<?xml version="1.0" encoding="utf-8" standalone="yes"?><rss version="2.0" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"><channel><title>Diaries and Travel Diaries on The Kafka Project</title><link>https://www.kafka.org/works/diaries/</link><description>Recent content in Diaries and Travel Diaries on The Kafka Project</description><generator>Hugo</generator><language>en</language><lastBuildDate>Fri, 05 Nov 2004 20:46:11 +0000</lastBuildDate><atom:link href="https://www.kafka.org/works/diaries/index.xml" rel="self" type="application/rss+xml"/><item><title>Heft 1</title><link>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-1/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:44:10 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-1/</guid><description>&lt;p&gt;Die Zuschauer erstarren, wenn der Zug vorbeifährt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;ldquo;Wenn er mich immer frägt&amp;rdquo; das ä losgelöst vom Satz flog dahin wie ein Ball auf der Wiese.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sein Ernst bringt mich um. Den Kopf im Kragen, die Haare unbeweglich um den Schädel geordnet, die Muskeln unten an den Wangen an ihrem Platz gespannt&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ist der Wald noch immer da?Der Wald war noch so ziemlich da. Kaum aber war mein Blick zehn Schritte weit, ließ ich ab wieder eingefangen vom langweiligen Gespräch.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Heft 2</title><link>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-2/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:49:39 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-2/</guid><description>&lt;p&gt;Als es schon unerträglich geworden war – einmal gegen Abend im November – und ich über den schmalen Teppich meines Zimmers wie in einer Rennbahn einherlief, durch den Anblick der beleuchteten Gasse erschreckt wieder wendete und in der Tiefe des Zimmers im Grund des Spiegels doch wieder ein neues Ziel bekam und aufschrie, um nur den Schrei zu hören, dem nichts antwortet und dem auch nichts die Kraft des Schreiens nimmt, der also aufsteigt ohne Gegengewicht und nicht aufhören kann, selbst wenn er verstummt, da öffnete sich aus der Wand heraus die Tür, so eilig, weil doch Eile nötig war und selbst die Wagenpferde unten auf dem Pflaster wie wildgewordene Pferde in der Schlacht irgendwo auf den gespreizten Hinterbeinen die Gurgeln preisgegeben sich erhoben.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Heft 3</title><link>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-3/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:52:28 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-3/</guid><description>&lt;ol start="26"&gt;
&lt;li&gt;XI (Oktober) 1911 Donnerstag.&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;
&lt;p&gt;Gestern hat Löwy den ganzen Nachmittag &amp;ldquo;Gott Mensch u. Teufel&amp;rdquo; von Gordon und dann aus seinen eigenen Tagebüchern von Paris vorgelesen. Vorgestern war ich bei der Aufführung des wilden Menschen von Gordon. – Gordon ist deshalb besser als Lateiner, Scharkansky, Feimann u. s. w. weil er mehr Details, mehr Ordnung und mehr Folgerichtigkeit in dieser Ordnung hat, dafür ist hier nicht mehr ganz das unmittelbare, förmlich ein für alle mal improvisierte Judentum der andern Stücke, der Lärm dieses Judentums klingt dumpfer und daher wiederum weniger detailliert. Es werden allerdings dem Publikum Koncessionen gemacht und manchmal glaubt man sich recken zu müssen um über die Köpfe des Newyorcker jüdischen Teaterpublikums weg das Stück zu sehn, (die Gestalt des wilden Menschen, die ganze Geschichte der Frau Seldes) schlimmer aber ist daß auch irgendeiner geahnten Kunst greifbare Koncessionen gemacht werden, daß z. B. im wilden Menschen die Handlung einen ganzen Akt flattert infolge von Bedenken, daß der wilde Mensch menschlich undeutliche, litterarisch