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2017/10/19 - 02:08

Heft 10

4. (November 1914) Pepa zurück. Schreiend, aufgeregt, außer Rand und Band. Geschichte vom Maulwurf, der im Schützengraben unter ihm bohrte und den er für ein göttliches Zeichen ansah, von dort wegzurücken. Kaum war er fort, traf ein Schuß einen Soldaten, der ihm nachgekrochen war und sich jetzt über dem Maulwurf befand. – Sein Hauptmann. Man sah deutlich, wie er gefangen genommen wurde. Am nächsten Tag fand man ihn aber nackt von Bajonetten durchbohrt im Wald. Wahrscheinlich hatte er Geld bei sich, man hatte ihn durchsuchen und berauben wollen, er aber hatte "wie die Offiziere sind" sich nicht freiwillig anrühren lassen. – P. hat vor Wut und Aufregung fast geweint, als er auf dem Weg von der Bahn seinen Chef (den er früher maßlos und lächerlich verehrt hatte) traf, wie er elegant angezogen, parfümiert, mit umgehängtem Gucker ins Teater ging. Einen Monat später machte er es selbst mit einer Karte, die ihm dieser Chef geschenkt hatte. Er gieng zum "Ungetreuen Eckehart" einem Lustspiel. – Geschlafen einmal im Schloß des Fürsten Sapieha, einmal knapp vor österr. feuernden Batterien, wo er in der Reserve lag, einmal in einer Bauernstube, wo in den zwei Betten rechts und links an den Wänden je zwei Frauen, hinter dem Ofen ein Mädchen, und auf dem Fußboden acht Soldaten schliefen. – Strafe für Soldaten. Festgebunden an einem Baum stehn bis zum Blauwerden. Weil er z. B. die Karte meiner Schwester irgendwo gegen die Vorschrift hingegeben hatte, wo sie auch tatsächlich verloren gieng. –

12. (November 1914) Die Eltern die Dankbarkeit von ihren Kindern erwarten (es gibt sogar solche, die sie fordern) sind wie Wucherer, sie riskieren gern das Kapital, wenn sie nur die Zinsen bekommen.

24 XI (1914) Gestern in der Tuchmachergasse, wo die alte Wäsche und Kleidung an die galizischen Flüchtlinge verteilt wird. Max, Frau Brod, Herr Chaim Nagel. Der Verstand, die Geduld, die Freundlichkeit, der Fleiß, die Gesprächigkeit, der Witz, die Vertrauenswürdigkeit des Herrn Nagel. Menschen, die ihren Kreis so vollständig ausfüllen, daß man meint, ihnen müßte alles im ganzen Kreis der Welt gelingen, aber es gehört eben auch zu ihrer Vollkommenheit, daß sie über ihren Kreis nicht hinausgreifen. – Die kluge lebhafte, stolze und bescheidene Frau Kannegießer aus Tarnow, die nur zwei Decken wollte, aber schöne, und die doch nur, trotz Maxens Protektion alte und schmutzige bekommen hat, während die neuen guten Decken in einem separaten Zimmer lagen, in dem überhaupt alle guten Stücke für die bessern Leute aufbewahrt werden. Man wollte ihr die guten auch deshalb nicht geben, weil sie sie nur für 2 Tage brauchte, ehe ihre Wäsche von Wien kam und weil man gebrauchte Stücke wegen der Choleragefahr nicht zurücknehmen darf. – Frau Lustig mit vielen Kindern aller Größen und einer kleinen frechen, selbstsichern beweglichen Schwester. Sie sucht ein Kinderkleidchen solange aus, bis Frau Br. sie anschreit: "Jetzt nehmen Sie aber schon endlich dieses oder Sie bekommen keines. " Nun antwortet aber Fr. Lustig mit noch viel größerem Schreien und schließt mit einer großen wilden Handbewegung: "Die Mizwe ist doch mehr wert als diese ganzen Schmatten (Hadern)"

25 XI 14 Leere Verzweiflung, unmöglich sich aufzustellen, erst bei der Zufriedenheit mit dem Leiden kann ich haltmachen.

Ich habe fast kein unmittelbares Interesse an der Fabrik, desto mehr aber mittelbares. Ich will nicht daß des Vaters Geld, das er auf meinen Rat und meine Bitte K. zur Verfügung gestellt hat, verloren geht das ist meine erste Sorge, ich will nicht daß des Onkels Geld verloren geht, das er nicht so sehr K. als uns geborgt hat, das ist meine zweite Sorge und ich will auch nicht, daß E. und der K. Geld verloren geht, das ist meine dritte Sorge. Von meinem Geld und meiner Haftpflicht spreche ich gar nicht. Nun halte ich aber das Ganze durchaus nicht für mehr gefährdet, als bei diesen Zeitumständen alles gefährdet ist. Ich habe natürlich auch vollständiges Vertrauen zu Euch; daß Du im Laufe des letzten 1/2 Jahres an 1500 K wenigstens nach dem Kassabuch entnommen hast, beirrt mich darin nicht im Geringsten, Du hast 400 K nach dem Kassabuch eingezahlt, wirst gewiß auch das übrige zurückzahlen und handelst wahrscheinlich im Sinne Karls. Allerdings wußte ich nichts davon, sondern erfuhr es erst aus dem Buch – es ist dort in der letzten Zeit übrigens kein Datum eingetragen – und war also aus diesem Grunde und weil doch in dieser Zeit die Gebarung der Fabrik besonders empfindlich ist, darüber erstaunt sonst nichts, ich war bloß erstaunt und habe es zur Kenntnis genommen. Damit war die Sache erledigt.

Ich schicke voraus, daß ich der Berichterstattung von Elli nicht vollständig glaube, Du hast sie in große Aufregung gebracht, sie ist überdies jetzt während des Krieges in fortwährender Aufregung und darin verliert sie dann den Überblick. Selbst wenn ich aber vieles von dem was sie erzählt hat, als bloße Phantasie auffasse, so scheint doch genug übrig zu bleiben, um anzunehmen, daß Du sie, nebenbei gesagt hier vor den Mädchen, unerhört behandelt hast. Du hast vergessen daß sie eine Frau ist und daß sie die Frau Deines Bruders ist.

"Sie hat hier aufgelauert und hat Dich dann hergeschickt. " Das ist eine Unwahrheit und eine beleidigende Unwahrheit. Ich glaube, Du hattest und hast die vollständigste Freiheit, die man sich nur ausdenken kann. Du arbeitest gewiß ausgezeichnet, daran habe ich gar keinen Zweifel. Die Sorgen, die ich um die Fabrik habe, sind ganz anderer Art als Deine, sie sind vollständig passiv, aber deshalb nicht weniger schwer. Du trägst die Verantwortung für die Arbeit (und trägst im Grunde nichts anderes als das) ich aber trage die Verantwortung für das Geld. Ich trage die Verantwortung gegenüber dem Vater und dem Onkel. Unterschätze das nicht, wäre es mein Geld, es wäre, glaube mir, kinderleicht für mich, die Sorge zu tragen. Aber ich trage leider bloß die Sorgen, kann aber sonst aus Gründen, die allerdings hauptsächlich in mir liegen nicht selbst eingreifen. Alles was ich tue ist daß ich einmal im Monat herkomme und ein zwei Stunden hier sitze. Das ist an sich sinnlos, schadet und nützt niemandem und ist nur ein vergeblicher Versuch meinem Verantwortlichkeitsgefühl und meinen Sorgen zu entsprechen. Daß Du auch daran etwas auszusetzen findest, ist ebenso lächerlich als anmaßend. Ich bin nicht hergekommen um das Kassabuch anzusehn, das ist unwahr, trotzdem ich berechtigt und verpflichtet gewesen wäre, es zu tun; ich bin vielmehr hergekommen zu dem gleichen selbstsüchtigen Zweck, wie immer, nämlich um mich zu beruhigen; daß Du weg warst, wäre für mich eher eine Veranlassung gewesen, nicht hinzugehn, denn ich will ja eben immer Dich hören. Trotzdem gieng ich her, weil es mir gerade paßte und weil ich auch sehen wollte, ob nicht in Deiner Abwesenheit irgendetwas Wichtiges sich ereignet hat. Daß ich gerade das Kassabuch durchgesehen habe, war Zufall und Zerstreutheit, ich hätte ebensogut beispielsweise die Gummizeitung durchsehn können. Dann fand ich allerdings im Kassabuch einige Posten, die mich begreiflicher Weise interessierten.

Du sollst auch eine abfällige Bemerkung darüber gemacht haben, daß der Vater dafür, daß E. u. die K. bei uns leben, eine Entschädigung annimmt. Was geht Dich denn das an? Wie darfst Du denn darüber urteilen.

30 XI 14 Ich kann nicht mehr weiterschreiben. Ich bin an der endgiltigen Grenze, vor der ich vielleicht wieder Jahre lang sitzen soll, um dann vielleicht wieder eine neue, wieder unfertig bleibende Geschichte anzufangen. Diese Bestimmung verfolgt mich. Ich bin auch wieder kalt und sinnlos, nur die greisenhafte Liebe für die vollständige Ruhe ist geblieben. Und wie irgendein gänzlich vom Menschen losgetrenntes Tier schaukele ich schon wieder den Hals und möchte versuchen für die Zwischenzeit wieder F. zu bekommen. Ich werde es auch wirklich versuchen, falls mich die Übelkeit vor mir selbst nicht daran hindert.

