<?xml version="1.0" encoding="utf-8" standalone="yes"?><rss version="2.0" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"><channel><title>The Trial on The Kafka Project</title><link>https://www.kafka.org/works/trial/</link><description>Recent content in The Trial on The Kafka Project</description><generator>Hugo</generator><language>en</language><lastBuildDate>Thu, 04 Nov 2004 17:52:24 +0000</lastBuildDate><atom:link href="https://www.kafka.org/works/trial/index.xml" rel="self" type="application/rss+xml"/><item><title>Verhaftung</title><link>https://www.kafka.org/works/trial/verhaftung/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 17:29:58 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/trial/verhaftung/</guid><description>&lt;p&gt;Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet. Die Köchin der Frau Grubach, seiner Zimmervermieterin, die ihm jeden Tag gegen acht Uhr früh das Frühstück brachte, kam diesmal nicht. Das war noch niemals geschehn. K. wartete noch ein Weilchen, sah von seinem Kopfkissen aus die alte Frau die ihm gegenüber wohnte und die ihn mit einer an ihr ganz ungewöhnlichen Neugierde beobachtete, dann aber, gleichzeitig befremdet und hungrig, läutete er. Sofort klopfte es und ein Mann, den er in dieser Wohnung noch niemals gesehen hatte trat ein. Er war schlank und doch fest gebaut, er trug ein anliegendes schwarzes Kleid, das ähnlich den Reiseanzügen mit verschiedenen Falten, Taschen, Schnallen, Knöpfen und einem Gürtel versehen war und infolgedessen, ohne daß man sich darüber klar wurde, wozu es dienen sollte, besonders praktisch erschien. &amp;ldquo;Wer sind Sie?&amp;rdquo; fragte K. und saß gleich halb aufrecht im Bett. Der Mann aber ging über die Frage hinweg, als müsse man seine Erscheinung hinnehmen und sagte bloß seinerseits: &amp;ldquo;Sie haben geläutet?&amp;rdquo; &amp;ldquo;Anna soll mir das Frühstück bringen&amp;rdquo;, sagte K. und versuchte zunächst stillschweigend durch Aufmerksamkeit und Überlegung festzustellen, wer der Mann eigentlich war. Aber dieser setzte sich nicht allzulange seinen Blicken aus, sondern wandte sich zur Tür, die er ein wenig öffnete, um jemandem, der offenbar knapp hinter der Tür stand, zu sagen: &amp;ldquo;Er will, daß Anna ihm das Frühstück bringt.&amp;rdquo; Ein kleines Gelächter im Nebenzimmer folgte, es war nach dem Klang nicht sicher ob nicht mehrere Personen daran beteiligt waren. Trotzdem der fremde Mann dadurch nichts erfahren haben konnte, was er nicht schon früher gewußt hätte, sagte er nun doch zu K. im Tone einer Meldung: &amp;ldquo;Es ist unmöglich.&amp;rdquo; &amp;ldquo;Das wäre neu&amp;rdquo;, sagte K., sprang aus dem Bett und zog rasch seine Hosen an. &amp;ldquo;Ich will doch sehn, was für Leute im Nebenzimmer sind und wie Frau Grubach diese Störung mir gegenüber verantworten wird. &amp;quot; Es fiel ihm zwar gleich ein, daß er das nicht hätte laut sagen müssen und daß er dadurch gewissermaßen ein Beaufsichtigungsrecht des Fremden anerkannte, aber es schien ihm jetzt nicht wichtig. Immerhin faßte es der Fremde so auf, denn er sagte: &amp;ldquo;Wollen Sie nicht lieber hier bleiben?&amp;rdquo; &amp;ldquo;Ich will weder hierbleiben noch von Ihnen angesprochen werden, solange Sie sich mir nicht vorstellen. &amp;quot; &amp;ldquo;Es war gut gemeint&amp;rdquo;, sagte der Fremde und öffnete nun freiwillig die Tür. Im Nebenzimmer, in das K. langsamer eintrat als er wollte, sah es auf den ersten Blick fast genau so aus, wie am Abend vorher. Es war das Wohnzimmer der Frau Grubach, vielleicht war in diesem mit Möbeln Decken Porzellan und Photographien überfüllten Zimmer heute ein wenig mehr Raum als sonst, man erkannte das nicht gleich, umsoweniger als die Hauptveränderung in der Anwesenheit eines Mannes bestand, der beim offenen Fenster mit einem Buch saß, von dem er jetzt aufblickte. &amp;ldquo;Sie hätten in Ihrem Zimmer bleiben sollen! Hat es Ihnen denn Franz nicht gesagt?&amp;rdquo; &amp;ldquo;Ja, was wollen Sie denn?&amp;rdquo; sagte K. und sah von der neuen Bekanntschaft zu dem mit Franz Benannten, der in der Tür stehen geblieben war, und dann wieder zurück. Durch das offene Fenster erblickte man wieder die alte Frau, die mit wahrhaft greisenhafter Neugierde zu dem jetzt gegenüberliegenden Fenster getreten war, um auch weiterhin alles zu sehn. &amp;ldquo;Ich will doch Frau Grubach – &amp;ldquo;, sagte K., machte eine Bewegung, als reiße er sich von den zwei Männern los, die aber weit von ihm entfernt standen, und wollte weitergehn. &amp;ldquo;Nein&amp;rdquo;, sagte der Mann beim Fenster, warf das Buch auf ein Tischchen und stand auf. &amp;quot; Sie dürfen nicht weggehn, Sie sind ja gefangen. &amp;quot; &amp;ldquo;Es sieht so aus&amp;rdquo;, sagte K. &amp;ldquo;Und warum denn?&amp;rdquo; fragte er dann. &amp;ldquo;Wir sind nicht dazu bestellt, Ihnen das zu sagen. Gehn Sie in Ihr Zimmer und warten Sie. Das Verfahren ist nun einmal eingeleitet und Sie werden alles zur richtigen Zeit erfahren. Ich gehe über meinen Auftrag hinaus, wenn ich Ihnen so freundschaftlich zurede. Aber ich hoffe, es hört es niemand sonst als Franz und der ist selbst gegen alle Vorschrift freundlich zu Ihnen. Wenn Sie auch weiterhin so viel Glück haben, wie bei der Bestimmung Ihrer Wächter, dann können Sie zuversichtlich sein.&amp;rdquo; K. wollte sich setzen, aber nun sah er, daß im ganzen Zimmer keine Sitzgelegenheit war, außer dem Sessel beim Fenster. &amp;ldquo;Sie werden noch einsehn, wie wahr das alles ist&amp;rdquo;, sagte Franz und gieng gleichzeitig mit dem andern Mann auf ihn zu. Besonders der letztere überragte K. bedeutend und klopfte ihm öfters auf die Schulter. Beide prüften K.’s Nachthemd und sagten, daß er jetzt ein viel schlechteres Hemd werde anziehn müssen, daß sie aber dieses Hemd wie auch seine übrige Wäsche aufbewahren und, wenn seine Sache günstig ausfallen sollte, ihm wieder zurückgeben würden. &amp;ldquo;Es ist besser, Sie geben die Sachen uns, als ins Depot&amp;rdquo;, sagten sie, &amp;ldquo;denn im Depot kommen öfters Unterschleife vor und außerdem verkauft man dort alle Sachen nach einer gewissen Zeit, ohne Rücksicht ob das betreffende Verfahren zuende ist, oder nicht. Und wie lange dauern doch derartige Processe besonders in letzter Zeit! Sie bekämen dann schließlich allerdings vom Depot den Erlös, aber dieser Erlös ist erstens an sich schon gering, denn beim Verkauf entscheidet nicht die Höhe des Angebotes sondern die Höhe der Bestechung, und zweitens verringern sich solche Erlöse erfahrungsgemäß, wenn sie von Hand zu Hand und von Jahr zu Jahr weitergegeben werden. &amp;quot; K. achtete auf diese Reden kaum, das Verfügungsrecht über seine Sachen, das er vielleicht noch besaß, schätzte er nicht hoch ein, viel wichtiger war es ihm Klarheit über seine Lage zu bekommen; in Gegenwart dieser Leute konnte er aber nicht einmal nachdenken, immer wieder stieß der Bauch des zweiten Wächters – es konnten ja nur Wächter sein – förmlich freundschaftlich an ihn, sah er aber auf, dann erblickte er ein zu diesem dicken Körper gar nicht passendes trockenes knochiges Gesicht, mit starker seitlich gedrehter Nase, das sich über ihn hinweg mit dem andern Wächter verständigte. Was waren denn das für Menschen? Wovon sprachen sie? Welcher Behörde gehörten sie an? K. lebte doch in einem Rechtsstaat, überall herrschte Friede, alle Gesetze bestanden aufrecht, wer wagte ihn in seiner Wohnung zu überfallen? Er neigte stets dazu, alles möglichst leicht zu nehmen, das Schlimmste erst beim Eintritt des Schlimmsten zu glauben, keine Vorsorge für die Zukunft zu treffen, selbst wenn alles drohte. Hier schien ihm das aber nicht richtig, man konnte zwar das ganze als Spaß ansehn, als einen groben Spaß, den ihm aus unbekannten Gründen, vielleicht weil heute sein dreißigster Geburtstag war, die Kollegen in der Bank veranstaltet hatten, es war natürlich möglich, vielleicht brauchte er nur auf irgendeine Weise den Wächtern ins Gesicht zu lachen und sie würden mitlachen, vielleicht waren es Dienstmänner von der Straßenecke, sie sahen ihnen nicht unähnlich – trotzdem war er diesmal förmlich schon seit dem ersten Anblick des Wächters Franz entschlossen nicht den geringsten Vorteil, den er vielleicht gegenüber diesen Leuten besaß, aus der Hand zu geben. Darin daß man später sagen würde, er habe keinen Spaß verstanden, sah K. eine ganz geringe Gefahr, wohl aber erinnerte er sich – ohne daß es sonst seine Gewohnheit gewesen wäre, aus Erfahrungen zu lernen – an einige an sich unbedeutende Fälle, in denen er zum Unterschied von seinen Freunden mit Bewußtsein, ohne das geringste Gefühl für die möglichen Folgen sich unvorsichtig benommen hatte und dafür durch das Ergebnis gestraft worden war. Es sollte nicht wieder geschehn, zumindest nicht diesmal, war es eine Komödie, so wollte er mitspielen.