<?xml version="1.0" encoding="utf-8" standalone="yes"?><rss version="2.0" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"><channel><title>Missing (America) on The Kafka Project</title><link>https://www.kafka.org/works/missing/</link><description>Recent content in Missing (America) on The Kafka Project</description><generator>Hugo</generator><language>en</language><lastBuildDate>Thu, 04 Nov 2004 17:44:03 +0000</lastBuildDate><atom:link href="https://www.kafka.org/works/missing/index.xml" rel="self" type="application/rss+xml"/><item><title>Der Heizer</title><link>https://www.kafka.org/works/missing/der-heizer/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 16:35:22 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/missing/der-heizer/</guid><description>&lt;p&gt;Als der siebzehnjährige Karl Roßmann, der von seinen armen Eltern nach Amerika geschickt worden war, weil ihn ein Dienstmädchen verführt und ein Kind von ihm bekommen hatte, in dem schon langsam gewordenen Schiff in den Hafen von Newyork einfuhr, erblickte er die schon längst beobachtete Statue der Freiheitsgöttin wie in einem plötzlich stärker gewordenen Sonnenlicht. Ihr Arm mit dem Schwert ragte wie neuerdings empor und um ihre Gestalt wehten die freien Lüfte.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Der Onkel</title><link>https://www.kafka.org/works/missing/der-onkel/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 16:40:28 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/missing/der-onkel/</guid><description>&lt;p&gt;Im Hause des Onkels gewöhnte sich Karl bald an die neuen Verhältnisse. Der Onkel kam ihm aber auch in jeder Kleinigkeit freundlich entgegen und niemals mußte Karl sich erst durch schlechte Erfahrungen belehren lassen, wie dies meist das erste Leben im Ausland so verbittert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Karls Zimmer lag im sechsten Stockwerk eines Hauses, dessen fünf untere Stockwerke, an welche sich in der Tiefe noch drei unterirdische anschlossen, von dem Geschäftsbetrieb des Onkels eingenommen wurden. Das Licht, das in sein Zimmer durch zwei Fenster und eine Balkontüre eindrang, brachte Karl immer wieder zum Staunen, wenn er des Morgens aus seiner kleinen Schlafkammer hier eintrat. Wo hätte er wohl wohnen müssen, wenn er als armer kleiner Einwanderer ans Land gestiegen wäre? Ja vielleicht hätte man ihn, was der Onkel nach seiner Kenntnis der Einwanderungsgesetze sogar für sehr wahrscheinlich hielt, gar nicht in die Vereinigten Staaten eingelassen sondern ihn nach Hause geschickt, ohne sich weiter darum zu kümmern, daß er keine Heimat mehr hatte. Denn auf Mitleid durfte man hier nicht hoffen und es war ganz richtig, was Karl in dieser Hinsicht über Amerika gelesen hatte; nur die Glücklichen schienen hier ihr Glück zwischen den unbekümmerten Gesichtern ihrer Umgebung wahrhaft zu genießen.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Ein Landhaus bei New York</title><link>https://www.kafka.org/works/missing/ein-landhaus-bei-new-york/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 16:42:03 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/missing/ein-landhaus-bei-new-york/</guid><description>&lt;p&gt;&amp;ldquo;Wir sind angekommen&amp;rdquo;, sagte Herr Pollunder gerade in einem von Karls verlorenen Momenten. Das Automobil stand vor einem Landhaus, das, nach der Art von Landhäusern