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2017/10/20 - 06:59

Oktavheft F (I, 23)

Die kleine,

Ich bin gewohnt in allem meinem Kutscher zu vertrauen. Als wir an eine hohe weiße seitwärts und oben sich langsam wölbende Mauer kamen, die Vorwärtsfahrt einstellten, die Mauer entlang fahrend sie betasteten und schließlich der Kutscher sagte: Es ist eine Stirn.

Ich begegnete Artur gestern früh im Haustor, er wollte wie er sagte gerade zu mir gehn, da ich nun aber selbst gekommen war giengen wir gemeinsam in sein Zimmer hinauf. Es gab Cigaretten und Schnaps und wir sprachen von Gelegentliche

Wir hatten einen kleinen Fischfang eingerichtet, eine Hütte am Meer gezimmert

Fremde Leute erkennen mich. Ich konnte mich mit meiner kleinen Handtasche kaum durch den Gang des überfüllten Waggons drängen. Da rief mich aus dem Halbdunkel eines Abteils ein mir offenbar ganz Fremder an und bot mir seinen Platz an

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Fremde Leute erkennen mich. Letzthin konnte ich mich auf einer kleinen Reise mit meiner Handtasche kaum durch den Gang eines überfüllten Waggons

Einmal lag ein Sarg infolge eines Irrtums eine Nacht lang bei uns. Man hatte den Tag des Begräbnisses unrichtig

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Einmal lag ein Sarg mit einer Leiche eine Nacht lang bei uns – ich weiß nicht mehr was der Grund war. Uns Totengräberkindern waren Särge keine Merkwürdigkeit, als wir schlafen giengen dachten wir kaum daran, daß im gleichen Zimmer eine Leiche lag.

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Als ich in der Nacht aufwachte lag in der Mitte des Zimmers ein offener Sarg. Vom Bett aus sah ich daß ein alter Mann mit geteiltem langen weißen Bart drin lag

Es war ein stiller trüber Tag. Welkes Gras umsäumte die drei Stufen die zur Haustür führten. Oben stand ein Mann und sah einem Wagen entgegen, der langsam die Anhöhe herauffuhr und vor dem Hause hielt.

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Verschiebung der Terminologie

Katholicismus (auch schon ohne Scheidung)

Gesinnungs Militarismus

Koketterie

deutsche Ironie

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Militarismus Bureau

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Im Vorimpuls Übereinstimmung

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Militarismus heißt nicht eine Kaste (wie bei den Hereros), sondern Möglichkeit Erfolg der Mechanisierung des Krieges, wenn nötig als Gesinnungsmilitarismus

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Österreich Beweis für die Friedlichkeit des Militärs (aktive Offiziere, groß trotz Fehlen des Hasses)

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Überzeugungskraft gegen den Leser gerichtet

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das Heraufkommen der royalistischen Partei im Nebensatz Nebensatz Mittel sophistischer Retorik

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jedoch verschiedene Gründe des fehlenden Hasses bei Arbeitern und Royalisten fehlen

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Feinheiten Revancheidee Erziehungsmittel des nouveau

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esprit

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Schwierigkeiten des Generalisierens wie generalisiere ich zunächst Liebesarbeiter

Arbeit als Freude unzugänglich den Psychologen

Über Rentner, Amerika nur gestreift Versklavung des Konsumenten

Mahnung an die Katholiken mächtiger zu werden

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Juden gut

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Auch für Österreich

Verwaltungskunst Österreichs

Lächerlichkeit betr. Kant

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Übelkeit nach zuviel Psychologie. Wenn einer gute Beine hat und an die Psychologie herangelassen wird, kann er in kurzer Zeit und in beliebigem Zickzack Strecken zurücklegen, wie auf keinem andern Feld. Da gehen einem die Augen über

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Pleonexie?

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Prophezeiung ihrer Grundschuld

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über den Kaufmann

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katholisches Zentrum

Liebe zu England wie erklärt er sie

Ich stehe auf einem wüsten Stück Boden. Warum ich nicht in ein besseres Land gestellt worden bin, weiß ich nicht. Bin ichs nicht wert? Das darf man nicht sagen. Reicher als ich kann nirgends ein Strauch aufgehn.

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Vom jüdischen Teater

Mit Ziffern und mit Statistiken werde ich mich nicht abgeben, die überlasse ich den Geschichtsschreibern des jüdischen Teaters. Meine Absicht ist ganz einfach, einige Blätter Erinnerung an das jüdische Teater mit seinen Dramen, seinen Schauspielern, seinem Publikum sowie ich das alles in mehr als zehn Jahren gesehen, gelernt und mitgemacht habe vorzulegen oder anders gesagt, den Vorhang zu heben und die Wunde zu zeigen. Nur nach Erkenntnis der Krankheit läßt sich ein Heilmittel finden und möglicherweise ein wahres jüdisches Teater schaffen.