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Gespräch mit Frau Grubach / Dann Fräulein Bürstner</title><link>https://www.kafka.org/works/trial/gespraech-mit-frau-grubach-dann-fraeulein-buerstner/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 17:31:27 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/trial/gespraech-mit-frau-grubach-dann-fraeulein-buerstner/</guid><description>&lt;p&gt;In diesem Frühjahr pflegte K. die Abende in der Weise zu verbringen, daß er nach der Arbeit wenn dies noch möglich war – er saß meistens bis neun Uhr im Bureau – einen kleinen Spaziergang allein oder mit Bekannten machte und dann in eine Bierstube gieng, wo er an einem Stammtisch mit meist ältern Herren gewöhnlich bis elf Uhr beisammensaß. Es gab aber auch Ausnahmen von dieser Einteilung, wenn K. z. B. vom Bankdirektor der seine Arbeitskraft und Vertrauenswürdigkeit sehr schätzte zu einer Autofahrt oder zu einem Abendessen in seiner Villa eingeladen wurde. Außerdem gieng K. einmal in der Woche zu einem Mädchen namens Elsa, die während der Nacht bis in den späten Morgen als Kellnerin in einer Weinstube bediente und während des Tages nur vom Bett aus Besuche empfieng.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Erste Untersuchung</title><link>https://www.kafka.org/works/trial/erste-untersuchung/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 17:32:19 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/trial/erste-untersuchung/</guid><description>&lt;p&gt;K. war telephonisch verständigt worden, daß am nächsten Sonntag eine kleine Untersuchung in seiner Angelegenheit stattfinden würde. Man machte ihn darauf aufmerksam, daß diese Untersuchungen nun regelmäßig, wenn auch vielleicht nicht jede Woche so doch häufiger einander folgen würden. Es liege einerseits im allgemeinen Interesse, den Proceß rasch zu Ende zu führen, anderseits aber müssen die Untersuchungen in jeder Hinsicht gründlich sein und doch wegen der damit verbundenen Anstrengung niemals allzulange dauern. Deshalb habe man den Ausweg dieser rasch aufeinanderfolgenden aber kurzen Untersuchungen gewählt. Die Bestimmung des Sonntags als Untersuchungstag habe man deshalb vorgenommen, um K. in seiner beruflichen Arbeit nicht zu stören. Man setze voraus, daß er damit einverstanden sei, sollte er einen andern Termin wünschen, so würde man ihm so gut es gienge entgegenkommen. Die Untersuchungen wären beispielsweise auch in der Nacht möglich, aber da sei wohl K. nicht genug frisch. Jedenfalls werde man es, solange K. nichts einwende, beim Sonntag belassen. Es sei selbstverständlich, daß er bestimmt erscheinen müsse, darauf müsse man ihn wohl nicht erst aufmerksam machen. Es wurde ihm die Nummer des Hauses genannt, in dem er sich einfinden solle, es war ein Haus in einer entlegenen Vorstadtstraße, in der K. noch niemals gewesen war.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Im leeren Sitzungssaal / Der Student / Die Kanzleien</title><link>https://www.kafka.org/works/trial/im-leeren-sitzungssaal-der-student-die-kanzleien/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 17:33:12 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/trial/im-leeren-sitzungssaal-der-student-die-kanzleien/</guid><description>&lt;p&gt;K. wartete während der nächsten Woche von Tag zu Tag auf eine neuerliche Verständigung, er konnte nicht glauben, daß man seinen Verzicht auf Verhöre wörtlich genommen hatte und als die erwartete Verständigung bis Samstag abend wirklich nicht kam, nahm er an, er sei stillschweigend in das gleiche Haus für die gleiche Zeit wieder vorgeladen. Er begab sich daher Sonntags wieder hin, gieng diesmal geradewegs über Treppen und Gänge, einige Leute, die sich seiner erinnerten, grüßten ihn an ihren Türen, aber er mußte niemanden mehr fragen und kam bald zu der richtigen Tür. Auf sein Klopfen wurde ihm gleich aufgemacht und ohne sich weiter nach der bekannten Frau umzusehn, die bei der Tür stehen blieb, wollte er gleich ins Nebenzimmer. &amp;ldquo;Heute ist keine Sitzung&amp;rdquo;, sagte die Frau. &amp;ldquo;Warum sollte keine Sitzung sein?&amp;rdquo; fragte er und wollte es nicht glauben. Aber die Frau überzeugte ihn, indem sie die Tür des Nebenzimmers öffnete. Es war wirklich leer und sah in seiner Leere noch kläglicher aus, als am letzten Sonntag. Auf dem Tisch, der unverändert auf dem Podium stand, lagen einige Bücher. &amp;ldquo;Kann ich mir die Bücher anschauen&amp;rdquo;, fragte K., nicht aus besonderer Neugierde, sondern nur um nicht vollständig nutzlos hiergewesen zu sein. &amp;ldquo;Nein&amp;rdquo;, sagte die Frau und schloß wieder die Tür, &amp;ldquo;das ist nicht erlaubt. Die Bücher gehören dem Untersuchungsrichter. &amp;quot; &amp;ldquo;Ach so&amp;rdquo;, sagte K. und nickte, &amp;ldquo;die Bücher sind wohl Gesetzbücher und es gehört zu der Art dieses Gerichtswesens, daß man nicht nur unschuldig, sondern auch unwissend verurteilt wird. &amp;quot; &amp;ldquo;Es wird so sein&amp;rdquo;, sagte die Frau, die ihn nicht genau verstanden hatte. &amp;ldquo;Nun, dann gehe ich wieder&amp;rdquo;, sagte K. &amp;ldquo;Soll ich dem Untersuchungsrichter etwas melden?&amp;rdquo; fragte die Frau. &amp;ldquo;Sie kennen ihn?&amp;rdquo; fragte K. &amp;ldquo;Natürlich&amp;rdquo;, sagte die Frau, &amp;ldquo;mein Mann ist ja Gerichtsdiener.&amp;rdquo; Erst jetzt merkte K. daß das Zimmer, in dem letzthin nur ein Waschbottich gestanden war, jetzt ein völlig eingerichtetes Wohnzimmer bildete. Die Frau bemerkte sein Staunen und sagte: &amp;ldquo;Ja, wir haben hier freie Wohnung, müssen aber an Sitzungstagen das Zimmer ausräumen. Die Stellung meines Mannes hat manche Nachteile.&amp;rdquo; &amp;ldquo;Ich staune nicht so sehr über das Zimmer&amp;rdquo;, sagte K. und blickte sie böse an, &amp;ldquo;als vielmehr darüber, daß Sie verheiratet sind. &amp;quot; &amp;ldquo;Spielen Sie vielleicht auf den Vorfall in der letzten Sitzung an, durch den ich Ihre Rede störte&amp;rdquo;, fragte die Frau. &amp;ldquo;Natürlich&amp;rdquo;, sagte K., &amp;ldquo;heute ist es ja schon vorüber und fast vergessen, aber damals hat es mich geradezu wütend gemacht. Und nun sagen Sie selbst, daß Sie eine verheiratete Frau sind. &amp;quot; &amp;ldquo;Es war nicht zu Ihrem Nachteil, daß Ihre Rede abgebrochen wurde. Man hat nachher noch sehr ungünstig über sie geurteilt. &amp;quot; &amp;ldquo;Mag sein&amp;rdquo;, sagte K. ablenkend, &amp;ldquo;aber Sie entschuldigt das nicht.&amp;rdquo; &amp;ldquo;Ich bin vor allen entschuldigt, die mich kennen&amp;rdquo;, sagte die Frau, &amp;ldquo;der welcher mich damals umarmt hat, verfolgt mich schon seit langem. Ich mag im allgemeinen nicht verlockend sein, für ihn bin ich es aber. Es gibt hiefür keinen Schutz, auch mein Mann hat sich schon damit abgefunden; will er seine Stellung behalten muß er es dulden, denn jener Mann ist Student und wird voraussichtlich zu größerer Macht kommen. Er ist immerfort hinter mir her, gerade ehe Sie kamen, ist er fortgegangen.