aber so grobe Reden hält daß man lieber die Augen schließt, ebenso ist das ältere Mädchen in G. M. und Teufel. Sehr muthig ist teilweise die Handlung des &amp;ldquo;w. M. &amp;ldquo;. Eine junge Witwe heirathet einen alten Mann, der vier Kinder hat, und bringt gleich ihren Liebhaber den Wladimir Worobeitschik mit in die Ehe. Nun ruinieren die zwei die ganze Familie, Schmut Leiblich (Pipes) muß alles Geld hergeben und wird krank, der älteste Sohn Simon (Klug) ein Student verläßt das Haus, Alexander wird ein Spieler und Säufer, Lise (Tschisik) wird Dirne und Lemech (Löwy), der Idiot wird gegenüber der Frau Selde von Haß, weil sie an Stelle seiner Mutter tritt, und von Liebe, weil sie die erste ihm nahe junge Frau ist, in einen idiotischen Wahnsinn gebracht. Die so weit getriebene Handlung löst sich mit der Ermordung der Selde durch Lemech. Alle andern bleiben dem Zuschauer in unvollendeter hilfloser Erinnerung. Die Erfindung dieser Frau und ihres Liebhabers, eine Erfindung die niemanden um seine Meinung fragt hat mir unklares verschiedenartiges Selbstvertrauen gegeben.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Heft 4</title><link>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-4/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:55:13 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-4/</guid><description>&lt;ol start="28"&gt;
&lt;li&gt;
&lt;p&gt;XI 11 3 Tage lang nichts geschrieben.&lt;/p&gt;
&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
&lt;p&gt;XI (1911) den ganzen Nachmittag im Cafe City&lt;/p&gt;
&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;
&lt;p&gt;Miska überredet, eine Erklärung zu unterschreiben, daß er nur Commis bei uns war, also nicht versicherungspflichtig und der Vater nicht verpflichtet wäre, die große Nachtragszahlung für seine Versicherung zu leisten. Er verspricht es mir, ich rede ein flüssiges Cechisch, besonders meine Irrtümer entschuldige ich elegant, er verspricht die Erklärung Montag ins Geschäft zu schicken, ich fühle mich von ihm, wenn nicht geliebt, so doch respektiert, aber am Montag schickt er nichts, ist auch nicht mehr in Prag, sondern weggefahren.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Heft 5</title><link>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-5/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 15:57:54 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-5/</guid><description>&lt;ol start="4"&gt;
&lt;li&gt;
&lt;p&gt;I 11 (1912) Nur infolge meiner Eitelkeit lese ich so gerne meinen Schwestern vor, (daß heute z. B. zu spät zum Schreiben geworden ist) Nicht daß ich überzeugt wäre, daß ich im Vorlesen etwas Bedeutendes erreichen würde, vielmehr beherrscht mich nur die Sucht, mich an die guten Arbeiten, die ich vorlese, so sehr heranzudrängen, daß ich mit ihnen nicht durch mein Verdienst, sondern nur in der durch das Vorgelesene aufgeregten und für das Unwesentliche getrübten Aufmerksamkeit meiner zuhörenden Schwestern in eins verfließe und deshalb auch unter der vertuschenden Wirkung der Eitelkeit als Ursache an allem Einfluß teilnehme, welchen das Werk selbst geübt hat. Deshalb lese ich auch vor meinen Schwestern tatsächlich bewundernswert, erfülle manche Betonungen mit einer meinem Gefühl nach äußersten Genauigkeit, weil ich nachher nicht nur von mir sondern auch von meinen Schwestern im Übermaß belohnt werde. Lese ich aber vor Brod oder Baum oder andern, muß jedem mein Lesen schon infolge meiner Ansprüche auf Lob entsetzlich schlecht vorkommen, selbst wenn er von der Güte meines sonstigen Vorlesens nichts weiß, denn hier sehe ich daß der Zuhörer die Sonderung zwischen mir und dem Gelesenen aufrecht erhält, ich darf mich mit dem Gelesenen nicht gänzlich verbinden ohne meinem Gefühl nach, das keine Unterstützung vom Zuhörer zu erwarten hat, lächerlich zu werden, ich umfliege das Vorzulesende mit der Stimme, versuche, weil man es will, hie und da