2. (Dezember 1914) Nachmittag bei Werfel mit Max und Pick. "In der Strafkolonie" vorgelesen, nicht ganz unzufrieden, bis auf die überdeutlichen unverwischbaren Fehler. Werfel Gedichte und 2 Akte aus "Esther Kaiserin von Persien". Die Akte fortreißend. Ich lasse mich aber leicht verwirren. Die Aussetzungen und Vergleiche, die Max, der nicht ganz mit dem Stück zufrieden ist, vorbringt, stören mich und ich halte das Stück in der Erinnerung beiweitem nicht mehr so in der Gesamtheit fest, wie während des Zuhörens, als es über mich herfiel. Erinnerung an die Jargonschauspieler. W.’s schöne Schwestern. Die ältere lehnt am Sessel, schaut seitwärts öfters in den Spiegel, zeigt, doch schon genügend von meinen Augen verschlungen, mit einem Finger leicht auf eine Brosche, die mitten auf ihrer Bluse eingesteckt ist. Es ist eine ausgeschnittene dunkelblaue Bluse, der Blusenausschnitt ist mit Tüll gefüllt. Wiederholte Erzählung einer Szene im Teater: Offiziere, die während Kabale und Liebe, häufig untereinander laut die Bemerkung machten: "Speckbacher macht Figur" womit sie einen Offizier meinten, der an der Wand einer Loge lehnte.

Ergebnis des Tages schon vor Werkel: Unbedingt weiterarbeiten, traurig daß es heute nicht möglich ist, denn ich bin müde und habe Kopfschmerzen, hatte sie auch andeutungsweise vormittag im Bureau. Unbedingt weiterarbeiten, es muß möglich sein trotz Schlaflosigkeit und Bureau.

Traum heute nachts. Bei Kaiser Wilhelm. Im Schloß Die schöne Aussicht. Ein Zimmer ähnlich wie im " Tabakskollegium". Zusammenkunft mit Matilde Serao. Leider alles vergessen.

Aus Esther: Die Meisterwerke Gottes furzen einander im Bade an.

5. XII 14

Ein Brief von Erna über die Lage ihrer Familie. Mein Verhältnis zu der Familie bekommt für mich nur dann einen einheitlichen Sinn, wenn ich mich als das Verderben der Familie auffasse. Es ist die einzige organische, alles Erstaunliche glatt überwindende Erklärung, die es gibt. Es ist auch die einzige tätige Verbindung, die augenblicklich von mir aus mit der Familie besteht, denn im übrigen bin ich gefühlsmäßig gänzlich von ihr abgetrennt, allerdings nicht durchgreifender, als vielleicht von der ganzen Welt. (Ein Bild meiner Existenz in dieser Hinsicht gibt eine nutzlose, mit Schnee und Reif überdeckte, schief in den Erdboden leicht eingebohrte Stange auf einem bis in die Tiefe aufgewühlten Feld am Rande einer großen Ebene in einer dunklen Winternacht.) Nur das Verderben wirkt. Ich habe F. unglücklich gemacht, die Widerstandskraft aller, die sie jetzt so benötigen, geschwächt, zum Tode des Vaters beigetragen, F. und E. auseinandergebracht und schließlich auch E. unglücklich gemacht, ein Unglück, das aller Voraussicht nach noch fortschreiten wird. Ich bin davor gespannt und bestimmt es vorwärtszubringen. Meinen letzten Brief an sie, den ich mir abgequält habe, hält sie für ruhig; er "atmet so viel Ruhe" wie sie sich ausdrückt. Hiebei ist es allerdings nicht ausgeschlossen, daß sie sich aus Zartgefühl, aus Schonung, aus Sorge um mich so ausdrückt. Ich bin ja innerhalb des Ganzen genügend bestraft, schon meine Stellung zu der Familie ist Strafe genug, ich habe auch derartig gelitten, daß ich mich davon niemals erholen werde (mein Schlaf, mein Gedächtnis, meine Denkkraft, meine Widerstandskraft gegen die winzigsten Sorgen sind unheilbar geschwächt, sonderbarerweise sind das etwa die gleichen Folgen wie sie lange Gefängnisstrafen nach sich ziehn) aber augenblicklich leide ich wenig durch meine Beziehung zu der Familie, jedenfalls weniger als F. oder E. Etwas Quälendes liegt allerdings darin, daß ich jetzt mit E. eine Weihnachtsreise machen soll, während F. etwa in Berlin bleibt.

8 XII 14 Gestern zum erstenmal seit längerer Zeit in zweifelloser Fähigkeit zu guter Arbeit. Und doch nur die erste Seite des Mutterkapitels geschrieben, da ich schon zwei Nächte fast gar nicht geschlafen hatte, da sich schon am Morgen Kopfschmerzen gezeigt hatten und da ich vor dem nächsten Tag allzugroße Angst hatte. Wieder eingesehn, daß alles bruchstückweise und nicht im Laufe des größten Teiles der Nacht (oder gar in ihrer Gänze) Niedergeschriebene minderwertig ist und daß ich zu diesem Minderwertigen durch meine Lebensverhältnisse verurteilt bin.

9 XII 14 Mit Emil Kafka aus Chicago beisammen. Er ist fast rührend. Beschreibung seines ruhigen Lebens. Von 8 – 1/2 6 im Warenhaus. Durchsicht der Versendungen in der Wirkwarenabteilung. 15 Dollars wöchentlich. 14 Tage Urlaub, davon 1 Woche mit Gehalt, nach 5 Jahren die ganzen 14 Tage Gehalt. Eine Zeitlang, als in der Wirkwarenabteilung wenig zu tun war, hat er in der Fahrräderabteilung ausgeholfen. 300 Räder pro Tag werden verkauft. Ein Engrosgeschäft mit 10000 Angestellten. Anwerbung der Kunden geschieht nur durch Katalogversendung. Die Amerikaner wechseln gerne die Posten, im Sommer drängen sie sich überhaupt nicht sehr zur Arbeit, er aber wechselt nicht gern, er sieht nicht den Vorteil dessen ein, man verliert dabei Zeit und Geld. Er war bisher in 2 Posten in jedem 5 Jahre und wird, wenn er zurückkommt – er hat unbeschränkten Urlaub – wieder in den gleichen Posten eintreten, man kann ihn immer brauchen, allerdings auch immer entbehren. Abends ist er meistens zuhause, eine Skatpartie mit Bekannten; zur Zerstreuung einmal eine Stunde im Kino, im Sommer ein Spaziergang, Sonntag eine Fahrt auf dem See. Vor dem Heiraten hütet er sich, trotzdem er schon 34 Jahre alt ist, denn die Amerikanerinnen heiraten oft nur, um sich scheiden zu lassen, was für sie sehr einfach, für den Mann aber sehr teuer ist.

13 XII 14 Statt zu arbeiten – ich habe nur eine Seite geschrieben (Exegese der Legende) – in fertigen Kapiteln gelesen und sie zum Teil gut gefunden. Immer im Bewußtsein, daß jedes Zufriedenheits- und Glücksgefühl, wie ich es z. B. besonders der Legende gegenüber habe, bezahlt werden muß undzwar um niemals Erholung zu gönnen im Nachhinein bezahlt werden muß.

Letzthin bei Felix. Eindruck eines großen Unglücks. Wie er sich fiebernd, mit trocken an einander sich reibenden Lippen in die Pölster vergräbt. Das was ich an der Frau schwer tragen würde scheint er verhältnismäßig leicht zu tragen, aber anderes schwer. Auf dem Nachhauseweg sagte ich Max, daß ich auf dem Sterbebett vorausgesetzt daß die Schmerzen nicht zu groß sind, sehr zufrieden sein werde. Ich vergaß hinzuzufügen und habe es später mit Absicht unterlassen, daß das Beste was ich geschrieben habe, in dieser Fähigkeit zufrieden sterben zu können, seinen Grund hat. An allen diesen guten und stark überzeugenden Stellen handelt es sich immer darum, daß jemand stirbt, daß es ihm sehr schwer wird, daß darin für ihn ein Unrecht und wenigstens eine Härte liegt und daß das für den Leser wenigstens meiner Meinung nach rührend wird. Für mich aber, der ich glaube auf dem Sterbebett zufrieden sein zu können, sind solche Schilderungen im geheimen ein Spiel, ich freue mich ja in dem Sterbenden zu sterben, nütze daher mit Berechnung die auf den Tod gesammelte Aufmerksamkeit des Lesers aus, bin bei viel klarerem Verstande als er, von dem ich annehme, daß er auf dem Sterbebett klagen wird, und meine Klage ist daher möglichst vollkommen, bricht auch nicht etwa plötzlich ab wie wirkliche Klage, sondern verläuft schön und rein. Es ist so, wie ich der Mutter gegenüber immer über Leiden mich beklagte, die beiweitem nicht so groß waren wie die Klage glauben ließ. Gegenüber der Mutter brauchte ich allerdings nicht soviel Kunstaufwand wie gegenüber dem Leser.

14. (Dezember 1914) Jämmerliches Vorwärtskriechen der Arbeit, vielleicht an ihrer wichtigsten Stelle dort wo eine gute Nacht so notwendig wäre.

Bei Baum am Nachmittag. Er gibt Klavierstunde einem kleinen bleichen Mädchen mit Brille. Der Junge sitzt still im Halbdunkel der Küche und spielt nachlässig mit irgendeinem unkenntlichen Gegenstand. Eindruck großen Behagens. Besonders gegenüber der Hantierung des großen Stubenmädchens, das in einem Kübel Geschirr wäscht.