&amp;rdquo; &amp;ldquo;Es paßt zu allem andern&amp;rdquo;, sagte K., &amp;ldquo;es überrascht mich nicht.&amp;rdquo; &amp;ldquo;Sie wollen hier wohl einiges verbessern?&amp;rdquo; fragte die Frau langsam und prüfend, als sage sie etwas was sowohl für sie als für K. gefährlich war. &amp;ldquo;Ich habe das schon aus Ihrer Rede geschlossen, die mir persönlich sehr gut gefallen hat. Ich habe allerdings nur einen Teil gehört, den Anfang habe ich versäumt und während des Schlusses lag ich mit dem Studenten auf dem Boden. &amp;quot; &amp;ldquo;Es ist ja so widerlich hier&amp;rdquo;, sagte sie nach einer Pause und faßte K.’s Hand. &amp;ldquo;Glauben Sie, daß es Ihnen gelingen wird, eine Besserung zu erreichen? &amp;quot; K. lächelte und drehte seine Hand ein wenig in ihren weichen Händen. &amp;ldquo;Eigentlich&amp;rdquo;, sagte er, &amp;ldquo;bin ich nicht dazu angestellt, Besserungen hier zu erreichen, wie Sie sich ausdrücken, und wenn Sie es z. B. dem Untersuchungsrichter sagen würden, würden Sie ausgelacht oder bestraft werden. Tatsächlich hätte ich mich auch aus freiem Willen in diese Dinge gewiß nicht eingemischt und meinen Schlaf hätte die Verbesserungsbedürftigkeit dieses Gerichtswesens niemals gestört. Aber ich bin, dadurch daß ich angeblich verhaftet wurde – ich bin nämlich verhaftet – gezwungen worden, hier einzugreifen, undzwar um meinetwillen. Wenn ich aber dabei auch Ihnen irgendwie nützlich sein kann, werde ich es natürlich sehr gerne tun. Nicht etwa nur aus Nächstenliebe, sondern außerdem deshalb, weil auch Sie mir helfen können. &amp;quot; &amp;ldquo;Wie könnte ich denn das&amp;rdquo;, fragte die Frau. &amp;ldquo;Indem Sie mir z. B. jetzt die Bücher dort auf dem Tisch zeigen. &amp;quot; &amp;ldquo;Aber gewiß&amp;rdquo;, rief die Frau und zog ihn eiligst hinter sich her. Es waren alte abgegriffene Bücher, ein Einbanddeckel war in der Mitte fast zerbrochen, die Stücke hiengen nur durch Fasern zusammen. &amp;ldquo;Wie schmutzig hier alles ist&amp;rdquo;, sagte K. kopfschüttelnd und die Frau wischte mit ihrer Schürze, ehe K. nach den Büchern greifen konnte wenigstens oberflächlich den Staub weg. K. schlug das oberste Buch auf, es erschien ein unanständiges Bild. Ein Mann und eine Frau saßen nackt auf einem Kanapee, die gemeine Absicht des Zeichners war deutlich zu erkennen, aber seine Ungeschicklichkeit war so groß gewesen, daß schließlich doch nur ein Mann und eine Frau zu sehen waren, die allzu körperlich aus dem Bilde hervorragten, übermäßig aufrecht dasaßen und infolge falscher Perspektive nur mühsam sich einander zuwendeten. K. blätterte nicht weiter sondern schlug nur noch das Titelblatt des zweiten Buches auf, es war ein Roman mit dem Titel: &amp;ldquo;Die Plagen, welche Grete von ihrem Manne Hans zu erleiden hatte. &amp;quot; &amp;ldquo;Das sind die Gesetzbücher, die hier studiert werden&amp;rdquo;, sagte K. &amp;ldquo;Von solchen Menschen soll ich gerichtet werden. &amp;quot; &amp;ldquo;Ich werde Ihnen helfen&amp;rdquo;, sagte die Frau. &amp;ldquo;Wollen Sie? &amp;quot; &amp;ldquo;Könnten Sie denn das wirklich ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, Sie sagten doch vorhin, Ihr Mann sei sehr abhängig von Vorgesetzten. &amp;quot; &amp;ldquo;Trotzdem will ich Ihnen helfen&amp;rdquo;, sagte die Frau. &amp;ldquo;Kommen Sie, wir müssen es besprechen. Über meine Gefahr reden Sie nicht mehr, ich fürchte die Gefahr nur dort, wo ich sie fürchten will. Kommen Sie. &amp;quot; Sie zeigte auf das Podium und bat ihn sich mit ihr auf die Stufe zu setzen. &amp;ldquo;Sie haben schöne dunkle Augen&amp;rdquo;, sagte sie, nachdem sie sich gesetzt hatten und sah K. von unten ins Gesicht, &amp;ldquo;man sagt mir ich hätte auch schöne Augen, aber Ihre sind viel schöner. Sie fielen mir übrigens gleich damals auf, als Sie zum erstenmal hier eintraten. Sie waren auch der Grund, warum ich dann später hierher ins Versammlungszimmer gieng, was ich sonst niemals tue und was mir sogar gewissermaßen verboten ist. &amp;quot; &amp;ldquo;Das ist also alles&amp;rdquo;, dachte K., &amp;ldquo;sie bietet sich mir an, sie ist verdorben wie alle hier ringsherum, sie hat die Gerichtsbeamten satt, was ja begreiflich ist, und begrüßt deshalb jeden beliebigen Fremden mit einem Kompliment wegen seiner Augen. &amp;quot; Und K. stand stillschweigend auf, als hätte er seine Gedanken laut ausgesprochen und dadurch der Frau sein Verhalten erklärt. &amp;ldquo;Ich glaube nicht, daß Sie mir helfen könnten&amp;rdquo;, sagte er, &amp;ldquo;um mir wirklich zu helfen, müßte man Beziehungen zu hohen Beamten haben. Sie aber kennen gewiß nur die niedrigen Angestellten, die sich hier in Mengen herumtreiben. Diese kennen Sie gewiß sehr gut und könnten bei ihnen auch manches durchsetzen, das bezweifle ich nicht, aber das Größte, was man bei ihnen durchsetzen könnte, wäre für den endgiltigen Ausgang des Processes gänzlich belanglos. Sie aber hätten sich dadurch doch einige Freunde verscherzt. Das will ich nicht. Führen Sie Ihr bisheriges Verhältnis zu diesen Leuten weiter, es scheint mir nämlich daß es Ihnen unentbehrlich ist. Ich sage das nicht ohne Bedauern, denn, um Ihr Kompliment doch auch irgendwie zu erwidern, auch Sie gefallen mir gut, besonders wenn Sie mich wie jetzt so traurig ansehn, wozu übrigens für Sie gar kein Grund ist. Sie gehören zu der Gesellschaft, die ich bekämpfen muß, befinden sich aber in ihr sehr wohl, Sie lieben sogar den Studenten und wenn Sie ihn nicht lieben, so ziehen Sie ihn doch wenigstens Ihrem Manne vor. Das konnte man aus Ihren Worten leicht erkennen. &amp;quot; &amp;ldquo;Nein&amp;rdquo;, rief sie, blieb sitzen und griff nur nach K. ’s Hand, die er ihr nicht rasch genug entzog, &amp;ldquo;Sie dürfen jetzt nicht weggehn, Sie dürfen nicht mit einem falschen Urteil über mich weggehn. Brächten Sie es wirklich zustande, jetzt wegzugehn? Bin ich wirklich so wertlos, daß Sie mir nicht einmal den Gefallen tun wollen noch ein kleines Weilchen hierzubleiben?&amp;rdquo; &amp;ldquo;Sie mißverstehen mich&amp;rdquo;, sagte K. und setzte sich, &amp;ldquo;wenn Ihnen wirklich daran liegt, daß ich hier bleibe, bleibe ich gern, ich habe ja Zeit, ich kam doch in der Erwartung her, daß heute eine Verhandlung sein werde. Mit dem, was ich früher sagte, wollte ich Sie nur bitten, in meinem Proceß nichts für mich zu unternehmen. Aber auch das muß Sie nicht kränken, wenn Sie bedenken, daß mir am Ausgang des Processes gar nichts liegt und daß ich über eine Verurteilung nur lachen werde. Vorausgesetzt daß es überhaupt zu einem wirklichen Abschluß des Processes kommt, was ich sehr bezweifle. Ich glaube vielmehr, daß das Verfahren infolge Faulheit oder Vergeßlichkeit oder vielleicht sogar infolge Angst der Beamtenschaft schon abgebrochen ist oder in der nächsten Zeit abgebrochen werden wird. Möglich ist allerdings auch, daß man in Hoffnung auf irgendeine größere Bestechung den Proceß scheinbar weiterführen wird, ganz vergeblich, wie ich heute schon sagen kann, denn ich besteche niemanden. Es wäre immerhin eine Gefälligkeit, die Sie mir leisten könnten, wenn Sie dem Untersuchungsrichter oder irgendjemandem sonst, der wichtige Nachrichten gern verbreitet, mitteilen würden, daß ich niemals und durch keine Kunststücke, an denen die Herren wohl reich sind, zu einer Bestechung zu bewegen sein werde. Es wäre ganz aussichtslos, das können Sie ihnen offen sagen. Übrigens wird man es vielleicht selbst schon bemerkt haben und selbst wenn dies nicht sein sollte, liegt mir gar nicht soviel daran, daß man es jetzt schon erfährt. Es würde ja dadurch den Herren nur Arbeit erspart werden, allerdings auch mir einige Unannehmlichkeiten, die ich aber gern auf mich nehme, wenn ich weiß, daß jede gleichzeitig ein Hieb für die andern ist. Und daß es so wird, dafür will ich sorgen. Kennen Sie eigentlich den Untersuchungsrichter&amp;rdquo; &amp;ldquo;Natürlich&amp;rdquo;, sagte die Frau, &amp;ldquo;an den dachte ich sogar zuerst, als ich