine Glocke, es zitterte eine Tür,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es war eine politische Versammlung. Merkwürdig ist es, daß die meisten Versammlungen auf dem Platz der Ställe stattfinden, am Ufer des Flusses, gegen dessen Tosen die menschliche Stimme kaum aufkommt. Trotzdem ich auf der Quaibrüstung nahe bei den Rednern saß – sie sprachen von einem kahlen viereckigen Sockel aus Quadersteinen herab – verstand ich nur wenig. Freilich wußte ich im voraus um was es sich handelte und alle wußten es. Auch waren alle einig, eine vollständigere Einigkeit habe ich nie gesehn, auch ich war völlig ihrer Meinung, die Sache war allzu klar, wie oft schon durchgesprochen und immer noch klar wie am ersten Tag, beides, die Einigkeit und die Klarheit waren herzbeklemmend, die Denkkraft stockte vor Einigkeit und Klarheit, man hätte manchmal nur den Fleiß hören wollen und sonst nichts.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>"Sie standen plötzlich da…" (II, 10)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1918-1922/sie-standen-ploetzlich-da-ii-10/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:03:03 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1918-1922/sie-standen-ploetzlich-da-ii-10/</guid><description>&lt;p&gt;Sie standen plötzlich da, in einer Reihe, zehn. Sie waren fast alle gleich, hagere, dunkle, kahlrasierte Gesichter mit Geierschnäbeln statt Nasen. Es sind gar keine Menschen, fiel einem bald ein, gibt es Menschen mit derartig eingefallenen Wangen, in deren Höhlung die Haut faltig hinabhängt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwanzig kleine Totengräber, keiner größer als ein durchschnittlicher Tannenzapfen, bilden eine selbstständige Gruppe. Sie haben eine Holzbaracke im Bergwald, dort ruhen sie von ihrer schweren Arbeit aus. Es ist dort viel Rauch, Geschrei und Gesang, wie es eben ist, wenn zwanzig Arbeiter beisammen sind. Wie fröhlich diese Leute sind! Niemand bezahlt sie, niemand rüstet sie aus, niemand hat ihnen einen Auftrag gegeben. Auf eigene Faust haben sie sich ihre Arbeit erwählt, auf eigene Faust führen sie sie aus. Es gibt noch Mannesgeist in unserer Zeit. Nicht jeden würde ihre Arbeit befriedigen, vielleicht befriedigt sie auch diese Leute nicht ganz, aber sie lassen nicht ab vom einmal gefaßten Entschluß, sie sind ja gewöhnt die schwersten Lasten durch das dichteste Gebüsch zu zerren. Von Morgen bis Mitternacht dauert der Festlärm. Die einen erzählen, die andern singen, es gibt auch welche die stumm die Pfeife rauchen, alle aber helfen der großen Schnapsflasche den Tisch umwandern. Um Mitternacht erhebt sich der Führer und schlägt auf den Tisch, die Männer nehmen ihre Mützen vom Nagel; Seile, Schaufeln und Hacken aus der Ecke, sie ordnen sich zum Zuge, immer zwei und zwei.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>"Ich sah aus dem Fenster…" (II, 11)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1918-1922/ich-sah-aus-dem-fenster-ii-11/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:03:57 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1918-1922/ich-sah-aus-dem-fenster-ii-11/</guid><description>&lt;p&gt;Ich sah aus dem Fenster, müde, halb lag ich. An der Kirchenecke bog ein Bekannter ein, ein Kaufmann, ein alter Mann mit schütterem langen Bart. Er bemerkte mich, freute sich offenbar mich zu sehn und rief, ob ich nicht mitkommen wolle,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nun entschied es sich und wir landeten. Es war Vollmond und kühl. Wir sprachen nicht, eigentlich nur weil es&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf einem Spaziergang am Sonntag war ich weiter vor die Stadt gekommen, als ich eigentlich gewollt hatte. Und als ich so weit war, trieb es mich noch weiter. Auf einer Anhöhe stand eine alte viel gekrümmte aber nicht sehr große Eiche. Sie erinnerte mich irgendwie daran, daß es nun endlich aber Zeit sei zurückzukehren. Es war schon genug abendlich geworden. Ich stand vor ihr, strich über ihre harte Rinde und las zwei eingeritzte Namen. Ich las sie aber ohne mir sie zu merken, es war wie ein kindlicher Trotz, der mich, wenn ich schon nicht weitergehen sollte wenigstens hier festhielt, um mich nicht zurückgehn zu lassen. Man ist manchmal im Bann solcher Kräfte, man kann ihn leicht zerreißen, es ist ja nur etwas wie ein zarter Scherz eines Fremden, aber es war Sonntag, nichts war zu versäumen, ich war schon müde und ergab mich deshalb in alles.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>"Ein großes Fahnentuch…" (II, 12)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1918-1922/ein-grosses-fahnentuch-ii-12/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:05:01 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1918-1922/ein-grosses-fahnentuch-ii-12/</guid><description>&lt;p&gt;Ein großes Fahnentuch lag auf mir, ich arbeitete mich mühselig hervor. Ich fand mich auf einer Anhöhe, Wiesenland und kahler Felsen wechselten ab. Ähnliche Anhöhen zogen sich wellenförmig nach allen Himmelsrichtungen, die Aussicht gieng weithin, nur im Westen löste Dunst und Glanz der untergehenden Sonne alle Formen auf. Der erste Mensch den ich sah war mein Kommandant, er saß auf einem Stein, die Beine gekreuzt, den Elbogen aufgestützt, den Kopf in der Hand und schlief.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>"Ich wollte mich im Unterholz verstecken…" (II, 13)</title><link>https://www.kafka.org/works/unpublished-1918-1922/ich-wollte-mich-im-unterholz-verstecken-ii-13/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:05:42 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/unpublished-1918-1922/ich-wollte-mich-im-unterholz-verstecken-ii-13/</guid><description>&lt;p&gt;Ich wollte mich im Unterholz verstecken, mit der Hacke bahnte ich mir ein Stück Weges, dann verkroch ich mich und war geborgen.&lt;/p&gt;</description></item></channel></rss>