reicher Leute in der Umgebung Newyorks, umfangreicher und höher war, als es sonst für ein Landhaus nötig ist, das bloß einer Familie dienen soll. Da nur der untere Teil des Hauses beleuchtet war, konnte man gar nicht bemessen, wie weit es in die Höhe reichte. Vorne rauschten Kastanienbäume, zwischen denen – das Gitter war schon geöffnet – ein kurzer Weg zur Freitreppe des Hauses führte. An seiner Müdigkeit beim Aussteigen glaubte Karl zu bemerken, daß die Fahrt doch ziemlich lang gedauert hatte. Im Dunkel der Kastanienallee hörte er eine Mädchenstimme neben sich sagen: &amp;ldquo;Da ist ja endlich der Herr Jakob. &amp;quot; &amp;ldquo;Ich heiße Roßmann&amp;rdquo;, sagte Karl und faßte die ihm hingereichte Hand eines Mädchens, das er jetzt in Umrissen erkannte. &amp;ldquo;Er ist ja nur Jakobs Neffe&amp;rdquo;, sagte Herr Pollunder erklärend, &amp;ldquo;und heißt selbst Karl Roßmann. &amp;quot; &amp;ldquo;Das ändert nichts an unserer Freude, ihn hierzuhaben&amp;rdquo;, sagte das Mädchen, dem an Namen nicht viel lag. Trotzdem fragte Karl noch, während er zwischen Herrn Pollunder und dem Mädchen auf das Haus zuschritt: &amp;ldquo;Sie sind das Fräulein Klara?&amp;rdquo; &amp;ldquo;Ja&amp;rdquo;, sagte sie und schon fiel ein wenig unterscheidendes Licht vom Hause her auf ihr Gesicht, das sie ihm zuneigte, &amp;ldquo;ich wollte mich aber hier in der Finsternis nicht vorstellen. &amp;quot; Ja hat sie uns denn am Gitter erwartet? dachte Karl, der im Gehen allmählich aufwachte. &amp;ldquo;Wir haben übrigens noch einen Gast heute abend&amp;rdquo;, sagte Klara. &amp;ldquo;Nicht möglich! &amp;quot; rief Pollunder ärgerlich. &amp;ldquo;Herrn Green&amp;rdquo;, sagte Klara. &amp;ldquo;Wann ist er gekommen?&amp;rdquo; fragte Karl wie in einer Ahnung befangen. &amp;ldquo;Vor einem Augenblick. Habt Ihr denn sein Automobil nicht vor dem Eueren gehört?&amp;rdquo; Karl sah zu Pollunder auf, um zu erfahren, wie er die Sache beurteile, aber der hatte die Hände in den Hosentaschen und stampfte bloß etwas stärker im Gehn. &amp;ldquo;Es nützt nichts nur knapp außerhalb Newyorks zu wohnen, von Störungen bleibt man nicht verschont. Wir werden unsern Wohnsitz unbedingt noch weiter verlegen müssen. Und sollte ich die halbe Nacht durchfahren müssen ehe ich nachhause komme. &amp;quot; Sie blieben an der Freitreppe stehn. &amp;ldquo;Aber Herr Green war doch schon sehr lange nicht hier&amp;rdquo;, sagte Klara, die offenbar mit ihrem Vater gänzlich einverstanden war, ihn aber über sich heraus beruhigen wollte. &amp;ldquo;Warum kommt er dann gerade heute abend&amp;rdquo;, sagte Pollunder und die Rede rollte schon wütend über die wulstige Unterlippe, die als loses schweres Fleisch leicht in große Bewegung kam. &amp;ldquo;Allerdings!&amp;rdquo; sagte Klara. &amp;ldquo;Vielleicht wird er bald wieder weggehn&amp;rdquo;, bemerkte Karl und staunte selbst über das Einverständnis, in welchem er sich mit diesen noch gestern ihm gänzlich fremden Leuten befand. &amp;ldquo;Oh nein&amp;rdquo;, sagte Klara, &amp;ldquo;er hat irgend ein großes Geschäft für Papa, dessen Besprechung wahrscheinlich lange dauern wird, denn er hat mir schon im Spaß gedroht, daß ich wenn ich eine höfliche Hauswirtin sein will, bis zum Morgen werde zuhören müssen. &amp;quot; &amp;ldquo;Also auch das noch. Dann bleibt er über Nacht&amp;rdquo;, rief Pollunder, als sei damit endlich das Schlimmste