Ihnen Hilfe anbot. Ich wußte nicht daß er nur ein niedriger Beamter ist, aber da Sie es sagen, wird es wahrscheinlich richtig sein. Trotzdem glaube ich daß der Bericht, den er nach oben liefert, immerhin einigen Einfluß hat. Und er schreibt soviel Berichte. Sie sagen, daß die Beamten faul sind, alle gewiß nicht, besonders dieser Untersuchungsrichter nicht, er schreibt sehr viel. Letzten Sonntag z. B. dauerte die Sitzung bis gegen Abend. Alle Leute giengen weg, der Untersuchungsrichter aber blieb im Saal, ich mußte ihm eine Lampe bringen, ich hatte nur eine kleine Küchenlampe, aber er war mit ihr zufrieden und fieng gleich zu schreiben an. Inzwischen war auch mein Mann gekommen, der an jenem Sonntag gerade Urlaub hatte, wir holten die Möbel, richteten wieder unser Zimmer ein, es kamen dann noch Nachbarn ein, wir unterhielten uns noch bei einer Kerze, kurz wir vergaßen an den Untersuchungsrichter und giengen schlafen. Plötzlich in der Nacht, es muß schon tief in der Nacht gewesen sein, wache ich auf, neben dem Bett steht der Untersuchungsrichter und blendet die Lampe mit der Hand ab, so daß auf meinen Mann kein Licht fällt, es war unnötige Vorsicht, mein Mann hat einen solchen Schlaf daß ihn auch das Licht nicht geweckt hätte. Ich war so erschrocken, daß ich fast geschrien hätte, aber der Untersuchungsrichter war sehr freundlich, ermahnte mich zur Vorsicht, flüsterte mir zu, daß er bis jetzt geschrieben habe, daß er mir jetzt die Lampe zurückbringe und daß er niemals den Anblick vergessen werde, wie er mich schlafend gefunden habe. Mit dem allen wollte ich Ihnen nur sagen, daß der Untersuchungsrichter tatsächlich viel Berichte schreibt, insbesondere über Sie: denn Ihre Einvernahme war gewiß einer der Hauptgegenstände der sonntägigen Sitzung. Solche lange Berichte können aber doch nicht ganz bedeutungslos sein. Außerdem aber können Sie doch auch aus dem Vorfall sehn, daß sich der Untersuchungsrichter um mich bewirbt und daß ich gerade jetzt in der ersten Zeit, er muß mich überhaupt erst jetzt bemerkt haben, großen Einfluß auf ihn haben kann. Daß ihm viel an mir liegt, dafür habe ich jetzt auch noch andere Beweise. Er hat mir gestern durch den Studenten, zu dem er viel Vertrauen hat und der sein Mitarbeiter ist, seidene Strümpfe zum Geschenk geschickt, angeblich dafür, daß ich das Sitzungszimmer aufräume, aber das ist nur ein Vorwand, denn diese Arbeit ist doch meine Pflicht und für sie wird mein Mann bezahlt. Es sind schöne Strümpfe, sehen Sie&amp;rdquo; – sie streckte die Beine, zog die Röcke bis zum Knie hinauf und sah auch selbst die Strümpfe an – &amp;ldquo;es sind schöne Strümpfe aber doch eigentlich zu fein und für mich nicht geeignet. &amp;quot;&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Der Prügler</title><link>https://www.kafka.org/works/trial/der-pruegler/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 17:34:31 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/trial/der-pruegler/</guid><description>&lt;p&gt;Als K. an einem der nächsten Abende den Korridor passierte, der sein Bureau von der Haupttreppe trennte – er gieng diesmal fast als der letzte nachhause, nur in der Expedition arbeiteten noch zwei Diener im kleinen Lichtfeld einer Glühlampe – hörte er hinter einer Tür, hinter der er immer nur eine Rumpelkammer vermutet hatte, ohne sie jemals selbst gesehen zu haben, Seufzer ausstoßen. Er blieb erstaunt stehn und horchte noch einmal auf um festzustellen ob er sich nicht irrte, – es wurde ein Weilchen still, dann waren es aber doch wieder Seufzer. – Zuerst wollte er einen der Diener holen, man konnte vielleicht einen Zeugen brauchen, dann aber faßte ihn eine derart unbezähmbare Neugierde, daß er die Tür förmlich aufriß. Es war, wie er richtig vermutet hatte, eine Rumpelkammer. Unbrauchbare alte Drucksorten, umgeworfene leere irdene Tintenflaschen lagen hinter der Schwelle. In der Kammer selbst aber standen drei Männer, gebückt in dem niedrigen Raum. Eine auf einem Regal festgemachte Kerze gab ihnen Licht. &amp;ldquo;Was treibt Ihr hier?&amp;rdquo; fragte K. sich vor Aufregung überstürzend, aber nicht laut. Der eine Mann, der die andern offenbar beherrschte und zuerst den Blick auf sich lenkte, stak in einer Art dunklern Lederkleidung, die den Hals bis tief zur Brust und die ganzen Arme nackt ließ. Er antwortete nicht. Aber die zwei andern riefen: &amp;ldquo;Herr! Wir sollen geprügelt werden, weil Du Dich beim Untersuchungsrichter über uns beklagt hast. &amp;quot; Und nun erst erkannte K., daß es wirklich die Wächter Franz und Willem waren, und daß der Dritte eine Rute in der Hand hielt, um sie zu prügeln. &amp;ldquo;Nun&amp;rdquo;, sagte K. und starrte sie an, &amp;ldquo;ich habe mich nicht beklagt, ich habe nur gesagt, wie es sich in meiner Wohnung zugetragen hat. Und einwandfrei habt Ihr Euch ja nicht benommen. &amp;quot; &amp;ldquo;Herr&amp;rdquo;, sagte Willem während Franz sich hinter ihm vor dem Dritten offenbar zu sichern suchte, &amp;ldquo;wenn Ihr wüßtet wie schlecht wir gezahlt sind, Ihr würdet besser über uns urteilen. Ich habe eine Familie zu ernähren und Franz hier wollte heiraten, man sucht sich zu bereichern, wie es geht, durch bloße Arbeit gelingt es nicht, selbst durch die angestrengteste, Euere feine Wäsche hat mich verlockt, es ist natürlich den Wächtern verboten, so zu handeln, es war unrecht, aber Tradition ist es, daß die Wäsche den Wächtern gehört, es ist immer so gewesen, glaubt es mir; es ist ja auch verständlich, was bedeuten denn noch solche Dinge für den, welcher so unglücklich ist verhaftet zu werden. Bringt er es dann allerdings öffentlich zur Sprache, dann muß die Strafe erfolgen. &amp;quot; &amp;ldquo;Was Ihr jetzt sagt, wußte ich nicht, ich habe auch keineswegs Euere Bestrafung verlangt, mir ging es um ein Princip. &amp;quot; &amp;ldquo;Franz&amp;rdquo;, wandte sich Willem zum andern Wächter, &amp;ldquo;sagte ich Dir nicht, daß der Herr unsere Bestrafung nicht verlangt hat. Jetzt hörst Du, daß er nicht einmal gewußt hat, daß wir bestraft werden müssen. &amp;quot; &amp;ldquo;Laß Dich nicht durch solche Reden rühren&amp;rdquo;, sagte der Dritte zu K., &amp;ldquo;die Strafe ist ebenso gerecht als unvermeidlich.&amp;rdquo; &amp;ldquo;Höre nicht auf ihn&amp;rdquo;, sagte Willem und unterbrach sich nur um die Hand, über die er einen Rutenhieb bekommen hatte schnell an den Mund zu führen, &amp;ldquo;wir werden nur gestraft, weil Du uns angezeigt hast. Sonst wäre uns nichts geschehn, selbst wenn man erfahren hätte, was wir getan haben. Kann man das Gerechtigkeit nennen? Wir zwei, insbesondere aber ich, hatten uns als Wächter durch lange Zeit sehr bewährt – Du selbst mußt eingestehn, daß wir vom Gesichtspunkt der Behörde gesehn, gut gewacht haben – wir hatten Aussicht vorwärtszukommen und wären gewiß bald auch Prügler geworden, wie dieser, der eben das Glück hatte, von niemandem angezeigt worden zu sein, denn eine solche Anzeige kommt wirklich nur sehr selten vor. Und jetzt Herr ist alles verloren, unsere Laufbahn beendet, wir werden noch viel untergeordnetere Arbeiten leisten müssen, als der Wachdienst ist und überdies bekommen wir jetzt diese schrecklich schmerzhaften Prügel.&amp;rdquo; &amp;ldquo;Kann denn die Rute solche Schmerzen machen&amp;rdquo;, fragte K. und prüfte die Rute, die der Prügler vor ihm schwang. &amp;ldquo;Wir werden uns ja ganz nackt ausziehn müssen&amp;rdquo;, sagte Willem. &amp;ldquo;Ach so&amp;rdquo;, sagte K. und sah den Prügler genauer an, er war braun gebrannt wie ein Matrose und hatte ein wildes frisches Gesicht. &amp;ldquo;Gibt es keine Möglichkeit den zwein die Prügel zu ersparen&amp;rdquo;, fragte er ihn. &amp;ldquo;Nein&amp;rdquo;, sagte der Prügler und schüttelte lächelnd den Kopf. &amp;ldquo;Zieht Euch aus&amp;rdquo;, befahl er den Wächtern. Und zu K. sagte er: &amp;ldquo;Du mußt ihnen nicht alles glauben. Sie sind durch die Angst vor den Prügeln schon ein wenig schwachsinnig geworden. Was dieser hier z. B. &amp;quot; – er zeigte auf Willem – &amp;ldquo;über seine mögliche Laufbahn erzählt hat, ist geradezu lächerlich. Sieh an, wie fett er ist,– die ersten Rutenstreiche werden überhaupt im Fett verloren gehn. – Weißt Du wodurch er so fett geworden ist? Er hat die Gewohnheit allen Verhafteten das Frühstück aufzuessen. Hat er nicht auch Dein Frühstück aufgegessen? Nun ich sagte es ja. Aber ein Mann mit einem solchen Bauch kann nie und nimmermehr Prügler werden, das ist ganz ausgeschlossen.