einzudringen, beabsichtige es aber nicht ernstlich, weil man es von mir gar nicht erwartet: das was man aber eigentlich will, ohne Eitelkeit ruhig und entfernt zu lesen und leidenschaftlich nur zu werden, wenn es meine Leidenschaft verlangt, das kann ich nicht leisten; trotzdem ich mich aber damit abgefunden zu haben glaube und mich also damit begnüge vor andern als vor meinen Schwestern schlecht vorzulesen, zeigt sich meine Eitelkeit, die diesmal kein Recht haben sollte, doch, indem ich mich gekränkt fühle, wenn jemand in dem Vorgelesenen etwas aussetzt, rot werde und rasch weiterlesen will, wie ich überhaupt, wenn ich einmal zu lesen angefangen habe, danach strebe, endlos vorzulesen in der unbewußten Sehnsucht daß im Verlauf des langen Lesens, zumindest in mir das eitle falsche Gefühl der Einheit mit dem Vorgelesenen sich erzeugen wird, wobei ich vergesse, daß ich niemals die genügende augenblickliche Kraft haben werde, aus meinem Gefühl auf den klaren Überblick des Zuhörers einzuwirken und daß es zuhause immer die Schwestern sind, welche mit der erwünschten Verwechslung beginnen&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Heft 6</title><link>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-6/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 16:01:43 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-6/</guid><description>&lt;p&gt;6 Mai 1912 11 Uhr zum erstenmal seit einiger Zeit vollständiges Mißlingen beim Schreiben. Das Gefühl eines geprüften Mannes.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Traum vor kurzem: Ich fuhr mit meinem Vater durch Berlin in der Elektrischen. Das Großstädtische war vorgestellt von unzähligen regelmäßig aufrechtstehenden zweifarbig gestrichenen, am Ende stumpf abgeglätteten Schlagbäumen. Sonst war alles fast leer, aber das Gedränge dieser Schlagbäume war groß, Wir kamen vor ein Tor, stiegen ohne es zu fühlen aus, traten durch das Tor ein. Hinter dem Tor stieg eine sehr steile Wand aufwärts, die mein Vater fast tanzend erstieg, die Beine flogen ihm dabei so leicht wurde es ihm. Es lag sicher auch einige Rücksichtslosigkeit darin, daß er mir gar nicht half, denn ich kam nur mit der äußersten Mühe, auf allen Vieren, häufig wieder zurückrutschend hinauf, als sei die Wand unter mir steiler geworden. Peinlich war dabei auch, daß sie mit Menschendreck bedeckt war, so daß mir Flocken davon vor allem auf der Brust hängen blieben. Ich sah sie mit geneigtem Gesicht an und fuhr mit der Hand darüber hin. Als ich endlich oben war, flog mir gleich mein Vater, der schon aus dem Innern eines Gebäudes kam, an den Hals und küßte und drückte mich. Er hatte einen mir aus der Erinnerung gut bekannten altmodischen, kurzen, im innern sophaartig gepolsterten Kaiserrock an. &amp;ldquo;Dieser Dr. von Leyden! Das ist doch ein ausgezeichneter Mensch&amp;rdquo; rief er immer wieder. Er hatte ihn aber durchaus nicht als Arzt besucht sondern nur als kennenswerten Mann. Ich hatte ein wenig Angst, daß ich auch zu ihm hineinmüßte, es wurde aber nicht verlangt. Links hinter mir sah ich in einem förmlich mit lauter Glaswänden umgebenen Zimmer einen Mann sitzen, der mir den Rücken zuwandte. Es zeigte sich, daß dieser Mann der Sekretär des Professors war, daß mein Vater tatsächlich nur mit ihm gesprochen hatte und nicht mit dem Professor selbst, daß er aber irgendwie durch den Sekretär hindurch die Vorzüge des Professors leibhaftig erkannt hatte, so daß er in jeder Hinsicht zu einem Urteil über den Professor genau so berechtigt war, wie wenn er persönlich mit ihm gesprochen hätte.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Heft 7</title><link>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-7/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 16:05:23 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-7/</guid><description>&lt;ol start="11"&gt;