erreicht. &amp;ldquo;Ich hätte wahrhaftig Lust&amp;rdquo;, sagte er und wurde freundlicher durch den neuen Gedanken, &amp;ldquo;ich hätte wahrhaftig Lust, Sie Herr Roßmann wieder ins Automobil zu nehmen und zu Ihrem Onkel zurückzubringen. Der heutige Abend ist schon von vornherein gestört und wer weiß wann Sie uns nächstens Ihr Herr Onkel wieder überläßt. Bringe ich Sie aber heute schon wieder zurück, so wird er Sie uns nächstens doch nicht verweigern können. &amp;quot; Und er faßte Karl schon bei der Hand, um seinen Plan auszuführen. Aber Karl rührte sich nicht und Klara bat, ihn hierzulassen, denn zumindestens sie und Karl würden von Herrn Green nicht im geringsten gestört werden können und schließlich merkte auch Pollunder, daß selbst sein Entschluß nicht der festeste war. Überdies – und dies war vielleicht das Entscheidende – hörte man plötzlich Herrn Green vom obersten Treppenaufsatz in den Garten hinunterrufen: &amp;ldquo;Wo bleibt ihr denn?&amp;rdquo; &amp;ldquo;Kommt&amp;rdquo;, sagte Pollunder und bog auf die Freitreppe ein. Hinter ihm giengen Karl und Klara, die einander jetzt im Licht studierten. &amp;ldquo;Die roten Lippen die sie hat&amp;rdquo;, sagte sich Karl und dachte an die Lippen des Herrn Pollunder und wie schön sie sich in der Tochter verwandelt hatten. &amp;ldquo;Nach dem Nachtmahl&amp;rdquo;, so sagte sie, &amp;ldquo;werden wir wenn es Ihnen recht ist gleich in meine Zimmer gehn, damit wir wenigstens diesen Herrn Green los sind, wenn schon Papa sich mit ihm beschäftigen muß. Und Sie werden dann so freundlich sein mir Klavier vorzuspielen, denn Papa hat schon erzählt, wie gut Sie das treffen, ich aber bin leider ganz unfähig Musik auszuüben und rühre mein Klavier nicht an, so sehr ich die Musik eigentlich liebe. &amp;quot; Mit dem Vorschlag Klaras war Karl ganz einverstanden, wenn er auch gern Herrn Pollunder mit in ihre Gesellschaft hätte ziehen wollen. Vor der riesigen Gestalt Greens – an Pollunders Größe hatte sich Karl eben schon gewöhnt – die sich vor ihnen, wie sie die Stufen hinaufstiegen, langsam entwickelte, wich allerdings von Karl jede Hoffnung, diesem Manne den Herrn Pollunder heute abend irgendwie zu entlocken.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Der Marsch nach Ramses</title><link>https://www.kafka.org/works/missing/der-marsch-nach-ramses/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 16:45:41 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/missing/der-marsch-nach-ramses/</guid><description>&lt;p&gt;In dem kleinen Wirtshaus, in das Karl nach kurzem Marsche kam, und das eigentlich nur eine kleine letzte Station des Newyorker Fuhrwerkverkehrs bildete und deshalb kaum für Nachtlager benützt zu werden pflegte, verlangte Karl die billigste Bettstelle, die zu haben war, denn er glaubte mit dem Sparen sofort anfangen zu müssen. Er wurde seiner Forderung entsprechend vom Wirt mit einem Wink, als sei er ein Angestellter, die Treppe hinaufgewiesen, wo ihn ein zerrauftes altes Frauenzimmer, ärgerlich über den gestörten Schlaf, empfieng und fast ohne ihn anzuhören mit ununterbrochenen Ermahnungen leise aufzutreten, in ein Zimmer führte, dessen Tür sie, nicht ohne ihn vorher mit einem Pst! angehaucht zu haben, schloß.