&amp;rdquo; &amp;ldquo;Es gibt auch solche Prügler&amp;rdquo;, behauptete Willem der gerade seinen Hosengürtel löste. &amp;ldquo;Nein!&amp;rdquo; sagte der Prügler und strich ihm mit der Rute derartig über den Hals, daß er zusammenzuckte, &amp;ldquo;Du sollst nicht zuhören, sondern Dich ausziehn. &amp;quot; &amp;ldquo;Ich würde Dich gut belohnen, wenn Du sie laufen läßt&amp;rdquo;, sagte K. und zog ohne den Prügler nochmals anzusehn – solche Geschäfte werden beiderseits mit niedergeschlagenen Augen am besten abgewickelt – seine Brieftasche hervor. &amp;ldquo;Du willst wohl dann auch mich anzeigen&amp;rdquo;, sagte der Prügler, &amp;ldquo;und auch noch mir Prügel verschaffen. Nein, nein! &amp;quot; &amp;ldquo;Sei doch vernünftig&amp;rdquo;, sagte K., &amp;ldquo;wenn ich gewollt hätte, daß diese zwei bestraft werden, würde ich sie doch jetzt nicht loskaufen wollen. Ich könnte einfach die Tür hier zuschlagen, nichts weiter sehn und hören wollen und nachhausegehn. Nun tue ich das aber nicht, vielmehr liegt mir ernstlich daran sie zu befreien; hätte ich geahnt, daß sie bestraft werden sollen oder auch nur bestraft werden können hätte ich ihre Namen nie genannt. Ich halte sie nämlich gar nicht für schuldig, schuldig ist die Organisation, schuldig sind die hohen Beamten. &amp;quot; &amp;ldquo;So ist es&amp;rdquo;, riefen die Wächter und bekamen sofort einen Hieb über ihren schon entkleideten Rücken. &amp;ldquo;Hättest Du hier unter Deiner Rute einen hohen Richter&amp;rdquo;, sagte K. und drückte während er sprach die Rute, die sich schon wieder erheben wollte, nieder, &amp;ldquo;ich würde Dich wahrhaftig nicht hindern loszuschlagen, im Gegenteil ich würde Dir noch Geld geben, damit Du Dich für die gute Sache kräftigst. &amp;quot; &amp;ldquo;Was Du sagst, klingt ja glaubwürdig&amp;rdquo;, sagte der Prügler, &amp;ldquo;aber ich lasse mich nicht bestechen. Ich bin zum Prügeln angestellt, also prügle ich. &amp;quot; Der Wächter Franz, der vielleicht in Erwartung eines guten Ausganges des Eingreifens von K. bisher ziemlich zurückhaltend gewesen war, trat jetzt nur noch mit den Hosen bekleidet zur Tür, hing sich niederknieend an K.’s Arm und flüsterte: &amp;ldquo;Wenn Du für uns beide Schonung nicht durchsetzen kannst, so versuche wenigstens mich zu befreien. Willem ist älter als ich, in jeder Hinsicht weniger empfindlich, auch hat er schon einmal vor paar Jahren eine leichte Prügelstrafe bekommen, ich aber bin noch nicht entehrt und bin doch zu meiner Handlungsweise nur durch Willem gebracht worden, der in Gutem und Schlechtem mein Lehrer ist. Unten vor der Bank wartet meine arme Braut auf den Ausgang, ich schäme mich ja so erbärmlich.&amp;rdquo; Er trocknete mit K.’s Rock sein von Tränen ganz überlaufenes Gesicht. &amp;ldquo;Ich warte nicht mehr&amp;rdquo;, sagte der Prügler, faßte die Rute mit beiden Händen und hieb auf Franz ein, während Willem in einem Winkel kauerte und heimlich zusah, ohne eine Kopfwendung zu wagen. Da erhob sich der Schrei, den Franz ausstieß, ungeteilt und unveränderlich, er schien nicht von einem Menschen, sondern von einem gemarterten Instrument zu stammen, der ganze Korridor tönte von ihm, das ganze Haus mußte es hören, &amp;ldquo;schrei nicht&amp;rdquo;, rief K., er konnte sich nicht zurückhalten und während er gespannt in die Richtung sah, aus der die Diener kommen mußten, stieß er in Franz, nicht stark aber doch stark genug, daß der Besinnungslose niederfiel und im Krampf mit den Händen den Boden absuchte; den Schlägen entgieng er aber nicht, die Rute fand ihn auch auf der Erde, während er sich unter ihr wälzte, schwang sich ihre Spitze regelmäßig auf und ab. Und schon erschien in der Ferne ein Diener und ein paar Schritte hinter ihm ein zweiter. K. hatte schnell die Tür zugeworfen, war zu einem nahen Hoffenster getreten und öffnete es. Das Schreien hatte vollständig aufgehört. Um die Diener nicht herankommen zu lassen, rief er: &amp;ldquo;Ich bin es. &amp;quot; &amp;ldquo;Guten Abend, Herr Prokurist&amp;rdquo;, rief es zurück. &amp;ldquo;Ist etwas geschehn?&amp;rdquo; &amp;ldquo;Nein nein&amp;rdquo;, antwortete K., &amp;ldquo;es schreit nur ein Hund auf dem Hof. &amp;quot; Als die Diener sich doch nicht rührten, fügte er hinzu: &amp;ldquo;Sie können bei Ihrer Arbeit bleiben.&amp;rdquo; Um sich in kein Gespräch mit den Dienern einlassen zu müssen, beugte er sich aus dem Fenster. Als er nach einem Weilchen wieder in den Korridor sah, waren sie schon weg. K. aber blieb nun beim Fenster, in die Rumpelkammer wagte er nicht zu gehn und nachhause gehn wollte er auch nicht. Es war ein kleiner viereckiger Hof, in den er hinunter sah, ringsherum waren Bureauräume untergebracht, alle Fenster waren jetzt schon dunkel, nur die obersten fiengen einen Widerschein des Mondes auf. K. suchte angestrengt mit den Blicken in das Dunkel eines Hofwinkels einzudringen, in dem einige Handkarren ineinandergefahren waren. Es quälte ihn, daß es ihm nicht gelungen war, das Prügeln zu verhindern, aber es war nicht seine Schuld, daß es nicht gelungen war, hätte Franz nicht geschrien – gewiß es mußte sehr wehgetan haben, aber in einem entscheidenden Augenblick muß man sich beherrschen – hätte er nicht geschrien, so hätte K., wenigstens sehr wahrscheinlich, noch ein Mittel gefunden, den Prügler zu überreden. Wenn die ganze unterste Beamtenschaft Gesindel war, warum hätte gerade der Prügler, der das unmenschlichste Amt hatte, eine Ausnahme machen sollen, K. hatte auch gut beobachtet, wie ihm beim Anblick der Banknote die Augen geleuchtet hatten, er hatte mit dem Prügeln offenbar nur deshalb Ernst gemacht, um die Bestechungssumme noch ein wenig zu erhöhn. Und K. hätte nicht gespart, es lag ihm wirklich daran die Wächter zu befreien; wenn er nun schon angefangen hatte die Verderbnis dieses Gerichtswesens zu bekämpfen, so war es selbstverständlich, daß er auch von dieser Seite eingriff. Aber in dem Augenblick, wo Franz zu schreien angefangen hatte, war natürlich alles zuende. K. konnte nicht zulassen, daß die Diener und vielleicht noch alle möglichen Leute kämen und ihn in Unterhandlungen mit der Gesellschaft in der Rumpelkammer überraschten. Diese Aufopferung konnte wirklich niemand von K. verlangen. Wenn er das zu tun beabsichtigt hätte, so wäre es ja fast einfacher gewesen, K. hätte sich selbst ausgezogen und dem Prügler als Ersatz für die Wächter angeboten. Übrigens hätte der Prügler diese Vertretung gewiß nicht angenommen, da er dadurch, ohne einen Vorteil zu gewinnen, dennoch seine Pflicht schwer verletzt hätte und wahrscheinlich doppelt verletzt hätte, denn K. mußte wohl, solange er im Verfahren stand, für alle Angestellten des Gerichtes unverletzlich sein. Allerdings konnten hier auch besondere Bestimmungen gelten. Jedenfalls hatte K. nichts anderes tun können, als die Tür zuschlagen, trotzdem dadurch auch jetzt noch für K. durchaus nicht jede Gefahr beseitigt blieb. Daß er noch zuletzt Franz einen Stoß gegeben hatte, war bedauerlich und nur durch seine Aufregung zu entschuldigen.