15 (Dezember 1914) Gar nichts gearbeitet. Jetzt zwei Stunden für das Bureau Einreihungen von Betrieben durchgesehn. Nachmittag bei Baum. Er war ein wenig verletzend und roh. Ödes Gespräch infolge meiner Schwäche, Gedankenlosigkeit, Schwerfälligkeit und fast Dummheit; war ihm in jeder Hinsicht unterlegen, habe schon lange nicht ganz allein mit ihm gesprochen, war glücklich wieder allein zu sein. Das Glück auf dem Kanapee ohne Kopfschmerzen im stillen Zimmer zu liegen, das menschenwürdige ruhige Atmen.

Die Niederlagen in Serbien, die sinnlose Führung.

19. (Dezember 1914) Gestern den "Dorfschullehrer" fast bewußtlos geschrieben, fürchtete mich aber länger als % 2 zu schreiben, die Furcht war begründet, ich schlief fast gar nicht, machte nur etwa 3 kurze Träume durch und war dann im Bureau in entsprechendem Zustand. Gestern die Vorwürfe des Vaters wegen der Fabrik: "Du hast mich hineingetanzt. " Gieng dann nachhause und schrieb ruhig 3 Stunden, im Bewußtsein dessen, daß meine Schuld zweifellos ist, wenn auch nicht so groß, wie sie der Vater darstellt. Gieng heute Samstag nicht zum Nachtmahl, teils aus Furcht vor dem Vater, teils um die Nacht für die Arbeit ganz auszunützen, ich schrieb aber nur eine und nicht sehr gute Seite.

Anfang jeder Novelle zunächst lächerlich. Es scheint hoffnungslos, daß dieser neue noch unfertige überall empfindliche Organismus in der fertigen Organisation der Welt sich wird erhalten können, die wie jede fertige Organisation danach strebt sich abzuschließen. Allerdings vergißt man hiebei, daß die Novelle falls sie berechtigt ist, ihre fertige Organisation in sich trägt, auch wenn sie sich noch nicht ganz entfaltet hat; darum ist die Verzweiflung in dieser Hinsicht vor dem Anfang einer Novelle unberechtigt; ebenso müßten Eltern vor dem Säugling verzweifeln, denn dieses elende und besonders lächerliche Wesen hatten sie nicht auf die Welt bringen wollen. Allerdings weiß man niemals, ob die Verzweiflung die man fühlt die berechtigte oder die unberechtigte ist. Aber einen gewissen Halt kann diese Überlegung geben, das Fehlen dieser Erfahrung hat mir schon geschadet.

20. (Dezember 1914) Maxens Einwand gegen Dostojewski, daß er zuviel geistig Kranke auftreten läßt. Vollständig unrichtig. Es sind nicht geistig Kranke. Die Krankheitsbezeichnung ist nichts als ein Charakterisierungsmittel und zwar ein sehr zartes und sehr ergiebiges. Man muß z. B. einer Person nur immer mit größter Hartnäckigkeit nachsagen, daß sie einfältig und idiotisch ist und sie wird wenn sie Dostojewskischen Kern in sich hat förmlich zu ihren Höchstleistungen aufgestachelt. Seine Charakterisierungen haben in dieser Hinsicht etwa die Bedeutung, wie Schimpfworte unter Freunden. Sagen sie einander Du bist ein Dummkopf so meinen sie nicht, daß der andere ein wirklicher Dummkopf ist und sie sich durch diese Freundschaft entwürdigt haben, sondern es liegt darin meistens, wenn es nicht bloß Scherz ist, aber selbst dann, eine unendliche Mischung von Absichten. So ist z. B. der Karamasov’sche Vater durchaus kein Narr, sondern ein sehr kluger, fast Iwan ebenbürtiger, allerdings böser Mann und viel klüger jedenfalls als beispielsweise sein vom Erzähler unangefochtener Vetter oder Neffe, der Gutsbesitzer, der sich ihm gegenüber so erhaben fühlt.

23. XII (1914) Paar Seiten "Londoner Nebel" aus Herzen gelesen. Wußte gar nicht um was es sich handelt und doch tritt der ganze unbekannte Mensch heraus, entschlossen, selbstquälerisch, sich beherrschend und wieder vergehend

26. (Dezember 1914) In Kuttenberg mit Max und Frau. Wie habe ich mit den vier freien Tagen gerechnet, wie viel Stunden über ihre richtige Verwendung nachgedacht und mich jetzt doch vielleicht verrechnet. Heute abend fast nichts geschrieben und vielleicht nicht mehr imstande den Dorfschullehrer fortzusetzen, an dem ich jetzt eine Woche arbeitete und den ich gewiß in 3 freien Nächten rein und ohne äußerliche Fehler fertiggebracht hätte, jetzt hat er trotzdem er noch fast am Anfang ist, schon zwei unheilbare Fehler in sich und ist außerdem verkümmert. – Neue Tageseinteilung von jetzt ab! Noch besser die Zeit ausnützen! Klage ich hier, um hier Erhörung zu finden? Aus diesem Heft wird sie nicht kommen, sie wird kommen, wenn ich im Bett bin, und wird mich auf den Rücken legen, so daß ich schön und leicht und bläulich-weiß liege, eine andere Erlösung wird nicht kommen.

Hotel in Kuttenberg. Morawetz, betrunkener Hausknecht, kleiner überdeckter Hof mit Oberlicht. Der Soldat der dunkel umschrieben am Geländer im ersten Stock des Hofgebäudes lehnt. Das Zimmer das man mir anbietet, das Fenster geht auf einen dunklen fensterlosen Korridor. Rotes Kanapee, Kerzenlicht. Jakobskirche, die frommen Soldaten, die Mädchenstimme im Chor

27 (Dezember 1914)

Ein Kaufmann war vom Unglück sehr verfolgt. Er trug es lange, aber schließlich glaubte er es nicht mehr ertragen zu können und gieng zu einem Gesetzeskundigen. Er wollte ihn um Rat bitten und erfahren, was er tun solle, um das Unglück abzuwehren oder um sich zum Ertragen des Unglücks fähig zu machen. Dieser Gesetzeskundige hatte vor sich immer die Schrift aufgeschlagen und studierte in ihr, er hatte die Gewohnheit, jeden der um Rat kam, mit den Worten zu empfangen: "Gerade lese ich von Deinem Fall" hiebei zeigte er mit dem Finger auf eine Stelle der vor ihm liegenden Seite. Dem Kaufmann, der auch von dieser Gewohnheit gehört hatte, gefiel sie nicht, zwar sprach sich der Gesetzeskundige dadurch sofort die Möglichkeit zu, dem Bittsteller zu helfen und nahm diesem die Furcht von einem im Dunkel wirkenden, niemandem mit teilbaren, von niemandem mitzufühlenden Leid getroffen zu sein, aber die Unglaubwürdigkeit der Behauptung war doch zu groß und sie hatte den Kaufmann sogar davon abgehalten, schon früher zu diesem Gesetzeskundigen zu gehn. Noch jetzt trat er zögernd bei ihm ein.

31 XII 14 Seit August gearbeitet, im allgemeinen nicht wenig und nicht schlecht, aber weder in ersterer noch in letzterer Hinsicht bis an die Grenzen meiner Fähigkeit, wie es hätte sein müssen, besonders da meine Fähigkeit aller Voraussicht nach (Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Herzschwäche) nicht mehr lange andauern wird. Geschrieben an Unfertigem: Der Proceß, Erinnerungen an die Kaldabahn, Der Dorfschullehrer, Der Unterstaatsanwalt und kleinere Anfänge. An Fertigem nur: In der Strafkolonie und ein Kapitel des Verschollenen, beides während des 14 tägigen Urlaubs. Ich weiß nicht, warum ich diese Übersicht mache, es entspricht mir gar nicht.

4 I 15 Großer Lust eine neue Geschichte anzufangen nicht nachgegeben. Es ist alles nutzlos. Kann ich die Geschichten nicht durch die Nächte jagen, brechen sie aus und verlaufen sich, so auch jetzt "Der Unterstaatsanwalt". Und morgen gehe ich in die Fabrik, werde nach dem Einrücken Pauls vielleicht jeden Nachmittag hingehn müssen. Damit hört alles auf. Die Gedanken an die Fabrik sind mein dauernder Versöhnungstag.

6 I 15 Dorfschullehrer und Unterstaatsanwalt vorläufig aufgegeben. Aber auch fast unfähig den Proceß fortzusetzen. Gedanken an die Lembergerin. Versprechungen irgendeines Glückes, ähnlich den Hoffnungen auf ein ewiges Leben. Von einer gewissen Entfernung aus gesehn, halten sie stand und man wagt sich nicht näher.

17. I 15 Gestern zum erstenmal in der Fabrik Briefe diktiert. Wertlose Arbeit (1 Stunde) aber nicht ohne Befriedigung. Schrecklicher Nachmittag vorher. Kopfschmerzen immerfort, so daß ich die Hand ununterbrochen zur Beruhigung am Kopf halten mußte (Zustand im Cafe Arco) und Herzschmerzen zuhause auf dem Kanapee.

Ottlas Brief an Erna gelesen: Als hätte es mein Affe geschrieben. Ich habe sie wirklich unterdrückt undzwar rücksichtslos aus Nachlässigkeit und aus Unfähigkeit. Darin hat F. recht. Glücklicherweise ist O. so kräftig, daß sie sich allein in einer fremden Stadt sofort von mir erholen würde. Wieviele ihrer Fähigkeiten zum Verkehr mit Menschen sind durch meine Schuld unausgenützt. Sie schreibt sie habe sich in Berlin unglücklich gefühlt. Unwahr!