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Im Hotel occidental</title><link>https://www.kafka.org/works/missing/im-hotel-occidental/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 16:46:49 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/missing/im-hotel-occidental/</guid><description>&lt;p&gt;Im Hotel wurde Karl gleich in eine Art Bureau geführt, in welchem die Oberköchin ein Vormerkbuch in der Hand einer jungen Schreibmaschinistin einen Brief in die Schreibmaschine diktierte. Das äußerst präcise Diktieren, der beherrschte und elastische Tastenschlag jagten an dem nur hie und da merklichen Ticken der Wanduhr vorüber, die schon fast halb zwölf Uhr zeigte. &amp;ldquo;So!&amp;rdquo; sagte die Oberköchin, klappte das Vormerkbuch zu, die Schreibmaschinistin sprang auf und stülpte den Holzdeckel über die Maschine, ohne bei dieser mechanischen Arbeit die Augen von Karl zu lassen. Sie sah noch wie ein Schulmädchen aus, ihre Schürze war sehr sorgfältig gebügelt, auf den Achseln z. B. gewellt, die Frisur recht hoch und man staunte ein wenig wenn man nach diesen Einzelnheiten ihr ernstes Gesicht sah. Nach Verbeugungen zuerst gegen die Oberköchin, dann gegen Karl entfernte sie sich und Karl sah unwillkürlich die Oberköchin mit einem fragenden Blicke an.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Der Fall Robinson</title><link>https://www.kafka.org/works/missing/der-fall-robinson/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 16:47:56 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/missing/der-fall-robinson/</guid><description>&lt;p&gt;Da klopfte ihm jemand auf die Schulter. Karl, der natürlich dachte, es wäre ein Gast, steckte den Apfel eiligst in die Tasche und eilte, kaum daß er den Mann ansah, zum Aufzug hin. &amp;ldquo;Guten Abend, Herr Roßmann&amp;rdquo;, sagte nun aber der Mann, &amp;ldquo;ich bin es, Robinson.&amp;rdquo; &amp;ldquo;Sie haben sich aber verändert&amp;rdquo;, sagte Karl und schüttelte den Kopf. &amp;ldquo;Ja es geht mir gut&amp;rdquo;, sagte Robinson und sah an seiner Kleidung hinunter, die vielleicht aus genug feinen Stücken bestand, aber so zusammengewürfelt war, daß sie geradezu schäbig aussah. Das Auffallendste war eine offenbar zum erstenmal getragene weiße Weste mit vier kleinen schwarz eingefaßten Täschchen, auf die Robinson auch durch Vorstrecken der Brust aufmerksam zu machen suchte. &amp;ldquo;Sie haben teuere Kleider&amp;rdquo;, sagte Karl und dachte flüchtig an sein schönes einfaches Kleid, in dem er sogar neben Renell hätte bestehen können und das die zwei schlechten Freunde verkauft hatten. &amp;ldquo;Ja&amp;rdquo;, sagte Robinson, &amp;ldquo;ich kaufe mir fast jeden Tag irgend etwas. Wie gefällt Ihnen die Weste?&amp;rdquo; &amp;ldquo;Ganz gut&amp;rdquo;, sagte Karl. &amp;ldquo;Es sind aber keine wirklichen Taschen, das ist nur so gemacht&amp;rdquo;, sagte Robinson und faßte Karl bei der Hand, damit sich dieser selbst davon überzeuge. Aber Karl wich zurück, denn aus Robinsons Mund kam ein unerträglicher Branntweingeruch. &amp;ldquo;Sie trinken wieder viel&amp;rdquo;, sagte Karl und stand schon wieder am Geländer. &amp;ldquo;Nein&amp;rdquo;, sagte Robinson, &amp;ldquo;nicht viel&amp;rdquo; und fügte im Widerspruch zu seiner früheren Zufriedenheit hinzu: &amp;ldquo;Was hat der Mensch sonst auf der Welt. &amp;quot; Eine Fahrt unterbrach das Gespräch und, kaum war Karl wieder unten, erfolgte ein telephonischer Anruf, laut dessen Karl den Hotelarzt holen sollte, da eine Dame im siebenten Stockwerk einen