&lt;li&gt;II 13 Anläßlich der Korrektur des &amp;ldquo;Urteils&amp;rdquo; schreibe ich alle Beziehungen auf, die mir in der Geschichte klar geworden sind, soweit ich sie gegenwärtig habe. Es ist dies notwendig, denn die Geschichte ist wie eine regelrechte Geburt mit Schmutz und Schleim bedeckt aus mir herausgekommen und nur ich habe die Hand, die bis zum Körper dringen kann und Lust dazu hat:&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;
&lt;p&gt;Der Freund ist die Verbindung zwischen Vater und Sohn, er ist ihre größte Gemeinsamkeit. Allein bei seinem Fenster sitzend wühlt Georg in diesem Gemeinsamen mit Wollust, glaubt den Vater in sich zu haben und hält alles bis auf eine flüchtige traurige Nachdenklichkeit für friedlich. Die Entwicklung der Geschichte zeigt nun, wie aus dem Gemeinsamen, dem Freund, der Vater hervorsteigt und sich als Gegensatz Georg gegenüber aufstellt, verstärkt durch andere kleinere Gemeinsamkeiten nämlich durch die Liebe, Anhänglichkeit der Mutter durch die treue Erinnerung an sie und durch die Kundschaft, die ja der Vater doch ursprünglich für das Geschäft erworben hat. Georg hat nichts, die Braut, die in der Geschichte nur durch die Beziehung zum Freund, also zum Gemeinsamen, lebt, und die, da eben noch nicht Hochzeit war, in den Blutkreis, der sich um Vater und Sohn zieht, nicht eintreten kann, wird vom Vater leicht vertrieben. Das Gemeinsame ist alles um den Vater aufgetürmt, Georg fühlt es nur als Fremdes, Selbständiggewordenes, von ihm niemals genug Beschütztes, russischen Revolutionen Ausgesetztes, und nur weil er selbst nichts mehr hat, als den Blick auf den Vater, wirkt das Urteil, das ihm den Vater gänzlich verschließt so stark auf ihn.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Heft 8</title><link>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-8/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 16:08:15 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-8/</guid><description>&lt;p&gt;2 Mai 1913&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist sehr notwendig geworden wieder ein Tagebuch zu führen. Mein unsicherer Kopf, Felice, der Verfall im Bureau, die körperliche Unmöglichkeit zu schreiben und das innere Bedürfnis danach.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Valli geht hinter dem Schwager, der morgen zur Waffenübung nach Tschotkov einrückt, aus unserer Tür hinaus. Merkwürdig die in diesem Ihm-Folgen liegende Anerkennung der Ehe als Einrichtung, mit der man sich bis in den Grund hinein abgefunden hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Geschichte der Gärtnerstochter, die mich vorgestern in der Arbeit unterbrach. Ich, der ich durch die Arbeit meine Neurasthenie heilen will, muß hören, daß der Bruder des Fräulein, er hat Jan geheißen und war der eigentliche Gärtner und voraussichtlicher Nachfolger des alten Dvorsky, ja sogar schon Besitzer des Blumengartens sich vor 2 Monaten im Alter von 28 Jahren aus Melancholie vergiftet hat. Im Sommer war ihm verhältnismäßig wohl trotz seiner einsiedlerischen Natur, da er wenigstens mit den Kunden verkehren mußte, im Winter dagegen war er ganz verschlossen. Seine Geliebte war eine Beamtin – urednice – ein gleichfalls melancholisches Mädchen. Sie giengen zusammen oft auf den Friedhof.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Heft 9</title><link>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-9/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 16:10:45 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-9/</guid><description>&lt;p&gt;Ich trete aus dem Haus um einen kleinen Spaziergang zu machen. Es ist schönes Wetter aber die Gasse ist auffallend leer, nur in der Ferne steht ein städtischer Bediensteter mit dem Wasserschlauch in der Hand und spritzt einen ungeheueren Bogen Wassers die Gasse entlang. &amp;ldquo;Unerhört&amp;rdquo; sage ich und prüfe die Spannung des Bogens. &amp;ldquo;Ein kleiner städtischer Bediensteter&amp;rdquo; sage ich und blicke wieder auf den Mann in der Ferne. An der Ecke der nächsten Quergasse fechten zwei Herren, stoßen zusammen, fliegen eine weite Strecke auseinander, belauern einander und sind schon wieder beisammen. &amp;ldquo;Hört doch zu fechten auf, Ihr Herren&amp;rdquo; sage ich.