Eingesehn, daß ich die Zeit seit August durchaus nicht genügend ausgenützt habe. Die fortwährenden Versuche durch viel Schlaf am Nachmittag die Fortsetzung der Arbeit bis tief in die Nacht zu ermöglichen, waren sinnlos, denn ich konnte doch schon nach den ersten 14 Tagen sehn, daß es mir meine Nerven nicht erlauben nach 1 Uhr schlafen zu gehn, denn dann schlafe ich überhaupt nicht mehr ein, der nächste Tag ist unerträglich und ich zerstöre mich. Ich bin also nachmittag zulange gelegen, habe in der Nacht aber selten über 1 Uhr gearbeitet, immer aber frühestens gegen 11 Uhr angefangen. Das war falsch. Ich muß um 8 oder 9 Uhr anfangen, die Nacht ist gewiß die beste Zeit (Urlaub!) aber sie ist mir unzugänglich.

Samstag werde ich F. sehn. Wenn sie mich liebt, verdiene ich es nicht. Ich glaube heute einzusehn, wie eng meine Grenzen sind, in allem und infolgedessen auch im Schreiben. Wenn man seine Grenzen sehr intensiv erkennt, muß man zersprengt werden. Es ist wohl Ottlas Brief, der mir das zu Bewußtsein gebracht hat. Ich war sehr selbstzufrieden in der letzten Zeit und hatte viele Einwände zu meiner Verteidigung und Selbstbehauptung gegen F. Schade daß ich keine Zeit hatte sie aufzuschreiben, heute könnte ich es nicht.

Strindberg "Schwarze Fahnen". Über Einfluß aus der Ferne: Du hast sicher gefühlt, wie andere Dein Benehmen mißbilligt haben, ohne daß sie diese Mißbilligung äußerten. Du hast ein stilles Behagen an der Einsamkeit empfunden ohne Dir klar gemacht zu haben warum; jemand in der Ferne hat gut von Dir gedacht, gut über Dich gesprochen

18. (Januar 1915) In der Fabrik bis 1/2 7 in gleicher Weise nutzlos gearbeitet, gelesen, diktiert, angehört, geschrieben. Gleiche sinnlose Befriedigung danach. Kopfschmerzen, schlecht geschlafen. Unfähig zu längerer koncentrierter Arbeit. Auch zu wenig im Freien gewesen. Trotzdem eine neue Geschichte angefangen, die alten fürchtete ich mich zu verderben. Nun stehen vor mir 4 oder 5 Geschichten aufgerichtet wie die Pferde vor dem Cirkusdirektor Schumann bei Beginn der Produktion.

19. (Januar 1915) Ich werde solange ich in die Fabrik gehen muß nichts schreiben können. Ich glaube es ist eine besondere Unfähigkeit zu arbeiten die ich jetzt fühle, ähnlich jener, als ich in der Generali angestellt war. Die unmittelbare Nähe des Erwerbslebens benimmt mir trotzdem ich innerlich so unbeteiligt bin, als es nur möglich ist, jeden Überblick so als wäre ich in einem Hohlweg, in dem ich überdies noch den Kopf senke. In der Zeitung steht heute z. B. eine Äußerung von zuständiger schwedischer Stelle, nach welcher trotz der Drohungen des Dreiverbandes die Neutralität unbedingt gewahrt werden soll. Zum Schluß heißt es: Die Dreiverbändler werden in Stockholm auf Granit beißen. Heute nehme ich es fast vollständig so hin, wie es gemeint ist. Vor 3 Tagen hätte ich bis in den Grund gefühlt, daß hier ein Stockholmer Gespenst spricht, daß "Drohungen des Dreiverbandes" "Neutralität" "zuständige schwedische Stelle" nur in bestimmte Form zusammengeballte Gebilde aus Luft sind, die man nur mit dem Auge genießen, niemals aber mit dem Finger ertasten kann.

Ich hatte mit zwei Freunden einen Ausflug für den Sonntag vereinbart, verschlief aber gänzlich unerwarteter Weise die Stunde der Zusammenkunft. Meine Freunde, die meine sonstige Pünktlichkeit kannten, staunten darüber, giengen zu dem Haus in dem ich wohnte, standen auch dort noch eine Zeitlang, giengen dann die Treppe hinauf und klopften an meiner Tür. Ich erschrak sehr, sprang aus dem Bett und achtete auf nichts anderes, als darauf mich möglichst rasch bereitzumachen. Als ich dann vollständig angezogen aus der Türe trat, wichen meine Freunde offenbar erschrocken vor mir zurück. "Was hast Du hinter dem Kopf" riefen sie. Ich hatte schon seit dem Erwachen irgendetwas gefühlt, das mich hinderte den Kopf zurückzuneigen und tastete nun mit der Hand nach diesem Hindernis. Gerade riefen die Freunde, die sich schon ein wenig gesammelt hatten "Sei vorsichtig, verletze Dich nicht" als ich hinter meinem Kopf den Griff eines Schwertes erfaßte. Die Freunde kamen näher, untersuchten mich, führten mich ins Zimmer vor den Schrankspiegel und entkleideten meinen Oberkörper. Ein großes altes Ritterschwert mit kreuzartigem Griff steckte in meinem Rücken bis zum Heft, aber in der Weise, daß sich die Klinge unbegreiflich genau zwischen Haut und Fleisch geschoben und keine Verletzung herbeigeführt hatte. Aber auch an der Stelle des Einstoßes am Halse war keine Wunde, die Freunde versicherten, daß sich dort völlig blutleer und trocken der für die Klinge notwendige Spalt geöffnet habe. Und als jetzt die Freunde auf Sessel stiegen und langsam millimeterweise das Schwert hervorzogen, kam kein Blut nach und die offene Stelle am Halse schloß sich bis auf einen kaum merklichen Spalt. "Hier hast Du Dein Schwert" sagten die Freunde lachend und reichten es mir. Ich wog es in beiden Händen, es war eine kostbare Waffe, Kreuzfahrer konnten sie wohl benützt haben. Wer duldete es, daß sich alte Ritter in den Träumen herumtrieben, verantwortungslos mit ihren Schwertern fuchtelten, unschuldigen Schläfern sie einbohrten und nur deshalb nicht schwere Wunden beibrachten, weil ihre Waffen zunächst wahrscheinlich an lebenden Körpern abgleiten und weil auch treue Freunde hinter der Tür stehn und hilfsbereit klopfen.

20 (Januar 1915) Ende des Schreibens. Wann wird es mich wieder aufnehmen? In welchem schlechten Zustand komme ich mit F. zusammen! Die mit Aufgabe des Schreibens sofort eintretende Schwerfälligkeit des Denkens, Unfähigkeit mich für die Zusammenkunft vorzubereiten, während ich vorige Woche wichtige Gedanken dafür kaum abschütteln konnte. Möge ich den einzig hiebei denkbaren Gewinn genießen: bessern Schlaf.

Schwarze Fahnen. Wie schlecht ich auch lese. Und wie ich mich bösartig und schwächlich beobachte. Eindringen kann ich scheinbar in die Welt nicht, aber ruhig liegen, empfangen, das Empfangene in mir ausbreiten und dann ruhig vortreten.

24 (Januar 1915) Mit F. in Bodenbach. Ich glaube es ist unmöglich daß wir uns jemals vereinigen, wage es aber weder ihr noch im entscheidenden Augenblick mir zu sagen. So habe ich sie wieder vertröstet, unsinniger Weise, denn jeder Tag macht mich älter und verknöcherter. Es kommen die alten Kopfschmerzen zurück wenn ich es zu fassen versuche, daß sie gleichzeitig leidet und gleichzeitig ruhig und fröhlich ist. Durch viel Schreiben dürfen wir einander nicht wieder quälen, am besten diese Zusammenkunft als etwas Vereinzeltes übergehn; oder glaube ich vielleicht daran, daß ich mich hier frei machen, vom Schreiben leben, ins Ausland oder sonstwohin fahren und dort mit F. heimlich leben werde. Wir haben uns ja auch sonst ganz unverändert gefunden. Jeder sagt es sich im Stillen, daß der andere unerschütterlich und erbarmungslos ist. Ich lasse nichts nach von meiner Forderung nach einem phantastischen nur für meine Arbeit berechnetem Leben, sie will stumpf gegen alle stummen Bitten das Mittelmaß, die behagliche Wohnung, Interesse für die Fabrik, reichliches Essen, Schlaf von 11 Uhr abends an, geheiztes Zimmer, stellt meine Uhr, die seit einem 1/4 Jahr um 1 1/2 Stunden vorausgeht, auf die wirkliche Minute ein. Und sie behält Recht und würde weiterhin Recht behalten, sie hat Recht, wenn sie mich zurechtweist als ich dem Kellner sage: Bringen Sie die Zeitung, bis sie ausgelesen ist und ich kann nichts richtigstellen, als sie von der "persönlichen Note" (es läßt sich nicht anders als knarrend aussprechen) der erwünschten Wohnungseinrichtung spricht. Sie nennt meine zwei ältern Schwestern "flach", nach der jüngsten fragt sie gar nicht, für meine Arbeit hat sie fast keine Frage und keinen sichtbaren Sinn. Das ist die eine Seite.