Ohnmachtsanfall erlitten hatte. Während dieses Weges hoffte Karl im Geheimen, daß Robinson sich inzwischen entfernt haben werde, denn er wollte nicht mit ihm gesehen werden und in Gedanken an Theresens Warnung auch von Delamarche nichts hören. Aber Robinson wartete noch in der steifen Haltung eines Vollgetrunkenen und gerade gieng ein höherer Hotelbeamter im schwarzen Gehrock und Cylinderhut vorüber, ohne glücklicherweise Robinson, wie es schien, besonders zu beachten. &amp;ldquo;Wollen Sie Roßmann nicht einmal zu uns kommen, wir haben es jetzt sehr fein&amp;rdquo;, sagte Robinson und sah Karl lockend an. &amp;ldquo;Laden Sie mich ein oder Delamarche?&amp;rdquo; fragte Karl. &amp;ldquo;Ich und Delamarche. Wir sind darin einig&amp;rdquo;, sagte Robinson. &amp;ldquo;Dann sage ich Ihnen und bitte Sie Delamarche das Gleiche auszurichten: Unser Abschied war, wenn das nicht schon an und für sich klar gewesen sein sollte, ein endgültiger. Sie beide haben mir mehr Leid getan, als irgend jemand. Haben Sie sich vielleicht in den Kopf gesetzt, mich auch weiterhin nicht in Ruhe zu lassen?&amp;rdquo; &amp;ldquo;Wir sind doch Ihre Kameraden&amp;rdquo;, sagte Robinson und widerliche Tränen der Trunkenheit stiegen ihm in die Augen. &amp;ldquo;Delamarche läßt Ihnen sagen, daß er Sie für alles Frühere entschädigen will. Wir wohnen jetzt mit Brunelda zusammen, einer herrlichen Sängerin. &amp;quot; Und im Anschluß daran wollte er gerade ein Lied in hohen Tönen singen, wenn ihn nicht Karl noch rechtzeitig angezischt hätte: &amp;ldquo;Schweigen Sie aber augenblicklich, wissen Sie denn nicht, wo Sie sind.&amp;rdquo; &amp;ldquo;Roßmann&amp;rdquo;, sagte Robinson nur rücksichtlich des Singens eingeschüchtert, &amp;ldquo;ich bin doch Ihr Kamerad, sagen Sie, was Sie wollen. Und nun haben Sie hier so eine schöne Position, könnten Sie mir einiges Geld überlassen.&amp;rdquo; &amp;ldquo;Sie vertrinken es ja bloß wieder&amp;rdquo;, sagte Karl, &amp;ldquo;da sehe ich sogar in Ihrer Tasche irgendeine Branntweinflasche aus der Sie gewiß, während ich weg war, getrunken haben, denn anfangs waren Sie ja noch ziemlich bei Sinnen. &amp;quot; &amp;ldquo;Das ist nur zur Stärkung, wenn ich auf einem Wege bin&amp;rdquo;, sagte Robinson entschuldigend. &amp;ldquo;Ich will Sie ja nicht mehr bessern&amp;rdquo;, sagte Karl. &amp;ldquo;Aber das Geld! &amp;quot; sagte Robinson mit aufgerissenen Augen. &amp;quot; Sie haben wohl von Delamarche den Auftrag bekommen Geld mitzubringen. Gut ich gebe Ihnen Geld, aber nur unter der Bedingung, daß Sie sofort von hier fortgehn und niemals mehr mich hier besuchen. Wenn Sie mir etwas mitteilen wollen, schreiben Sie an mich. Karl Roßmann, Liftjunge, Hotel occidental, genügt als Adresse. Aber hier dürfen Sie, das wiederhole ich, mich nicht mehr aufsuchen. Hier bin ich im Dienst und habe keine Zeit für Besuche. Wollen Sie also das Geld unter dieser Bedingung?&amp;rdquo; fragte Karl und griff in die Westentasche, denn er war entschlossen, das Trinkgeld der heutigen Nacht zu opfern. Robinson nickte bloß zu der Frage und atmete schwer. Karl deutete das unrichtig und fragte nochmals: &amp;ldquo;Ja oder Nein?&amp;rdquo;&lt;/p&gt;</description></item><item><title>«Es mußte wohl...»