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Konvolute</title><link>https://www.kafka.org/works/diaries/konvolute/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 16:11:58 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/diaries/konvolute/</guid><description>&lt;p&gt;21 Aug. 14 Mit solchen Hoffnungen angefangen und von allen drei Geschichten zurückgeworfen, heute am stärksten. Vielleicht ist es richtig, daß die russische Geschichte nur immer nach dem Proceß gearbeitet werden durfte. In dieser lächerlichen Hoffnung, die sich offenbar nur auf eine mechanische Phantasie stützt, fange ich wieder den Proceß an. – Ganz nutzlos war es nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;29 Aug (1914) Schluß eines Kapitels mißlungen, ein anderes schön begonnenes Kapitel werde ich kaum oder vielmehr ganz bestimmt nicht so schön weiterführen können, während es mir damals in der Nacht sicher gelungen wäre. Ich darf mich aber nicht verlassen, ich bin ganz allein.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Heft 10</title><link>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-10/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 16:12:57 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-10/</guid><description>&lt;ol start="4"&gt;
&lt;li&gt;
&lt;p&gt;(November 1914) Pepa zurück. Schreiend, aufgeregt, außer Rand und Band. Geschichte vom Maulwurf, der im Schützengraben unter ihm bohrte und den er für ein göttliches Zeichen ansah, von dort wegzurücken. Kaum war er fort, traf ein Schuß einen Soldaten, der ihm nachgekrochen war und sich jetzt über dem Maulwurf befand. – Sein Hauptmann. Man sah deutlich, wie er gefangen genommen wurde. Am nächsten Tag fand man ihn aber nackt von Bajonetten durchbohrt im Wald. Wahrscheinlich hatte er Geld bei sich, man hatte ihn durchsuchen und berauben wollen, er aber hatte &amp;ldquo;wie die Offiziere sind&amp;rdquo; sich nicht freiwillig anrühren lassen. – P. hat vor Wut und Aufregung fast geweint, als er auf dem Weg von der Bahn seinen Chef (den er früher maßlos und lächerlich verehrt hatte) traf, wie er elegant angezogen, parfümiert, mit umgehängtem Gucker ins Teater ging. Einen Monat später machte er es selbst mit einer Karte, die ihm dieser Chef geschenkt hatte. Er gieng zum &amp;ldquo;Ungetreuen Eckehart&amp;rdquo; einem Lustspiel. – Geschlafen einmal im Schloß des Fürsten Sapieha, einmal knapp vor österr. feuernden Batterien, wo er in der Reserve lag, einmal in einer Bauernstube, wo in den zwei Betten rechts und links an den Wänden je zwei Frauen, hinter dem Ofen ein Mädchen, und auf dem Fußboden acht Soldaten schliefen. – Strafe für Soldaten. Festgebunden an einem Baum stehn bis zum Blauwerden. Weil er z. B. die Karte meiner Schwester irgendwo gegen die Vorschrift hingegeben hatte, wo sie auch tatsächlich verloren gieng. –&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Heft 11</title><link>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-11/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 16:14:31 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-11/</guid><description>&lt;p&gt;13 Sept. 15 Vorabend von Vaters Geburtstag, neues Tagebuch. Es ist nicht so notwendig wie sonst, unruhig muß ich mich nicht machen, unruhig bin ich genug, aber zu welchem Ziel, wann kommt es, wie kann ein Herz, ein nicht ganz gesundes Herz soviel Unzufriedenheit und soviel ununterbrochen zerrendes Verlangen ertragen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Zerstreutheit, die Gedächtnisschwäche, die Dummheit!&lt;/p&gt;
&lt;ol start="14"&gt;
&lt;li&gt;