Ich aber bin unfahig und öde wie immer und sollte eigentlich keine Zeit haben um über etwas anderes nachzudenken, als über die Frage, wieso es kommt, daß jemand auch nur Lust hat, mit dem kleinen Finger nach mir zu tasten. Kurz hintereinander habe ich 3erlei Menschen mit diesem kalten Atem angeblasen. Die Hellerauer, die Familie Riedl in Bodenbach und F. F. sagte: "Wie brav wir hier beisammen sind." Ich schwieg, als hätte während dieses Ausrufes mein Gehör ausgesetzt. Zwei Stunden waren wir allein im Zimmer. Um mich herum nur Langeweile und Trostlosigkeit. Wir haben mit einander noch keinen einzigen guten Augenblick gehabt, während dessen ich frei geatmet hätte. Das Süße des Verhältnisses zu einer geliebten Frau wie in Zuckmantel und Riva hatte ich F. gegenüber außer in Briefen nie, nur grenzenlose Bewunderung, Unterthänigkeit, Mitleid, Verzweiflung und Selbstverachtung. Ich habe ihr auch vorgelesen, widerlich giengen die Sätze durcheinander, keine Verbindung mit der Zuhörerin, die mit geschlossenen Augen auf dem Kanapee lag und es stumm aufnahm. Eine laue Bitte ein Manuscript mitnehmen und abschreiben zu dürfen. Bei der Türhütergeschichte größere Aufmerksamkeit und gute Beobachtung. Mir gieng die Bedeutung der Geschichte erst auf, auch sie erfaßte sie richtig, dann allerdings fuhren wir mit groben Bemerkungen in sie hinein, ich machte den Anfang.

Die für andere Menschen gewiß unglaublichen Schwierigkeiten, die ich beim Reden habe, haben darin ihren Grund, daß mein Denken oder besser mein Bewußtseinsinhalt ganz nebelhaft ist, daß ich darin soweit es nur auf mich ankommt, ungestört und manchmal selbstzufrieden ruhe, daß aber ein menschliches Gespräch Zuspitzung, Festigung und dauernden Zusammenhang braucht, Dinge, die es in mir nicht gibt. In Nebelwolken wird niemand mit mir liegen wollen und selbst wenn er das wollte, so kann ich den Nebel nicht aus der Stirn hervortreiben, zwischen zwei Menschen zergeht er und ist nichts.

F. macht den großen Umweg nach Bodenbach, hat die Mühe sich den Paß zu beschaffen, muß mich nach einer durchwachten Nacht erdulden, gar noch eine Vorlesung anhören und alles sinnlos. Ob sie es als solches Leid fühlt, wie ich. Gewiß nicht, selbst gleiche Empfindlichkeit vorausgesetzt. Sie hat doch kein Schuldgefühl.

Meine Feststellung war richtig und wurde als richtig anerkannt: Jeder liebt den andern, so wie dieser andere ist. Aber so wie er ist, glaubt er mit ihm nicht leben zu können.

Diese Gruppe: Dr. Weiß sucht mich zu überzeugen, daß F. hassenswert ist, F. sucht.mich zu überzeugen, daß W. hassenswert ist. Ich glaube beiden und liebe beide oder strebe danach.

29. (Januar 1915) wieder zu schreiben versucht, fast nutzlos. Letzte zwei Tage bald schlafen gegangen, um 10 Uhr, wie schon seit langer Zeit nicht, freies Gefühl während des Tages, halbe Zufriedenheit, erhöhte Brauchbarkeit im Bureau, Möglichkeit mit Menschen zu reden. – Jetzt starke Knieschmerzen.

30. (Januar 1915) Die alte Unfähigkeit. Kaum 10 Tage lang das Schreiben unterbrochen und schon ausgeworfen. Wieder stehn die großen Anstrengungen bevor. Es ist notwendig förmlich unterzutauchen und schneller zu sinken als das vor einem versinkende.

7. (Februar 1915) Vollständige Stockung. Endlose Quälereien.

Bei einem gewissen Stande der Selbsterkenntnis und bei sonstigen für die Beobachtung günstigen Begleitumständen wird es regelmäßig geschehn müssen, daß man sich abscheulich findet. Jeder Maßstab des Guten – mögen die Meinungen darüber noch so verschieden sein – wird zu groß erscheinen. Man wird einsehn, daß man nichts anderes ist als ein Rattenloch elender Hintergedanken. Nicht die geringste Handlung wird von diesen Hintergedanken frei sein. Diese Hintergedanken werden so schmutzig sein, daß man sie im Zustand der Selbstbeobachtung zunächst nicht einmal wird durchdenken wollen, sondern sich von der Ferne mit ihrem Anblick begnügen wird. Es wird sich bei diesen Hintergedanken nicht etwa bloß um Eigennützigkeit handeln, Eigennützigkeit wird ihnen gegenüber als ein Ideal des Guten und Schönen erscheinen. Der Schmutz, den man finden wird, wird um seiner selbst willen da sein, man wird erkennen, daß man triefend von dieser Belastung auf die Welt gekommen ist und durch sie unkenntlich oder allzu gut erkennbar wieder abgehn wird. Dieser Schmutz wird der unterste Boden sein, den man finden wird, der unterste Boden wird nicht etwa Lava enthalten, sondern Schmutz. Er wird das unterste und das oberste sein und selbst die Zweifel der Selbstbeobachtung werden bald so schwach und selbstgefallig werden, wie das Schaukeln eines Schweines in der Jauche.

9. II 15 Gestern und heute ein wenig geschrieben. Hundegeschichte.

Jetzt den Anfang gelesen. Es ist häßlich und verursacht Kopfschmerzen. Es ist trotz aller Wahrheit böse, pedantisch, mechanisch, auf einer Sandbank ein noch knapp atmender Fisch. Ich schreibe Bouvard und Pecuchet sehr frühzeitig. Wenn sich die beiden Elemente – am ausgeprägtesten im "Heizer" und "Strafkolonie" – nicht vereinigen, bin ich am Ende. Ist aber für diese Vereinigung Aussicht vorhanden?

Endlich ein Zimmer aufgenommen. Im gleichen Haus in der Bilekgasse.

10 II (1915) Erster Abend. Der Nachbar unterhält sich stundenlang mit der Wirtin. Beide sprechen leise, die Wirtin fast unhörbar, desto ärger. Das seit 2 Tagen in Gang gekommene Schreiben unterbrochen, wer weiß, für wie lange Zeit. Reine Verzweiflung. Ist es so in jeder Wohnung? Erwartet mich eine solche lächerliche und unbedingt tötliche Not bei jeder Vermieterin, in jeder Stadt? Die zwei Zimmer meines Klassenvorstandes im Kloster. Es ist aber unsinnig sofort zu verzweifeln, lieber Mittel suchen, so sehr – nein es ist meinem Charakter nicht entgegen, etwas zähes Judentum ist noch in mir, nur hilft es meistens auf der Gegenseite.

14. (Februar 1915) Die unendliche Anziehungskraft Rußlands. Besser als die Troika Dost. erfaßt es das Bild eines großen unübersehbaren Stromes mit gelblichem Wasser, das überall Wellen aber nicht allzuhohe Wellen wirft. Wüste zerzauste Heide an den Ufern, geknickte Gräser. Nichts erfaßt das, verlöscht vielmehr alles.

Saint Simonismus

15 II 15 Alles stockt. Schlechte unregelmäßige Zeiteinteilung. Die Wohnung verdirbt mir alles. Heute wieder die Französischstunde der Haustochter angehört.

16 II 15 Finde mich nicht zurecht. Als sei mir alles entlaufen, was ich besessen habe und als würde es mir kaum genügen, wenn es zurückkäme.

22 II 15 Unfähigkeit in jeder Hinsicht und vollständig.

25. II (1915) Nach tagelangen ununterbrochenen Kopfschmerzen endlich ein wenig freier und zuversichtlicher. Wäre ich ein Fremder der mich und den Verlauf meines Lebens beobachtet, müßte ich sagen, daß alles in Nutzlosigkeit enden muß, verbraucht in unaufhörlichem Zweifel, schöpferisch nur in Selbstquälerei. Als Beteiligter aber hoffe ich.

1. III 15 Mit großer Mühe nach wochenlanger Vorbereitung und Angst gekündigt, nicht ganz mit Grund, es ist ja ruhig genug, ich habe bloß noch nicht gut gearbeitet und deshalb weder die Ruhe noch die Unruhe genügend ausgeprobt. Gekündigt habe ich vielmehr aus eigener Unruhe. Ich will mich quälen, will meinen Zustand immerfort verändern, glaube zu ahnen, daß in der Veränderung meine Rettung liegt und glaube weiter, daß ich durch solche kleine Veränderungen, die andere im Halbschlaf, ich aber unter Aufregung aller Verstandeskräfte mache, mich auf die große Veränderung, die ich wahrscheinlich brauche, vorbereiten kann. Ich tausche gewiß eine in vielem schlechtere Wohnung ein. Immerhin ist heute der erste (oder zweite Tag) an dem ich, wenn ich nicht sehr starke Kopfschmerzen hätte, recht gut hätte arbeiten können. Habe eine Seite rasch hingeschrieben.

11 III 15 Wie die Zeit hingeht, schon wieder zehn Tage und ich erreiche nichts. Ich dringe nicht durch. Eine Seite gelingt hie und da, aber ich kann mich nicht halten, am nächsten Tag bin ich machtlos.