</title><link>https://www.kafka.org/works/missing/es-musste-wohl/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 16:48:55 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/missing/es-musste-wohl/</guid><description>&lt;p&gt;Es mußte wohl eine entlegene Vorstadtstraße sein, in der das Automobil haltmachte, denn ringsum herrschte Stille, am Trottoirrand hockten Kinder und spielten, ein Mann mit einer Menge alter Kleider über den Schultern rief beobachtend zu den Fenstern der Häuser empor, in seiner Müdigkeit fühlte sich Karl unbehaglich als er aus dem Automobil auf den Asphalt trat, den die Vormittagssonne warm und hell beschien. &amp;ldquo;Wohnst Du wirklich hier?&amp;rdquo; rief er ins Automobil hinein. Robinson der während der ganzen Fahrt friedlich geschlafen hatte brummte irgendeine undeutliche Bejahung und schien darauf zu warten, daß Karl ihn hinaustragen werde. &amp;ldquo;Dann habe ich hier also nichts mehr zu tun. Leb wohl&amp;rdquo;, sagte Karl und machte sich daran, die ein wenig sich senkende Straße abwärts zu gehn. &amp;ldquo;Aber Karl, was fällt Dir denn ein?&amp;rdquo; rief Robinson und stand schon vor lauter Sorge ziemlich aufrecht, nur mit noch etwas unruhigen Knien, im Wagen. &amp;ldquo;Ich muß doch gehn&amp;rdquo;, sagte Karl, der der raschen Gesundung Robinsons zugesehn hatte. &amp;ldquo;In Hemdärmeln?&amp;rdquo; fragte dieser. &amp;ldquo;Ich werde mir schon noch einen Rock verdienen&amp;rdquo;, antwortete Karl, nickte Robinson zuversichtlich zu, grüßte mit erhobener Hand und wäre nun wirklich fortgegangen, wenn nicht der Chauffeur gerufen hätte: &amp;ldquo;Noch einen kleinen Augenblick Geduld mein Herr. &amp;quot; Es zeigte sich unangenehmer Weise, daß der Chauffeur noch Ansprüche auf eine nachträgliche Bezahlung stellte, denn die Wartezeit vor dem Hotel war noch nicht bezahlt. &amp;ldquo;Nun ja&amp;rdquo;, rief aus dem Automobil Robinson in Bestätigung der Richtigkeit dieser Forderung, &amp;ldquo;ich habe ja dort so lange auf Dich warten müssen. Etwas mußt Du ihm noch geben.&amp;rdquo; &amp;ldquo;Ja freilich&amp;rdquo;, sagte der Chauffeur. &amp;ldquo;Ja wenn ich nur noch etwas hätte&amp;rdquo;, sagte Karl und griff in die Hosentaschen, trotzdem er wußte daß es nutzlos war. &amp;ldquo;Ich kann mich nur an Sie halten&amp;rdquo;, sagte der Chauffeur und stellte sich breitbeinig auf, &amp;ldquo;von dem kranken Mann dort kann ich nichts verlangen. &amp;quot; Vom Tor her näherte sich ein junger Bursch mit zerfressener Nase und hörte aus einer Entfernung von paar Schritten zu. Gerade machte durch die Straße ein Polizeimann die Runde, faßte mit gesenktem Gesicht den hemdärmligen Menschen ins Auge und blieb stehn. Robinson, der den Polizeimann auch bemerkt hatte, machte die Dummheit, aus dem andern Fenster ihm zuzurufen: &amp;ldquo;Es ist nichts, es ist nichts&amp;rdquo;, als ob man einen Polizeimann wie eine Fliege verscheuchen könnte. Die Kinder, welche den Polizeimann beobachtet hatten, wurden nun durch sein Stillstehn auch auf Karl und den Chauffeur aufmerksam und liefen im Trab herbei. Im Tor gegenüber stand eine alte Frau und sah starr herüber.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>«Auf! Auf! rief Robinson...»