Für meine frommen chassidischen Eltern in Warschau war natürlich das Teater ”trefe“ nicht anders als ”chaser“. Trotzdem – wenn Vetter Chaskel zu Purim auf sein kleines blondes Bärtchen einen großen schwarzen Bart geklebt hat, den Kaftan verkehrt anzog und einen lustigen Handeljüder spielte, haben sich meine kleinen Kinderaugen von ihm nicht abreißen können; von allen Vettern war er mir der liebste; sein Beispiel ließ mir keine Ruhe. Und, acht Jahre alt, habe ich schon Vetter Chaskel im Cheder nachgespielt. War der Rabbi nicht da, wurde im Cheder regelmäßig Teater gespielt, ich war Direktor, Regisseur, alles, auch die Prüger die ich dann vom Rebbe bekam waren die größten. Aber das störte uns nichts, der Rebbe prügelte, wir aber haben doch jeden Tag andere Teaterspiele ausgedacht, und das ganze Jahr war nur ein Hoffen und Beten: Purim möge kommen und ich soll Vetter Chaskel in seiner Maskerade sehn dürfen. Daß ich, wenn ich einmal erwachsen bin, auch wie Vetter Chaskel jeden Purim mich maskieren und singen und tanzen werde, das war mir natürlich selbstverständlich. Daß man sich aber anderwo auch wenn nicht Purim ist, maskiert und daß es noch viele solche Künstler gibt wie Vetter Chaskel – das ahnte ich nicht im entferntesten

Auf dem Wege trafen wir einander. Wohin gehst Du, fragte ich. Nach Brunnersdorf, sagte er.

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Ein Fluß teilte die Stadt.

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Schließlich war nur noch einer außer mir im Wirtshaus geblieben. Der Wirt wollte schließen und.bat mich zu zahlen. ”Dort sitzt noch einer“, sagte ich, mürrisch, weil ich einsah, daß es Zeit wäre zu gehn aber keine Lust hatte, weg oder überhaupt irgendwo hinzugehn. ”Das ist die Schwierigkeit“, sagte der Wirt, ”ich kann mich mit dem Mann nicht verständigen. Wollt Ihr mir helfen?“ ”Halloh“, rief ich zwischen den hohlen Händen durch, aber der Mann rührte sich nicht sondern sah still wie bisher von der Seite in sein Bierglas

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”Der Herr läßt bitten“, sagte der Diener sich verbeugend und öffnete mit geräuschlosem Ruck die hohe Glastür. Der Graf in halb fliegendem Schritt eilte mir von seinem Schreibtisch, der beim offenen Fenster stand, entgegen. Wir sahen einander in die Augen, der starre Blick des Grafen befremdete mich.

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Wir fuhren im Boot den stillen Fluß abwärts

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Es war schon spät nachts als ich am Tore läutete. Lange dauerte es ehe, offenbar aus der Tiefe des Hofs, der Kastellan hervorkam und öffnete

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Vor einer Mauer lag ich am Boden, wand mich vor Schmerz, wollte mich einwühlen in die feuchte Erde. Der Jäger stand neben mir und drückte mir einen Fuß leicht ins Kreuz. Ein kapitales Stück, sagte er zum Treiber, der mir den Kragen und Rock durchschnitt um mich zu befühlen. Meiner schon müde und nach neuen Taten begierig rannten die Hunde sinnlos gegen die Mauer an. Der Kutschwagen kam, an Händen und Beinen gefesselt wurde ich neben den Herrn über den Rücksitz geworfen sodaß ich mit Kopf und Armen außerhalb des Wagens niederhing. Die Fahrt gieng flott, verdurstend mit offenem Mund sog ich den hochgewirbelten Staub in mich, hie und da spürte ich den freudigen Griff des Herrn an meinen Waden

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Was trag ich auf meinen Schultern? Was für Gespenster umhängen mich?

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Es war ein stürmischer Abend, ich sah den kleinen Geist aus dem Gebüsche kriechen

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Das Tor fiel zu, ich stand ihm Aug in Auge

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Bleiches Gewirre um ihren Kopf, schwarzbrennende Augen, Lippen hin- und hergezerrt

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Endlich hatte er die letzte Mauer überstiegen, er war krä

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Alle ins Zimmer herein,

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Ein mattes Licht ergieng von jenem Berge ein mattes Licht

Es zersprang die Lampe, ein fremder Mann mit neuem Licht trat ein, ich erhob mich, meine Familie mit mir, wir grüßten, es wurde nicht beachtet,

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Die Räuber hatten mich gefesselt und da lag ich nahe beim Feuer des Hauptmanns.

Klar erscholl die Trompete und wir sammelten uns

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Öde Felder, öde Fläche, hinter Nebeln das bleiche Grün des Mondes. Niedrige Mauern um die Felder

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Er verläßt das Haus, er findet sich auf der Straße, ein Pferd wartet, ein Diener hält den Bügel, der Ritt geht durch hallende Öde

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Revision: 2011/01/08 - 00:18 - © Mauro Nervi