Ost- und Westjuden, ein Abend. Die Verachtung der Ostjuden für die hiesigen Juden. Die Berechtigung dieser Verachtung. Wie die Ostjuden den Grund dieser Verachtung kennen, die Westjuden aber nicht. Z. B. die grauenhafte alle Lächerlichkeit übersteigende Auffassung, mit der die Mutter ihnen beizukommen sucht. Selbst Max, das Ungenügende Schwächliche seiner Rede, Rockaufknöpfen, Rockzuknöpfen. Und hier ist doch guter und bester Wille. Dagegen ein gewisser Wiesenfeld, zugeknöpft in ein elendes Röckchen, einen Kragen, der nicht mehr schmutziger werden kann als Festkragen angezogen, schmettert Ja und Nein, Ja und Nein. Ein teuflisches unangenehmes Lächeln um den Mund, Falten im jungen Gesicht, Bewegungen der Arme, wild und verlegen. Der Beste aber der Kleine, der ganz aus Schulung besteht, mit spitzer, keiner Steigerung fähiger Stimme, die eine Hand in der Hosentasche, mit der andern gegen die Zuhörer bohrend unaufhörlich fragt und gleich das zu Beweisende beweist. Stimme eines Kanarienvogels. Füllt mit dem Filigran der Rede bis zu Qual eingebrannte labyrintartige Rinnen aus. Werfen des Kopfes. Ich wie aus Holz, ein in die Mitte des Saales geschobener Kleiderhalter. Und doch Hoffnung.

13. (März 1915) Ein Abend: Um 6 Uhr auf das Kanapee gelegt. Etwa bis 8 Uhr geschlafen. Unfähig gewesen aufzustehn, auf einen Uhrenschlag gewartet und im Dusel alles überhört. Um 9 Uhr aufgestanden. Nicht mehr nachhause zum Nachtmahl gegangen, auch nicht zu Max, wo heute ein gemeinsamer Abend war. Gründe: die vielen Sperrsechser, Appetitlosigkeit, Angst vor der Rückkehr spät am Abend, vor allem aber der Gedanke daran, daß ich gestern nichts geschrieben habe, mich immer mehr davon entferne und in Gefahr bin, alles im letzten 1/2 Jahr mühselig erworbene zu verlieren. Den Beweis dafür geliefert, indem ich 1 1/2 elende Seiten einer neuen und schon endgiltig verworfenen Geschichte schrieb und dann in einer gewiß vom Zustand des lustlosen Magens mitverschuldeten Verzweiflung Herzen las, um mich irgendwie von ihm weiterführen zu lassen. Glück seines ersten Ehejahres, Entsetzen mich in ein solches Glück gestellt zu sehn, das große Leben in seinen Kreisen, Belinski, Bakunin tagelang im Pelz auf dem Bett.

Manchmal das Gefühl fast zerreißenden Unglücklichseins und gleichzeitig die Überzeugung der Notwendigkeit dessen und eines durch jedes Anziehen des Unglücks erarbeiteten Zieles, (jetzt beeinflußt durch die Erinnerung an Herzen, geschieht mir aber auch sonst)

14. (März 1915) Ein Vormittag: bis 1/2 12 im Bett. Durcheinander von Gedanken das sich langsam bildet und in unglaubwürdiger Weise festigt. Nachmittag gelesen (Gogol, Aufsatz über Lyrik) abend Spaziergang zum Teil mit den haltbaren aber nicht vertrauenswürdigen Gedanken vom Vormittag. In den Chotekanlagen gesessen. Schönster Ort in Prag. Vögel sangen, das Schloß mit der Galerie, die alten Bäume mit vorjährigem Laub behängt, das Halbdunkel. Später kam Ottla mit D.

17. (März 1915) Von Lärm verfolgt. Ein schönes viel freundlicheres Zimmer als das in der Bilekgasse. Ich bin von der Aussicht so abhängig, die ist hier schön, die Teinkirche. Aber großer Lärm der Wagen unten, an den ich mich aber schon gewöhne. Unmöglich aber mich an den Lärm am Nachmittag zu gewöhnen. Von Zeit zu Zeit ein Krach in der Küche oder am Gang. Über mir auf dem Boden gestern ewiges Rollen einer Kugel wie beim Kegeln unverständlicher Zweck, dann unten auch Klavier. Abend gestern verhältnismäßige Stille, ein wenig aussichtsvoll gearbeitet (Unterstaatsanwalt) heute mit Lust angefangen, plötzlich nebenan oder unter mir Unterhaltung einer Gesellschaft, so laut und wechselnd als umschwebe sie mich. Ein wenig mit dem Lärm gekämpft, dann mit förmlich zerrissenen Nerven auf dem Kanapee gelegen, nach 10 Uhr Stille, kann aber nicht mehr arbeiten.

23. III 15 Unfahig eine Zeile zu schreiben. Das Wohlbehagen mit dem ich gestern in den Chotekschen Anlagen und heute auf dem Karlsplatz mit Strindberg "Am offenen Meer" gesessen bin. Das Wohlbehagen heute im Zimmer. Hohl wie eine Muschel am Strand, bereit durch einen Fußtritt zermalmt zu werden

25 (März 1915) Gestern Maxens Vortrag "Religion und Nation". Talmudcitate. Ostjuden. Die Lembergerin. Der Westjude der sich den Chassidim assimiliert hat, der Wattestöpsel im Ohr. Steidler, ein Socialist, langes glänzendes scharf geschnittenes Haar. Die Art wie die Ostjüdinnen parteiisch sich entzücken. Die Gruppe der Ostjuden beim Ofen. Götzl, im Kaftan, das selbstverständliche jüdische Leben. Meine Verwirrung.

9. IV 15 Qualen der Wohnung. Grenzenlos. Paar Abende gut gearbeitet. Hätte ich in den Nächten arbeiten dürfen! Heute durch Lärm am Schlafen, am Arbeiten, an allem gehindert.

14. IV 15 Die Homerstunde der galizischen Mädchen. Die in der grünen Bluse, scharfes strenges Gesicht; wenn sie sich meldet, hebt sie den Arm rechtwinklig; hastige Bewegungen beim Anziehn; wenn sie sich meldet und nicht aufgerufen wird, schämt sie sich und wendet das Gesicht zur Seite. Das grün gekleidete starke junge Mädchen bei der Nähmaschine.