</title><link>https://www.kafka.org/works/missing/auf-auf-rief-robinson/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 16:52:04 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/missing/auf-auf-rief-robinson/</guid><description>&lt;p&gt;&amp;ldquo;Auf! Auf! &amp;quot; rief Robinson, kaum daß Karl früh die Augen öffnete. Der Türvorhang war noch nicht weggezogen, aber man merkte an dem durch die Lücken einfallenden gleichmäßigen Sonnenlicht, wie spät am Vormittag es schon war. Robinson lief eilfertig mit besorgten Blicken hin und her, bald trug er ein Handtuch, bald einen Wasserkübel, bald Wäsche-und Kleidungsstücke und immer wenn er an Karl vorüberkam, suchte er ihn durch Kopfnicken zum Aufstehn aufzumuntern und zeigte durch Hochheben dessen was er gerade in der Hand hielt, wie er sich heute noch zum letzten mal für Karl plage, der natürlich am ersten Morgen von den Einzelheiten des Dienstes nichts verstehen konnte.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Ausreise Bruneldas</title><link>https://www.kafka.org/works/missing/ausreise-bruneldas/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 17:22:57 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/missing/ausreise-bruneldas/</guid><description>&lt;p&gt;Eines Morgens schob Karl den Krankenwagen, in dem Brunelda saß, aus dem Haustor. Es war nicht mehr so früh, wie er gehofft hatte. Sie waren übereingekommen, die Auswanderung noch in der Nacht zu bewerkstelligen, um in den Gassen kein Aufsehen zu erregen, das bei Tag unvermeidlich gewesen wäre, so bescheiden auch Brunelda mit einem großen grauen Tuch sich bedecken wollte. Aber der Transport über die Treppe hatte zu lange gedauert, trotz der bereitwilligsten Mithilfe des Studenten, der viel schwächer als Karl war, wie sich bei dieser Gelegenheit herausstellte. Brunelda hielt sich sehr tapfer, seufzte kaum und suchte ihren Trägern die Arbeit auf alle Weise zu erleichtern. Aber es gieng doch nicht anders, als daß man sie auf jeder fünften Treppenstufe niedersetzte, um sich selbst und ihr die Zeit zum notwendigsten Ausruhen zu gönnen. Es war ein kühler Morgen, auf den Gängen wehte kalte Luft wie in Kellern, aber Karl und der Student waren ganz in Schweiß und mußten während der Ruhepausen jeder ein Zipfel von Bruneldas Tuch, das sie ihnen übri-gens freundlich reichte, nehmen, um das Gesicht zu trocknen. So kam es, daß sie erst nach zwei Stunden unten anlangten, wo schon vom Abend her das Wägelchen stand. Das Hineinheben Bruneldas gab noch eine gewisse Arbeit, dann aber durfte man das Ganze für gelungen ansehn, denn das Schieben des Wagens mußte dank den hohen Rädern nicht schwer sein und es blieb nur die Befürchtung, daß der Wagen unter Brunelda aus den Fugen gehen würde. Diese Gefahr mußte man allerdings auf sich nehmen, man konnte nicht einen Ersatzwagen mitführen, zu dessen Bereitstellung und Führung der Student halb im Scherz sich angeboten hatte. Es erfolgte nun die Verabschiedung vom Studenten, die sogar sehr herzlich war. Alle Nichtübereinstimmung zwischen Brunelda und dem Studenten schien vergessen, er entschuldigte sich sogar wegen der alten Beleidigung Bruneldas die er sich bei ihrer Krankheit hatte zu schulden kommen lassen, aber Brunelda sagte, alles sei längst vergessen und mehr als gutgemacht. Schließlich bat sie den Studenten, er möge zum Andenken an sie einen Dollar freundlichst annehmen, den sie mühselig aus ihren vielen Röcken hervorsuchte. Dieses Geschenk war bei Bruneldas bekanntem Geiz sehr bedeutungsvoll, der Student hatte auch wirklich große Freude davon und warf vor Freude die Münze hoch in die Luft. Dann allerdings mußte er sie auf dem Boden suchen und Karl mußte ihm helfen, schließlich fand sie auch Karl unter