&lt;p&gt;(September 1915) mit Max und Langer Samstag beim Wunderrabbi. Pizkov, Harantova ulice. Viele Kinder auf dem Trottoir und den Treppenstufen. Ein Gasthaus. Oben vollständig finster, blindlings paar Schritte mit vorgehaltenen Händen. Ein Zimmer mit bleichem Dämmerlicht, weißgraue Wände, einige kleine Frauen und Mädchen, weiße Kopftücher, blasse Gesichter, stehn herum, kleine Bewegungen; Eindruck des Blutleeren. Nächstes Zimmer. Alles schwarz, voll mit Männern und jungen Leuten. Lautes Beten. Wir drücken uns in eine Ecke. Kaum sehen wir uns ein wenig um, ist das Gebet zu Ende, das Zimmer leert sich. Ein Eckzimmer mit zwei Fensterwänden mit je 2 Fenstern. Wir werden zu einem Tisch gedrängt, rechts vom Rabbi. Wir wehren uns, &amp;ldquo;Ihr seid doch auch Juden. &amp;quot; Das stärkste väterliche Wesen macht den Rabbi. Alle Rabbi sehen wild aus, sagte Langer. Dieser im Seidenkaftan, darunter schon Unterhosen sichtbar. Haare auf dem Nasenrücken. Mit Fell eingefaßte Kappe, die er immerfort hin und her rückt. Schmutzig und rein, Eigentümlichkeit intensiv denkender Menschen. Kratzt sich am Bartansatz, schneuzt durch die Hand auf den Fußboden, greift mit den Fingern in die Speisen – wenn er aber ein Weilchen die Hand auf dem Tisch liegen läßt, sieht man das Weiß der Haut, wie man ein ähnliches Weiß nur in Vorstellungen der Kindheit gesehn zu haben glaubt. Damals allerdings waren auch die Eltern rein.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Heft 12</title><link>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-12/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 16:17:03 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/diaries/heft-12/</guid><description>&lt;p&gt;15 Sept. 17 Du hast soweit diese Möglichkeit überhaupt besteht, die Möglichkeit einen Anfang zu machen. Verschwende sie nicht. Du wirst den Schmutz, der aus Dir aufschwemmt, nicht vermeiden können, wenn Du eindringen willst. Wälze Dich aber nicht darin. Ist die Lungenwunde nur ein Sinnbild, wie Du behauptest, Sinnbild der Wunde, deren Entzündung Felice und deren Tiefe Rechtfertigung heißt, ist dies so, dann sind auch die ärztlichen Ratschläge (Licht Luft Sonne Ruhe) Sinnbild. Fasse dieses Sinnbild an.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Reisen Januar/Februar 1911</title><link>https://www.kafka.org/works/diaries/reisen-januar-februar-1911/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 16:20:40 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/diaries/reisen-januar-februar-1911/</guid><description>&lt;p&gt;Friedländer Reise Jänner&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1911&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Reichenberger Feber&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich müßte die Nacht durchschreiben, so viel kommt über mich, aber es ist nur unreines. Was für eine Macht dieses über mich bekommen hat, während ich ihm früher soviel ich mich erinnere mit einer Wendung, einer kleinen Wendung, die mich an und für sich noch glücklich machte, auszuweichen imstande war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Reichenberger Jude im Koupe macht sich zuerst durch kleine Ausrufe über Schnellzüge, die es nur dem Fahrpreis nach sind bemerkbar. Unterdessen ißt ein magerer Reisender, das was man Windbeutel nennt, mit raschem Schlucken Schinken, Brot und zwei Würste, deren Haut er mit einem Messer durchsichtig kratzt, bis er schließlich alle Reste und Papiere unter die Bank hinter das Heizungsrohr wirft. Während des Essens hat er in dieser unnötigen mir so sympatischen, aber erfolglos nachgeahmten Hitze und Eile zwei Abendblätter mir zugewendet ausgelesen. Abstehende Ohren. Nur verhältnismäßig breite Nase. Wischt mit den fetten Händen Haare und Gesicht, ohne sich schmutzig zu machen, was ich auch nicht darf. Das scheinbar umfangreiche Glied macht in den Hosen einen starken Wulst.