27. IV 15. In Nagy Mihaly mit meiner Schwester. Unfähig mit Menschen zu leben, zu reden. Vollständiges Versinken in mich, Denken an mich. Stumpf, gedankenlos, ängstlich. Ich habe nichts mitzuteilen, niemals, niemandem. Fahrt nach Wien. Der alles wissende, alles beurteilende, im Reisen erfahrene Wiener, lang, blondbärtig, Beine übereinander geschlagen, liest "Az Est", bereitwillig und, wie E. und ich (in dieser Hinsicht in gleicher Weise auf der Lauer) merken, doch auch zurückhaltend. Ich sage: "Wie erfahren Sie im Reisen sind! " [Er weiß alle Eisenbahnverbindungen, die ich brauche (wie sich später herausstellt sind allerdings die Angaben nicht ganz richtig) kennt alle elektr. Straßenbahnlinien in Wien, gibt mir Ratschläge wegen des Telephonierens in Budapest an Banovce, kennt die Paketbeförderungseinrichtungen, weiß daß man weniger zahlt, wenn man im Taxameterautomobil das Gepäck mit ins Wageninnere nimmt] darauf antwortet er nichts, sondern sitzt unbeweglich mit gesenktem Kopf. Das Mädchen aus Zizkow, weichmütig, redselig, aber selten imstande durchzudringen, blutarm, wertloser, unentwickelter und nicht mehr entwicklungsfähiger Körper. Die alte Frau aus Dresden mit dem Bismarkgesicht, gibt sich später als Wienerin zu erkennen. Die dicke Wienerin, Frau eines Redakteurs der Zeit, viel Zeitungswissen, klare Rede, vertritt zu meinem größten Widerwillen meist meine eigene Meinung. Ich meist stumm, weiß nichts zu sagen, der Krieg löst in diesem Kreise nicht die geringste mitteilenswerte Meinung bei mir aus. Wien – Budapest. Die zwei Polen, der Lieutenant und die Dame, steigen bald aus, flüstern beim Fenster, sie bleich, nicht ganz jung, fast hohlwangig, oft die Hand an den vom Rock gepreßten Hüften, raucht viel. Die zwei ungarischen Juden, der eine beim Fenster Bergmann ähnlich, stützt mit der Schulter den Kopf des schlafenden andern. Den ganzen Morgen über etwa von 5 Uhr an geschäftliche Gespräche, Rechnungen und Briefe gehn von Hand zu Hand, aus einer Handtasche werden Muster der verschiedenartigsten Waren hervorgezogen. Mir gegenüber ein ungarischer Leutenant, im Schlaf leeres, häßliches Gesicht, offener Mund, komische Nase, früh als er Auskunft über Budapest gibt, erhitzt, mit glänzenden Augen, lebhafter Stimme, in der sich die ganze Person einsetzt. Nebenan im Coupee die Juden aus Bistritz, die nachhause zurückkehren. Ein Mann führt einige Frauen. Sie erfahren, daß eben Körös Mezö für den Civilverkehr gesperrt worden ist. Sie werden 20 Stunden oder noch mehr im Wagen fahren müssen. Sie erzählen von einem Mann, der solange in Radautz geblieben ist, bis die Russen so nah waren, und ihm keine andere Möglichkeit der Flucht blieb, als sich auf die letzte durchfahrende österreichische Kanone zu setzen. Budapest. Verschiedenartigste Auskünfte über die Verbindung mit Nagy Mihaly, die ungünstigen, denen ich nicht glaube, erweisen sich dann als die richtigen. Der Husare auf dem Bahnhof in der verschnürten Pelzjacke, tanzt und setzt die Füße wie ein zur Schau gestelltes Pferd. Nimmt Abschied von einer Dame, die wegfährt. Unterhält sie leicht und ununterbrochen, wenn nicht durch Worte so durch Tanzbewegungen und Hantieren mit dem Säbelgriff. Führt sie ein oder zweimal, aus vorsorglicher Befürchtung, der Zug könnte schon wegfahren, die Treppe zum Waggon hinauf, die Hand fast unter ihrer Achsel. Er ist mittelgroß, starke große gesunde Zähne, der Schnitt und die Taillenbetonung der Pelzjacke gibt seiner Erscheinung etwas Weibisches. Er lächelt viel nach allen Seiten, ein förmlich unbewußtes sinnloses Lächeln, bloßer Beweis der selbstverständlichen fast von der Officiersehre geforderten vollständigen und immerwährenden Harmonie seines Wesens. – Das alte Ehepaar, das unter Tränen Abschied nimmt. Sinnlos wiederholte unzählige Küsse, so wie man in der Verzweiflung ohne davon zu wissen, die Cigarette immerwieder vornimmt. Familienmäßiges Verhalten ohne Rücksicht auf die Umgebung. So geht es in allen Schlafzimmern zu. Ihre Gesichtszüge können überhaupt nicht gemerkt werden, eine alte unscheinbare Frau, sieht man ihr Gesicht genauer an, versucht man es genauer anzusehn, löst es sich förmlich auf und nur eine schwache Erinnerung an irgendeine kleine gleichfalls unscheinbare Häßlichkeit etwa die rote Nase oder einige Pockennarben bleibt zurück. Er hat einen grauen Schnauzbart, große Nase und wirklich Pockennarben. Radmantel und Stock. Beherrscht sich gut, trotzdem er sehr ergriffen ist. Greift in wehmütigem Scherz der alten Frau ans Kinn. Was für eine Zauberei darin liegt, wenn einer alten Frau unter das Kinn gegriffen wird. Schließlich sehen sie einander weinend ins Gesicht. Sie meinen es nicht so, aber man könnte es so deuten: Sogar dieses elende kleine Glück, wie es die Verbindung von uns zwei alten Leuten ist wird durch den Krieg gestört. – Der riesige deutsche Officier marschiert mit verschiedenen kleinen Ausrüstungsstücken behängt zuerst durch den Bahnhof dann durch den Zug. Vor Strammheit und Größe ist er steif; daß er sich bewegt ist fast erstaunlich; vor der Festigkeit der Taille, der Breite des Rückens, dem schlanken Bau des Ganzen reißt man die Augen auf, um alles in einem fassen zu können. – Im Coupee zwei ungarische Jüdinnen, Mutter und Tochter. Beide ähnlich und doch die Mutter in anständiger Verfassung, die Tochter ein elendes aber selbstbewußtes Überbleibsel. Mutter – großes gut ausgearbeitetes Gesicht, wolliger Bart am Kinn. Die Tochter kleiner, spitziges Gesicht, unreine Haut, blaues Kleid, über dem kläglichen Busen weißer Bluseneinsatz. – Rote Kreuzschwester. Sehr sicher und entschlossen. Reist, als wäre sie eine ganze Familie, die sich selbst genügt. Wie der Vater raucht sie Cigaretten und geht im Gang auf und ab, wie ein Junge springt sie auf die Bank, um etwas aus ihrem Rucksack zu holen, wie eine Mutter schneidet sie vorsichtig das Fleisch, das Brot, die Orange, wie ein kokettes Mädchen das sie wirklich ist, zeigt sie auf der gegenüberliegenden Bank ihre schönen kleinen Füße, die gelben Stiefel und die gelben Strümpfe an den festen Beinen. Sie hätte nichts dagegen angesprochen zu werden, beginnt sogar selbst zu fragen nach den Bergen, die man in der Ferne sieht, gibt mir ihren Führer, damit ich die Berge auf der Karte suche. Lustlos liege ich in meiner Ecke, ein Widerwille, sie so auszufragen wie sie es erwartet, türmt sich in mir auf, trotzdem sie mir gut gefällt. Starkes braunes Gesicht von unbestimmtem Alter, grobe Haut, gewölbte Unterlippe, Reisekleidung darunter der Pflegerinnenanzug, weicher Kappenhut nach Belieben über das fest gedrehte Haar gedrückt. Da sie nicht gefragt wird, beginnt sie brockenweise vor sich hin zu erzählen. Meine Schwester, der sie, wie ich später erfahre, gar nicht gefallen hat, unterstützt sie ein wenig. Sie fährt nach Satoralja Ujhel wo sie ihre weitere Bestimmung erfahren wird, am liebsten ist sie dort, wo am meisten zu tun ist, denn dort vergeht die Zeit am schnellsten (meine Schwester schließt daraus, daß sie unglücklich ist, was ich aber für unrichtig halte). Man erlebt mancherlei, einer z.B. hat unerträglich im Schlaf geschnarcht, man hat ihn geweckt, ihn gebeten auf die andern Patienten Rücksicht zu nehmen, er hat es versprochen, kaum aber ist er zurückgefallen, war auch schon wieder das schreckliche Schnarchen da. Es war sehr komisch. Die andern Patienten haben die Pantoffel nach ihm geworfen, er lag in der Zimmerecke und war deshalb ein nicht zu verfehlendes Ziel. Man muß mit den Kranken streng sein, sonst kommt man nicht zum Ziel, ja, ja, nein, nein, nur nicht mit sich handeln lassen. Hier mache ich eine dumme aber für mich sehr charakteristische, kriecherische, listige, nebenseitige, unpersönliche, teilnahmslose, unwahre, von weit her, aus irgendeiner letzten krankhaften Veranlagung geholte überdies durch die Strindbergaufführung vom Abend vorher beeinflußte Bemerkung darüber, daß es Frauen wohltun muß, Männer so behandeln zu dürfen. Sie überhört die Bemerkung oder geht über sie hinweg. Meine Schwester natürlich faßt sie ganz in dem Sinn auf, in dem sie gemacht ist, und eignet sich sie durch Lachen an. Weitere Erzählungen von einem Tetanuskranken, der gar nicht sterben wollte. – Der ungarische Stationsvorstand der mit seinem kleinen Jungen später einsteigt. Die Krankenschwester reicht dem Jungen eine Orange. Der Junge nimmt sie. Dann reicht sie ihm ein Stück Marcipan, berührt seine Lippen damit, aber er zögert. Ich sage: Er kann es nicht glauben. Die Schwester wiederholt es Wort für Wort. Sehr angenehm – Vor den Fenstern Theiß und Bodrog mit ihren riesigen Frühjahrsausflüssen. Seelandschaften. Wildenten. Berge mit Tokayerwein. Bei Budapest plötzlich zwischen gepflügten Feldern eine halbkreisförmige befestigte Stellung. Drathindernisse, sorgfältig ausgepölzte Deckungen mit Bänken, modellartig. Für mich rätselhafter Ausdruck: "dem Gelände angepaßt". Zur Erkenntnis des Geländes gehört der Instinkt eines Vierfüßlers. – Schmutziges Hotel in Ujhel. Im Zimmer alles abgenützt. Auf dem Nachttisch noch die Cigarrenasche der letzten Schläfer. Die Betten nur scheinbar rein überzogen. Versuch im Gruppenkommando, dann im Etappenkommando Erlaubnis zur Benutzung eines Militärzuges zu bekommen. Beide in behaglichen Zimmern, besonders das letztere. Gegensatz zwischen Militär und Beamtentum. Richtige Bewertung der Schreibarbeit: ein Tisch mit Tintenfaß und Feder. Die Balkontür und das Fenster offen. Bequemes Kanapee. In einem verhängten Verschlag auf dem Hofbalkon Geplapper von Geschirr. Die Jause wird aufgetragen. Jemand – es ist wie sich später zeigt der Oberstleutnant – lüftet den Vorhang, um zu sehn, wer hier wartet. Mit den Worten: "Man muß doch den Gehalt verdienen" unterbricht er die Jause und kommt zu mir. Ich erreiche übrigens nichts, trotzdem ich nochmals nachhause zurückgehn muß, um auch meine zweite Legitimation zu holen. Es wird mir nur auf die Legitimation die militärische Bewilligung zur Benutzung des Postzuges am nächsten Tag geschrieben, eine ganz überflüssige Bewilligung. – Gegend am Bahnhof dörfisch, Ringplatz verwahrlost (Kossutdenkmal, Kaffeehäuser mit Zigeunermusik, Konditorei, ein elegantes Schuhgeschäft, Ausschreien des "Az Est", ein stolz mit übertriebenen Bewegungen herumspazierender einarmiger Soldat, ein roher Farbdruck, der einen deutschen Sieg darstellt, ist wann ich im Laufe von 24 Stunden vorübergehe, umlagert und genau untersucht, Popper getroffen) eine reinere Vorstadt. Abend im Kaffeehaus, lauter Civilisten, Einwohner von Ujhel, einfache und doch fremdartige, zum Teil verdächtige Leute, verdächtig nicht weil Krieg ist sondern weil sie unverständlich sind. Ein Feldkurat liest allein Zeitungen. – Vormittag der junge schöne deutsche Soldat im Gasthaus. Läßt sich viel auftragen, raucht eine dicke Cigarre, schreibt dann. Scharfe strenge aber jugendliche Augen, klares regelmäßiges glattrasiertes Gesicht. Zieht dann den Tornister an. Habe ihn später, vor jemandem salutierend, noch wiedergesehn weiß aber nicht wo.

3 V (1915) Vollständige Gleichgültigkeit und Stumpfheit. Ein ausgetrockneter Brunnen, Wasser in unerreichbarer Tiefe und dort ungewiß. Nichts, nichts. Verstehe das Leben in "Entzweit" von Strindberg nicht; was er schön nennt widert mich in Beziehung zu mir gesetzt, an. Ein Brief an F., falsch, nicht wegschickbar. Was hält mich für eine Vergangenheit oder Zukunft. Die Gegenwart ist gespenstisch, ich sitze nicht am Tisch, sondern umflattere ihn. Nichts, nichts. Öde, Langweile, nein nicht Langweile nur Öde, Sinnlosigkeit, Schwäche. Gestern in Dobrichowitz.