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Der Onkel / Leni</title><link>https://www.kafka.org/works/trial/der-onkel-leni/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 17:35:49 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/trial/der-onkel-leni/</guid><description>&lt;p&gt;Eines Nachmittags – K. war gerade vor dem Postabschluß sehr beschäftigt – drängte sich zwischen zwei Dienern, die Schriftstücke hereintrugen K.’s Onkel Karl, ein kleiner Grundbesitzer vom Lande, ins Zimmer. K. erschrak bei dem Anblick weniger, als er schon vor längerer Zeit bei der Vorstellung vom Kommen des Onkels erschrocken war. Der Onkel mußte kommen, das stand bei K. schon etwa einen Monat lang fest. Schon damals hatte er ihn zu sehen geglaubt, wie er ein wenig gebückt, den eingedrückten Panamahut in der Linken die Rechte schon von weitem ihm entgegenstreckte und sie mit rücksichtsloser Eile über den Schreibtisch hin reichte, alles umstoßend, was ihm im Wege war. Der Onkel befand sich immer in Eile, denn er war von dem unglücklichen Gedanken verfolgt, bei seinem immer nur eintägigen Aufenthalt in der Hauptstadt müsse er alles erledigen können, was er sich vorgenommen hatte und dürfe überdies auch kein gelegentlich sich darbietendes Gespräch oder Geschäft oder Vergnügen sich entgehen lassen. Dabei mußte ihm K., der ihm als seinem gewesenen Vormund besonders verpflichtet war, in allem möglichen behilflich sein und ihn außerdem bei sich übernachten lassen. &amp;ldquo;Das Gespenst vom Lande&amp;rdquo; pflegte er ihn zu nennen.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Advokat / Fabrikant / Maler</title><link>https://www.kafka.org/works/trial/advokat-fabrikant-maler/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 17:37:02 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/trial/advokat-fabrikant-maler/</guid><description>&lt;p&gt;An einem Wintervormittag – draußen fiel Schnee im trüben Licht – saß K. trotz der frühen Stunde schon äußerst müde in seinem Bureau. Um sich wenigstens vor den untern Beamten zu schützen, hatte er dem Diener den Auftrag gegeben, niemanden von ihnen einzulassen, da er mit einer größern Arbeit beschäftigt sei. Aber statt zu arbeiten drehte er sich in seinem Sessel, verschob langsam einige Gegenstände auf dem Tisch, ließ dann aber, ohne es zu wissen den ganzen Arm ausgestreckt auf der Tischplatte liegen und blieb mit gesenktem Kopf unbeweglich sitzen.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Kaufmann Block / Kündigung des Advokaten</title><link>https://www.kafka.org/works/trial/kaufmann-block-kuendigung-des-advokaten/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 17:39:08 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/trial/kaufmann-block-kuendigung-des-advokaten/</guid><description>&lt;p&gt;Endlich hatte sich K. doch entschlossen, dem Advokaten seine Vertretung zu entziehn. Zweifel daran, ob es richtig war, so zu handeln, waren zwar nicht auszurotten, aber die Überzeugung von der Notwendigkeit dessen überwog. Die Entschließung hatte K. an dem Tage an dem er zum Advokaten gehen wollte, viel Arbeitskraft entzogen, er arbeitete besonders langsam, er mußte sehr lange im Bureau bleiben und es war schon zehn Uhr vorüber, als er endlich vor der Tür des Advokaten stand. Noch ehe er läutete überlegte er, ob es nicht besser wäre, dem Advokaten telephonisch oder brieflich zu kündigen, die persönliche Unterredung würde gewiß sehr peinlich werden. Trotzdem wollte K. schließlich auf sie nicht verzichten, bei jeder andern Art der Kündigung würde diese stillschweigend oder mit ein paar förmlichen Worten angenommen werden und K. würde, wenn nicht etwa Leni einiges erforschen könnte, niemals erfahren, wie der Advokat die Kündigung aufgenommen hatte und was für Folgen für K. diese Kündigung nach der nicht unwichtigen Meinung des Advokaten haben könnte. Saß aber der Advokat K. gegenüber und wurde er von der Kündigung überrascht, so würde K., selbst wenn der Advokat sich nicht viel entlocken ließ, aus seinem Gesicht und seinem Benehmen alles was er wollte, leicht entnehmen können. Es war sogar nicht ausgeschlossen, daß er überzeugt wurde, daß es doch gut wäre, dem Advokaten die Verteidigung zu überlassen und daß er dann seine Kündigung zurückzog.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Im Dom</title><link>https://www.kafka.org/works/trial/im-dom/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 17:45:01 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/trial/im-dom/</guid><description>&lt;p&gt;K. bekam den Auftrag, einem italienischen Geschäftsfreund der Bank, der für sie sehr wichtig war und sich zum ersten Mal in dieser Stadt aufhielt, einige Kunstdenkmäler zu zeigen. Es war ein Auftrag, den er zu anderer Zeit gewiß für ehrend gehalten hätte, den er aber jetzt, da er nur mit großer Anstrengung sein Ansehen in der Bank noch wahren konnte, widerwillig übernahm. Jede Stunde, die er dem Bureau entzogen wurde machte ihm Kummer; er konnte zwar die Bureauzeit beiweitem nicht mehr so ausnützen wie früher, er brachte manche Stunden nur unter dem notdürftigsten Anschein wirklicher Arbeit hin, aber desto größer waren seine Sorgen, wenn er nicht im Bureau war. Er glaubte dann zu sehn, wie der Direktor-Stellvertreter, der ja immer auf der Lauer gewesen war, von Zeit zu Zeit in sein Bureau kam, sich an seinen Schreibtisch setzte, seine Schriftstücke durchsuchte, Parteien, mit denen K. seit Jahren fast befreundet gewesen war, empfieng und ihm abspenstig machte, ja vielleicht sogar Fehler aufdeckte, von denen sich K. während der Arbeit jetzt immer aus tausend Richtungen bedroht sah und die er nicht mehr vermeiden konnte. Wurde er daher einmal sei es in noch so auszeichnender Weise zu einem Geschäftsweg oder gar zu einer kleinen Reise beauftragt – solche Aufträge hatten sich in der letzten Zeit ganz zufällig gehäuft – dann lag immerhin die Vermutung nahe, daß man ihn für ein Weilchen aus dem Bureau entfernen und seine Arbeit überprüfen wolle oder wenigstens daß man ihn im Bureau für leicht entbehrlich halte. Die meisten dieser Aufträge hätte er ohne Schwierigkeit ablehnen können, aber er wagte es nicht, denn, wenn seine Befürchtung auch nur im geringsten begründet war, bedeutete die Ablehnung des Auftrags Geständnis seiner Angst. Aus diesem Grunde nahm er solche Aufträge scheinbar gleichmütig hin und verschwieg sogar, als er eine anstrengende zweitägige Geschäftsreise machen sollte, eine ernstliche Verkühlung, um sich nur nicht der Gefahr auszusetzen, mit Berufung auf das gerade herrschende regnerische Herbstwetter von der Reise abgehalten zu werden. Als er von dieser Reise mit wütenden Kopfschmerzen zurückkehrte, erfuhr er, daß er dazu bestimmt sei, am nächsten Tag den italienischen Geschäftsfreund zu begleiten. Die Verlockung, sich wenigstens dieses eine Mal zu weigern, war sehr groß, vor allem war das was man ihm hier zugedacht hatte, keine unmittelbar mit dem Geschäft zusammenhängende Arbeit, die Erfüllung dieser gesellschaftlichen Pflicht gegenüber dem Geschäftsfreund war an sich zweifellos wichtig genug, nur nicht für K., der wohl wußte, daß er sich nur durch Arbeitserfolge erhalten könne und daß es, wenn ihm das nicht gelingen würde, vollständig wertlos war, wenn er diesen Italiener unerwarteter Weise sogar bezaubern sollte; er wollte nicht einmal für einen Tag aus dem Bereich der Arbeit geschoben werden, denn die Furcht nicht mehr zurückgelassen zu werden, war zu groß, eine Furcht, die er sehr genau als übertrieben erkannte, die ihn aber doch beengte. In diesem Fall allerdings war es fast unmöglich einen annehmbaren Einwand zu erfinden, K.’s Kenntnis des Italienischen war zwar nicht sehr groß, aber immerhin genügend; das Entscheidende aber war, daß K. aus früherer Zeit einige kunsthistorische Kenntnisse besaß, was in äußerst übertriebener Weise dadurch in der Bank bekannt geworden war, daß K. eine Zeitlang, übrigens auch nur aus geschäftlichen Gründen, Mitglied des Vereins zur Erhaltung der städtischen Kunstdenkmäler gewesen war. Nun war aber der Italiener, wie man gerüchtweise erfahren hatte, ein Kunstliebhaber und die Wahl K.’s zu seinem Begleiter war daher selbstverständlich.