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Reise August/September 1911</title><link>https://www.kafka.org/works/diaries/reise-august-september-1911/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 20:41:56 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/diaries/reise-august-september-1911/</guid><description>&lt;p&gt;Abfahrt 26. VIII 11 Mittag&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;die schlechte Idee: Gleichzeitige Beschreibung der Reise und der innerlichen Stellungnahme zu einander die Reise betreffend. Ihre Unmöglichkeit durch einen vorüberfahrenden Wagen mit Bäuerinnen erwiesen. Die heroische Bäuerin (delphische Sibylle). Einer lachenden schläft im Schooß eine, die aufwachend winkt. Durch die Beschreibung von Maxens Gruß wäre falsche Feindschaft in die Beschreibung gekommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Mädchen, die spätere Alice Rehberger, steigt in Pilsen ein. Der während der Fahrt bestellte Kaffee wird für den Restaurateur durch grüne kleine Zettel, die an die Fenster geklebt werden angezeigt. Man muß ihn aber mit Zettel nicht nehmen und bekommt ihn auch ohne. Zuerst kann ich sie nicht sehn weil sie neben mir sitzt. Erste gemeinschaftliche Tatsache: Ihr eingepackter Hut fliegt auf Max hinunter. So kommen Hüte schwer durch die Waggontüren herein und leicht durch die großen Fenster wieder heraus. – Max zerstört wahrscheinlich die Möglichkeit einer spätern Beschreibung, indem er als Ehemann um der Erscheinung die Gefährlichkeit zu nehmen, etwas sagen muß, dabei das Wichtige ausläßt, das Lehrhafte hervorhebt und ein wenig verhäßlicht. – &amp;ldquo;tadellos, herausfeuern 0 Koma 5 Beschleunigung, prompt&amp;rdquo;, Nesthäkchen im Bureau, Ansichten über Militär, Witze im Bureau (Verwechseln der Hüte im Bureau, Annageln der Kipfel), unser Witz mit der Karte, die sie in München schreiben, die wir von Zürüch an ihr Bureau schicken werden und in der es heißt: &amp;ldquo;Das Vorausgesagte ist leider eingetroffen .. falscher Zug .. jetzt in Zürich .. 2 Tage vom Ausflug verloren. &amp;quot; Ihre Freude. Sie erwartet aber von uns als Ehrenmännern, daß wir nichts zuschreiben. Automobil in München. Regen, rasche Fahrt (20 Min.) Kellerwohnungperspektive, Führer ruft die Namen der unsichtbaren Sehenswürdigkeiten aus, die Pneumatiks rauschen auf dem nassen Asphalt wie der Apparat im Kinematographen, das deutlichste: die unverhängten Fenster &amp;ldquo;der vier Jahreszeiten&amp;rdquo;, die Spiegelung der Lampen im Asphalt wie im Fluß&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Reise Juni/Juli 1912</title><link>https://www.kafka.org/works/diaries/reise-juni-juli-1912/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 20:45:03 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/diaries/reise-juni-juli-1912/</guid><description>&lt;p&gt;Reise Weimar-Jungborn vom 28 Juni 1912 – 29 Juli&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Freitag 28. V (Juni 1912) Abfahrt Staatsbahn. Gut beisammen. Sokoln verzögern die Zugsabfahrt. Ausgezogen in ganzer Länge auf der Bank gelegen. Elbeufer. Schöne Lage der Orte und Villen, ähnlich den Seeufern. Dresden. Mengen der frischen Waren überall. Reinliche korrekte Bedienung. Ruhig gesetzte Worte. Massives Aussehn der Bauten infolge der Betontechnik, die doch z. B. in Amerika nicht so wirkt. Das sonst ruhige von Wirbelringen marmorierte Elbewasser. – Leipzig. Gespräch mit unserem Dienstmann. Max fragt ihn trotzdem er wie unser Großvater aussieht nach Mädchen. Opels Hotel. Der halbe neue Bahnhof. Schöne Ruine des alten. Gemeinsames Zimmer. Von 4 Uhr ab lebendig begraben, weil Max wegen des Lärms die Fenster zumachen muß. Großer Lärm. Dem Gehör nach zieht ein Wagen den andern hinter sich. Die Pferde wegen des Asphalts wie laufende Reitpferde anzuhören. Das sich entfernende durch seine Unterbrechungen Gassen und Plätze andeutende Läuten der Elektrischen. Abend in Leipzig. Maxens topographischer Instinkt, mein Verlorensein. Dagegen stelle ich, später vom Führer bestätigt, einen