dem Wagen Bruneldas. Der Abschied zwischen dem Studenten und Karl war natürlich viel einfacher, sie reichten einander nur die Hand und sprachen die Überzeugung aus, daß sie einander wohl noch einmal sehen würden und daß dann wenigstens einer von ihnen – der Student behauptete es von Karl, Karl vom Studenten – etwas Rühmenswertes erreicht haben würde, was bisher leider nicht der Fall war. Dann faßte Karl mit gutem Mut den Griff des Wagens und schob ihn aus dem Tor. Der Student sah ihnen solange nach, als sie noch zu sehen waren und winkte mit einem Tuch. Karl nickte oft grüßend zurück, auch Brunelda hätte sich gerne umgewendet, aber solche Bewegungen waren für sie zu anstrengend. Um ihr doch noch einen letzten Abschied zu ermöglichen, führte Karl am Ende der Straße den Wagen in einem Kreis herum, so daß auch Brunelda den Studenten sehen konnte, der diese Gelegenheit ausnützte, um mit dem Tuch besonders eifrig zu winken.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>«Karl sah an einer Straßenecke...»</title><link>https://www.kafka.org/works/missing/karl-sah-an-einer-strassenecke/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 17:44:03 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/missing/karl-sah-an-einer-strassenecke/</guid><description>&lt;p&gt;Karl sah an einer Straßenecke ein Plakat mit folgender Aufschrift: &amp;ldquo;Auf dem Rennplatz in Clayton wird heute von sechs Uhr früh bis Mitternacht Personal für das Teater in Oklahama aufgenommen! Das große Teater von Oklahama ruft Euch! Es ruft nur heute, nur einmal! Wer jetzt die Gelegenheit versäumt, versäumt sie für immer! Wer an seine Zukunft denkt, gehört zu uns! Jeder ist willkommen! Wer Künstler werden will melde sich! Wir sind das Teater, das jeden brauchen kann, jeden an seinem Ort! Wer sich für uns entschieden hat, den beglückwünschen wir gleich hier! Aber beeilt Euch, damit Ihr bis Mitternacht vorgelassen werdet! Um zwölf wird alles geschlossen und nicht mehr geöffnet! Verflucht sei wer uns nicht glaubt! Auf nach Clayton!&amp;rdquo;&lt;/p&gt;</description></item><item><title>«Sie fuhren zwei Tage...»</title><link>https://www.kafka.org/works/missing/sie-fuhren-zwei-tage/</link><pubDate>Thu, 04 Nov 2004 17:23:38 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/missing/sie-fuhren-zwei-tage/</guid><description>&lt;p&gt;Sie fuhren zwei Tage und zwei Nächte. Jetzt erst begriff Karl die Größe Amerikas. Unermüdlich sah er aus dem Fenster und Giacomo drängte sich solange mit heran, bis die Burschen gegenüber die sich viel mit Kartenspiel beschäftigten dessen überdrüssig wurden und ihm freiwillig den Fensterplatz einräumten. Karl dankte ihnen – Giacomos Englisch war nicht jedem verständlich – und sie wurden im Laufe der Zeit, wie es unter Coupeegenossen nicht anders sein kann, viel freundlicher, doch war auch ihre Freundlichkeit oft lästig, da sie z. B. immer wenn ihnen eine Karte auf den Boden fiel und sie den Boden nach ihr absuchten, Karl oder Giacomo mit aller Kraft ins Bein zwickten. Giacomo schrie dann, immer von neuem überrascht, und zog das Bein in die Höhe, Karl versuchte manchmal mit einem Fußtritt zu antworten, duldete aber im übrigen alles schweigend. Alles was sich in dem kleinen, selbst bei offenem Fenster von Rauch überfüllten Coupee ereignete vergieng vor dem was draußen zu sehen war.&lt;/p&gt;</description></item></channel></rss>