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Ende</title><link>https://www.kafka.org/works/trial/ende/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 17:47:35 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/trial/ende/</guid><description>&lt;p&gt;Am Vorabend seines einunddreißigsten Geburtstages – es war gegen neun Uhr abends, die Zeit der Stille auf den Straßen – kamen zwei Herren in K.’s Wohnung. In Gehröcken, bleich und fett, mit scheinbar unverrückbaren Cylinderhüten. Nach einer kleinen Förmlichkeit bei der Wohnungstür wegen des ersten Eintretens wiederholte sich die gleiche Förmlichkeit in größerem Umfange vor K.’s Tür. Ohne daß ihm der Besuch angekündigt gewesen wäre, saß K. gleichfalls schwarz angezogen in einem Sessel in der Nähe der Türe und zog langsam neue scharf sich über die Finger spannende Handschuhe an, in der Haltung wie man Gäste erwartet. Er stand gleich auf und sah die Herren neugierig an. &amp;ldquo;Sie sind also für mich bestimmt? &amp;quot; fragte er. Die Herren nickten, einer zeigte mit dem Cylinderhut in der Hand auf den andern. K. gestand sich ein, daß er einen andern Besuch erwartet hatte. Er gieng zum Fenster und sah noch einmal auf die dunkle Straße. Auch fast alle Fenster auf der andern Straßenseite waren noch dunkel, in vielen die Vorhänge herabgelassen. In einem beleuchteten Fenster des Stockwerkes spielten zwei kleine Kinder hinter einem Gitter mit einander und tasteten, noch unfähig sich von ihren Plätzen fortzubewegen, mit den Händchen nach einander. &amp;ldquo;Alte untergeordnete Schauspieler schickt man um mich&amp;rdquo;, sagte sich K. und sah sich um, um sich nochmals davon zu überzeugen. &amp;ldquo;Man sucht auf billige Weise mit mir fertig zu werden. &amp;quot; K. wendete sich plötzlich ihnen zu und fragte: &amp;ldquo;An welchem Teater spielen Sie. &amp;quot; &amp;ldquo;Teater?&amp;rdquo; fragte der eine Herr mit zuckenden Mundwinkeln den andern um Rat. Der andere geberdete sich wie ein Stummer, der mit dem widerspenstigen Organismus kämpft. &amp;ldquo;Sie sind nicht darauf vorbereitet, gefragt zu werden&amp;rdquo;, sagte sich K. und gieng seinen Hut holen.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>B.’s Freundin</title><link>https://www.kafka.org/works/trial/b-s-freundin/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 17:48:12 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/trial/b-s-freundin/</guid><description>&lt;p&gt;In der nächsten Zeit war es K. unmöglich mit Fräulein Bürstner auch nur einige wenige Worte zu sprechen. Er versuchte auf die verschiedenste Weise an sie heranzukommen, sie aber wußte es immer zu verhindern. Er kam gleich nach dem Bureau nachhause, blieb in seinem Zimmer ohne das Licht anzudrehn auf dem Kanapee sitzen und beschäftigte sich mit nichts anderem als das Vorzimmer zu beobachten. Gieng etwa das Dienstmädchen vorbei und schloß die Tür des scheinbar leeren Zimmers, so stand er nach einem Weilchen auf und öffnete sie wieder. Des Morgens stand er um eine Stunde früher auf als sonst, um vielleicht Fräulein Bürstner allein treffen zu können, wenn sie ins Bureau gieng. Aber keiner dieser Versuche gelang. Dann schrieb er ihr einen Brief sowohl ins Bureau als auch in die Wohnung, suchte darin nochmals sein Verhalten zu rechtfertigen, bot sich zu jeder Genugtuung an, versprach niemals die Grenzen zu überschreiten, die sie ihm setzen würde und bat nur ihm die Möglichkeit zu geben, einmal mit ihr zu sprechen, besonders da er auch bei Frau Grubach nichts veranlassen könne, solange er sich nicht vorher mit ihr beraten habe, schließlich teilte er ihr mit, daß er den nächsten Sonntag während des ganzen Tages in seinem Zimmer auf ein Zeichen von ihr warten werde, das ihm die Erfüllung seiner Bitte in Aussicht stelle oder das ihm wenigstens erklären solle, warum sie die Ritte nicht erfüllen könne, trotzdem er doch versprochen habe sich in allem ihr zu fügen. Die Briefe kamen nicht zurück, aber es erfolgte auch keine Antwort. Dagegen gab es Sonntag ein Zeichen, dessen Deutlichkeit genügend war. Gleich früh bemerkte K. durch das Schlüsselloch eine besondere Bewegung im Vorzimmer, die sich bald aufklärte. Eine Lehrerin des Französischen, sie war übrigens eine Deutsche und hieß Montag, ein schwaches blasses, ein wenig hinkendes Mädchen, das bisher ein eigenes Zimmer bewohnt hatte, übersiedelte in das Zimmer des Fräulein Bürstner. Stundenlang sah man sie durch das Vorzimmer schlürfen. Immer war noch ein Wäschestück, oder ein Deckchen oder ein Buch vergessen, das besonders geholt und in die neue Wohnung hinübergetragen werden mußte.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Staatsanwalt</title><link>https://www.kafka.org/works/trial/staatsanwalt/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 17:49:12 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/trial/staatsanwalt/</guid><description>&lt;p&gt;Trotz der Menschenkenntnis und Welterfahrung, welche K. während seiner langen Dienstzeit in der Bank erworben hatte, war ihm doch die Gesellschaft seines Stammtisches immer als außerordentlich achtungswürdig erschienen und er leugnete sich selbst gegenüber niemals, daß es für ihn eine große Ehre war einer solchen Gesellschaft anzugehören. Sie bestand fast ausschließlich aus Richtern, Staatsanwälten und Advokaten, auch einige ganz junge Beamte und Advokatursgehilfen waren zugelassen, sie saßen aber ganz unten am Tisch und durften sich in die Debatten nur einmischen, wenn besondere Fragen an sie gestellt wurden. Solche Fragestellungen aber hatten meist nur den Zweck die Gesellschaft zu belustigen, besonders Staatsanwalt Hasterer der gewöhnlich K.’s Nachbar war liebte es auf diese Weise die jungen Herren zu beschämen. Wenn er die große stark behaarte Hand mitten auf dem Tisch spreizte und sich zum untern Tischende wandte, horchte schon alles auf. Und wenn dann dort einer die Frage aufnahm aber entweder sie nicht einmal enträtseln konnte oder nachdenklich in sein Bier sah oder statt zu reden bloß mit den Kiefern schnappte oder gar – das war das Ärgste – in unaufhaltsamem Schwall eine falsche oder unbeglaubigte Meinung vertrat, dann drehten sich die ältern Herren lächelnd auf ihren Sitzen und es schien ihnen erst jetzt behaglich zu werden. Die wirklich ernsten fachgemäßen Gespräche blieben nur ihnen vorbehalten.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Zu Elsa</title><link>https://www.kafka.org/works/trial/zu-elsa/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 17:50:13 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/trial/zu-elsa/</guid><description>&lt;p&gt;Eines Abends wurde K. knapp vor dem Weggehn telephonisch angerufen und aufgefordert sofort in die Gerichtskanzlei zu kommen. Man warne ihn davor ungehorsam zu sein. Seine unerhörten Bemerkungen darüber, daß die Verhöre unnütz seien, kein Ergebnis haben und keines haben können, daß er nicht mehr hinkommen werde, daß er telephonische oder schriftliche Einladungen nicht beachten und Boten aus der Türe werfen werde – alle diese Bemerkungen seien protokolliert und hätten ihm schon viel geschadet. Warum wolle er sich denn nicht fügen? Sei man nicht etwa ohne Rücksicht auf Zeit und Kosten bemüht in seine verwickelte Sache Ordnung zu bringen? Wolle er darin mutwillig stören und es zu Gewaltmaßregeln kommen lassen, mit denen man ihn bisher verschont habe? Die heutige Vorladung sei ein letzter Versuch. Er möge tun was er wolle, jedoch bedenken, daß das hohe Gericht seiner nicht spotten lassen könne.