schönen Erker am Fürstenhaus fest. Nachtarbeit auf einem Bauplatz, wahrscheinlich auf der Stelle von Auerbachs Keller. Nicht zu beseitigende Unzufriedenheit mit Leipzig. Unentschlossenheit in den Bordellgäßchen. Mein Schuhbandbinden wird von der Gasse zum Fenster hin besprochen. Lockendes Cafe Oriental. &amp;ldquo;Taubenschlag&amp;rdquo; Bierstube. Der schwer bewegliche langbärtige Biervater. Seine Frau schenkt ein. Zwei große starke Töchter bedienen. Fächer in den Tischen. Lichtenhainer in Holzkrügen. Schandgeruch wenn man den Deckel öffnet. Ein schwächlicher Stammgast, rötliche magere Wangen, faltige Nase sitzt mit großer Gesellschaft, bleibt dann allein zurück, das Mädchen setzt sich mit ihrem Bierglas zu ihm. Das Bild des vor 12 Jahren verstorbenen Stammgastes, der 14 Jahre lang hergegangen ist. Er hebt das Glas, hinter ihm ein Gerippe. Viele stark verbundene Studenten in Leipzig. Viel Monokel. Kurzer Besuch in einem B. Ein Mädchen mit Brustschmuck nachtmahlt ein Rippchen. Unsere undeutliche Auskunft über den Grund unseres sofortigen Weggehns.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Reise September 1913</title><link>https://www.kafka.org/works/diaries/reise-september-1913/</link><pubDate>Fri, 05 Nov 2004 20:46:11 +0000</pubDate><guid>https://www.kafka.org/works/diaries/reise-september-1913/</guid><description>&lt;p&gt;am 10. Sept. 1913&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwischen den Säulen der Vorhalle des Parlamentes. Warte auf meinen Direktor. Großer Regen. Vor mir Athene Parthenos mit Goldhelm.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;6./IX (1913) Fahrt nach Wien. Dummes Litteraturgeschwätz mit Pick. Ziemlicher Widerwillen. So (wie P.) hängt man an der Kugel der Litteratur und kann nicht los, weil man die Fingernägel hineingebohrt hat, im übrigen aber ist man ein freier Mann und zappelt mit den Beinen zum Erbarmen. Seine Nasenblaskunststücke. Er tyrannisiert mich, indem er behauptet, ich tyrannisiere ihn. – Der Beobachter in der Ecke. – Bahnhof Heiligenstadt, leer mit leeren Zügen. In der Ferne sucht ein Mann den plakatierten Fahrplan ab. (Jetzt sitze ich auf der Stufe der Herme eines Teophil Hansen) Gebeugt, im Mantel, das Gesicht vergeht gegen das gelbe Plakat gehalten. Vorbeifahren an einem kleinen Terassengasthaus. Gehobener Arm eines Gastes. Wien. Dumme Unsicherheiten, die ich schließlich alle respektiere. Hotel Matschakerhof. 2 Zimmer mit einem Zugang. Wähle das Vordere. Unerträgliche Wirtschaft. Muß mit P. noch auf die Gasse. Laufe angeblich zu sehr, laufe noch stärker. Windige Luft. Erkenne alles Vergessene wieder. Schlechter Schlaf. Voll Sorgen. Ein widerlicher Traum (Malek). (Die Frage des Tagebuches ist gleichzeitig die Frage des Ganzen, enthält alle Unmöglichkeiten des Ganzen. In der Eisenbahn überlegte ich es unter dem Gespräch mit P. Es ist unmöglich, alles zu sagen und es ist unmöglich, nicht alles zu sagen. Unmöglich die Freiheit zu bewahren, unmöglich sie nicht zu bewahren. Unmöglich das einzig mögliche Leben zu führen, nämlich beisammen leben, jeder frei, jeder für sich, weder äußerlich noch wirklich verheiratet sein, nur beisammen sein und damit den letzten möglichen Schritt über Männerfreundschaft hinaus getan haben, ganz knapp an die mir gesetzte Grenze, wo sich schon der Fuß aufrichtet. Aber auch das ist eben unmöglich. Letzte Woche fiel mir das einmal vormittag als Ausweg ein, ich wollte es nachmittag schreiben. Nachmittag bekam ich eine Biographie Grillparzers. Er hat das getan, gerade das. (Eben betrachtet ein Herr den Theophil Hansen, ich sitze wie seine Klio) Aber wie unerträglich, sündhaft, widerlich war dieses Leben und doch gerade noch so, wie ich es vielleicht unter größern Leiden, als er, denn ich bin viel schwächer in manchem, zustandebrächte. (Später noch darauf zurückkommen – Traum) Abend noch Lise Weltsch getroffen.&lt;/p&gt;</description></item></channel></rss>