4 V (1915) Besserer Zustand weil ich Strindberg (Entzweit) gelesen habe. Ich lese ihn nicht um ihn zu lesen sondern um an seiner Brust zu liegen. Er hält mich wie ein Kind auf seinem linken Arm. Ich sitze dort wie ein Mensch auf einer Statue. Bin zehnmal in Gefahr abzugleiten, beim elften Versuch sitze ich aber fest, habe Sicherheit und große Übersicht.

Überlegung des Verhältnisses der andern zu mir. So wenig ich sein mag, niemand ist hier, der Verständnis für mich im Ganzen hat. Einen haben der dieses Verständnis hat, etwa eine Frau, das hieße Halt auf allen Seiten haben, Gott haben. Ottla versteht manches, sogar vieles, Max, F. manches, manche wie E. verstehn nur einzelnes, aber dieses mit abscheulicher Intensität, F. versteht vielleicht gar nichts das gibt allerdings hier, wo unleugbare innere Beziehung ist, eine große Sonderstellung. Manchmal glaubte ich, daß sie mich verstehe, ohne daß sie es wußte z. B. als sie mich, damals als ich mich unerträglich nach ihr sehnte, in der Untergrundbahnstation erwartete, ich in meiner Sucht nur möglichst rasch zu ihr zu kommen, die ich oben vermutete, an ihr vorüberlaufen wollte und sie mich still bei der Hand ergriff.

5. V (1915) Nichts, dumpfer leicht schmerzender Kopf. Nachmittag Choteksche Anlagen, Strindberg gelesen, der mich nährt.

Das langbeinige schwarzäugige gelbhäutige kindliche Mädchen, lustig frech und lebhaft. Sieht eine kleine Freundin, die den Hut in der Hand trägt. "Hast Du zwei Köpfe?" Die Freundin versteht gleich den an sich sehr matten aber durch die Stimme und das Einsetzen der ganzen kleinen Person lebendigen Scherz. Lachend erzählt sie ihn einer zweiten Freundin, die sie paar Schritte weiter trifft: "Sie hat mich gefragt, ob ich zwei Köpfe habe! "

Früh Frl. R. getroffen. Eigentlich ein Abgrund von Häßlichkeit, so verändern kann sich ein Mann nicht. Plumper Körper, wie noch vom Schlafe her gelöst; die alte Jacke die ich kenne; was sie unter der Jacke trägt, ist ebenso unkenntlich als verdächtig, vielleicht nur das Hemd; es ist ihr offenbar auch unheimlich in diesem Zustand getroffen zu werden, aber sie tut etwas Falsches, statt den Ort der Verlegenheit zu verbergen, greift sie wie schuldbewußt in den Jackenausschnitt, zieht die Jacke zurecht. Starker Bartanflug auf der Oberlippe, aber nur an einer Stelle, ausgesucht häßlicher Eindruck. Trotz allem gefällt sie mir sehr gut auch im zweifellos häßlichen, überdies ist die Schönheit ihres Lächelns unverändert, die Schönheit der Augen hat durch die Herabminderung des Ganzen gelitten. Im übrigen sind wir durch Erdteile getrennt, ich verstehe sie gewiß nicht, aber ahne sie, sie dagegen begnügt sich mit dem ersten oberflächlichsten Eindruck, den sie von mir erhalten hat. In aller Unschuld bittet sie um eine Brotkarte.

Abend ein Kapitel der Neuen Christen gelesen

Der alte Vater und die ältliche Tochter. Er verständig spitzbärtig, schwach gebeugt, ein Stöckchen am Rücken. Sie breitnasig, mit starkem Unterkiefer, rundes aber zerbäultes Gesicht, dreht sich schwer in ihren breiten Hüften. " Sie sagen ich sehe schlecht aus. Ich sehe doch nicht schlecht aus. "

14. V (1915) Aus aller Regelmäßigkeit des Schreibens gekommen. Viel im Freien. Spaziergang mit Frl. Stein nach Troja, mit Frl. Reiß, ihrer Schwester, Felix, Frau und Ottla nach Dobrichowitz, Castalice. Wie in einer Folter. Heute Gottesdienst in der Teingasse, dann Tuchmachergasse, dann Volksküche. Heute alte Kapitel aus dem Heizer gelesen. Scheinbar mir heute unzugängliche (schon unzugängliche) Kraft. Fürchte wegen Herzfehler untauglich zu sein.

27. (Mai 1915) Viel Unglück seit der letzten Eintragung. Gehe zu Grunde. So sinnlos und unnötig zu grunde gehn.

Der Tatbestand der rücksichtlich des plötzlichen Todes des Advokaten Monderry zunächst festgestellt wurde war folgender: Eines Morgens gegen 1/2 5 Uhr es war ein schöner Junimorgen und schon ganz hell lief Frau Monderry aus ihrer Wohnung im dritten Stockwerk beugte sich über das Treppengeländer und rief mit ausgebreiteten Armen offenbar in der Absicht das ganze Haus zu Hilfe zu rufen "Mein Mann ist ermordet worden! Gnade! Gnade! Mein guter Mann ist ermordet worden! " Der erste der Frau Monderry sah und hörte war ein Bäckerjunge der gerade zu dieser Zeit in beiden Händen einen großen Korb mit Semmeln die letzten Stufen zum dritten Stockwerk erstieg. Er war es auch der beim ersten Verhör behauptete den Ausruf der F. M. wortgetreu im Gedächtnis behalten zu haben. Später jedoch, als er F. M. gegenübergestellt wurde, nahm er diese Aussage zurück und erklärte er könne sich doch getäuscht haben, da er im ersten Augenblick allzusehr über die Erscheinung der Frau erschrocken sei. Das war allerdings sehr wahrscheinlich, denn noch nach Wochen war er, wenn er den Vorfall darstellte, so erregt, daß er seine Erzählung mit übertriebenen Bewegungen der Hände und Füße begleitete, um beim Zuhörer wenigstens einen Eindruck zu erzeugen, der annähernd an jenen heranreichte, den er in sich bewahrte. Nach seiner Erzählung war F. M. aus der Tür, deren Öffnen er gar nicht bemerkt hatte und von der er daher glaubte daß sie schon vorher offen gewesen war mit einem Schrei herausgeflogen hatte ihre über dem Kopf ineinandergekrampften Hände auseinandergerissen und war zum Geländer geeilt. Sie war mit nichts anderem bekleidet gewesen als mit dem Nachthemd und einem kleinen grauen Tuch, das aber nicht einmal ihren Oberkörper vollständig verhüllte. Ihr Haar war aufgelöst und hieng ihr zum Teil über das Gesicht herab, was auch dazu beitrug ihren Ausruf undeutlich zu machen. Kaum erblickte sie den Bäckerjungen, als sie zur Treppe lief, ihn mit zitternden Händen zu sich emporzog, hinter ihn trat und ihn als eine Art Schutz vor sich herschob, während sie seine Schultern umklammert hielt. In der Eile dachte der Junge nicht daran, daß er den Korb mit Semmeln irgendwo hinstellen könne und ließ ihn die ganze Zeit über nicht aus den Händen. So giengen sie – die Frau preßte in steigender Angst den Jungen immer fester an sich – mit schnellen aber ganz kurzen Schritten der Wohnungstüre zu, überschritten die Schwelle und rückten im dunklen schmalen Vorzimmer vor. Immer war das Gesicht der Frau rechts oder links vom Jungen vorgebeugt, sie schien auf etwas zu lauern, das sich gleich zeigen müsse, manchmal riß sie den Jungen zurück, als wäre es unmöglich weiter vorzugehn, dann aber drückte sie ihn doch wieder mit ganzem Körper vorwärts. Die erste Zimmertür, die auf ihrem Wege lag, öffnete die Frau mit einer Hand, mit der andern hielt sie sich hinten am Halse des Jungen fest. Sie überblickte den Boden die Wände und die Zimmerdecke, fand nichts, ließ die Tür offen und gieng nun entschlossener immer noch mit dem Jungen zur nächsten Tür. Diese stand schon weit offen. Beim Eintritt sah man nicht viel mehr als zwei nebeneinanderstehende Betten. Das Zimmer war dunkel, denn die schweren ganz zusammengeschlossenen Fenstervorhänge ließen nur in schmalen Lücken einen Schimmer Tageslicht herein. Auf dem Nachttischchen, bei dem der Tür zunächststehenden Bett brannte ein kleiner Kerzenstumpf. An diesem Bett war auch nichts ungewöhnliches zu sehn, in dem andern aber mußte etwas geschehen sein. Jetzt war es der Junge der nicht vorwärtswollte, aber die Frau stieß ihn mit Fäusten und Knien vor. Bei einem Verhöre wurde er gefragt warum er gezögert habe, ob vielleicht aus Furcht vor dem was er in dem Bett etwa zu sehen erwartet hatte. Darauf antwortete er, er fürchte sich überhaupt nicht und habe sich auch damals nicht gefürchtet, aber er habe damals das Gefühl gehabt, als halte sich etwas irgendwo im Zimmer versteckt und könne plötzlich hervorspringen. Dieses "etwas" das er nicht näher beschreiben konnte, habe er zunächst erwarten wollen, ehe er vorwärtsgieng. Da aber der Frau soviel daran zu liegen schien zum zweiten Bett zu kommen, gab er schließlich nach.


Revision: 2011/01/08 - 00:18 - © Mauro Nervi