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Kampf mit dem Direktor-Stellvertreter</title><link>https://www.kafka.org/works/trial/kampf-mit-dem-direktor-stellvertreter/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 17:50:57 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/trial/kampf-mit-dem-direktor-stellvertreter/</guid><description>&lt;p&gt;Eines Morgens fühlte sich K. viel frischer und widerstandsfähiger als sonst. An das Gericht dachte er kaum; wenn es ihm aber einfiel, schien es ihm als könne diese ganz unübersichtlich große Organisation an irgend einer allerdings verborgenen im Dunkel erst zu ertastenden Handhabe leicht gefaßt, ausgerissen und zerschlagen werden. Sein außergewöhnlicher Zustand verlockte K. sogar den Direktor-Stellvertreter einzuladen in sein Bureau zu kommen und eine geschäftliche Angelegenheit, die schon seit einiger Zeit drängte, gemeinsam zu besprechen. Immer bei solchem Anlaß tat der Direktor-Stellvertreter so, als hätte sich sein Verhältnis zu K. in den letzten Monaten nicht im Geringsten geändert. Ruhig kam er wie in den frühern Zeiten des ständigen Wettbewerbes mit K., ruhig hörte er K.’s Ausführungen an, zeigte durch kleine vertrauliche ja kameradschaftliche Bemerkungen seine Teilnahme und verwirrte K. nur dadurch, worin man aber keine Absicht sehen mußte, daß er sich durch nichts von der geschäftlichen Hauptsache ablenken ließ, förmlich bis in den Grund seines Wesens aufnahmsbereit für diese Sache war, während K.’s Gedanken vor diesem Muster von Pflichterfüllung sofort nach allen Seiten zu schwärmen anfiengen und ihn zwangen, die Sache selbst fast ohne Widerstand dem Direktor-Stellvertreter zu überlassen. Einmal war es so schlimm, daß K. schließlich nur bemerkte, wie der Direktor-Stellvertreter plötzlich aufstand und stumm in sein Bureau zurückkehrte. K. wußte nicht was geschehen war, es war möglich daß die Besprechung regelrecht abgeschlossen war, ebensomöglich aber war es, daß sie der Direktor-Stellvertreter abgebrochen hatte, weil ihn K. unwissentlich gekränkt oder weil er Unsinn gesprochen hatte oder weil es dem Direktor-Stellvertreter unzweifelhaft geworden war, daß K. nicht zuhörte und mit andern Dingen beschäftigt war. Es war aber sogar möglich, daß K. eine lächerliche Entscheidung getroffen oder daß der Direktor-Stellvertreter sie ihm entlockt hatte und daß er sich jetzt beeilte sie zum Schaden K.’s zu verwirklichen. Man kam übrigens auf diese Angelegenheit nicht mehr zurück, K. wollte nicht an sie erinnern und der Direktor-Stellvertreter blieb verschlossen; es ergaben sich allerdings vorläufig auch weiterhin keine sichtbaren Folgen. Jedenfalls war aber K. durch den Vorfall nicht abgeschreckt worden, wenn sich nur eine passende Gelegenheit ergab und er nur ein wenig bei Kräften war, stand er schon bei der Tür des Direktor-Stellvertreters um zu ihm zu gehn oder ihn zu sich einzuladen. Es war keine Zeit mehr sich vor ihm zu verstecken, wie er es früher getan hatte. Er hoffte nicht mehr auf einen baldigen entscheidenden Erfolg, der ihn mit einem Mal von allen Sorgen befreien und von selbst das alte Verhältnis zum Direktor-Stellvertreter herstellen würde. K. sah ein, daß er nicht ablassen dürfe, wich er zurück, so wie es vielleicht die Tatsachen forderten, dann bestand die Gefahr, daß er möglicherweise niemals mehr vorwärts kam. Der Direktor-Stellvertreter durfte nicht im Glauben gelassen werden, daß K. abgetan sei, er durfte mit diesem Glauben nicht ruhig in seinem Bureau sitzen, er mußte beunruhigt werden, er mußte so oft als möglich erfahren daß K. lebte und daß er wie alles was lebte, eines Tages mit neuen Fähigkeiten überraschen konnte, so ungefährlich er auch heute schien. Manchmal sagte sich zwar K., daß er mit dieser Methode um nichts anderes als um seine Ehre kämpfe, denn Nutzen konnte es ihm eigentlich nicht bringen, wenn er sich in seiner Schwäche immer wieder dem Direktor-Stellvertreter entgegenstellte, sein Machtgefühl stärkte und ihm die Möglichkeit gab Beobachtungen zu machen und seine Maßnahmen genau nach den augenblicklichen Verhältnissen zu treffen. Aber K. hätte sein Verhalten gar nicht ändern können, er unterlag Selbsttäuschungen, er glaubte manchmal mit Bestimmtheit er dürfe sich gerade jetzt unbesorgt mit dem Direktor-Stellvertreter messen, die unglückseligsten Erfahrungen belehrten ihn nicht, was ihm bei zehn Versuchen nicht gelungen war, glaubte er mit dem elften durchsetzen zu können trotzdem alles immer ganz einförmig zu seinen Ungunsten abgelaufen war. Wenn er nach einer solchen Zusammenkunft erschöpft, in Schweiß, mit leerem Kopf zurückblieb, wußte er nicht, ob es Hoffnung oder Verzweiflung gewesen war, die ihn an den Direktor-Stellvertreter gedrängt hatte, ein nächstes Mal war es aber wieder vollständig eindeutig nur Hoffnung, mit der er zu der Türe des Direktor-Stellvertreters eilte.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Das Haus</title><link>https://www.kafka.org/works/trial/das-haus/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 17:51:37 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/trial/das-haus/</guid><description>&lt;p&gt;Ohne zunächst eine bestimmte Absicht damit zu verbinden, hatte K. bei verschiedenen Gelegenheiten in Erfahrung zu bringen gesucht, wo das Amt seinen Sitz habe, von welchem aus die erste Anzeige in seiner Sache erfolgt war. Er erfuhr es ohne Schwierigkeiten, sowohl Titorelli als auch Wolfhart nannten ihm auf die erste Frage hin die genaue Nummer des Hauses. Später vervollständigte Titorelli mit einem Lächeln, das er immer für geheime ihm nicht zur Begutachtung vorgelegte Pläne bereit hatte, die Auskunft dadurch, daß er behauptete, gerade dieses Amt habe nicht die geringste Bedeutung, es spreche nur aus, was ihm aufgetragen werde und sei nur das äußerste Organ der großen Anklagebehörde selbst, die allerdings für Parteien unzugänglich sei. Wenn man also etwas von der Anklagebehörde wünsche – es gäbe natürlich immer viele Wünsche, aber es sei nicht immer klug, sie auszusprechen – dann müsse man sich allerdings an das genannte untergeordnete Amt wenden, doch werde man dadurch weder selbst zur eigentlichen Anklagebehörde dringen, noch seinen Wunsch jemals dorthin leiten.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Fahrt zur Mutter</title><link>https://www.kafka.org/works/trial/fahrt-zur-mutter/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 17:52:24 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/trial/fahrt-zur-mutter/</guid><description>&lt;p&gt;Plötzlich beim Mittagessen fiel ihm ein er solle seine Mutter besuchen. Nun war schon das Frühjahr fast zu Ende und damit das dritte Jahr seitdem er sie nicht gesehen hatte. Sie hatte ihn damals gebeten an seinem Geburtstag zu ihr zu kommen, er hatte auch trotz mancher Hindernisse dieser Bitte entsprochen und hatte ihr sogar das Versprechen gegeben jeden Geburtstag bei ihr zu verbringen, ein Versprechen, das er nun allerdings schon zweimal nicht gehalten hatte. Dafür wollte er aber jetzt nicht erst bis zu seinem Geburtstag warten, obwohl dieser schon in vierzehn Tagen war, sondern sofort fahren. Er sagte sich zwar, daß kein besonderer Grund vorlag gerade jetzt zu fahren, im Gegenteil, die Nachrichten, die er regelmäßig alle zwei Monate von einem Vetter erhielt, der in jenem Städtchen ein Kaufmannsgeschäft besaß und das Geld, welches K. für seine Mutter schickte, verwaltete, waren beruhigender als jemals früher. Das Augenlicht der Mutter war zwar am Erlöschen, aber das hatte K. nach den Aussagen der Ärzte schon seit Jahren erwartet, dagegen war ihr sonstiges Befinden ein besseres geworden, verschiedene Beschwerden des Alters waren statt stärker zu werden zurückgegangen, wenigstens klagte sie weniger. Nach der Meinung des Vetters hieng dies vielleicht damit zusammen, daß sie seit den letzten Jahren – K. hatte schon bei seinem Besuch leichte Anzeichen dessen fast mit Widerwillen bemerkt – unmäßig fromm geworden war. Der Vetter hatte in einem Brief sehr anschaulich geschildert, wie die alte Frau, die sich früher nur mühselig fortgeschleppt hatte, jetzt an seinem Arm recht gut ausschritt, wenn er sie Sonntags zur Kirche führte. Und dem Vetter durfte K. glauben, denn er war gewöhnlich ängstlich und übertrieb in seinen Berichten eher das Schlechte als das Gute.&lt;/p&gt;</description></item></channel></rss>